Plagiatsvorwürfe Universität prüft Schummel-Vorwürfe gegen Koch-Mehrin

Hat die FDP-Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin auch bei ihrer Doktorarbeit geschummelt? Im Internet sind zahlreiche verdächtige Passagen aufgetaucht - nun prüft die Universität Heidelberg die Vorwürfe.
Update: 12.04.2011 - 14:10 Uhr 27 Kommentare
Vorzeigefrau der FDP: Silvana Koch-Mehrin. Quelle: dpa

Vorzeigefrau der FDP: Silvana Koch-Mehrin.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie Universität Heidelberg prüft Vorwürfe, nach denen die FDP-Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin Teile ihrer Doktorarbeit abgeschrieben haben soll. „Wir haben am Montag davon erfahren“, sagte eine Sprecherin am Dienstag. Die philosophische Fakultät sei von der Internet-Plattform „VroniPlag Wiki“ telefonisch über Anhaltspunkte informiert worden, die Arbeit stamme in Teilen nicht von Koch-Mehrin. Die Europaabgeordnete kommentierte die Vorwürfe zunächst nicht.

An diesem Mittwoch werde die Sache in der Fakultätsratssitzung vorgetragen, die die Angelegenheit dann offiziell dem Promotionsausschuss übergeben soll, erläuterte die Uni-Sprecherin das weitere Vorgehen. Sollte sich der Vorwurf erhärten, müsse sich letztlich die „Kommission zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“ der Angelegenheit annehmen. Wie lange so eine Prüfung dauert, konnte die Sprecherin nicht sagen. Laut „VroniPlag Wiki“ prüfen inzwischen mehrere Helfer die Doktorarbeit Koch-Mehrins.

Benannt ist die Internetseite "VroniPlag Wiki" nach Veronica Saß, Tochter von Edmund Stoiber, deren Dissertation die Plagiatsjäger ebenfalls ins Visier genommen hatten. Nun haben die Aktivisten auch die Doktorarbeit von Koch-Mehrin unter die Lupe genommen - und sind fündig geworden.

Beinahe stündlich erhöht sich die Zahl der Textpassagen, die von anderen Autoren übernommen worden sein sollen, ohne dies in einer Fußnote kenntlich zu machen. Am Dienstagmittag waren es 27 Stellen. Koch-Mehrin (40) hat ihre 227-seitige Dissertation "Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik" im Jahr 2000 an der Universität Heidelberg eingereicht. Zuvor studierte sie von 1990 bis 1995 Volkswirtschaftslehre und Geschichte in Hamburg, Straßburg und Heidelberg.

Alles nur geklaut?
Guttenberg soll bei Doktorarbeit abgeschrieben haben
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Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) wehrte sich vergeblich gegen Vorwürfe, er habe bei seiner Doktorarbeit bewusst getäuscht. Der akademische Titel wurde ihm aberkannt, Minister ist er auch nicht mehr. Nun will er mit seiner Familie für einige Jahre ins Ausland gehen. Auch andere Prominente sahen sich bereits mit dem Vorwurf des Diebstahls geistigen Eigentums konfrontiert.

BRITAIN'S PRIME MINISTER BLAIR AND US SECRETARY OF STATE POWELL IN DOWNING STREET
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Mit fremden Federn schmückte sich 2003 auch die seinerzeit amtierende britische Regierung um Tony Blair (vorne im Bild). Ein angebliches Geheimpapier des britischen Nachrichtendienstes sollte die Behauptungen der USA untermauern, der Irak besäße Massenvernichtungswaffen. Tatsächlich war das 19-seitige Dokument, aus dem der damalige US-Außenminister Colin Powell (links im Bild) vor dem UN-Sicherheitsrat zitierte, aus drei Artikeln zusammengeschustert, von denen einer von einem US-Studenten stammte. Alle Artikel waren darüber hinaus einige Monate oder sogar Jahre alt.

