Pisa-Studie Note: 3+ für Deutschland

Die Schulleistungen deutscher Schüler bleiben im oberen Mittelfeld. Leistungsschwache und sozial benachteiligte Schüler schnitten besser ab als 2003. Doch die Pisa-Studie kommt auch zu einem „problematischen“ Ergebnis.
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Zum Haareraufen: Die Schulleistungen deutscher Schüler bleiben nur Mittelmaß. Quelle: dpa

Zum Haareraufen: Die Schulleistungen deutscher Schüler bleiben nur Mittelmaß.

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BerlinBeim neuen internationalen Pisa-Schultest haben sich die 15-jährigen Schüler in Deutschland im oberen Mittelfeld behauptet. In Mathematik, Naturwissenschaften sowie im Lesen und Textverständnis erreichten sie Werte oberhalb des Durchschnitts der anderen Industrienationen. Auch die Zahl der leistungsschwachen Schüler ging in Deutschland leicht zurück. Gleichwohl können fast 18 Prozent der Heranwachsenden nur ganz einfache Mathe-Aufgaben lösen.

Eindeutige Pisa-Sieger sind nach den am Dienstag veröffentlichen Ergebnissen erneut die Schüler aus den asiatischen Regionen Shanghai, Singapur, Hongkong und Taipeh. 15-Jährige aus diesen Ländern sind Gleichaltrigen aus Deutschland allein in Mathematik um zwei bis drei Schuljahre voraus. Aber auch die Schüler aus der Schweiz und den Niederlanden finden sich in der weltweiten Mathe-Leistungstabelle unter den zehn Erstplatzierten.

Die Schüler in Deutschland erreichten diesmal beim Pisa-Schwerpunkt Mathematik 514 Punkte (2009: 513). Sie liegen damit 20 Punkte über dem Schnitt der anderen Pisa-Teilnehmerländer (494) - was einem Lernvorsprung von gut einem halben Schuljahr entspricht. Ähnliches gilt für die Naturwissenschaften. In der für das Lernen so wichtigen Disziplin Lesen/Textverständnis ist der deutsche Vorsprung allerdings nur halb so groß.

Pisa ist der weltweit größte Schulleistungstest. Er wird seit 2000 alle drei Jahre von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris vorgenommen. Weltweit nahmen diesmal 510 000 Schüler aus 65 Staaten und Regionen teil. In Deutschland wurden rund 5000 Heranwachsende getestet.

Jungen sind in Deutschland mit ihren Mathe-Fähigkeiten gleichaltrigen Mädchen im Schnitt ein knappes halbes Schuljahr voraus. Der Vorsprung der Jungen hat sich im Vergleich zu früheren Pisa-Tests sogar noch vergrößert. Mädchen sind generell der Mathematik gegenüber negativer eingestellt. Ihr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist geringer, ebenso ihre Motivation und Lernausdauer.

Die in Deutschland ausgeprägte Abhängigkeit von Bildungserfolg und sozialer Herkunft hat sich nach der jüngsten Pisa-Erhebung leicht abgeschwächt. Gleichwohl haben Schüler aus sozial bessergestellten Familien in Mathematik im Schnitt einen Leistungsvorsprung von 43 Punkten gegenüber Gleichaltrigen aus armen Elternhäusern - was fast eineinhalb Schuljahren entspricht.

Bei Schülern mit Migrationshintergrund zeigt sich ein ähnliches Bild. Ihr Kenntnisrückstand zu gleichaltrigen Schülern mit deutscher Herkunft liegt im Schnitt bei 54 Punkten, das sind fast zwei Schuljahre.

Das nur äußerst mäßige deutsche Abschneiden vor allem bei der wichtigen Disziplin Lesen/Textverständnis beim ersten Pisa-Test im Jahr 2000 hatte in der Öffentlichkeit den sogenannten Pisa-Schock ausgelöst. Die Kultusminister hatten daraufhin zahlreiche Schulreformen auf den Weg gebracht, unter anderem einheitliche Bildungsstandards für alle 16 Bundesländer.

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14 Kommentare zu "Pisa-Studie: Note: 3+ für Deutschland"

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  • Die Lehrpläne Südkoreas zumindest (das Land an der PISA Spitze) sind so voll gestopft wie die eines deutschen Gymnasiums. Nur dass dort alle Lehrerstellen mit gut ausgebildetem und sehr gut bezahltem Personal besetzt sind, die Lehrer i.d.R. nur ihr Hauptfach unterrichten, Nachmittagsbetreuung besteht und keine Stunde ausfällt. Das Bekenntnis zu Bildung als Priorität Nr. 1 (beim Staat und bei den Eltern) macht meiner Erfa nach den unterschied. Würden die Koreaner jetzt noch die unseligen privaten Paukschulen verbieten, wären die PISA Ergebnisse sicher noch viel besser.

  • Und welche Zukunftsfreuden haben Ihre Kinder hier in Deutschland zu erwarten?

    Wenn diese später im Berufsleben nicht fähig sind, einen deutschen Brief ohne gravierende Fehler zu schreiben oder in anderen Dingen gravierende Wissenslücken aufweisen und dann die asiatische Konkurenz im eigenen Lande kommt, was glauben Sie, welche Zukunftsfreuden da auf Ihre Kinder zukommen?
    Ein bißchen Drill würde der Jugend heute mit Sicherheit nicht schaden.

