Plagiator Guttenberg? Union wittert Schmutzkampagne

Verteidigungsminister zu Guttenberg steht nach dem Plagiatsvorwurf gegen ihn unter Dauerfeuer. Die Opposition wettert, Parteifreunde giften zurück. Die Affäre könnte den Minister sein Amt kosten.
11 Kommentare
Unter Druck: Karl-Theodor zu Guttenberg. Quelle: dapd

Unter Druck: Karl-Theodor zu Guttenberg.

(Foto: dapd)

Berlin/DüsseldorfDagegen erhält Guttenberg Unterstützung aus den Reihen der Union, bei der von einer „Schmutzkampagne“ gegen den beliebten CSU-Politiker die Rede ist. Die Passauer Professorin Barbara Zehnpfennig, bei der Guttenberg Teile der Einleitung seiner Dissertation abgeschrieben haben soll, fordert, ihm den Doktortitel abzuerkennen.

„Der Lack ist endgültig ab“, sagte der SPD-Verteidigungspolitiker Rainer Arnold der in Halle erscheinenden „Mitteldeutschen Zeitung“ über den Verteidigungsminister. „So geht's halt, wenn man sich zu sehr auf Hochglanz poliert.“ Sollte Guttenberg der Doktortitel aberkannt werden, wäre er aus Sicht des SPD-Politikers auch als Minister nicht mehr zu halten. „Guttenbergs Glaubwürdigkeit wäre dann völlig zerstört“, sagte Arnold. „Und ein Minister, der seine Glaubwürdigkeit verloren hat, kann nicht mehr wirklich arbeiten - im Bereich der Bundeswehr, in dem es in hohem Maße auf Vertrauen ankommt, vielleicht noch schwerer als in anderen Ressorts.“

Unionsfraktionsvize Günter Krings (CDU) bezeichnete die Vorwürfe gegen den Verteidigungsminister in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ als „lächerlich“. Seine Doktorarbeit sei von einem der führenden deutschen Verfassungsrechtler wissenschaftlich betreut worden und in einem höchst renommierten Wissenschaftsverlag erschienen. Einzelne fehlende oder falsch gesetzte Fußnoten seien sicher ärgerlich, das könne aber nicht ernsthaft einen Plagiatsvorwurf begründen. Krings warf der Opposition im Bundestag eine „Schmutzkampagne“ vor. „Die maßlos überzogenen Reaktionen der Opposition zeigen, dass es hier in Wahrheit nur um eine neue Episode aus der Reihe „Schlag den Guttenberg“ geht.“

In Guttenbergs Dissertation gibt es mehrere Passagen, die wörtlich mit Formulierungen anderer Autoren übereinstimmen, ohne dass er dies gekennzeichnet hat. Aufgeflogen ist dies durch Recherchen des Bremer Juraprofessors Andreas Fischer-Lescano, über die am Mittwoch die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete. Es soll sich um mindestens neun kopierte Textstellen handeln.

Darunter sind eine längere Passage aus der „NZZ (Neue Zürcher Zeitung) am Sonntag“ sowie Aufsätze. Für die Einleitung seiner Dissertation soll er nach Angaben von „FAZ.NET“ fast wortwörtlich einen Text der Passauer Politikwissenschaftlerin Zehnpfennig aus der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ von 1997 verwendet haben, der nur im Literaturverzeichnis aufgeführt sei. Zehnpfennig forderte in der Tageszeitung „Die Welt“ Konsequenzen für Guttenberg: „Das muss zur Aberkennung des Doktortitels führen.“

Juraprofessor Fischer-Lescano wirft dem Verteidigungsminister vor, gegen die Promotionsordnung der Universität Bayreuth verstoßen zu haben. Das gehe aus seiner Rezension für die Fachzeitschrift „Kritische Justiz“ hervor, berichtet die „Financial Times Deutschland“. Guttenbergs Umgang mit wörtlichen Zitaten anderer Autoren sei so „systematisch“, dass es schwer sei zu sehen, wie die Arbeit in Einklang mit den Vorgaben der Promotionsordnung gebracht werden könne, schreibt Fischer-Lescano demnach. Er äußert Zweifel, „dass die Dissertation wissenschaftlichen Mindeststandards genügt“.

