Piraten klar zum Kentern Der Untergang

Bei den Piraten herrscht Untergangsstimmung: Zwei Landesvorsitzende schmeißen hin. Dem Einen wurde Gewalt angedroht, der andere hat keine Lust mehr. Doch nicht nur die Rücktritte stehen für den Niedergang der Partei.
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Eine Nussschale mit einem Parteifähnchen: Innerparteiliche Konflikte drücken die Partei nahe an den politischen Abgrund. Quelle: dpa

Eine Nussschale mit einem Parteifähnchen: Innerparteiliche Konflikte drücken die Partei nahe an den politischen Abgrund.

(Foto: dpa)

BerlinDie Piratenpartei könnte schneller von der politischen Bildfläche verschwunden sein, als ihr lieb ist. Das neue ZDF-Politbarometer sieht die Politfreibeuter nur noch bei zwei Prozent. Immer schneller, so scheint es, nähern sie sich der Nulllinie. Kommt es dazu, wären sie politisch tot. Ein solches Schicksal käme nicht überraschend angesichts der chaotischen Lage der Partei. Einen vorläufigen Höhepunkt ihrer Krise markieren die Abgänge zweier Top-Piraten – und das sieben Monate vor der Bundestagswahl. In der Partei herrscht Alarmstimmung. Und die Sehnsucht nach einem Ende der Querelen. Da tritt auch das einstige große Ziel, im Herbst den Bundestag zu entern, in den Hintergrund.

Mit der „Selbstbeschäftigung“ weiche seine Partei den eigentlichen Problemen, mit denen Politik konfrontiert sei, „feige“ aus. „Das muss ein Ende haben, egal wie es für die Bundestagswahl aussieht“, sagte der Vize-Vorsitzende der Piratenpartei, Sebastian Nerz, Handelsblatt Online. Die Piraten müssten sich wieder mit Politik beschäftigen. „Wir wollen Deutschland verändern – und nicht primär uns selbst“, betonte Nerz. „Daran müssen wir uns wieder erinnern.“ Politisch gebe es mehr als genug zu tun. „Wenn wir beispielsweise die verfassungswidrigen Aussagen von BKA-Beamten beim Polizeikongress oder die Entwicklungen in Europa betrachten, wird deutlich, dass es die Piratenpartei braucht.“ Die Piraten müssten „nur wieder zeigen, dass wir diesen Anforderungen gewachsen sind – aber wichtiger noch, dass wir uns ihnen stellen“.

Hintergrund der schonungslosen Analyse von Nerz ist die Krise seiner Partei, die sich in dieser Woche nochmals deutlich verschärft hat. Nur einen Tag nach dem Rücktritt des baden-württembergischen Landesvorsitzenden Lars Pallasch schmiss am Donnerstag auch der brandenburgische Landeschef Michael Hensel hin. Der „dringend notwendige Spaß“ sei inzwischen nahezu verloren gegangen, begründete er seinen Schritt. „Es wurde immer mehr Arbeit.“ Pallasch dagegen hatte am Mittwoch vor allem wegen des rüden Umgangstons in der Partei den Landesvorsitz niedergelegt und seinen Parteiaustritt erklärt. Ihm und seiner Familie sei körperliche Gewalt angedroht worden, erklärte er. Die anonymen Schreiben stammten wohl von Parteimitgliedern.

Die Bundesparteispitze reagierte zwar prompt und kündigte an, gegen rüde Störer vorzugehen. Doch das hat sie auch schon in früheren Fällen getan und de facto nichts bewirkt, was die Partei in ruhigere Fahrwasser gebracht hätte. Mehrere Parteienforscher sehen daher auch nur noch geringe Überlebenschancen für die Piraten. „Für die Piratenpartei scheint schon die Abenddämmerung angebrochen zu sein“, sagte  der Düsseldorfer Politikwissenschaftler Ulrich von Alemann Handelsblatt Online. Der Bonner Politikwissenschaftler Gerd Langguth sagte Handelsblatt Online: „Die Führung hat die Lage nicht im Griff.  Die Selbstauszehrung der Piraten ist eine Folge.“

Der Bamberger Parteienforscher Thomas Saalfeld gab zu bedenken, dass rasch wachsende, neue Parteien immer Organisationsprobleme hätten. „Im besonderen Fall der Piraten wird dieses Problem durch einige Besonderheiten noch verschärft“, sagte Saalfeld Handelsblatt Online. Als Beispiele nannte er die „unübersichtliche Mitgliedschaft mit unklaren internen Arbeits-, Kommunikations- und Repräsentationsprozessen“ sowie das „diffuse ideologische Profil“ der Partei. „Organisationstheoretiker haben bei neuen Organisationen wie Firmen, Vereinen oder Parteien oft ein hohes Maß sogenannter Kindersterblichkeit beobachtet, das heißt einer besonders hohen Scheiternswahrscheinlichkeit in den ersten Jahren nach der Gründung“, erläuterte der Experte. „Dieses Schicksal könnte auch die Piraten ereilen.“

