Plagiatsvorwürfe Die Uni Bayreuth zittert mit Guttenberg

Deutschland redet über Schummel-Minister Guttenberg - doch was bedeuten die Vorwürfe für Bayreuth und seine Universität, an der er promovierte? Eine Reise zum Ursprung der großen Mogelei.
  • Ingrid Schneider
13 Kommentare
Campus der Universität Bayreuth: Der gute Ruf der Hochschule ist in Gefahr.

Campus der Universität Bayreuth: Der gute Ruf der Hochschule ist in Gefahr.

BayreuthDie Wagnerstadt Bayreuth – normalerweise ist das "Tristan und Isolde" im August auf dem grünen Hügel samt schwitzender Politprominenz in mehr oder minder schmückenden Abendgarderoben. Doch in diesem Jahr spielt sich in dem beschaulichen oberfränkischen Städtchen ein Drama ab, das den Familienfehden des Wagner-Clans den Rang ablaufen könnte. Denn Oberfranken hat mit zu Guttenberg den Minister der Herzen und Wunschkanzlerkandidaten vieler Deutschen hervorgebracht hat, der jetzt unter Schummelvorwürfen leidet. Hat der Verteidigungsminister in seiner Doktorarbeit ungeniert bei fremden Autoren abgeschrieben? Und hat die Universität einen Hochstapler promoviert? Die Fragen rütteln die beschauliche Festspielstadt aus dem Winterschlaf.

Gebetsmühlenartig wiederholt Universitäts-Präsident Rüdiger Bormann seit dem Ausbruch der Plagiat-Affäre, dass es „keinerlei Hinweise auf Unregelmäßigkeiten in Herrn zu Guttenbergs Promotionsverfahren“ gebe. Alle offenen Fragen sollen klar beantwortet werden. Bormann weiß: Nicht nur der Minister, auch seine Hochschule hat einen Ruf zu verlieren.

An diesem Freitag treffen Journalisten den Präsidenten allerdings nicht in seinem Büro an der Universitätsstraße 30 in Bayreuth. „Dienstreise“, erklärt er Handelsblatt Online am Telefon. Wegen Guttenberg? „Das tut jetzt nichts zur Sache.“ Ist dann vielleicht der Ombudsmann zu sprechen? „Der soll und darf dazu jetzt gar nichts sagen.“ Keine Angst um das Image der Hochschule? „Wir nehmen Qualitätssicherung sehr ernst – auf allen Ebenen.“ Und dann räumt Bormann ein: „So einen Fall hat es in meiner zweijährigen Amtszeit noch nicht gegeben.“

Man ist nervös in Bayreuth. Die Lage ist ernst auf dem Campus der kleinen Universität mit den sternförmig angeordneten, zweckmäßigen Klinkerbauten. Ausgerechnet die Juristen hat es getroffen. Ausgerechnet das Institut der Universität, das junge Menschen aus der gesamten Bundesrepublik in diesen entlegenen Winkel des Landes lockt. „Natürlich bin ich vor allem wegen des guten Rufes gekommen“, erklärt ein Student im Foyer der Rechts- und Wirtschaftwissenschaftlichen Fakultät. „Seit Mittwoch gibt es hier kein anderes Thema mehr.“ Guttenberg, der sei neben dem Präsidenten des Bundesverfassungsgerichtes Andreas Voßkuhle das Aushängeschild in Bayreuth. Peter Häberle, Guttenbergs Doktorvater, gilt als Koryphäe auf seinem Gebiet. Das zieht Prominenz an. Erst im Dezember habe der frühere Bundespräsidentenkandidat Joachim Gauck einen Vortrag gehalten. Auch Gerhard Schröder sei schon da gewesen. Ob die künftig auch noch kommen? „Ich kann Ihnen sagen“, zischt ein weiterer angehender Jurist durchs Foyer, „genau darüber macht sich hier gerade jeder richtig Sorgen.“

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13 Kommentare zu "Plagiatsvorwürfe : Die Uni Bayreuth zittert mit Guttenberg"

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  • Ein Betrüger bleibt Minister, die Ladendiebin (Flaschenpfand genügt) wird gefeuert. In welcher Bananenrepublik leben wir eigentlich?
    Nicht nur der Verteidigungsminister, nun auch Fr. Merkel sollten schleunigst zurücktreten.

