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Panne bei Corona-Tests 900 positiv Getestete nicht informiert: Söder kehrt nach Bayern zurück

44.000 Menschen warten in Bayern noch immer auf Testergebnisse nach der Reiserückkehr. Das bewegt nun auch den Ministerpräsidenten zum Reiseabbruch.
12.08.2020 - 21:58 Uhr 3 Kommentare
Bayerns Ministerpräsident kümmert sich in seinem Bundesland um die dramatische Panne bei Corona-Tests. Quelle: dpa
Markus Söder

Bayerns Ministerpräsident kümmert sich in seinem Bundesland um die dramatische Panne bei Corona-Tests.

(Foto: dpa)

München Es wären so schöne Bilder geworden am Donnerstag an der Nordsee: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und sein Kieler Amtskollege Daniel Günther (CDU) gemeinsam auf Wattwanderung, gemeinsam auf einer Schifffahrt zu Seehundbänken draußen im Meer. Ein großer Medientross hätte den Unionspolitikern viele schöne Fotos, Videos, Texte und auch manch große Schlagzeile beschert.

Die großen Schlagzeilen hat Söder nun auch – aber anders als erhofft: Am Mittwoch holt die Coronakrise den 53-Jährigen in schnellem Tempo ein und bringt seine Staatsregierung und ihn selbst erstmals seit langer Zeit in schwere Bedrängnis. Söder bleibt nichts anderes, als die Reise an die Küste abzusagen. „Bayern geht vor“, schreibt er auf Twitter. „In solchen Situationen ist ein Regierungschef in seinem Bundesland gefordert“, zeigte Günther am Mittwochabend Verständnis. „Jeder andere Länderregierungschef hätte genauso entschieden.“

Die eigentliche Hiobsbotschaft hatte am späten Nachmittag Söders Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) in einer eilends einberufenen Pressekonferenz überbringen müssen: Es gibt eine schwere Panne ausgerechnet bei den Corona-Teststationen an bayerischen Autobahnen, mit denen Söder mal wieder bundesweit vorgeprescht war, um sich als zupackender, vorbildlicher Krisenmanager zu profilieren. „Ein Dienst, den wir für Deutschland machen“, sagte er erst am Montag nach einer außerplanmäßigen Videoschalte seines gesamten Kabinetts.

Schon zu dem Zeitpunkt existierten Berichte und immer neue Hinweise und Klagen, dass es Probleme mit der Übermittlung von Testergebnissen an Reiserückkehrer gebe. „Die Verzögerungen müssen natürlich reduziert und abgestellt werden“, verlangte Söder. Er erklärte die Probleme auch damit, dass Bayern die Tests kostenlos für alle deutschen Rückkehrer anbiete – Zehntausende Abstriche waren da schon genommen.

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    Keine Quarantänepflicht für EU-Rückkehrer

    Zwei Tage später wird nun aber das ganze dramatische Ausmaß der Panne bekannt: 44.000 Getestete warten noch immer auf ihre Ergebnisse, wie Huml einräumen muss. Und noch viel schlimmer: Darunter sind auch 900 positive Corona-Tests. Heißt also: 900 Menschen, die aus dem Ausland nach Deutschland zurückkehrten, sind Corona-infiziert und wissen es nicht. Und könnten theoretisch Tag für Tag Menschen anstecken.

    Huml verweist darauf, dass für Reiserückkehrer aus definierten Risikogebieten eine Quarantänepflicht gilt, bis sie ihr Testergebnis haben. Für Urlauber, die aus anderen Ländern – darunter fast alle EU-Länder – zurückkehren, gibt es eine solche Pflicht aber nicht.

    Diese Männer, Frauen und Kinder könnten also, wenn sie bis zu ihrem Testergebnis nicht freiwillig zu Hause bleiben, das Virus weiterverbreiten. Und keiner weiß, Stand Mittwochabend, wo in Deutschland sie sich aufhalten. Es ist nur bekannt, dass bei einer Stichprobe zuletzt 40 Prozent der Getesteten an Autobahnen aus dem Freistaat kamen – die übrigen 60 Prozent dagegen irgendwo aus dem restlichen Bundesgebiet.

    Die Panne hat wohl diverse Ursachen. Darunter auch das Tempo, mit denen die Teststationen nach Söders Vorpreschen eingerichtet werden mussten. Zuerst war dies nur mit Unterstützung vieler Ehrenamtlicher möglich – erst in diesen Tagen wurden die Stationen an private Dienstleister übergeben, wie dies bei den Stationen an Flughäfen schon Standard war. Und das Verfahren lief bislang vorwiegend manuell: schriftliche Testanträge, Formulare, eine händische Eingabe von Daten.

