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Peter-André Alt im Interview „Die Digitalisierungspauschale ist eine gute Idee“

Digitale Aus- und Weiterbildung geht nur mit mehr Geld, sagt Rektoren-Präsident Alt. Doch auch vorhandenes Potenzial müsse besser genutzt werden.
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„Wir wünschen uns von der Politik die Bereitschaft zu mehr Flexibilität im Beihilferecht.“ Quelle: HRK/David Ausserhofer
Peter-André Alt

„Wir wünschen uns von der Politik die Bereitschaft zu mehr Flexibilität im Beihilferecht.“

(Foto: HRK/David Ausserhofer)

Berlin Der Philologe und frühere Präsident der Freien Universität (FU) Berlin ist seit August 2018 Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK). Er schlägt eine engere Zusammenarbeit zwischen kleineren und mittleren Unternehmen und Hochschulen vor: „Die Hochschule nutzt Rechnerkapazitäten oder andere Ressourcen des Unternehmens und organisiert dafür Weiterbildungsangebote.“

Herr Alt, welche Rolle können die Hochschulen als Weiterbilder spielen, um die für das Berufsleben nötigen digitalen Schlüsselkompetenzen zu vermitteln?
Weiterbildung ist ein im Gesetz festgeschriebener Auftrag der Hochschulen, den sie auch annehmen. Aber die Hochschulen sind in einer Situation permanenter Überlast, die Studierendenzahlen befinden sich auf Rekordniveau. Sie haben einfach nicht die Kapazität, um im großen Umfang digitale Weiterbildungsangebote zu offerieren. Hier müssen wir etwas tun, wenn wir die Qualifizierung nicht weniger seriösen Anbietern überlassen wollen.

Was schlagen Sie vor?
Wir brauchen nicht nur neue Studiengänge, die einen Abschluss wie den Master ermöglichen. Wir benötigen vor allem mehr Angebote für Zertifizierungen, für Kurse, die digitale Schlüsselqualifikationen vermitteln. Das geht nur mit mehr Personal und zusätzlichen Mitteln. Es gibt allerdings auch Potenzial, das wir zu wenig nutzen.

Welches?
Fachhochschulen etwa arbeiten vielfach intensiv mit kleinen und mittelständischen Unternehmen in der Forschung zusammen. Warum macht man daraus nicht eine Kooperation für Forschung und Weiterbildung? Die Hochschule nutzt Rechnerkapazitäten oder andere Ressourcen des Unternehmens und organisiert dafür Weiterbildungsangebote. Das wäre eine Win-win-Situation.

Nicht alle Studiengänge sind voll ausgelastet. Wären nicht auch da Kapazitäten für Weiterbildung frei?
Durchaus. Wenn man keine Vollauslastung hat, könnte man beispielsweise einen Studienplatz aufteilen und mehrere Weiterbildungsangebote daraus machen – so geschieht es in einem Pilotprojekt der Universität Bremen. Voraussetzung ist jedoch, dass das Land das auch so anerkennt und nicht Mittel wegen eines nicht besetzten Studienplatzes kürzt. Außerdem kann es Probleme mit dem Beihilferecht geben.

Inwiefern?
Die interne Quersubventionierung einer öffentlich finanzierten Einrichtung ist verboten. Das heißt im Klartext, dass die Ressourcen, die man für Weiterbildung nutzt, nicht die Ressourcen der Hochschule sein dürfen. Das ist aber faktisch der Fall, wenn Weiterbildungsprogramme deren Räume nutzen, ihre Energienetze, die Computer, ein Sekretariat. Da sind wir in einer steuerlich sehr schwierigen Situation und wünschen uns von der Politik die Bereitschaft zu mehr Flexibilität im Beihilferecht.

Könnten digitale Weiterbildungsangebote, die über Plattformen angeboten werden, ein Ausweg sein?
Sie sind eine gute Ergänzung, aber auch sehr aufwendig. Es reicht nicht, einmal die Vorlesung zu filmen und sie dann 20 Jahre auf einer Plattform zu zeigen. Und unsere Erfahrung sagt, dass das produktivste Element sogenannte Blended-Learning-Formate sind – Präsenzlehre verbunden mit digitalen Komponenten. Es ist schon wichtig, dass man nicht nur am Bildschirm sitzt, sondern auch mit einem Lehrenden zusammenkommt.

Wie gut sind denn die Hochschulen für solche Formate gerüstet?
Der jüngste Bericht der EFI …

… der Expertenkommission Forschung und Innovation, die die Regierung berät …
… zeigt eine beachtliche Entwicklung im Bereich digital verfügbarer Lehrveranstaltungen – gerade in Fächern wie Wirtschaft, Mathematik, Informatik oder Naturwissenschaften. Schwach sind die Hochschulen bei innovativen Elementen wie Game-Umgebungen oder Augmented Reality – also zum Beispiel virtuellen Klassenräumen, wo Studierende interagieren können, ohne im physischen Sinne zusammen zu sein. Aber auch hier gilt: Beamer und Kameras sind teuer. Darum halte ich die von der EFI vorgeschlagene Digitalisierungspauschale, die pro Student gezahlt wird, für eine sehr gute Idee.

Herr Alt, vielen Dank für das Interview.

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