  • Uni Bayreuth schießt sich heute in der Pressekonferenz schlimmes Eigentor. Demach ist die Software schuld, die eine Arbeit im Netz auf verwendete Artikel abprüft. Sie sei aber nicht in der Lage gekapselte Werke zu öffenen, die nicht für die breite Öffentlichkeit zugänglich sind. Als Informatiker stehen mir die Haare zuberge wenn man bedenkt, diese Software wird weiter bedenkenlos genutzt, statt wie in der Promotionsordnunmg vorgeschrieben ein korrektes 1. und 2. Gutachten anzufertigen um den Probanten die Möglichkeit zur Korrektur sachlicher und orthographischer Fehler zu geben. Statt also per Augenschein zu prüfen, benutzt man eine unzureichende Software? Dass führt zur Frage, wieviele Fehler weisen jetzt frühere Dissertationen auf, die mit dieser Software ebenso lapidar geprüft wurden? Beginnt jetzt das grosse Zittern? Ach ja - wenn in der Wirtschaft sich eine Software als "Schrott" erweist, wird sie entweder durch eine neue oder manuelle Tätigkeit ersetzt.

  • Uni Bayreuth schießt sich heute in der Pressekonferenz schlimmes Eigentor. Demach ist die Software schuld, die eine Arbeit im Netz auf verwendete Artikel abprüft. Sie sei aber nicht in der Lage gekapselte Werke zu öffenen, die nicht für die breite Öffentlichkeit zugänglich sind. Als Informatiker stehen mir die Haare zuberge wenn man bedenkt, diese Software wird weiter bedenkenlos genutzt, statt wie in der Promotionsordnunmg vorgeschrieben ein korrektes 1. und 2. Gutachten anzufertigen um den Probanten die Möglichkeit zur Korrektur sachlicher und orthographischer Fehler zu geben. Statt also per Augenschein zu prüfen, benutzt man eine unzureichende Software? Dass führt zur Frage, wieviele Fehler weisen jetzt frühere Dissertationen auf, die mit dieser Software ebenso lapidar geprüft wurden? Beginnt jetzt das grosse Zittern? Ach ja - wenn in der Wirtschaft sich eine Software als "Schrott" erweist, wird sie entweder durch eine neue oder manuelle Tätigkeit ersetzt.

  • „Hier stehen alle hinter Guttenberg“

    Tja, so sieht es aus. Dass die politischen Freunde in der Bayreuther Uni-Führung ihr Idol schützen wollen - auch auf Kosten des wissenschaftlichen Rufes der Uni- ist ja noch irgendwie nachvollziehbar. Aber dass selbst die Studierenden und Promovierenden Plagiate und die Ruinierung ihrer Abschlüsse ganz toll finden, ist schon irgendwie erstaunlich. Aber vielleicht kennen sie ja auch die wissenschaftlichen und rechtlichen Regeln nicht, diese Jura-Studenten. Alle, die an der Uni Bayreuth ehrlich promovieren, müssetn eigentlich Demos veranstalten, um Guttenbergs Titelentzug zu fordern. Und der ehrenwehrte Prof. Häberle zeigt auch gerade überdeutlich, was er von Recht, Moral und Wissenschaft versteht. Das gilt halt nicht für den Adel und für die eigenen Leute. Er wird doch recht stinken, der faule Kompromiß, der sich hier anbahnt.

  • Wenn ich das Zitat "Die Welt will betrogen sein, also betrüg sie" verwende, dann weiß ich jedenfalls auch nach 40 Jahren noch, daß dies von Martin Luther stammt und mit meinem Duktus nicht übereinstimmt.
    Der Duktus hat eine häusliche Urgestalt und verändert sich mit der Intensivität der Bildung. So kommt es schon vor, daß sich Studenten die Ausdrucksweise ihres Profs annehmen und so mit ihm "eines Geistes" sein können, doch nie und nimmer mit zufälligen, flüchtigen Bekanntschaften.

    Einem Juraabsolventen muß das ganz besonders klar sein.

    So ist die Übernahme von über 80 ungekennzeichneten Zitaten unterschiedlicher Herkunft schon ein starkes Stück und ein Beleg für fehlende Eigengedanken.
    Da Herrn von und zu Guttenberg die Verwendung fremden Wissens nicht aufgefallen ist, besteht die berechtigte Vermutung, daß "seine" Dissertation insgesamt nicht von ihm stammt.
    Ferner entsteht durch die Einlassung der Uni der Eindruck, daß die Dissertation aus dem gleichen Lehrstuhl stammt.
    Auf diese Weise machen sich Uni und Guttenberg lächerlich.