    Es gebe eine „Übermittlungsproblematik“, „da gibt es nichts schönzureden“, sagt Huml. Sie und der Chef des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Andreas Zapf, müssen zudem eingestehen, dass man die Zahl der Tests unterschätzt habe.

    Fiasko für Söder

    Ungeachtet all dieser Erklärungen und Erklärungsversuche: Für Söder, der vor allem wegen seines bisherigen Corona-Krisenmanagements in Kanzlerkandidaten-Umfragen vorn liegt, sind die Zahlen und Eingeständnisse ein Fiasko. Dass wegen einer bayerischen Panne 900 Infizierte länger als nötig unwissend durch Bayern und den Rest der Republik reisen können, bringt insbesondere Huml, aber auch die gesamte Staatsregierung und Söder selbst in Bedrängnis.

    Die bayerische Opposition kritisiert die Panne bei den Tests scharf. Grünen-Landtagsfraktionschef Ludwig Hartmann spricht von „eklatantem Regierungsversagen“. Und weiter: „Das ist eine Schocknachricht für Deutschland und kratzt am Nimbus des selbstgefälligen Krisenmanagers Söder.“ FDP-Fraktionschef Martin Hagen twittert: „Söders Inszenierung als Corona-Musterschüler bekommt zunehmend Risse.“ Und der SPD-Landtagsabgeordnete und frühere Oppositionsführer Markus Rinderspacher schreibt: „Dieses Versagen erfordert Aufklärung.“

    Söder, der mit dem Krisenmanagement des Gesundheitsministeriums schon länger unzufrieden ist, nennt den „Fehler“ bei den Testzentren „sehr, sehr ärgerlich“ und fordert: „Das muss sofort behoben werden und darf nicht mehr passieren. Alle Strukturen sind umgehend zu überprüfen.“

    Die weiteren Folgen der Panne sind am Mittwochabend noch nicht absehbar. Priorität hat aber nun erst mal eines: dass die 900 positiv Getesteten endlich von ihrer Corona-Infektion erfahren.

    Mehr: Spahn führt Testpflicht für Rückkehrer aus Risikogebieten ein – Breite Zustimmung in der Bevölkerung

    • dpa
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    3 Kommentare zu "Panne bei Corona-Tests: 900 positiv Getestete nicht informiert: Söder kehrt nach Bayern zurück"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Wuhan kam auch nicht gleich mit allem klar, was sie sich diesbezüglich vorgenommen hatten.
      Auf "Alle" muß man eben organisiert vorbereitet sein
      Und das - klappte ja schon mit den "Flüchtlingen" seit 2015 auch nie.

    • Die Maßnahmen und dieser PCR Test ist m.E. überhaupt nicht mehr haltbar. Samuel Eckert hat schon vor einer Weile bewiesen, dass es jede Menge falsch-positive Ergebnisse bei diesem Test geben kann. Die Menschen werden dann also ohne Grund in Quarantäne gesteckt. Und: je mehr getestet wird, um so höher ist die R Zahl, automatisch. https://www.youtube.com/watch?v=FtlPO1PktZA
      So kann man die Bevölkerung immer weiter in Angst und Schrecken halten. Dabei besagt der Test nur, dass (irgendein) Coronavirus zugegen ist, nicht aber, ob der "Infizierte" kranjk ist, wird oder überhaupt ansteckend ist.

    • Fiasko für Söder! Nichts offenbart die Unfähigkeit Söders mehr als dieses Fiasko. Der Corona-Scheriff der alle bevormunden will ist kläglich gescheitert.
      Ich bezweifle aber das der Lautsprecher der Nation mit seinen unqualifizierten Äußerungen sich zukünftig zurück hält, ganz im Gegenteil. Jetzt werden immer abstrusere Forderungen nach Corona Beschränkungen für die Bevölkerungen folgen. Dass die nichts bringen hat ja dieser subjektive Testzwang aller Urlauber bewiesen.
      Zu den 900 infizierten die man durch das Versagen in Unwissenheit hält nur so viel, es sind 2% der getesteten, also ein ganz normaler Wert den man auch bei Nichturlaubern in Deutschland findet.
      Zynisch nur die Aussage von Fr. Huml, bayr. CSU/Gesundheitsministerin, dass Urlauber aus Risikogebieten ja eh in Quarantäne bis zum Testergebnis müssten, ja, wenn sie aus Risikogebieten kommen, kommen sie aber meistens nicht.
      Anstatt Rücktritt nur Dummschwatzerei um die eigene Haut zu retten.
      Diese ganze Politikerkaste glänzt doch durch Unfähigkeit und Pleonexie.

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