Tang Jun, New Huadu Industrial Group's CEO and China's highest paid employee...
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Wenn es um die Karriere geht, schrecken auch Wirtschaftsbosse nicht vor Fälschungen zurück: So auch der den Ex-China-Boss von Microsoft, Tang Jun. Der Manager soll sich laut Fang Zhouzi, einem bekannten chinesischen Blogger und selbsternannten Wissenschaftspolizist, unrechtmäßig einen Doktortitel zugelegt haben.

Michel Houellebecq gewinnt Prix GoncourtMichel Houellebecq
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Besonders häufig kommen Plagiatsvorwürfe unter Künstlern und Schriftstellern vor: So wurde der französische Skandal-Autor Michel Houellebecq 2010 vom französischen Online-Magazin "Slate.fr" beschuldigt, aus dem Internet abgeschrieben zu haben. Passagen und Zitate aus seinem neuen Roman "La carte et le territoire" sollen unter anderem von Wikipedia abgekupfert worden sein, ohne dass der Autor die Quellen nannte. Houellebecq bezeichnete die Vorwürfe als "lächerlich".



Jahresrückblick 2010 - Jungautorin Helena HegemannHelene Hegemann
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Auch in Deutschland gab es 2010 Plagiatsvorwürfe. "Axolotl Roadkill", der Debütroman von Jungautorin Helene Hegemann, sorgte 2010 für Furore. Vor allem deshalb, weil der Schriftstellerin nachgewiesen wurde, Ideen für Teile ihres Buches unter anderem von einem Berliner Blogger geklaut zu haben. Es dauerte bis zur vierten Auflage, bis dem Roman ein detailliertes Quellenverzeichnis angehängt wurde.

Prozess um "Sakrileg" - Brown weist Vorwürfe zurück
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Auch Bestseller-Autor Dan Brown wurde Ideenklau vorgeworfen: Nach der Veröffentlichung seines Verschwörungsromans "Sakrileg" ("The Da Vinci Code") verklagten die beiden Historiker Michael Baigent und Richard Leigh den Schriftsteller wegen der Verletzung von Urheberrechten. So waren laut den Geschichtswissenschaftlern zentrale Thesen aus ihrem Sachbuch "Der heilige Gral und seine Erben" in Browns Roman zu finden. Doch die Schadensersatzklage in Millionenhöhe scheiterte. Brown hatte die Nutzung der Quelle nie bestritten.

Die Harry-Potter-Saga - Joanne K. Rowling
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2002 sah sich "Harry Potter"-Autorin J.K. Rowling Plagiatsvorwürfen gegenüber: Die US-Kinderbuchautorin Nancy Stouffler verklagte die Britin, bei ihrer Geschichten-Serie "Larry Potter" abgekupfert zu haben. Das Gericht konnte allerdings nur minimale Ähnlichkeiten zwischen den Bestseller-Romanen Rowlings und den Büchern von Stoufler feststellen und sprach die Harry-Potter-Autorin vom Vorwurf des Plagiarismus und Betrugs frei.

Für die politisch angeschlagenen Liberalen kommen die Vorwürfe gegen Koch-Mehrin, die 2004 als "das schöne Gesicht der FDP" im Europawahlkampf angepriesen wurde, zur denkbar ungünstigen Zeit. Die FDP hat in fast allen Umfragen nicht nur aufgrund ihrer energiepolitischen Kehrtwende ein Glaubwürdigkeitsproblem. Unter dem designierten Vorsitzenden Philipp Rösler will die FDP verloren gegangenes Vertrauen und Sympathien zurückgewinnen. Sollten sich die Vorwürfe gegen die von Guido Westerwelle protegierte Europaabgeordnete erhärten, würde dies den Liberalen weiteren Schaden zufügen.

Die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments ist Mitglied in Präsidium und Bundesvorstand und gehört damit zur obersten Führungsspitze der FDP. Ihr werden Ambitionen auf einen der drei Posten des Vizeparteichefs nachgesagt. Ihr baden-württembergischer Landesverband hat sich allerdings vor wenigen Tagen entschieden, allein Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel zu nominieren.

