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Papstrede im Bundestag Eine Chance, keine Zumutung

Fast 100 Abgeordnete wollen die Rede von Papst Benedikt boykottieren. Damit geben sie nicht nur ein fragwürdiges demokratisches Vorbild ab, sie verschenken auch die Gelegenheit zu einem fruchtbaren Dialog. Ein Kommentar
25 Kommentare
Papst Benedikt XVI. bei seinem Deutschlandbesuch im September 2006. Quelle: dpa

Papst Benedikt XVI. bei seinem Deutschlandbesuch im September 2006.

(Foto: dpa)

Was haben Richard Nixon, Jorge Semprún, Kofi Annan und Wladimir Putin gemeinsam? Sie alle haben schon vor dem Deutschen Bundestag eine Rede gehalten – so wie 28 weitere ausländische Staatsoberhäupter und Persönlichkeiten. Doch so umstritten die Ansichten einiger dieser Redner waren, um keinen Auftritt hat es einen so emotionalen Streit gegeben wie um die geplante Rede von Papst Benedikt XVI. im deutschen Parlament.

Fast könnte man meinen, ein Schwerverbrecher oder mindestens ein Diktator käme angereist, so vehement sind die Proteste einiger Parlamentarier. Obwohl der Papst von allen Fraktionen gemeinsam eingeladen wurde, wollen etwa 100 Abgeordnete der Rede fernbleiben – ein bisher einmaliger Vorgang im Deutschen Bundestag.

Offenbar haben einige Bundestagsabgeordnete eine merkwürdige Vorstellung von ihrer Rolle als gewählte Repräsentanten des deutschen Volkes. Statt im Reichstag zu sitzen und sich inhaltlich mit den Positionen des Oberhaupts von knapp 1,2 Milliarden katholischen Christen auseinanderzusetzen, spielen sie lieber außerparlamentarische Opposition und marschieren auf Anti-Papst-Demos durch Berlin.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Es ist das Recht jedes Bürgers, anderer Meinung zu sein als der Papst, denn dafür gibt es durchaus gute Gründe. Und es hat auch in einer Demokratie zum Glück jeder das Recht, dafür auf die Straße zu gehen.

Die künstliche Aufgeregtheit vieler deutscher Politiker aber hat wohl mehr mit Populismus zu tun, als mit innerer Überzeugung. Kritik am Papst ist heute wohlfeil und bringt zielsicher Applaus. Doch wer den Papst als „unbelehrbar“ abstempelt, ihm selber aber nicht mal zuhört, gibt ein merkwürdiges Vorbild ab.

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25 Kommentare zu "Papstrede im Bundestag: Eine Chance, keine Zumutung"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Totaler Schwachsinn!

    Ich bin nicht getauft, und habe auch zu keiner anderen Religion eine besondere Haltung. Aber ich respektiere jede Religion. Die Kirche representiert einen großen Teil der deutschen Bevölkerung und noch ein paar mehr auf der Welt. Wenn man die Chance hat in einem Dialog mit dem Papst zu kommen, dann sollte man die auch nutzen.
    Alles andere ist respektlos. Dies zeigt aber auch, dass einige Politiker eigentlich nicht an einem Dialog interessiert sind. Peinlich kann ich nur sagen.

  • Der Obermufti der Islamisten hat sich auch angemeldet

    für eine Rede vor dem Parlament .

  • Pöbelfritze, Realitäten liegen Ihnen nicht. Lesen Sie doch den Wachturm und nicht das HB.

  • Der Staat lebt von Voraussetzungen, welche er sich nicht selbst geben kann. Diese kommen von den Religionen. Wozu der anhaltende Glaubensabfall geführt hat, ist heute besser denn je, in Wirtschaft, Gesellschaft und Finanzwelt zu erkennen.
    Der Papst tritt als Gast-Redner auf. In diesen Zusammenhang mit einer Trennung von Staat und Religion zu argumentieren ist absurt.

