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Pandemiekontrolle Bundesregierung kann Ziel für das Ende des Lockdowns nicht mit Belegen untermauern

Maximal 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in einer Woche: Dieses Ziel begründet der Bund mit Kapazitätsgrenzen der Gesundheitsämter. Belege dafür existieren nicht.
20.01.2021 - 18:07 Uhr 1 Kommentar
Soldaten der Bundeswehr helfen in der Region Hannover bei der Nachverfolgung von Corona-Infektionsketten. Quelle: dpa
Kampf gegen Corona

Soldaten der Bundeswehr helfen in der Region Hannover bei der Nachverfolgung von Corona-Infektionsketten.

(Foto: dpa)

Berlin Bund und Länder richten ihre Corona-Politik an einem Ziel aus: Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen soll wieder unter den Wert von 50 fallen. Dann, so die Begründung, könnten die Gesundheitsämter die Kontakte der Infizierten wieder nachverfolgen und die Pandemie kontrollieren.

Belege für diese Kapazitätsgrenze der Behörden kann die Bundesregierung aber nicht liefern. „Die Kontaktverfolgungsrate variiert von Gesundheitsamt zu Gesundheitsamt“, heißt es in einer Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der FDP, die dem Handelsblatt vorliegt.

Aus den Meldedaten des Robert Koch-Instituts (RKI) „lässt sich nicht ableiten, welcher Prozentsatz der Covid-19-Fälle nachverfolgt werden kann bzw. welcher nachverfolgt werden konnte“.

Auch zur Wirksamkeit der seit November geltenden Maßnahmen kann die Bundesregierung keine Auskunft geben. Zwar spiegele sich „die Wirksamkeit des gesamten Maßnahmenpakets unter anderem in einer Abflachung der Neuinfektionszahlen“, heißt es. Allerdings könnten „die Ansteckungsumstände aktuell in einem Großteil der Fälle keinem konkreten Ausbruchsgeschehen bzw. Ausbruchssetting zugeordnet werden“.

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    Bund und Länder hatten am Dienstag den Lockdown bis Mitte Februar verlängert und die Maßnahmen an einigen Stellen verschärft.

    „Bundes- und Landesregierungen befinden sich in einem Überbietungswettbewerb für immer härtere Schutzmaßnahmen“, sagte der FDP-Gesundheitspolitiker Wieland Schinnenburg. Dabei könne die Bundesregierung nicht einmal beantworten, ob die bestehenden Maßnahmen alle sinnvoll seien.

    Virologe: „Ziel der 50er-Inzidenz ist nicht realistisch“

    „Schlimmer noch: Die Begründung, dass erst bei einem Inzidenzwert von 50 pro 100.000 Einwohnern die Nachverfolgung der Corona-Fälle möglich wäre, stimmt nicht.“ Derzeit liegt diese Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland bei rund 130.

    Auch einige Fachleute zweifeln an der Zielsetzung der Politik. „Die Seuchenbekämpfung braucht ein ambitioniertes, aber erreichbares Ziel, um die Bevölkerung auf dem Weg mitzunehmen. Das Ziel der 50er-Inzidenz ist aber nicht realistisch“, sagte der Virologe und Epidemiologe Klaus Stöhr, der lange für die Weltgesundheitsorganisation arbeitete und dort das globale Influenza-Programm sowie die Forschung zum Sars-Virus leitete.

    „In den Wintermonaten, in denen sich Atemwegserkrankungen in unserer gemäßigten Klimazone viel leichter verbreiten, ist dies kaum, und wenn, dann nur durch heftigen Dauerdruck zu erreichen.“ Selbst wenn es gelänge, den Inzidenzwert unter höchsten Anstrengungen auf unter 50 zu senken, würden die Fälle in der kalten Jahreszeit wieder ansteigen, sobald gelockert würde.



    „Auch im Oktober ist es den Gesundheitsämtern ja nicht gelungen, bei noch relativ niedrigen Inzidenzwerten die Infektionsketten unter Kontrolle zu halten“, sagte Stöhr dem Handelsblatt.

    Der WDR veröffentlichte in der vergangenen Woche eine Umfrage unter 29 der 53 Gesundheitsämter in Nordrhein-Westfalen. Demnach schafften es die Behörden selbst in Hotspots mit einem Inzidenzwert über 200 Fällen, zügig die Kontaktnachverfolgung aufzunehmen.

    Fast 90 Prozent der teilnehmenden Gesundheitsämter gaben laut WDR an, dass sie die Kontaktverfolgung innerhalb von 24 Stunden oder sogar „ohne zeitlichen Verzug“ schaffen – solange Infizierte die richtigen Kontaktdaten liefern. Nur drei der 29 befragten Gesundheitsämter hätten angegeben, dass sie zeitweise zwei oder drei Tage bräuchten.

    Mehr: Kanzlerin und Ministerpräsidenten treffen ihre Corona-Beschlüsse erneut auf einer löchrigen Datengrundlage zum Infektionsgeschehen. 

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    1 Kommentar zu "Pandemiekontrolle: Bundesregierung kann Ziel für das Ende des Lockdowns nicht mit Belegen untermauern"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Herr Waschinski - Glückwunsch, Sie sind der erste meiner Meinung nach, der dies nicht nur in einem Nebensatz erwähnt, sondern durchgängig - mit Überschrift - ausdrückt.

      Wenn Sie jetzt auch noch dem Umstand, warum die Zahlen, die immer wieder ein Horrorszenarien versuchen an die Wand zu malen und den Menschen Angst machen, dann hätten Sie noch Stoff für mehrere Artikel oder Kommentare.
      Wie selbstverständlich werden seit fast einem Jahr Infizierte oder Coronafälle mit lediglich positiv Getesteten durch einen PCR-Test ohne Angabe der entsprechenden cT-Zahl gleichgesetzt werden und wenn Sie dann auch noch recherchieren, dass dieser PCR - Test von Herrn Drosten zu einem anderen Zweck entwickelt wurde und dieser Test für diagnostische Themen nicht geeignet und schon gar nicht zugelassen ist, dann fühlen Sie sich - wie viele hier mit gesundem Menschenverstand - für dumm verkauft.

      Dann könnten Sie auch noch die Frage stellen, warum man nicht die DURCH Corona-Viren ursächlich verstorben zählt und nicht ein durch Herzinfarkt verstorbener 80-Jähriger, der in dem Hotspot Altenheim auch zusätzlich eben auch noch den Corona-Virus hat , zu den Corona-Toten zählt, dann staunen Sie.

      Dann kommen Sie automatisch zu den Umständen, dass man in nunmehr 9 Monaten Pandemie immer noch keine verlässlichen Fakten über wesentliche Infektionswege hat und die mehrheitlich über 70-Jährigen immer noch konzeptionslos versucht zu schützen und die Gesundheitsämter immer noch nicht digital vernetzt sind, man das mehrfache der Kosten hierfür an Entschädigungsleistungen an Betroffene der Pandemie zahlen, könnten Sie von kollektivem Regierungsversagen sprechen und nur ärgerlich werden.

      Jetzt malt man die Mutationen - die ganz normal sind - als neues Feindbild an die Wand und will schon mal, ohne Fakten zu haben, damit eine Verschärfung des Lockdowns begründen und den Hysteriepegel nochmals zu verstärken. Man könnte meinen, Angst schüren ist der neue Regierungsstil und die anderen machen mit.

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