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27 Kommentare zu "Plagiatsvorwürfe: Universität prüft Schummel-Vorwürfe gegen Koch-Mehrin"

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  • Der Gerechtigkeit wegen sollte man nun unverzüglich alle promovierten Abgeordneten hinsichtlich eines möglichen Plagiates bei ihrer Dissertation überprüfen, damit endlich die Schlammschlachten aufhören.

  • Ich bin der Meinung, daß ein erteilter Titel von der GLEICHEN Universität nicht wieder aberkannt werden können sollte.
    Die Prüfer mussen sich schon VOR der Titelverleihung mit der Thematik genügend befassen. Zum Nachweis gehört ja neben der schriftlichen Arbeit auch der mündliche Teil, der sicher nicht unwichtig ist.

    Dass die betroffenen Universitäten sich von irgendwelchen Medienberichten zur umgehenden Nachprüfung triggern lassen, empfinde ich als Armutszeugnis, und zeigt doch große Unsicherheit und Zweifel am eigenen Uni-Personal.

  • FDP (wie alle anderen) baut sich ihre Gesichter
    und Köpfe wie die Fa. Matell Ken und Barbie designen:
    Was ist die FDP? --> richtig, die Zahnarztpartei!
    Wie sieht die Zahnarztfrau aus? richtig -->
    wie Koch-Mehrin ... wirklich hübsch die Frau!
    Was brauchen die Menschen draussen? richtig --> die identifizieren sich nur noch mit Hohlköpfen --> Inhalte und Herzblut? völlig igal --> warum? dann kann einer den Ton angeben -> alle anderen Statisten kriegen ja Geld und ne Karriere --> da kenne ich noch einen --> in Italien ->
    der macht datt auch so - hat immer echt geile Frauen um sich... Politik? richtig --> das machen nur noch die Insider, die, die sich nicht zu Tode unterhalten lassen und im Hintergrund die Fäden ziehen - die Macher halt!

  • Fakt ist .... sie haben alle den Doktortitel gekauft !!!
    K-T auch !
    Sagen dürfen sie es aber so nicht !
    Ghostwriters lassen grüssen !!!

  • Tag die Damen und Herren,

    Das ein Teil unserer Politiker den eigenen Vorteil durch abgekupferte Arbeiten und somit erschlichene Titel sucht ist schade, aber nichts außergewöhnliches! Glauben denn hier alle, das nur Politiker tricksen?! Ich denke, wir wollen alle gar nicht wissen, wie oft wir von erschummelten Ärzten behandelt, von abgeschriebenen Juristen verteten werden, oder wie oft wir uns in Gebäuden befinden, wo der Baustatiker der Uni gut gespendet hat, um seinen Titel zu erlangen.

    Das soll die Taten von Gutte (und vielleicht Mehrin) nicht rechtfertigen, aber relativieren!

  • „Der Ehrliche ist wie immer der Dumme.“
    Ein-Scheiß-Abkassierer-Blender-System, in dem wir leben.
    Mehr Schein als Sein - widerlich!

  • der 1. teil ist gut! alle überprüfen.

    der 2. teil ist, mit verlaub, totaler schwachsinn! warum sollten die naturwissenschaftlichen fakultäten geschlossen werden, wenn die sich professoren in fakultät für rechtswissenschaft oder wirtschaftswissenschaft haben schmieren lassen???
    diese leute sollte man entlassen und pensionsansprüche streichen.

    leute denkt mal darüber nach, was ihr hier fordert! immer diese radikalen forderungen sind nervtötend! warum nicht gleich der galgen?

  • Ich teile die Auffassung, dass es langsma lästig und unredlich wird immer Einzelfälle zu prüfen. Man sollte das Übel an der Wurzel anpacken und alle promovierten Politiker überprüfen. Ferner sollte dann die Unis geschlossen werden die Missbrauch betrieben haben.

  • PS: für ihre Doktorarbei hat sie die note "sehr gut" bekommen.
    ihre vertiefung in marx-lenin. war nur "genügend"

  • super Idee, ich spendiere 100 Euro für das Flugticket

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