Pflegebericht Lieber zu Hause als im Heim

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Wer wird pflegebedürftig?

61 Prozent der zu Hause versorgten waren im Dezember 2015 Frauen. In den Heimen stellen sie 72 Prozent der Bewohner. Das könnte damit zusammenhängen, dass Männer, wenn sie pflegebedürftig werden, oft von ihren Partnerinnen betreut werden. Die meisten Pflegebedürftigen sind sehr alt. Während bei den 70- bis unter 75-Jährigen nur jeder Zwanzigste pflegebedürftig war, liegt der Anteil der Pflegebedürftigen unter den über 90-Jährigen bei 66 Prozent. Männer sterben in der Regel „jünger“ als Frauen.

Das bedeutet aber nicht, dass sie generell auch häufiger pflegebedürftig im Sinne des deutschen Pflegerechts sind. Vor allem jenseits des achtzigsten Lebensjahrs sind Frauen eher als pflegebedürftig registriert, als Männer des gleichen Alters. So liegt die Pflegequote unter den 85- bis 90-jährigen Frauen bei 44 Prozent, bei den Männern gleichen Alters dagegen nur bei 31 Prozent. Es wäre aber ein Fehlschluss daraus zu folgern, dass über 80-jährige Männer in der Regel fitter sind als ihre gleich alten Frauen. Nein als Grund vermutet das statistische Bundesamt vielmehr, dass ältere Frauen häufig alleine leben. Bei Pflegebedarf besteht damit eher die Notwendigkeit, einen Leistungsantrag bei der Pflegekasse zu stellen. Dagegen werden Männer häufig noch eine ganze Zeit lang von ihren Frauen betreut und der Leistungsantrag verschoben. Ihre Gebrechlichkeit wir also schlicht nicht aktenkundig.

Die stärker steigende Nachfrage nach ambulanten Pflegeleistungen hat auch zu zahlreichen Unternehmensneugründungen geführt: Im Vergleich zu 2013 stieg die Zahl der ambulanten Dienste um 4,5 Prozent oder 600, die Zahl der Beschäftigten in ambulanten Einrichtungen um 36.000. Nach wie vor wird die Szene der ambulanten Pflege von mittelständischen Unternehmen dominiert. Im Schnitt betreut ein Pflegedienst 52 Pflegebedürftige.

Pflege wird in Deutschland immer noch überwiegend in Teilzeit erbracht: 69 Prozent der 356 000 Mitarbeiter in ambulanten Pflegeunternehmen arbeiten Teilzeit, 27 Prozent Vollzeit. Drei Prozent sind noch in der Ausbildung. Unter den 730.000 Beschäftigten in den Pflegeheimen arbeiten 63 Prozent Teilzeit. Und Pflege, ob zu Hause oder im Heim, ist immer noch weiblich: 82 Prozent der Beschäftigten in ambulanten Pflegediensten sind Frauen, in den Heimen liegt die Quote bei 84 Prozent. Und es sind vor allem ältere Frauen, die das deutsche Pflegesystem tragen: Zwei Fünftel der Mitarbeiter in Pflegeinrichtungen sind über 50.

Die Zahl der Pflegeheime ist trotz regional bereits teilweise festgestellter Überkapazitäten auch seit 2013 weiter gewachsen. Die Zahl der Heime stieg um 4,3 Prozent oder 600 Einrichtungen, die der Heime mit vollstationärer Dauerpflege um 2,2 Prozent. In der stationären Pflege geht der Trend eindeutig weg vom Zweibettzimmer: Ihre Zahl ging überproportional in die Höhe, um 5,6 Prozent bei der Dauerpflege. Immer mehr Menschen entscheiden sich dafür, nicht dauerhaft ins Heim zu wechseln. Die Zahl der teilstationär Versorgten wuchs um fast 30 Prozent. Bei der teilstationären Pflege werden hilfebedürftige Menschen in Pflegeeinrichtungen tagsüber oder auch nachts betreut. 30 Prozent mehr als 2013 nahmen dieses Angebot in Anspruch, um den Wechsel ins Heim zu vermeiden.

Der Trend dürfte sich noch verstärken. Denn auch bei der zum 1. Januar in Kraft getretenen großen Pflegereform liegt der Schwerpunkt auf besseren Angeboten für die Pflege zu Hause. Vor allem für die unteren Pflegegrade wird der Gang ins Heim dagegen teurer. Denn künftig müssen sie den gleichen Eigenanteil zahlen, wie schwer Pflegebedürftige. Auch hier zeigt sich der Erfolg der Pflegepolitik der vergangenen Jahre. Bis zu 1.500 Euro gab es 2015 von der Pflegekasse für Pflegebedürftige, die statt der Vollpflege im Heim die teilstationäre Betreuung wählten. Ein vollstationärer Heimplatz kostete übrigens 2015 fast 3.200 Euro im Monat.

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