Persönlichkeit 2011 Der europäische Merkel-Moment

Das Handelsblatt kürt die Persönlichkeiten des Jahres 2011. Die Bundeskanzlerin steht auf dem Podest ganz oben - weil sie blieb, wie sie immer war. Damit schafft sie in der Zeit des Misstrauens Vertrauen. Eine Laudatio.
82 Kommentare
Gabor Steingart ist Chefredakteur des Handelsblatts und Buchautor. Quelle: Frank Beer

Gabor Steingart ist Chefredakteur des Handelsblatts und Buchautor.

(Foto: Frank Beer)

DüsseldorfGinge es hier um Angela Merkel, die CDU-Vorsitzende und Innenpolitikerin, müsste den Laudator bereits an dieser Stelle die Schreiblähmung befallen. Was gäbe es da zu laudatieren?

Zu Hause hat Angela Merkel nichts Nennenswertes zuwege gebracht. An der Reform der Sozial- und Steuersysteme, die ihr großes Versprechen und ihre historische Mission war, ist sie nicht gescheitert. Sie hat diese Reform nicht mal probiert. Sie ist eine Zauderliese. Sie weiß, was nottut. Aber sie fürchtet die Mehrheit derer, die es nicht wissen.

In der Europapolitik blicken wir auf dieselbe Frau, aber in anderer Beleuchtung. Das Virus der großen Krise, der vom Immobilienmarkt der USA zu uns hinüberwehte, um erst die Banken und dann die Staaten zu infizieren, hat uns empfindlich gemacht gegen Veränderungen aller Art. Veränderungen passieren, aber wir wollen sie nicht mehr. In Zeiten, wo ganze Staaten rauf und runter bewertet werden wie früher die Schweinehälften auf dem Wochenmarkt, wo Finanzmärkte geflutet und Krisengipfel in Permanenz veranstaltet werden, unterscheidet sich Merkels Zaudern wohltuend von der Alarmistik der anderen. Nicht sie, aber unsere Wahrnehmung von ihr hat sich verschoben: Zaudert sie noch, oder steht sie schon?

Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der Titelseite des US-Magazins Newsweek. Quelle: Reuters

Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der Titelseite des US-Magazins Newsweek.

(Foto: Reuters)

Es ist die Kraft der Bedächtigkeit, die sie nun verkörpert. Das Wappentier ihrer Kanzlerschaft könnte die Schildkröte sein. Das Imposanteste an diesem Panzertier ist seine Fähigkeit, immer da zu sein. Die Schildkröte war vor den Dinosauriern auf der Welt und blieb da, als der Tyrannosaurus Rex schon im Völkerkundemuseum verschwunden war.

Auch Angela Merkel ist einfach da, stur und stoisch und selbstbewusst. Schildkrötengleich bewegt sie sich durch ein Gelände, das feindlicher kaum sein kann. Der eigene Präsident ist ein Schnorrer, aber eine Hilfe ist er ihr nicht. Der Koalitionspartner macht ebenfalls keine gute Figur. Kanzler Kiesinger konnte sich auf Brandt stützen, Brandt auf Scheel, Schmidt auf Genscher, Kohl auch auf Genscher, derweil Merkel den eigenen Außenminister mitschleppen muss, bis dass sein politischer Tod die beiden scheidet. An keinem einzigen Tag ihrer gemeinsamen Regierungszeit ist Guido Westerwelle seiner Kanzlerin eine Stütze gewesen.

Auch die öffentliche Stimmung ist alles andere als freundlich, was nicht an ihr, sondern an der Angst ums liebe Geld liegt. Die Deutschen lieben eine harte Währung mehr als ihren Partner. Mit dem Ersparten wollen sie alt werden, mit dem Partner - ausweislich der einschlägigen Scheidungsstatistiken - haben sie nicht zwingend den gleichen Plan. Das Stabilitäts-Gen der Deutschen hat Merkels politischen Spielraum auf Schlitzgröße eingeengt.

