Philosoph Precht gegen Ökonom Sinn „Der Grexit ist die Rettung Griechenlands“

Die Verhandlungen zu Griechenland sind in vollem Gange. Doch auch in Deutschland liefern sich Philosoph Richard David Precht und Ökonom Hans-Werner Sinn einen Schlagabtausch über den Grexit – mit klar verteilten Rollen.
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Witze, wie ein Schnaps namens Grexit, sind für den Philosophen Precht in Ordnung. Doch bei Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone hört für ihn der Spaß auf. Quelle: dpa
Grexit als Lösung für Athen

Witze, wie ein Schnaps namens Grexit, sind für den Philosophen Precht in Ordnung. Doch bei Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone hört für ihn der Spaß auf.

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BerlinUnterschiedlicher könnten die Diskussionspartner nicht sein. Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts, Zahlenmensch, in dunklem Anzug mit dunkler Weste auf der einen Seite und Richard David Precht, Philosoph, lange Haare, zerknitterter Anzug in Beige, auf der anderen.

Die beiden Männer stehen nicht nur für verschiedene wissenschaftliche Disziplinen, sondern auch für unterschiedliche Perspektiven auf eines der drängendsten Probleme derzeit: Das griechische Schuldendrama. Selten wird eine ökonomische Debatte so intensiv in der Öffentlichkeit diskutiert. Sogar ein Schnaps soll demnächst „Grexit“ genannt werden. „Die Welt wird leichter, wenn man spürt, wie sie sich dreht“, scherzt Precht. Man dürfe auch mal einen Witz über die Krise machen.

Richard David Precht plädiert gegen eine Grexit um die europäische Gemeinschaft zu erhalten. Quelle: dpa
Der Philosoph

Richard David Precht plädiert gegen eine Grexit um die europäische Gemeinschaft zu erhalten.

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„Das Wort Grexit signalisiert für viele Schrecken, so wird es in der Öffentlichkeit wahrgenommen“, sagte Sinn. „Ich sehe das überhaupt nicht so. Für mich ist der Grexit die Rettung Griechenlands.“ Und schon sind die Diskutanten mitten in der Debatte. Sinn ist für den Grexit, den Austritt Griechenlands aus dem Euro. Precht findet, dass Griechenland trotz seiner wirtschaftlichen Probleme Teil der Gemeinschaftswährung bleiben sollte.

In Berlin ziehen immer mehr graue Wolken auf, die Verhandlungen um Griechenlands Zukunft sind in vollem Gange. Viele sagen, Europa fehle heute das Narrativ, sagt Precht. „Die alte Geschichte, dass Europa ein großes Friedensbündnis ist, trägt nicht mehr und wir finden kein neues Narrativ“. Precht versucht daher, selbst eines zu entwickeln: Europa erinnere ihn an das alte römische Reich kurz vor seinem Untergang, sagt er. Das sei aufgrund mangelnden inneren Zusammenhalts zusammengebrochen.

Dabei brauche man den europäischen Zusammenhalt künftig mehr denn je. „Die digitale Revolution wird hier keinen Stein auf dem anderen lassen“, warnte er und zog den Vergleich zum Elend, das mit dem Umbruch der Agrar- zu einer Industriegesellschaft einherging. Auch der digitale Fortschritt werde in ähnlich einschneidender Art die Gesellschaft verändern.

Die deutsche Automobilindustrie etwa werde es in 20 bis 30 Jahren nicht mehr geben. „Wir werden Arbeitslosenzahlen bekommen, die möglicherweise die übertreffen werden, die Griechenland heute hat. Wenn wir jetzt Griechenland in der schwierigen Situation allein lassen, setzen wir das falsche Signal.“

Auch die immer größer werdenden Flüchtlingsströme könne man in Europa nur gemeinsam bewältigen. Ein weiterer Grund für ein starkes und geeintes Europa seien schließlich die außenpolitischen Interessen der Region. Europa brauche eine europäische Armee, um seine Interessen unabhängig von den USA zu verteidigen.

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9 Kommentare zu "Philosoph Precht gegen Ökonom Sinn: „Der Grexit ist die Rettung Griechenlands“"

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  • Sehr geehrter Herr Andersen,

    seit wann ist denn die Philosophie keine wissenschaftliche Disziplin mehr. Den Abschluss als Philosophen können sie auf dem auf dem gleichen Wege erlangen, wie die beiden anderen von ihnen erwähnten Abschlüsse. Und welcher akademische Abschluss gibt ihnen denn die Kompetenz, zu beurteilen, was Nonsens ist und was nicht. So ziemlich jede Problematik kann aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden. Denken sie mal darüber nach.

    Mit freundlichen Grüßen

  • Warum steigt GR eigentlich nicht einfach um auf Bitcoin und sowas? :-)

    Dann wären sie unabhängig vom klassischen Bank&Zahlungsverkehrswesen und es gäbe endlich einen ersten Staat, der Bitcoins akzeptiert.

    Hat jemand die Nr. von Herr Tsipras, ich spreche mal mit ihm? ;-)

  • Precht - wer ist das?
    Jedenfalls kein Ökonom und keiner, der etwas davon verstünde. Und Politikwissenschaftler ist er auch nicht.
    Philosoph - das ist weder ein wissenschaftlicher Grad noch eine Ausbildung. Das ist Nonsens. Und so redet er auch - himmelherrgottnochmal.

