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PID-Entscheidung Bundestag lässt Embryonen-Gentests zu

Eine leidenschaftliche Debatte ist vorüber. Der Bundestag hat abgestimmt: Die PID ist erlaubt - allerdings nur in Ausnahmefällen. Wenn eine schwere Erkrankung des ungeborenen Kindes oder eine Fehlgeburt droht.
07.07.2011 Update: 07.07.2011 - 17:33 Uhr 8 Kommentare
Der Bundestag sagt Ja zur Präimplantationsdiagnostik. In Ausnahmefällen soll die PID zukünftig weiterhin erlaubt sein. Quelle: dpa

Der Bundestag sagt Ja zur Präimplantationsdiagnostik. In Ausnahmefällen soll die PID zukünftig weiterhin erlaubt sein.

(Foto: dpa)

Berlin Die Präimplantationsdiagnostik (PID) bleibt in Deutschland zugelassen. Der Bundestag beschloss am Donnerstag mit Mehrheit, die Gentests an Embryonen in bestimmten Fällen zu erlauben. Bereits heute dürfen Ärzte die PID nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs durchführen. Auf den Gesetzentwurf pro PID der FDP-Abgeordneten Ulrike Flach und anderer entfielen 326 Stimmen. Der Entwurf für ein Verbot erhielt 260 Stimmen. Acht Abgeordnete enthielten sich. Ein Kompromissentwurf war mit 58 Stimmen in zweiter Lesung gescheitert. Paare dürfen die Methode laut dem in zweiter Lesung erfolgreichen Entwurf künftig veranlassen, wenn auf Grund ihrer genetischen Veranlagung eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine schwerwiegende Erbkrankheit beim Kind oder für eine Tot- oder Fehlgeburt besteht.

Der Bundestag zeigte sich in der Frage des Umgangs mit der PID zuvor tief gespalten. Anders als bei anderen Abstimmungen unterlagen die Parlamentarier bei dieser Ethik-Frage nicht dem Fraktionszwang. Bei der PID wird das Erbgut von Embryonen aus künstlicher Befruchtung darauf untersucht, ob schwere Krankheiten oder Behinderungen zu erwarten sind. Nur gesunde Embryonen werden danach in den Mutterleib eingesetzt. Embryonen mit Gendefekt werden aussortiert.

Als einer der Initiatoren des erfolgreichen Entwurfs betonte der CDU-Politiker Peter Hintze, Eltern in einer schweren Notlage dürften nicht per Strafrecht einer „rigiden Moral“ unterworfen werfen. Sie hätten Angst, etwa den qualvollen Tod eines Kindes, oder eine Totgeburt erneut miterleben zu müssen.

Die FDP-Gesundheitsexpertin Ulrike Flach verwies ebenfalls darauf, dass Erbkrankheiten, die durch die PID nicht entdeckt würden, zu einer straffreien Abtreibung führen könnten. Dies sei für die Frau ein weitaus gefährlicherer Eingriff. Würden sie in diesen hineingetrieben, werde dies vor dem Verfassungsgericht scheitern. Die begrenzte Zulassung sei auch kein Dammbruch, denn es gehe um wenige hundert Fälle pro Jahr.

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    Der Patientenbeauftragte Wolfgang Zöller (CSU) warnte dagegen, die PID bedeute eine Selektion menschlichen Lebens und werde das Wertegefüge der Gesellschaft nachhaltig beeinflussen. Es handele sich quasi um eine „Zeugung auf Probe“. Es werde unterschieden zwischen lebenswert und nicht-lebenswert. Auf Paare steige der Druck, ein „Musterbaby“ zu bekommen. Auch Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) warnte, die PID verhindere in einzelnen Fällen zwar Leid, „aber sie verhindert in jedem Fall das Lebensrecht von gezeugtem menschlichen Leben“.

    Sozialministerin Ursula von der Leyen (CDU). Quelle: dpa

    Sozialministerin Ursula von der Leyen (CDU).

