Plagiatsaffäre FDP sieht Wissenschaftsstandort in Gefahr

Selbst sein eigener Doktorvater geht wegen der Schummel-Vorwürfe auf Distanz zu Guttenberg, die FDP sieht den Wissenschaftsstandort Deutschland in Gefahr. Nur wenige stehen noch zum Minister - dafür aber fast väterlich.
Update: 28.02.2011 - 18:25 Uhr 43 Kommentare
Guttenbergs Doktorvater geht auf Distanz zu seinem ehemaligen Studenten. Quelle: Reto Zimpel

Guttenbergs Doktorvater geht auf Distanz zu seinem ehemaligen Studenten.

(Foto: Reto Zimpel)

Berlin/DüsseldorfFDP-Vize Andreas Pinkwart wirft der Bundesregierung in der Plagiatsaffäre Tatenlosigkeit vor. "Die Debatte hat eine Wendung bekommen, die dem Wissenschaftsstandort Deutschland zu schaden beginnt", sagte der zukünftige Rektor der Handelshochschule Leipzig (HHL) dem Handelsblatt (Dienstagausgabe).
"Die Bundesregierung muss umgehend handeln und die Debatte nicht tatenlos laufen lassen", sagte Pinkwart. "Wir können unseren hohen Ansprüchen an Wissenschaft und Forschung nicht gerecht werden, wenn sich die Regierung nicht zur Einhaltung strenger wissenschaftlicher Regeln bekennt", sagte Pinkwart. In dieser Woche würden die Zwischenergebnisse der Exzellenzinitiative bekanntgegeben. "Da schadet eine Bagatellisierung wissenschaftlicher Verstöße dem Wissenschaftsstandort Deutschland enorm."

Inzwischen wendet sich auch sein Doktorvater wegen den Mogelvorwürfen von seinem ehemaligen Studenten Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ab. Der Bayreuther Jura-Professor Peter Häberle sagte, mit sehr großem Bedauern habe er zur Kenntnis nehmen müssen, dass die Umstände der von ihm betreuten Promotion geeignet seien, "den Ruf der Universität Bayreuth in der öffentlichen Diskussion in Misskredit zu bringen", teilte Häberle am Montag in einer schriftlichen Erklärung mit, die der Zeitung "Die Welt" vorliegt.

"Die in der Promotionsschrift von Herrn zu Guttenberg entdeckten, mir unvorstellbaren Mängel sind schwerwiegend und nicht akzeptabel", schreibt der Professor. "Sie widersprechen dem, was ich als gute wissenschaftliche Praxis seit Jahrzehnten vorzuleben und auch gegenüber meinen Doktoranden zu vermitteln bemüht war."

Die Aberkennung des Doktortitels sei die notwendige Folge gewesen. Am Tag nach Bekanntwerden der Vorwürfe hatte der 76-Jährige der "Bild"-Zeitung noch gesagt: "Die Arbeit ist kein Plagiat." Nun spricht er von einer "ersten spontanen und letztlich zu vorschnellen Reaktion", deren Ausmaß er ohne Detailkenntnis zunächst nicht habe absehen können.

Die SPD verschärft derweil ihre Angriffe auf Guttenberg. "Niemand mit gesundem Menschenverstand glaubt, dass zu Guttenberg aus Versehen über hundert Seiten abgeschrieben hat", sagte Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann Handelsblatt Online. "Dieser massive Wissenschaftsbetrug war planvoll und vorsätzlich." Oppermann fügte mit Blick auf die Äußerungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die Guttenberg heute abermals verteidigt hat, hinzu: "Die Kanzlerin belügt sich selbst, wenn sie glaubt, dass der Hochstapler zu Guttenberg Verteidigungsminister bleiben kann."

SPD wirft Merkel Ignoranz vor
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43 Kommentare zu "Plagiatsaffäre: FDP sieht Wissenschaftsstandort in Gefahr"

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  • Herr zu Guttenberg ist ein Opfer und die Herrn Professoren, welche den Titel genehmigt haben sollten alle seinem Beispiel folgen und zurücktreten. Sie haben Ihren Titel auch verwirkt. Die Finanzämter sollten die Daten der Herren prüfen und die Uni ebenso !! Die Steuergelder wurden verschwendet !!!