Der Europarechtler an der Uni Frankfurt, Felix Hanschmann, der die Vorwürfe zusammen mit Fischer-Lescano erhoben hatte, interpretiert Guttenbergs Reaktion als ein Schuldeingeständnis. „Herr zu Guttenberg räumt darin bereits vereinzelte Verstöße ein. Offenbar hält er die von uns formulierten Vorwürfe nicht für aus der Luft gegriffen“, sagte er der „Passauer Neuen Presse“.

Nach Einschätzung des Parteienforschers Gerd Langguth könnte die politische Karriere Guttenbergs zu Ende sein, sollten sich die Plagiatsvorwürfe gegen ihn erhärten. „Sollte eine Schummelei wirklich vorliegen und durch den entsprechenden Ausschuss der Universität bestätigt werden, könnte zu Guttenberg so etwas eher das Amt kosten als eine so politisch schwerwiegende Frage wie Kundus“, sagte der Professor an der Universität Bonn Handelsblatt Online. „Denn wenn wirklich persönliches Fahlverhalten nachgewiesen werden kann, kratzt das an der eigenen Ehre und wiegt schwerer als Entscheidungen Dritter im Rahmen  der Arbeit der Bundeswehr.“

Der 39 Jahre alte Verteidigungsminister war wegen Informationspannen im Zusammenhang mit einem Bundeswehr-Luftangriff im afghanischen Kundus in die Kritik geraten. Unter Druck geriet er zudem, weil auf dem Segelschulschiff „Gorch Fock“ chaotische Zustände nach dem Tod einer Kadettin geherrscht haben sollen. Dazu kamen ein mysteriöser Schießunfall in Afghanistan und geöffnete Feldpost.

Vorgänge dieser Art beeinträchtigen nach Langguths Ansicht auch die Koalition insgesamt. „Jede Affäre eines Regierungsmitglieds ist eine Belastung der Koalition“, sagte er.  „Aber wenn jemand so etwas übersteht, ist es am ehesten der Freiherr zu Guttenberg, zumal er der CSU angehört und sich die Frage stellt, wie sich dann der unberechenbare Ministerpräsident Seehofer entscheidet.“ Halte er an zu Guttenberg fest, dann „wird er kaum wackeln“.

Guttenberg selbst weilt derweil in Afghanistan und besucht deutsche Soldaten in einem Außenposten. Der Minister habe dort auch die Nacht verbracht, sagte ein Sprecher seines Mnisteriums. Weitere Einzelheiten - auch zum weiteren Programm des CSU-Politikers - nannte der Sprecher nicht. Guttenberg hatte zwar bereits bei einer früheren Reise einen gefährlichen Posten besucht, aber noch nie im unmittelbaren Kampfgebiet übernachtet.

Guttenberg war am Mittwochabend in Afghanistan eingetroffen. Es handelt sich um seine neunte Afghanistan-Reise seit seinem Amtsantritt im Herbst 2009.

  • dne
  • dpa
Startseite

11 Kommentare zu "Plagiator Guttenberg?: Union wittert Schmutzkampagne"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • was ist das bloß für ein land. in berlin wurde wieder ein jungen mann fast zu tode geprügelt und wird nun für den rest seines lebens auf hilfe angewiesen sein und unsere politiker streiten sich wegen einer doktorarbeit. ich kann nicht mehr und bin fassungslos verzweifelt was aus unserem land geworden ist.

  • Nicht nur böse Zungen behaupten, promovieren heißt, aus 99 Büchern ein hundertstes zu machen! Noch nie gehört? Dann sollten Sie sich nicht über "akademische Arbeit", "ungeschriebene Gesetze unter Akademikern" und "geistigen Diebstahl" vollmundig auslassen. Die Wirklichkeit sieht wohl doch etwas anders aus!

