Parteiaustritt nach 25 Jahren Ex-Spitzen-Grüne empfiehlt ihrer Partei CDU als Vorbild

Antje Hermenau, eine der Mitgründer der Ost-Grünen, kehrt ihrer Partei den Rücken. Als Grund nennt sie vor allem den unentspannten Umgang der Grünen mit der CDU und das harte Auftreten gegenüber den Pegida-Anhängern.
Update: 28.01.2015 - 12:56 Uhr 23 Kommentare
Die ehemalige Fraktionsvorsitzende der sächsischen Grünen, Antje Hermenau: „Von der CDU könnten die Grünen mehr Bodenständigkeit lernen.“ Quelle: dpa

Die ehemalige Fraktionsvorsitzende der sächsischen Grünen, Antje Hermenau: „Von der CDU könnten die Grünen mehr Bodenständigkeit lernen.“

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BerlinDie langjährige Spitzen-Grüne Antje Hermenau tritt aus ihrer Partei aus.. „Mein Versuch, mich an die Grünen anzupassen, ist gescheitert“, sagte Hermenau der Wochenzeitung „Die Zeit“.

Hermenau, von 2004 bis 2014 Fraktionschefin der Grünen im Sächsischen Landtag, begründete ihren Schritt unter anderem mit dem Scheitern möglicher schwarz-grüner Bündnisse: „Ich habe ein Vierteljahrhundert meines Lebens dafür gestritten, entspannt mit der CDU umzugehen“, sagte sie. „Ein schwarz-grünes Bündnis ist für die Partei existenziell. Man muss das wirklich wollen, aus freien Stücken, und darf nicht wahltaktisch herummanövrieren. Aber dafür gibt es bei den Grünen einfach keine Mehrheiten.“

Als Demokratin akzeptiere sie das, so Hermenau weiter; sie halte den Kurs der Partei aber für falsch: „In den letzten Jahren haben sich viele Leute für uns geöffnet, die ein Großteil der Partei offenbar gar nicht haben will. Wenn die Grünen keine Volkspartei sein wollen, werden sie auch keine werden. Viele praktische Alltagsfragen erscheinen ihnen zu banal“, so die 50-jährige Sächsin. „Von der CDU könnten die Grünen mehr Bodenständigkeit lernen.“

Einen Eintritt in die CDU erwägt Hermenau nach eigenen Worten nicht: Sie fühle sich „politisch heimatlos“.

Der Generalsekretär der Sachsen-CDU, Michael Kretschmer, würdigte Hermenaus Einsatz für ein schwarz-grünes Bündnis in dem Bundesland. Hermenau habe „häufig über den grünen Tellerrand hinausgeschaut“. Die Absage der Grünen an Koalitionsverhandlungen mit der CDU habe nicht nur sie „und uns als Sächsische Union, sondern vor allem viele politisch interessierte Bürger enttäuscht“, erklärte Kretschmer auf seiner Facebook-Seite. Er hoffe, dass Hermenau auch ohne grünes Parteibuch als „ein streitbarer Geist für die sächsische Landespolitik erhalten bleibt“.

Exemplarisch kritisierte Hermenau den Umgang ihrer bisherigen Partei mit den Staatsfinanzen: „Die Grünen müssen sich fragen, ob sie Robin Hood sind, der sich stets neue Umverteilungskniffe ausdenkt, oder ob sie die Zukunft wollen. Mit SPD und Linken kommen sie aus dem Umverteilungsmodus nicht heraus.“

Im Gegensatz zu ihrer früheren Partei plädierte Hermenau dafür, Sympathisanten von Pegida nicht vorschnell zu verurteilen: „Das sind keine dumpfen Nazis von einem anderen Stern, sondern meine Leute, eben auch Sachsen“, sagte sie. „Sie wollen Flüchtlingen helfen, aber sich nicht ausnutzen lassen. Da ist viel Dumpfes dabei, das will ich nicht beschönigen. Aber es gibt auch eine echte Ratlosigkeit, die eine angemessene Antwort verdient.“

Manche Fragen, die Pegida aufwerfe, seien berechtigt, betonte Hermenau: „Die Euro-Rettung ist eine Farce, Sparguthaben und Versicherungen werden enteignet, und der Görlitzer Park in Berlin ist ein abschreckendes Beispiel für eine misslungene Integrationspolitik. Das überzeugt die Leute nicht.“ Die Organisatoren von Pegida seien austauschbar, „aber die Stimmung bleibt“.

Antje Hermenau, 1990 eine der Mitgründer der Ost-Grünen, war von 1994 bis 2004 Abgeordnete und auch Haushaltspolitische Sprecherin ihrer Partei im Bundestag. Nach der Landtagswahl in Sachsen 2014 Jahr gab sie alle politischen Ämter auf. Ein Regierungsbündnis mit der CDU, für das Hermenau vehement geworben hatte, lehnte ihre grüne Landespartei damals ab.