  • Herr zu Guttenberg ist ein Opfer und die Herrn Professoren, welche den Titel genehmigt haben sollten alle seinem Beispiel folgen und zurücktreten. Sie haben Ihren Titel auch verwirkt. Die Finanzämter sollten die Daten der Herren prüfen und die Uni ebenso !! Die Steuergelder wurden verschwendet !!!

  • Der Herr Doktorvater hatte doch die Kontrolle über die Richtigkeit der Arbeit. Soweit bekannt war Hr. Jura-Prof. Häberle bei der Überreichung des Titels dabei !! Hier muß auch nachgehakt werden. Der Herr Prof. wird aus Steuergeldern bezahlt !! für was !! Damit solche Doktortitel verliehen werden ??

  • wie kann prof. häberle eine solche erklärung abgeben?
    er ist in großem maße an dieser affäre mitschuld
    das übersehen eines fehlerhaften zitierten zitats ist entschuldbar, aber nich diese vielzahl. hberle hat sich blenden lassen durch titel seines doktoranden. ich vermute , dass er die arbeit nicht gelesen hat oder er die literatur nicht kennt. professoren werden mit 65 emeritiert und das ist auch gut so.

  • Regardless of anything else, Guttenberg did something wrong. Falsifying your qualifications will get you fired in any company in Germany. He is in Goverment and he has been found out, Guttenberg should stop sticking his head in the sand and hoping it will go away and do the right thing RESIGN!!
    Not only is he refusing to take responsibility for his actions he is making a mockery of EVERY SINGLE doctorate written by hard working intelligent professionals thoughout the country.

  • ich denke das in sache v.guttenberg mittlerweile alles gesagt ist.....rücktritt werden wir erleben .... was mir heute auffällt .... der bildzeitung sind scheinbar die argumente ausgegangen ... jedenfalls ist heute nichts zu lesen ....oder haben die jetzt auch eingesehen ....Guttenberg zu verteidigen lohnt nicht mehr ....

  • Guten Morgen, leider ist Herr Karl-Theodor zu Guttenberg immer noch im Amt!! Würde er an seine Person die gleichen Anforderungen an Moral und Anstand stellen wie er sie von den Anderen fordert, dann hätte er schön am Freitag zurücktreten müssen. Echt sehr SEHR SCHLIMM, was hier abgezogen wird.... und wir unternehmen noch nichts dagegen?? Sind wir etwa nicht viel besser....?? Wir müssen raus auf die Strasse, ins Internet und demonstrieren, das öffentliche Leben müsste stillgelegt werden.....bis diese Person von allen Ämtern zurückgetreten ist und ganz von der politischen Bildfläche verschwunden ist...!

  • Wenn ich die Debatte so erfolge, dann kommt es mit so vor, als ob ein Vorbestrafter oder sogar ein Kinderschänder mehr Verständniss in der Bevölkerung und gerade in der Politik bekommt als Herr zu Guttenberg. Was hier betrieben wird ist nichts anderes als Heuchelei. Er ist mit der Aufdeckung seines Tuns schon genug gestraft. Unsere Herren und Frauen Volksvertreter sind wohl mit der Gestaltung von konstruktiver Politik überfordert und (entschuldigen Sie bitte den Ausdruck) geilen sich lieber an Nebenschaukriegsplätzen auf als das Sie lieber die wirklichen Probleme in unserem Land lösen.

  • Wo hat dieser Bayreuther Mensch seine Professur und seinen Doktor her? Wahrscheinlich auch gekauft!! Schade dass er bereits im emeritiert ist. ich hätte gerne "gespendet". und das mit dem schriftlichen hätten wir dann auch noch irgendwie hinbekommen.
    Aber in der Tat: Guttenberg sollte mal eine Pause einlegen, damit dieses Thema aus den Schlagzeilen verschwindet. es nervt!!

  • Das Ding fügt doch nur noch der Demokratie, die ohnehin über die letzten Jahrzehnte in unserem Land mit Füßen getreten wurde, noch mehr Schaden zu.

    Der Herr Gutenberg soll endlich die schnellen Schuhe anziehen und verschwinden.
    Und bitte auch nie nie mehr Kreisliga spielen-

    Nur noch peinlich für Deutschland.
    Herausragende Leistung in sich zum "Voll-Horst der Nation zu machen"

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