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Pharma Spahn schwächt Pläne zur Förderung günstiger Arzneimittel-Kopien ab

Der Gesundheitsminister will mit dem Einsatz günstigerer Biotech-Medikamente Kosten sparen. Von einem wichtigen Punkt rückt er aber ab.
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Ursprünglich wollte der Gesundheitsminister, dass Apotheker günstigere Biotech-Kopien eines Medikaments ausgeben müssen. Quelle: dpa
Jens Spahn

Ursprünglich wollte der Gesundheitsminister, dass Apotheker günstigere Biotech-Kopien eines Medikaments ausgeben müssen.

(Foto: dpa)

BerlinIm November kündigte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) an, günstige Kopien von biotechnologisch hergestellten Medikamenten zu fördern. Sein Ziel war, die Arzneimittelausgaben in der gesetzlichen Krankenversicherung zu senken. Nun hat Spahn seine Pläne in einem entscheidenden Punkt abgeschwächt.

Ursprünglich wollte der Minister, dass Apotheker bei bestimmten Biotech-Medikamenten künftig die günstigere Kopie ausgeben müssen – solange der behandelnde Arzt nicht ausdrücklich widerspricht. Dafür bekam er eine Menge Gegenwind: Ärzteschaft und Pharmaindustrie lehnten die Neuregelung ab, auch die Apotheker meldeten Bedenken an.

In einem überarbeiteten Entwurf für das „Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung“, der dem Handelsblatt vorliegt, verschiebt Spahn die Austauschbarkeit in Apotheken. Der Wechsel von einem Originalmedikament zu einem günstigen Biosimilar soll vorerst weiter nur auf Arztebene möglich sein.

Für den Austausch in Apotheken sieht der Entwurf jetzt eine „Vorlaufzeit von drei Jahren“ vor, um weitere „wissenschaftliche Erkenntnisse über die Austauschbarkeit von Biosimilars und Erfahrungen mit der Versorgungspraxis von Biosimilars“ zu sammeln. Das Gesetz wird voraussichtlich am Mittwoch im Kabinett behandelt.

Innovative Therapien mit Biopharmaka gegen Krebs oder Rheuma haben sich zu einem großen Kostentreiber bei den Arzneimittelausgaben in der gesetzlichen Krankenversicherung entwickelt. Einige der Präparate haben mittlerweile den Patentschutz verloren, es sind günstigere Nachahmerprodukte am Markt verfügbar.

Durch die Förderung von Biosimilars ließe sich nach Schätzungen des Gesundheitsministeriums jährlich ein dreistelliger Millionenbetrag einsparen. Bei seinem Vorhaben orientierte sich Spahn an den Regelungen für Generika, also Kopien von chemisch hergestellten Arzneimitteln. Hier sind Apotheken bereits seit 2002 grundsätzlich in der Pflicht, an Kassenpatienten preisgünstige Nachahmermedikamente abzugeben.

Allerdings: Generika sind mit dem Originalpräparat identisch, bei Biosimilars ist die Zusammensetzung nur ähnlich. Das Risiko von unerkannten Nebenwirkungen ist bei nachgebauten Biopharmaka größer. Für die Patienten bedeutet ein Wechsel nicht selten auch eine Änderung bei der Medikamenteneinnahme, etwa eine Umstellung von Tabletten auf eine Spritze.

Vertreter von Ärzten und Pharmazeuten bezweifelten, dass ein Austausch in Apotheken so einfach machbar wäre. Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) warnte vor Nachteilen für den Pharmastandort Deutschland und wies darauf hin, dass der Wettbewerb zwischen Biotech-Medikamenten und Nachahmerpräparaten bereits „in vollem Gange“ sei.

Auch in der eigenen Partei stieß Spahn auf Skepsis. Der CDU-Arzneimittelexperte Michael Hennrich kritisierte, dass die Neuregelung „ein hohes Maß an Verunsicherung“ bei Patienten, Ärzten und Apothekern zur Folge haben würde.

Nun zeigt sich Hennrich zufrieden. Das Bundesgesundheitsministerium habe in dem neuen Gesetzentwurf „den Bedenken Rechnung getragen“, sagt er dem Handelsblatt. „Das ist vernünftig.“ Das Gesetz „zeigt einen Weg auf für den verstärkten Einsatz von Biosimilars, ohne das Kind mit dem Bade auszuschütten.“

Spahn plant weiterhin, dass der Gemeinsame Bundesausschuss die Einzelheiten der Austauschbarkeit biologischer Arzneimittel regeln soll. In dem Gremium bestimmen Krankenkassen, Ärzte und Krankenhäuser den Leistungskatalog für die mehr als 70 Millionen gesetzlich Versicherten.

Der Ausschuss soll eine Liste von Biosimilars festlegen, die bedenkenlos anstelle des Originals ausgegeben werden können. Der Austausch, so stellt der Gesetzentwurf klar, werde vorerst aber weiter nur „unter der Verantwortung der behandelnden Ärztin bzw. des behandelnden Arztes“ erfolgen.

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