    (Foto: dpa)

    Ein kleine Gruppe von Abgeordneten um Bundestagspräsident Norbert Lammert wollte die PID zwar verbieten, in Ausnahmefällen aber für „nicht rechtswidrig“ erklären. Dies sollte dann der Fall sein, wenn die erbliche Vorbelastung der Eltern „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ eine Schädigung des Embryos erwarten lässt, die wiederum „mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Tot- oder Fehlgeburt führt“. Initiator Renee Röspel sagte, die Untersuchungsmethode sollte bei dieser Variante nur zugelassen werden, wenn das Leben eines Embryos nicht mehr geschützt werden könne.

    Auch Bundessozialministerin Ursula von der Leyen (CDU) sprach sich für eine begrenzte Zulassung aus. „Es geht um eine kleine Gruppe von Paaren, die einen langen Leidensweg hinter sich haben“, sagte sie am Donnerstag im ARD-„Morgenmagazin“. Niemand wolle „Designerbabys“ kreieren. „Es geht um eine schwere Erbkrankheit, die auf einem einzelnen Gen sitzt und wo die Eltern bereits die Erfahrung gemacht haben, dass sie diese weitergeben.“

    Die Gentests an Embryonen aus dem Reagenzglas sind bereits erlaubt. Die Anwendung der Methode ist aber bislang nicht weiter geregelt. Den Abgeordneten lagen drei Anträge vor: für eine begrenzte Zulassung, für ein komplettes Verbot und - als Kompromiss - für ein Verbot mit Ausnahmen. Grünen-Abgeordnete Katrin Göring-Eckardt sprach sich vorab im Deutschlandradio Kultur gegen die PID aus. Die Methode sei kein Heilsversprechen. Sie könne die Eltern zwar sehr gut verstehen, sagte Göring-Eckardt. Die PID sei aber keine Garantie, dass es zur Schwangerschaft komme. Es gehe nicht nur um wenige, sondern um „sehr sehr viele Fälle“.

    Peter Hintze hingegen hatte bereits vor der Debatte im Deutschlandfunk für die PID geworben: „Bei der PID geht es ausschließlich darum, ein Verhängnis, um das ich weiß, nicht weitergeben zu müssen.“ Die betroffenen Eltern wünschten sich sehnlich ein Kind. Das Gesetz erlaube sogar noch in den ersten drei Monaten einen Schwangerschaftsabbruch. Es sei aber „um ein Hundertfaches humaner“, Eltern künstliche befruchteter Embryonen zu erlauben, einer verhängnisvollen Krankheit auszuweichen, als „dem Martyrium seinen Lauf zu lassen“.

    Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, betonte, dass nach den Erfahrungen anderer Länder nicht mit einer massenweisen PID zu rechnen sei. „Ich gehe davon aus, dass sie jährlich in 150 bis 200 Fällen zur Anwendung kommen wird“, sagte Montgomery, der gleichwohl grundsätzliche Bedenken gegen die PID geltend machte, der „Schweriner Volkszeitung“ (Donnerstag).

    • dpa
    • rtr
    • brg
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    Mehr zu: PID-Entscheidung - Bundestag lässt Embryonen-Gentests zu
    8 Kommentare zu "PID-Entscheidung : Bundestag lässt Embryonen-Gentests zu"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Wenn die Wissenschaft etwas entdeckt und Veränderungen
      vornehmen kann, dann wird sie es tun. Wenn die PID hier verboten oder eingeschränkt wird geht man wieder nach Holland wie früher die Frauen die abtreiben wollten. Moral
      gibt es nicht wenn der Wunsch nach einem gesunden Kind stärker ist als die verlogene Vorstellung im Bundestag. Die Abtreibung ist auch Moralisch abgesichert durch Beratung. Hier wird jährlich 120 000 tausend Kindern das Leben abgesprochen. Wie Moralisch ist das denn? Seit der Mensch vom Baum der Erkenntnis die Frucht gegessen hat ist
      die Moral nur das Gerede von Schwachen. Wenn Morgen die Möglichkeit besteht, den Supermenschen zu erschaffen wird es geschehen. Wenn nicht hier, dann woanders und alle Staaten werden irgendwann nachziehen.Wir verlieren die Kontrolle über das Leben in allen Bereichen.