  • Das Argument mit dem "inneren Zusammenhalt" finde ich ebenso falsch. Ich halte die solidarische Gemeinschaft eher für eine große Schwäche, weil sie dazu führt, dass sich keiner mehr verantwortlich fühlt, weil ja alles irgendwie allen gehört.

    Das betrifft die Frage der Währung ebenso wie den Schutz der Grenzen.

    Früher, als jeder Staat diese Aufgaben eigenverantwortlich für sich bestreiten musste, war ein großer Anreiz da, dies ordentlich und nachhaltig zu machen. Heute, wo der Schaden der durch illegale Einwanderung und schlechte Haushaltsdisziplin entsteht, irgendwie sozialisiert wird (bei der Währung indirekt über das Zinsniveau), läuft dagegen vieles schlechter. Keiner fühlt sich mehr unmittelbar dafür verantwortlich, der Schaden verteilt sich ja immer irgendwie auf die anderen mit.

  • Ich finde das Friedensargument falsch. Frieden in Europa funktioniert, weil - vielleicht erstmals in der Geschichte der Menschheit - ein ganzer Kontinent aufgehört hat, übermäßig Nachkommen in die Welt zu setzen, die dann um Lebensraum und Chancen kämpfen. Es ist die testosteronarme Rentnergesellschaft, in der jede neue Generation den Wohlstand und die Arbeitsplätze der vorherigen übernimmt, welche keine Kriege mehr nötig hat. Weder die EU noch der Euro sind dafür verwantwortlich.

  • @Noack

    Darum sollen die ja aus dem Euro raus und abwerten, damit sie billiger werden.

  • @Burbach
    (...) Ich mein Sie haben ja vollkommen recht, die Finanzkrise von 2008 bei denen die Bankenwelt kollabiert wäre, hätten die Staaten sich nicht verschuldet, folgte einem perfiden Plan. Jetzt da die Staaten überschuldet sind, sind sie dem Zins(...)diktat völlig ausgeliefert. Erst macht man den Süchtigen abhängig und dann quetscht man ihn aus...

    Jetzt machen Sie mal halblang und denken noch mal drüber nach. Diese national-/linkssozialistische Propaganda ist einfach lächerlich. Um es mit den Worten eines Jedi zu sagen "Nur ein Sith kennt nichts als Extreme".

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette  

  • Der Lebensstandard werde sinken, sagt Precht.
    Kann Lebensstandard unter Existenzminimum sinken? Prof Sinn meint, dass die Löhne immer noch zu hoch sind, damit die griechische Wirtschaft wieder wettbewerbsfähig wird. Wie wettbewerbsfähig muss diese Wirtschaft werden? So wettbewerbsfähig wie Rumänien, Polen oder Dänemark? Wäre die Wettbewerbsfähigkeit von Bayern nicht viel besser? Wie hoch dürfte der Lohn von griechischen Beschäftigten in Produktion und Dienstleistungen dann sein?
    Stellt sich dann nicht die Frage, ob Griechenland nicht ein paar Millionen zu viele Menschen für ihre Wirtschaftsleistung hat? Will man die Arbeitslosigkeit so regeln wie in England vor 350 Jahren? Läuft am Ende alles darauf hinaus, wie mit der Überbevölkerung umgegangen wird? Aus Irland sind große Bevölkerungsteile nach Amerika ausgewandert, bis zu den Urahnen der Clintons.
    Für einen Ökonomen ist es leicht zu errechnen, dass bei gegebener Produktivität der Lohn bei 300 Euro monatlich oder weniger sein müsste. Haben diejenigen, die davon nicht leben können etwa Pech gehabt? Soll so die Stabilität Europas oder der Eurozone gesteigert werden? Sogar einem Ökonomieprofessor sollte klar sein, dass Löhne nicht so tief sinken können, wie das solche Rechenmodelle suggerieren. Damit sind die politischen Entscheidungen völlig klar.
    Ein möglicher Schuldenschnitt ändert daran überhaupt nichts. Die maroden Verhältnisse werden nicht angetastet und reproduzieren sich. Darin hat der IWF ja seine Jahrzehnte langen Erfahrungen.

  • @Herr Reinhold Epping

    a) Die Finanzindustrie braucht Wachstum; das geht nur per Kreditausweitung; wer über seine Verhältnisse lebt, sorgt per Kreditausweitung also für Wachstum der alles beherrschenden Finanzindustrie.
    b) Wenigstens die Griechen leben ordentlich über ihre Verhältnisse, was per Parolen der Finanzindustrie eigentlich wir alle tun sollten, um …. siehe a)
    c) Daher handelt es sich nur um Scheingefechte – denn bürgen für a) und b) tun ja andere.
    d) Und am Köcheln gehalten wird die Krise, weil es noch einen weiteren Player gibt: Nur eine schöne Krise in der (Euro-)EU liefert der EUdSSR die „Argumente“ für mehr Macht, Kompetenzübertragungsansprüche, Entsouveränisierung der Staaten, mithin für noch mehr demokratiefernen Zentralismus, Bevormundung und Entmündigung der europäischen Völker inklusive Planwirtschaft.

    Fazit: Es geht nur um Geld und Macht – und um all dies zu vermehren, werden per Ablenkungsmanöver einer willkommenen Dauerkrise die Völker und Staaten gegeneinander ausgespielt. Denn das Griechenland niemals eurofähig war, war nachweislich und aus Erfahrungen des IWF allen Teilnehmern Jahrzehnte lang vorher klar!

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