  • Auch das sehe ich ähnlich. Aber Pauken repräsentiert ja den Leistungsgedanken und das geht ja nun mal gar nicht!
    Wer den Sarkasmus findet, darf sich gerne eine Portion ausleihen! :-)

  • Erratum:
    "umfgangreichen"
    Das muß hier natürlich "umfangreiches" heißen. Sorry!

  • Deutsches Bildungschaos.
    Ich bin weit über 60 und hatte Zeit meines Lebens keine Probleme mit Lesen und Rechnen. Weil wir das pauken mussten. Wenn ich mir anschaue was mit den heutigen Grundschülern beim Lesen und Rechnen angestellt wird, verstehe ich, dass daraus nichts werden kann!

  • kleines detail am rande: schon mal den film "alphabet" von erwin wagenhofer gesehen. der film dokumentiert u.a. sehr schön, auf welche kosten die ach so tollen schulen im asiatischen raum dieses "wissen" aufbauen. die höchsten selbstmordraten unter jugendlichen sind selbstredend. also ich hab lieber etwas "dümmere" kinder, die sich nicht wegen schlechter noten oder keiner zukunftsfreude umbringen.
    nur zum denken.

  • Sehe ich ähnlich!

  • "Diese Tendenzen werden sich immer weiter verstärken, weil eine Korrektur hin zu Selbstdisziplin und Leistungsmotivation fördernden Strukturen durch eine sich im Gutsein gefallende Gesellschaft tabuisiert ist. "
    ---
    Dieser eine Satz bringt es prägnant und sehr ernüchternd auf den Punkt. Speziell den GrünSozialisten ist doch dran gelegen, das Niveau auf den Schulen möglichst niedrig zu halten und die Topschüler auszubremsen (von den Hochbegabten, die dabei geopfert werden, will ich gar nicht erst groß reden), anstatt sie zu fördern, damit ihre Lieblingsklientel nicht völlig zurückfällt und gar einen Knacks an der Seele abkriegt, weil sie sich unterprivilegiert fühlt.
    Im Rahmen der Rechtschreibreform fiel genau diese Argumentation (leider habe ich den Politiker vergessen): Alles zu vereinfachen, damit auch der größte Simpel in der Lage ist, einigermaßen Deutsch zu schreiben, war das Ziel. Eine Bildungselite ist de facto politisch nicht gewollt und ich mußte schon erleben, daß ich für mein (insbesondere im wissenschaftlichen Bereich) recht umfgangreichen Allgemeinwissen übel angefeindet wurde.
    Da ist etwas ganz gewaltig faul im Staate Deutschland, vor allem vor dem Aspekt, daß rund 30% der Schüler kaum ausbildungsfähig sind und Studenten Praktikumsberichte abliefern, die auf einer DIN A4 Seite 40 Schreibfehler enthalten! Nicht vorhandene Fähigkeiten zur freien Rede (Referate ohne abzulesen und hunderte von "äh" z.B.), vulgo auch Gestammel genannt, ist da schon nur noch eine Marginalie in einem Land, in dem "Kanaksprak" und Gegrunze nicht nur akzeptabel, sondern "voll geil" sind.
    Armes Deutschland!

  • Ein Land, in dem jeder unqualifizierte Einwanderer in das Sozialsystem, per Gesetz zum 'wertvollen Kulturbereicherer' deklariert wird, ist ohnehin keine Zukunft vergönnt.

  • Bei Schülern mit Migrationshintergrund zeigt sich ein ähnliches Bild. Ihr Kenntnisrückstand zu gleichaltrigen Schülern mit deutscher Herkunft liegt im Schnitt bei 54 Punkten, das sind fast zwei Schuljahre.
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    Gemeinschaftsschulen vor ca.dreissig Jahren entwickelt,
    aus einem einzigem Grund.. Deutsche Schüler einem
    integrationspädagogischem Experiment auszusetzen.
    Zur gleichen Zeit,wurde Trotz Klagen vieler deutscher Eltern
    die RECHTSCHREIBREFORM eingeführt.
    Auch aus integrationspädagogischen Gesichtspunkten.
    Gebracht hat es nichts,außer den Verlust von Sprache,Schriftbild
    in einem Einheitsschulsystem,in dem der deutsche Schüler schnell
    Minderheit wurde und sich dem bildungsfernerem Migranten
    ausgesetzt sah in allen Bereichen,auch der von Deutschendiskriminierung..Die Doku Kampf im Klassenzimmer,
    hat das mit vielen anderen Beiträgen plastisch dargestellt.
    Das Asiaten vorne liegen,wundert nicht..Das hat überwiegend
    mit disziplinärer Aufmerksamkeit und Respekt gegenüber dem
    Lehrkörper zu tun.
    Etwas,dass in unseren Schulen schon viel zu lange,völlig aus dem Ruder läuft.
    Bildungsmisere hausgemacht,von verantwortungsloser Politik.
    Bzw.die Verantwortung an deutsche Schüler abgab..
    Wie einfältig..




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