Die anderen machen Show, Merkel macht Politik
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82 Kommentare zu "Persönlichkeit 2011: Der Merkel-Moment"

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  • "das Ganze sei sehr deutsch ...." Diesen letzten Absatz sollte man den Deppen von der SPD und ihrem Altkanzler schicken.

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    Man könnte meinen Göbbels hätte bei verschiedenen
    Kommentatoren sein Hirn fixiert .

    Wissen diese Leute eigentlich was Merkel -Politik ist .
    Hier wird doch eine komplexe Enteignung der Normalbürger
    durch Merkel betrieben .

    Und diese Rabenschwarzen treten noch für eine Person ein ,
    von der man weiß ,daß sie uns die Diktatur bringt .

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  • http://www.youtube.com/watch?v=fA-4qk1uIRM

    Wenn das die Wahrheit ist, und ich habe keinen Zweifel daran, dann gehört die aus der Politik entfernt, ja vielleicht sogar in den Knast.

  • Die "BRD" ist eine Wortschoepfung der real implodierten, weil realitaetsfremden DDR, die manisch darauf bedacht war, das Wort Deutschland auszutilgen (letztmalig in den 80er Jahren, als Honecker die Umbenennung der GSSD, d.h. Gruppe der Sovietsoldaten in Deutschland, in "Sovjetische Westtruppen" bewikte.
    Wer also Deutschland meint, sollte auch Deutschland sagen. Alles andere ist anachronistisch.
    Aus Kambodscha, Stephan Heinrich

  • Steingart hat sie natürlich glänzend in Szene gesetzt: mit allem Recht, liest man seinen Beitrag.
    Ob die "Zauderliesel" indes über über jene Handlungskompetenz verfügt, die ihr auch in diesem Forum abgesprochen wird.

    Darüber wird zu Zeiten befinden sein, zu denen es uns alle garnicht mehr geben wird.

    Vae nobis: wünschen wir auch ihr: angenehme Feiertage und ein Gutes von Zuversicht eingeleitetes 2012.

  • Jetzt mal ganz ehrlich. Wir haben doch alle gar keine Ahnung. Die Informationen die der Kanzlerin zur Verfügung stehen um zu regieren hat niemand, selbst die Presse nicht!!! Sie wird schon das richtige tun und nur gutes für unser Volk wollen, dann erst Europa. VERDAMMT SIE IST DOCH DEUTSCHE!! Welcher Deutsche möchte nicht das beste für sein Land. Wir leben doch alle hier.

    Beim Fussball Deutschland gegen England sind wir doch auch alle für Deutschland, oder etwa nicht!?

    Ich vermisse bei uns den Patriotismus!!

  • Please no rivalary or german envy. My opinion is it is un avoidable.

    Merry Chrismas and have a good time

  • Hervorragender Artikel! Danke! Wobei ich (obwohl alter Grünen-/Linken-Wähler) glaube, dass sie die Entwicklung der Krise vorhergesehen hat und genutzt, um Schritt für Schritt dann die Dinge durchzusetzen, die in einem früheren Stadium nicht mehrheitsfähig gewesen wären - da ist sie ganz die Preußin... ("Preußen drängt zu Krisen, Österreich weicht Krisen aus." Hugo v. Hofmannsthal) - Und wenn sie scheitert? Dann läuft es letzten Endes auf so etwas wie A.H.'s großdeutsche Wirtschaftszone hinaus...

  • In dem Alter glaubt man wahrscheinlich auch noch an den Weihnachsmann. In der Hitlerjungend ließen sich die jungen Burschen auch bis zum Schluss nicht davon überzeugen, dass ihr Führer ein Verbrecher war. Gerne hat man auch ein Familienmitglied bei der SS verraten. Man sollte definitiv keinem Führer oder keiner Führerin mehr hinterher laufen ohne sein eigenes Gehirn zu benutzen.

  • Der Karren stecktz sehr tief im Dreck und daerinenrt man sich der Göppeös-Propaganda
    Hat doch damals auch geklappt

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