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25 Kommentare zu "Piraten klar zum Kentern: Der Untergang"

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  • 3.02.2013, 16:10 Uhr
    Registriertes Mitglied
    klauswagner

    IST DOCH WOHL AUCH DER RETAKTION ALLES KLAR

  • @Frank3:

    BLUBBER BLUBBER BLUBBER
    ????? NICHT Ex LULU seine ALS OHO GAGA DADA BOBOBO IMMER sonst Lölölösch SO uverähn SICH ach GOTT soso!
    LAL ach. WARUM DARUM LIRUM LARUM

  • WARUM LESE NICHT das ich ANTIZIONIST und NICHTRASSIST ZENSIERT WURDE ??????
    ZENSIEREN ist MACHT ALS GEWALT BENUTZEN und . . .

    ABER LÖSCHEN UND NIE GEWESEN , IST BETRUG .


    SICH Gott
    SOUVERÄN
    Frank Frädrich


  • ::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::

    Die Piraten u. Die Grünen sind Chaos-Parteien .

    Es wundert mich sehr,warum der MP von BaWü noch den Grünen angehört .

    Als ehemaliger Studienrat ist er doch sehr konservativ .

    Aber seine Politik ist nicht auf dem grünen Mist gewachsen.

    Da können Die Grünen noch viel lernen .

    :::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::

  • Die Piraten kommen einem oft vor wie die Enkel der 68iger, sie wollen was anderes, wissen aber ncht so genau was.
    Haben keinen wirklichen Plan, in TV-Auftritten benehmen sie sich teilweise wie der hinterletzte Assi.
    Und so wirklich hört man ja gar nicht, was sie wollen
    Wo sagen sie denn mal was zu all dem Schrott den unsere etablierten Parteien machen?
    Z. T. sind offensichtlich auch einige verkrahte Existenzen darunter.
    Die sollen alle erst einmal ordentich arbeiten gehen.

  • Der Bonner Politikwissenschaftler Gerd Langguth sagte Handelsblatt Online: „Die Führung hat die Lage nicht im Griff. Die Selbstauszehrung der Piraten ist eine Folge.“
    "Es hagelt laufend Kritik unterhalb der Gürtellinie, das allermeiste anonym", sagte der Parteivorsitzende Bernd Schlömer dem SPIEGEL. Und fügte resigniert hinzu: "Ich habe mir Politik anders vorgestellt." (Zitate)
    Der Untergang ist deshalb interessant, weil diese Partei in den vorausgehenden Wahlen viele Protestwähler „einsammeln“ konnte. Also fehlt jetzt eine Partei, denn diese Möglichkeit ist wie das Titelbild schon zeigt, ruhmlos „abgesoffen“. Frage bleibt nur: wohin zieht diese Wählerschar um „Himmelswillen „ nun hin? Doch nicht etwa zu den Gysi-Linken? Aber als Alternative bliebe für diese - ja dann sonst nur: „zuhause bleiben“ ? Wo gibt es aber sonst noch Parteien, die keinen „Einheitsparteikomplex“ besitzen? Die nächste Wahl sieht also etwas sehr „wahlarm“ aus

  • Mit den Piraten scheitert die wirre Idee, dass man in einem Gemeinwesen die Idee eines jeden einzelnen kompromisslos zum Ziel der Politik erklären kann. Im Netz tummeln sich unendlich viele Aktivisten und Mitschwätzer, die sich mit den jeweils ihresgleichen Gruppen und Grüppchen (zeitweise) einig sind, dass nur diese eigene Meinung das einzig Wahrhaftige ist und alle anderen (insbesondere "die Politiker") deshalb "korrupt" und "gegen die Interessen des Volkes" sind. Erschreckend ist, wie hoch der Anteil solcher lautstark demokratie- und kompromiss-unfähiger Menschen in unserem Lande inzwischen geworden ist.

  • Ein GRILLO mit seiner Partei muss in Deutschland her !!! Erst dann können wir AUSKEHREN !!!!

    ( siehe Italienischen Wahlkampf )

  • Jede Partei ist besser als die lobbygesteuerten ESM-Abnicker der Blockpartei der EUdSSR von GRÜNEFDPCDUSPD, welche durch das GEZ-Zwangsfinanzierte "öffentlich rechtliche" Fernsehen hofiert werden um die Spirale der Machterhaltung aufrechtzuerhalten..

  • Ganz gut, dass sich diese Partei selbst demontiert hat, bevor sie in den Bundestag eingezogen ist. Das ging schneller, als ich es erwartet hatte.

    (Obwohl mir klar war, _dass_ sie sich selbst demontieren würden. Der Grund liegt in der Kombination zweier Fakten: der absoluten Basisdemokratie und der Natur des Menschen. Eine solche Konstruktion spült zu viele Ahnungslose [Nichtskönner], Spinner [mit kranken Ideen] und üble Charaktere [A*r*s*c*h*l*ö*c*h*e*r] nach vorne. Die kompetenten Leute werden auf Dauer frustriert und dadurch verdrängt.)

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