  • @ ciara
    Ich suche schon seit längerem - finde aber nichts: Welche "erfolgreiche Arbeit"?
    Und mediale Präsenz zählt nicht dazu.

  • Endlich haben die politischen Gegner bei v. Guttenberg etwas gefunden ! Armselig und lachhaft diese Kampagne !
    Wichtig ist doch was er heute leistet. Seine erfolgreiche Arbeit ruft Neider auf den Plan. Wie anders als mit akribischer Suche nach einem dunklen Fleck kann man seinem Image schaden. Wenn das Ergebnis auch noch so lächerlich ist, wird es von den "selbstlosen Kritikern" zum großen "Karriereschaden" deklariert. Aber gerade die, die sich lauthals als "Saubermänner" aufspielen, sollten aufpassen, dass sie nicht von ihrer eigenen Vergangenheit eingeholt werden.

  • Endlich haben die politischen Gegner etwas gegen von Guttenberg gefunden. Armselig und lachhaft diese Kampagne. Wem hat v. Guttenberg geschadet? Die "selbstlosen Kritiker" sollten vorsichtig sein, denn auch sie könnten von ihrer Vergangenheit eingeholt werden. Für mich ist wichtig, dass v. Guttenberg heute einen guten Job macht, was von vielen anderen die sich als "Ankläger" aufspielen nicht behauptet werden kann.

  • ein nett angezogener kleiderständer mit den üblichen attributen eines yuppies - schaumschlagen, kompetenz heucheln, bauernopfer suchend - kennt man(n) aus der hiesigen bankenszene zur genüge/nonnenmacher - insofern doch absolut mainstreammässig dieser minister und passend für diese republik in der beständige werte doch nur hinderlich sind.

  • Es gibt unter Akademikern einige ungeschriebene Gesetzte. Und geistiger Diebstahl in einer akademischen Arbeit ist ein Absolutes Unding.
    Er hat jegliche Glaubwürdigkeit verloren, noch dazu in einer konservativen Partei, die auf Werte setzt. Oder hier nicht?

  • Verstehe die ganze Aufregung nicht,
    geeigneter wie ein Hartz 4 Empfänger wird er für den Posten den er ausfüllt allemal sein.
    Er macht es wenigstens nicht wie die übrigen sogenannten Konservativen, und begeht fahnenflucht.

  • Und was kommt als nächstes? Der "beliebteste Politiker" Deutschlands war ja mal wieder ganz böse... pfui pfui ... Ah jetzt fällt mir was ein.. vielleicht hat er ja mal mit 3 Jahren im Sandkasten einem anderen Kind die Schaufel weg genommen? Oder ja Herr Guttenberg ist mit 14 Jahren einmal bei einer roten Ampel über die Straße gelaufen? Oder oder oder... Was soll das ganze eigentlich? ... Wir haben hier einen Menschen, der sich positiv in die Gesellschaft einbringt und TUT .. Wann lernen wir mal in Deutschland nicht nur immer auf den Leistungsträgern unserer Gesellschaft und auf Menschen die TUN nur immer rum zu hacken und mit dem Finger auf Sie zu zeigen? Herr Guttenberg gehört zu den Personen in unserer Gesellschaft die aus meiner Sichtweise Veränderungen wollen und umsetzen können, damit wir in unserer Gesellschaft positiv in die Zukunft schauen können! Das kann doch nicht falsch sein? Und diese Nebenkriegsschauplätze interessieren da wirklich nicht...

  • Ein typischer Wegwerfartikel dieser Minister, so wie das meiste was die Industrie heute produziert. Früher hat man von der Politik mehr für sein Geld bekommen, heute brauchen sie sich gar keine Mühe mehr zu geben. Mein Gott ein Betrüger! P. S. Vielleicht kann sich ja mal einer die Doktorarbeit von Frau ...

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%