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Plastikmüll EU-Parlament beschließt Aus für Plastikteller, Besteck, Strohhalme – aber nicht für Luftballons

26 Millionen Tonnen Plastikmüll fallen jährlich in Europa an. Die EU geht dagegen vor – und will Einwegprodukte aus Plastik verbieten.
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Die Abgeordneten sprachen sich mit sehr großer Mehrheit dafür aus, verschiedene Einwegprodukte aus Plastik EU-weit zu verbieten: Wattestäbchen, Besteck, Teller, Strohhalme, Rührstäbchen und Luftballonstäbe. Quelle: dpa
Strohhalme

Die Abgeordneten sprachen sich mit sehr großer Mehrheit dafür aus, verschiedene Einwegprodukte aus Plastik EU-weit zu verbieten: Wattestäbchen, Besteck, Teller, Strohhalme, Rührstäbchen und Luftballonstäbe.

(Foto: dpa)

BrüsselEs ist das typische Bild eines jeden Mittwochmorgens in der Brüsseler Gemeinde Etterbeek: Die Wege sind ein Parcours aus Plastik-Mülltüten, von den Einwohnern seit dem Vorabend für die Müllabfuhr an den Straßenrand gelegt. Manche von ihnen sind über Nacht aufgerissen, der Wind hat den Inhalt in alle Richtungen zerstreut.

In den Morgenstunden gleicht der an das EU-Viertel angrenzende Stadtteil einer Müllhalde, die auf dem Weg in die EU-Institutionen durchquert werden muss.

Plastikmüll – davon fallen allein in Europa pro Jahr 26 Millionen Tonnen an – und wie man ihn reduzieren kann, das war an diesem Mittwoch Thema im EU-Parlament: Die Abgeordneten sprachen sich mit sehr großer Mehrheit dafür aus, verschiedene Einwegprodukte aus Plastik EU-weit zu verbieten: Wattestäbchen, Besteck, Teller, Strohhalme, Rührstäbchen und Luftballonstäbe.

Die Begründung: Für diese Produkte gebe es bereits umweltfreundlichere Alternativen. Der Änderungsantrag der Grünen, Luftballons komplett zu verbieten, wurde dagegen abgelehnt. Verbindliche Reduktionsziele soll es für Verpackungen und Bechern von To-Go-Produkten geben.

Bei dem Verbot soll es vor allem darum gehen, Plastikmüll in den Meeren zu reduzieren. Jedes Jahr landen weltweit 30 Millionen Tonnen davon im Meer; jede Minute kommt eine ganze Lastwagenladung hinzu. Wenn sich das nicht ändert, wird es im Jahr 2050 mehr Plastikmüll im Meer geben als Fische.

Dieses Plastik zerreibt sich zu Mikroplastik, das über die Nahrung seinen Weg in den menschlichen Körper findet. Welchen Einfluss Mikroplastik auf den menschlichen Körper hat, ist bislang nicht erforscht.

„Das heutige Signal ist eindeutig: Wir müssen unsere Art und Weise, wie wir Kunststoffe produzieren und konsumieren, ändern. Mit dem heutigen Votum drängen wir die Industrie zu umweltfreundlichen Innovationen, damit neue, alternative Materialien zur Verfügung stehen“, sagte der CDU-Politiker Karl-Heinz Florenz, der in der EVP-Fraktion für das Thema zuständig ist.

Das Parlament fordert auch eine verbindliche Recyclingquote von 90 Prozent für alle Einwegplastikflaschen, die ab dem Jahr 2025 gelten soll, zudem sollen Plastikflaschen ab dann aus mindestens 35 Prozent recyceltem Material bestehen.

„Diese Vorgaben werden Unternehmen animieren, innovative Verpackungen auf den Markt zu bringen. Oft konnten sich Alternativen nicht durchsetzen, da Plastikprodukte günstiger erscheinen. Das soll sich jetzt ändern“, begründet Jo Leinen, Umweltschutzexperte der SPD im Europaparlament, die Entscheidung.

Auch der Verbraucher soll stärker in die Verantwortung genommen werden: Sie sollen anhand der Verpackung erfahren können, ob Plastik enthalten oder ein Behälter recyclingfähig ist – und sich dann gegebenenfalls gegen einen Kauf entscheiden.

Für den deutschen Handelsverband ist das zu viel Regulierung. „Wir brauchen ein europaweites Konzept zur Reduzierung von Plastikmüll und für mehr Recycling. Die EU-Vorschläge des Parlamentes verlieren sich zu sehr in Kleinigkeiten“, so HDE-Geschäftsführer Kai Falk.

Schon heute sei der Handel bei der Reduzierung von Produkten aus Plastik sehr aktiv. „Einige Handelsunternehmen haben bereits freiwillig bestimmte Einwegplastikprodukte aus ihren Sortimenten genommen. In manchen Fällen stehen dem allerdings Produktsicherheit und Hygienevorgaben entgegen.“

Nach dem Plenarvotum sollen nun die Verhandlungen zwischen Europaparlament und Rat beginnen. Der Rat hat bisher noch keine endgültige Position bezogen. Den Gedanken, Plastikmüll zu reduzieren, unterstützen nach Angaben von EU-Diplomaten zwar alle Mitgliedsstaaten, kleinere Detailfragen seien allerdings umstritten.

Es heißt bereits, dass Coca Cola, Nestlé, Pepsi und Danone schon mächtig Lobbyarbeit bei den Mitgliedsstaaten betreiben, um umfangreiche Verbote zu verhindern. Diese könnten ab dem Jahr 2021 in Kraft treten. Dann soll das Bild von Plastikgeschirr, das aus aufgerissenen Mülltüten quillt, der Vergangenheit angehören.

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