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Parteivorsitz Kandidaten-Karussell der SPD nimmt Fahrt auf

Die SPD ist weiter auf der Suche nach einem neuen Führungsduo. Bislang hat sich erst ein Bewerberpaar gemeldet, aber viele weitere Namen sind im Gespräch.
Update: 31.07.2019 - 13:56 Uhr Kommentieren

Berlin Eine Doppelspitze soll es sein, bestehend aus einer Frau und einem Mann. Das künftige Duo an der Spitze soll die SPD aus ihrer bislang tiefsten Krise führen. Eine Aufgabe, die sich nur wenige Genossinnen und Genossen zuzutrauen scheinen: Bislang gibt es erst ein Duo, das sich auch offiziell beworben hat. Ein weiteres hat seine Kandidatur nur in Aussicht gestellt.

Die wenigen Top-Leute, die man sich an der Spitze vorstellen könnte, lassen sich im Moment noch nicht in die Karten schauen. Da erst am 1. September Bewerbungsschluss ist, haben Traumpaare noch ein wenig Zeit, sich zu entscheiden. Bis dahin darf munter spekuliert werden. Wir machen gerne mit.

Die offiziellen Bewerber:

Christina Kampmann und Michael Roth bilden bislang das erste und einzige Team, das seinen Hut auch offiziell in den Ring geworfen hat. Roth ist Staatsminister im Auswärtigen Amt, Kampmann war von 2015 bis 2017 Familienministerin unter NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Auch erfahrene Genossen waren überrascht von der Ankündigung der beiden.

Bei einer Pressekonferenz am Mittwoch hat Michael Roth, hat seiner Partei ein „schwerwiegendes Haltungsproblem“ vorgeworfen. „Wir gehen einfach nicht anständig miteinander um“, sagte Roth in Berlin. Roth Christina Kampmann riefen die Kandidaten für die Nachfolge der zurückgetretenen Andrea Nahles zu einem „Pakt für Fairness und Respekt“ auf. Wenn Sozialdemokraten über einander sprächen, habe das bisher oft nicht viel mit Respekt zu tun.

Kampmann machte deutlich, dass für Roth und sie die Große Koalition kein Wunschbündnis sei und sie „für andere progressive Mehrheiten in diesem Land“ eintreten wollten. Sie sagte aber auch: „Wir wollen da nicht Hals über Kopf raus.“ Die SPD solle wieder zu einer „selbstbewussten Kraft“ werden, betonte Roth.

Das Bewerberduo sieht die Zukunft der Partei als linke Volkspartei. Investitionen in bezahlbaren Wohnraum statt Schuldenbremse, Kampf gegen Rechtsextremismus und die Stärkung der Daseinsvorsorge seien in ihrem bereits angelaufenen Wahlkampf für den geplanten SPD-Mitgliederentscheid bisher Schwerpunkte gewesen, berichtete Kampmann. Roth sprach sich auch für einen neuen Stil aus: „Vielleicht werden wir besser gehört, wenn wir diese üblichen Phrasendreschmaschinen ausschalten.“ Seine Aufgabe in der Bundesregierung wolle er aufgeben, falls er an die SPD-Spitze gewählt werde, kündigte Roth an.

 Kandidatur angekündigt:

Die Bundestagsabgeordneten Karl Lauterbach und Nina Scheer haben ihre gemeinsame Kandidatur kürzlich angekündigt. In der Berliner Parteizentrale liegen allerdings noch keine offiziellen Bewerbungsunterlagen vor. Aber es ist ja noch Zeit. Wohin die Reise mit Lauterbauch und Scheer gehen könnte, ist klar: „Die SPD sollte die Große Koalition verlassen, weil wir zu wenig erreicht haben, zu wenig Perspektive nach vorne haben, zu wenig Legitimation in Bevölkerung und Wählerschaft“, hatte Fraktionsvize Lauterbach gesagt, als er die gemeinsame Kandidatur mit Scheer ankündigte.

Als Fachpolitiker für Gesundheit (Lauterbach) sowie Energie und Klima (Scheer) sind die beiden unangefochten. Ob sie jedoch auch die Integrationskraft haben, die Partei zu einen und ihr zu neuer Kraft zu verhelfen, bezweifeln viele in der SPD.

Gerüchte und Spekulationen:

Eine unterhaltsame Spekulation setzte der „Cicero“ am Montag in die Welt, indem er – bar jeder Faktengrundlage – eine gemeinsame Kandidatur von Bundesaußenminister Heiko Maas und Sawsan Chebli, Bevollmächtigte des Landes Berlin beim Bund, ins Gespräch brachte. Entscheidend war bei dieser Überlegung allerdings wohl in erster Linie der Glamour-Faktor, den das Team ohne Frage ausstrahlen würde. Tatsächlich hat aber Maas, immerhin Deutschlands beliebtester Politiker, die Frage der Kandidatur bislang offengelassen. Und von Chebli ist nicht bekannt, dass sie das Spitzenamt jemals angestrebt hat.

Juso-Chef Kevin Kühnert muss man lieben oder hassen. Viele in der Partei lieben ihn. Doch könnte der ungestüme Youngster mit den dezidiert linken Positionen tatsächlich die Traditionspartei führen? Gesine Schwan, besonnenes SPD-Urgestein mit intellektuellem Tiefgang, bietet sich als Gegengewicht an. Tatsächlich schließt sie eine Kandidatur nicht aus. Schwan und Kühnert, die in Berlin schon als „Harald and Maude der SPD“ bezeichnet werden, haben auch darüber gesprochen, gemeinsam anzutreten, festgelegt haben sie sich allerdings nicht.

Dass Generalsekretär Lars Klingbeil zumindest mit dem Gedanken spielt, nach der Führung zu greifen, kann man als gegeben unterstellen. Offiziell will er davon allerdings nichts wissen: „Ich habe gelesen, dass ich als Anwärter gelte. Alle die sich entscheiden wollen, ob sie kandidieren, tun dies bis zum 1. September“, sagt Klingbeil.

Ein Bericht, nach dem Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil nicht für den SPD-Vorsitz kandidieren und stattdessen Klingbeil unterstützen will, wurde in Parteikreisen in Hannover als „Spekulationsartikel“ eingestuft.  Und welche Frau sollte das Duo vervollständigen? Katarina Barley gilt seit geraumer Zeit als eine Art Geheimwaffe der Partei. Doch hat sie sich gerade nach Brüssel verabschiedet. Aber will sie dort auf Dauer bleiben? Nichts ist ausgeschlossen. Allerdings hat sie selbst noch keinerlei Interesse bekundet.

Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil gilt seit langem als Anwärter auf den Parteivorsitz. Doch genau so lange schon dementiert er. Erst in diesen Tagen soll er den drei Interims-Vorsitzenden Medienberichten zufolge deutlich gesagt haben, dass er nicht als Kandidat zur Verfügung stehe. Ob er standhaft bleibt? Die meisten Genossen tippen: Ja, bleibt er.

Und mit welcher Frau sollte er sich zusammentun? Der Niedersachse, eher effizient als charismatisch, müsste eine Mitspielerin gewinnen, die die emotionale Seite abdeckt. Das könnte vielleicht Bundesfamilienministerin Franziska Giffey leisten. Aber die muss erstmal die Überprüfung ihrer Doktorarbeit unbeschadet überstehen.

Mit Material von Agenturen.

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