Per Mausklick ins Rathaus Wenn Städte und ihre Bürger digital werden

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Qualifizierungskosten steigen deutlich

Doch wo sind Kehrseiten? Bsirske mahnt: „Die Janusköpfigkeit der Digitalisierung zeigt sich auch in der öffentlichen Verwaltung.“ Entscheidend sei: „Wer steuert – der Mensch oder die Maschine?“ Monotonie, doppelte Dokumentationen analog und digital, Schwierigkeiten mit der Software – das alles mache Digitalisierung belastend. Schon heute gäben 54 Prozent der Beschäftigten im öffentlichen Dienst an, sie müssten durch die Digitalisierung mehr arbeiten, mahnt Bsirske unter Berufung auf eine Studie des Deutschen Gewerkschaftsbunds, den DGB-Index Gute Arbeit.

Silberbach stimmt den öffentlichen Dienst auf Umwälzungen ein. Berufsbilder würden sich massiv ändern. „Das wird Geld kosten“, schreibt der Gewerkschaftschef den Arbeitgebern ins Stammbuch. „Die Mitarbeiter müssen in viel größerem Ausmaß regelmäßig weiterqualifiziert werden.“ Heute mache Qualifizierung im öffentlichen Dienst nur ein bis drei Prozent der Personalkosten aus – in der Wirtschaft sei es das Drei- bis Vierfache.

Im Vergleich zu den skandinavischen Ländern sei der deutsche öffentliche Dienst bei der Digitalisierung mindestens zehn Jahre zurück, ärgert sich der dbb-Vorsitzende. „Das kann Deutschland nicht reichen.“ Die Politik müsse die Rahmenbedingungen schaffen.

CDU-Mann Whittaker schlägt einen Staatsminister für digitale Verwaltung im Bundeskanzleramt vor. Dieser solle die Digitalisierung der Verwaltung mit einem eigenen Budget vorantreiben. Silberbach fordert einen Zukunftsgipfel von Politik und Sozialpartnern, um den Prozess voranzutreiben. Personalabbau dürfe nicht das Ergebnis von immer mehr Computern und IT sein.

Einig sind sich alle – ohne flächendeckenden Breitbandausbau wird es nicht gehen. Milliardensummen des Bundes dürften nötig sein. Aber nicht alles kann digitalisiert werden. „Wo es um Schicksale von Menschen geht, wo Recht gesprochen wird, wo es um komplexe Projekte geht, brauchen wir auch künftig Mitarbeiter, die Dinge abwägen und Ermessensspielräume nutzen“, sagt der dbb-Chef.

  • dpa
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