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23 Kommentare zu "Parteiaustritt nach 25 Jahren: Ex-Spitzen-Grüne empfiehlt ihrer Partei CDU als Vorbild"

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  • @ marin geber „An rechter Dumpfheit nicht zu überbieten.“

    Wer keine Argumente hat, diffamiert. So einfach ist das für linke Schreihälse. Wenn sie auch sonst nichts auf die Reihe kriegen, das schaffen sie immer.

  • Wenn das alles Leser des Handelsblatt sind,dann armes Handelsblatt.An rechter Dumpfheit nicht zu überbieten.

  • Die Linken, und wenn man die CDU nicht als linke Partei zählen möchte, auch die anderen etablierten Parteien nutzen die Verbrechen des NS-Regimes für sich und ihren Machterhalt.

    Mit dem Verweis auf die NSDAP und ihre Gräuel, wird die gesamten politischen Rechte und jede Form von Nationalismus unter Deutschen unter Generalverdacht gestellt - das kann soweit gehen, dass die gesamte politische Rechte, -d. h. alles, was nicht der kulturell-linken, multikulturalistischen Weltanschauung entspricht - für böse, "menschenfeindlich", undemokratisch erklärt wird.

  • >>Eine, die keine rosa Multikulti Träume hat, die schon längst kaputt gegangen sind. <<

    Keine rosa Multikulti-Träume zu haben, ist bei den Grünen leider als "Rechtsextremismus", "Neonazismus" und "gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" definiert.
    Entsprechend ist es wenig verwunderlich wenn Hermenau ihrer Partei den Rücken kehrt.

  • Selbst solche Austritte werden noch nicht einmal ein leises Nachdenken in den grünbraunen Betonköpfen auslösen. Wo keine Synapsen vorhanden sind, kann auch nichts schalten.

  • Auch die "Aufteilung Polens" die zwischen Hitler und Stalin beschlossen und durchgeführt wurde lässt sich da einreihen. Die jüdische Bevölkerung in Ostpolen fiel genauso Stalin zum Opfer wie die selbige im Westen von Hitler. Geteilte Grausamkeit. Mousulini in Italien. Japan sehr brutal und mörderisch damals gegen China.

    Alle Kriegsschande der letzten 100 Jahre der Welt wird auf den Deutschen abgeladen.

    Der Zeitgeist 1930 war nach der jahrzentelangen Demütigung, Repressalien und Auslaugung Deutschlands nach dem 1. Weltkrieg so weit dass man sich aus dieser Depression befreien wollte 1930. Deutschland führte ein unterjochtes, würdeloses Dasein. Ähnlich wie jetzt !?? Warum demütigt man die Deutschen jetzt wieder so intensiv ??

  • Ich kann solche Argumente verstehen. Es ist lt. Gesetz verboten Vergleiche zu en Verbrechen der Nazis zu ziehen. Aber die Frage zu stellen, warum wir uns immer alleine den Schuh anziehen sollen, ist gestattet. Der Napoleon und seine Kriege waren ja ehrenhaft. Sie trugen ja auch immer französische Kultur und Zivilisation in die Welt-auch den Code Napoleon. Der war nicht schlecht. und die Auslöschung Dutzender Völker durch die Römer, Spanier, Briten/Amis ist natürlich nicht vergleichbar. Auch die Gemetzel der Hunnen und Chinesen. Der Punkt ist, dass wir verloren haben. Als Gewinner würden wir selbstverständlich sowohl den Sedansieg feiern als auch den des 2.Weltkrieges. Aber der Tag kommt. Inzwischen wird uns ja nicht mehr die Alleinschuld am 1. Weltkrieg gegeben. Und irgendwann geht auch dem Normalo ei Licht auf, dass der 2 Weltkrieg auch durch GB und Frankreich mit verursacht wurde. Oder wer weiß nicht, dass Frankreich und GB 1939 uns den Krieg erklärt haben. Niemand hat diese Staatengezwungen Polen solche Garantien zu geben. Politischer Irrsinn war das.

  • Gut, dass es sie immer noch und offenbar in allen Parteien gibt: die aufrechten Selbstdenker, die nicht irgendeine Ideologie auswändig lernen und dann ihr Leben lang nachpapageien.

  • P.S.
    Irrtum meinerseits. Handelsblatt ist nicht SPON und hält sich an die demokratischen Grundregeln.

  • Ob mein Brief jetzt gezeigt wird, kann ich bei SPON nicht sicher sein. Gerade mein Leserbrief zu Gauland Artikel ("Gesundesmenschenverstand") - obwohl harmlos - nicht erschienen.
    Frau Hermenau, ich bin Migrant, bei den Grünen, kann mich schwer mit der Mehrheit der naiven Grünen identifizieren, und fühle mich inzwischen wie Sie - politisch heimatlos.

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