    • Elternpaare die sich in besonderen Situationen für eine PID
      entscheiden, handeln Verantwortungsvoll.Richtig ist,daß die Politik die gesetzlichen Rahmenbedingungen vorgeben muß, mehr nicht.In Entscheidungsfragen sind sich nur die Eltern verantwortlich.Die Politiker besonders aus dem konservativem Lager sollten sich mit ihrer Doppelmoral zurückhalten.Denn diese sind es auch, die im Sozialhaushalt immer vorangehen und Mittel kürzen.Eltern die heute ein
      behindertes Kind großziehen und versorgen, können ein Lied
      davon singen, mit welchen Schwierigkeiten sie zu kämpfen haben und welche gesellschaftliche Diskrimminierungen sie sich auch heute noch aussetzen.Wenn der medizinische Fortschritt es zuläßt hier prophylaktisch Hilfe zu leisten soll sie auch erfolgen.

    • Wenn ich das schon immer höre: Vernichten von Leben, auswählen und töten von Embryonen, deshalb kein PID.

      Bei der normalen Behandlung werden etwa 5 Embryonen erzeugt. 1 oder 2 davon werden eingepflanzt, die anderen sterben auf jeden Fall.

      Das ist der "Normalfall": 2 lebende eingesetzte Embryonen und 3 tote.

      Bei PID sieht es genauso aus. Die Embryonen werden untersucht, und dann eingesetzt. 2 leben, 3 sterben.

      Wo ist der Unterschied ?

      Bei PID weiss der Arzt, welche die besseren Chancen haben.
      Ohne entscheidet der Zufall.

      Der Zufall ist angeblich moralisch und ethisch besser.

      Tolle Logik.

    • Mir egal, ich wohne nur 20 Minuten von der holländischen Grenze entfernt.

    • PID ist gar nicht das Problem, sondern die gottlose unverantwortliche und unethische künstliche Befruchtung von Paaren, bei denen Gott schon NEIN! gesagt hat.

      Das es trotzdem geht ist ein echtes Problem für Moraliker und deshalb versuchen sie, da irgendwie doch noch Gott und Moral ins Spiel zu bringen.

      Sie verteufeln also PID, weil sie wissen, das sie das Übel nicht bekämpfen können.

      Aber das hilft nicht weiter.

      Es gibt eigentlich nur 2 ethisch korrekte Wege:

      1.: KEINE künstliche Befruchtung (und daher dann auch kein PID)

      2.: Künstliche Befruchtung NUR mit PID, damit der Arzt seiner Verwantwortung gerecht werden kann, wenn er gegen Gottes erklärten Willen am Leben herum pfuscht.

    • Ich habe grade eine Zusammenfassung der Gegner gelesen.
      Auswirkungen auf den Staatshaushalt: Keine

      Sagen wir einfach mal, das 10 Kinder gezeugt werden, und 2 davon mit PID "normal" gewesen wären.
      Sind sie aber nicht, sie sind moralisch und ethisch korrekt schwerst behindert, und werden in ihrem leben kein Wort reden und ständig Pflege brauchen.

      Statt Steuern zu zahlen werden sie also ständig zusätzliche Mittel brauchen.
      Das soll keine Auswirkungen auf den Staatshaushalt haben ?

      Das ich nicht lache.

    • @ derheuschreck
      Da hoffe ich doch mal, dass die Diskussion im Bundestag auf einem deutlich höheren Niveau als dem ihren geführt wird.

    • Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen!

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