    Diebstahl geistigen Eigentums ist kein Kavaliersdelikt, denn er kann große wirtschaftliche Schäden auslösen und die Arbeit der Geschädigten sinnlos machen. Für eine "Wissensgesellschaft" kann das fatale Folgen haben.

    Nun, der Stuhl des Verteidigungsministers hatte schon immer Schleudersitzcharakter; Guttenberg hat an der Beschleunigungsschraube gedreht.

  • Wieso die Entrüstung? Es ist doch schon lange gängige Praxis, dass Personen, die in Wirtschaft oder Politik bereits Einfluß haben, in kleineren Universitäten, die noch um Anerkennung und Drittmittel kämpfen, ihre 'Doktorarbeit' nachholen können oder die Doktorarbeit, die in Tschechien oder Ungarn oder Paraguay 'geschrieben' wurde durchwinken.

  • Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass die Uni Bayreuth allerhöchstens in der 3. Liga spielt, dann wäre dies nun auch erledigt. Unabhängig von der Tatsache, das KT im wesentlichen nur aus anderen Quellen abgeschrieben hat, ist es geradezu lächerlich, dass für das chronologische Aufschreiben von Ereignissen Doktortitel verliehen werden. Sollte dieser Witz Bestand haben, dürfte sich ab sofort jeder halbwegs sorgfältige Journalist ebenfalls mit einem Dr. Titel schmücken.
    Ich habe an der Uni Stuttgart studiert. Dort hätte man mit einer Arbeit dieser Qualität nicht mal ein Seminar bestanden. Da die Mehrzahl der Deutschen sowieso keine Ahnung von der Qualität akademischer Arbeiten hat, kann ich über die Umfragen mit nach wie vor mehr als 50% Zustimmung für KT von und zu Schummelberg nur lachen. Wer derart betrügt, ist in einer Vertrauensposition wie sie Politiker nunmal bekleiden, nicht mehr haltbar. Darüber hinaus sollten alle Fans von KTS im Auge behalten, dass es bei kopierten / gefälschten Dissertationen auch eine strafrechtliche Komponente gibt.
    Ich bin mal gespannt, wie lange es noch dauert, bis bekannt wird, wer der Ghostwriter war.

  • Ein gutes Beispiel, wie sich auch sogenannte "renomierte" Juristen irren, Fehler übersehen, selbst Fehler begehen, Opfer ihrer eigenen Uninformiertheit und Fehleinschätzung werden! Sie erzeugen und selektieren die nächste Generation des Establishmentes und diese Strolche maßen sich an, unser Land gerecht zu ordnen, Menschen zu be- und zu verurteilen, über das Eigentum unseres Volkes zu entscheiden. Ein selbstgefälliger Sumpf, der seinen eigenen Wasserstand reguliert, gefüllt mit Opportunismus und Ehrgeiz, keinesfalls geeignet, den offenen kritischen Diskurs mit dem inzwischen permanentes Unrecht produzierenden scheindemokratischen System einzugehen. Genau deshalb kann ich in von zu Guttenberg keinen wirklichen Hoffnungsträger sehen, er hängt am Amt und wird nun noch gehorsamer sein. Frau Pastorin Käsmann hat da mehr Charakter gezeigt und die persönlichen Konsequenzen in höchst achtbarer und ehrenwerter Weise gezogen!

  • Schon mal etwas von "Ghostwritern" gehört??

  • Meine Güte, stellt euch nicht so an.
    Wer Kofferträger zum Finanzminister macht, sollte den Ball flach halten.

    Eure Gleichgültigkeit ist schon beeindruckend.
    Als Deutsche werdet ihr nur von Dummschülern als ehrlich und aufrichtig eingestuft werden können. Genau dieses Bildzeitungsklientel und die Möchtegern Aufrichtigen sind es auch immer wieder, die solch Induviduen zu Macht verhelfen. Wie hätte es der von vor 80 Jahren auch sonst schaffen sollen, eurer Geschichtl. Entwicklung eine solche Wendung zu geben. Eure Gegenwart entspricht eurer geschichtlichen Grundmentalität.

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