  • Richtig, es ist heute sehr wohlfeil den im säkularen Deutschland und auch in der Außenpolitik machtlosen Papst zu desavouieren.Wenn man sich bei den politisch mächtigen Rednern (Diktatoren u.ä.) vor dem BT früher genau so verhalten hätte,wäre es noch nachvollziehbar..Aber hier in D hat es Tradition auf die außenpolitisch Kleinen einzudreschen, bei den Großen aber zu buckeln.

  • Es dürfte sicher nicht das erste Mal sein, dass ein Vertreter von Minderheiten vor dem Bundestag spricht ;-)
    Und, wenn ich die Meldung des HB richtig verstanden habe, dann wurde der Papst vom Bundestag eingeladen ! Insofern ist die Debatte hier fragwürdig, da er sich nicht selbst eingeladen hat.
    Wenn ich Gastgeber bin, dann habe ich am betreffenden Termin auch auf meiner Party anwesend zu sein. Wem selbst dieses kleine bisschen Anstand abgeht, der hat im Bundestag nix zu suchen - ausser er hat einen Lappen und einen Schrubber in der Hand.....

  • Wenn der Papst im Bundestag nicht reden soll, darf man ja wohl erwarten, dass kein anderes Staatsoberhaupt jemals mehr im Bundestag reden wird. Die Rede eines Putin ist nämlich auch nicht weltanschaulich neutral. Und wer glaubt, mit einem Putin könne man im Gegensatz zu einem Papst doch reden, hält offenbar auch den Weihnachtsmann noch für real.

    Es stimmt schon: Unabhängig davon, ob man die Auffassungen des Papstes teilt oder nicht (ich teile sie übrigens nicht), ist das, was in diesem Land wieder einmal gezeigt wird pure Heuchelei und Panikmache.

    Sonst sind unsere Abgeordneten doch auch immer so sehr dafür, dass man "sich einbringt" etc. Warum haben die Kritiker nicht versucht, ein Gespräch mit dem Papst zu erreichen, um ihm ihre Bedenken wenigstens unmittelbar mitzuteilen ? Wozu bezahlen wir die eigentlich ? Für's Demonstrieren ? Dann viel Spaß bei der Demo "dagegen". Der Vatikan lacht sich schlapp über so einen Kinderkram.

  • Christliches Land ja, überwiegend katholisch nein.
    Nicht 80%, nicht 60%, nichtmal 40% sind Katholiken.
    Gerademal 30% der deutschen Bürger war 2009 in der Katholischen Kirche, seitdem dürfte der Anteil nochmal gefallen sein.
    Also weshalb sollte der Papst das Recht haben, vor dem Bundestag zu sprechen.

  • Der Verunglimpfung der Papstredenverweigerer durch den Autor lehne ich strikt ab. Ich erwarte es geradezu von meinem Bundestagsabgeordneten, dass dieser einer Werbeveranstaltung für eine Sekte im Bundestag fernbleibt. Wer spricht dann als Nächster dort, Tom Cruise & John Travolta für Scientology ? Der Papst kann reden wo er möchte ( bevorzugt natürlich in einem seiner Gotteshäuser), im Bundestag hat er absolut nichst zu suchen und selbst wenn er als Staatsoberhaupt angesehen wird, wie oft hat der oberste Repräsentant von San Marino, Liechtenstein oder Andorra die Möglichkeit zu den deutschen Abgeordneten zu sprechen ?

  • Der Papst hat nichts im Bundestag zu suchen. Alles was der Papst von sich gibt, ist nicht rein staatlicher, sondern überwiegend religiöser Natur. Und das ist mit Trennung von Kirche und Staat nicht vereinbar.
    Er kann draussen vor dem Bundestagsgebäude reden, das wäre ok. Wenn er schon als Staatsmann kommt, dann kann er gleich erklären, weshalb der Vatikan die Verfolgung von pädophilen Priestern duch das deutsche Gesetz unterbindet, und das seit Jahrzehnten. Das empfinde ich viel schlimmer als die Hilfe der Schweiz bei der Steuerhinterziehung.
    Die Trennung von Staat und Kirche ist in Deutschland ja auch nicht wirklich vorhanden. Immerhin werden die Daten der deutschn Steuerzahler an die Kirche weitergeleitet, wo ist da die Trennung..

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