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Politiker des Jahres Guttenberg – eine Erscheinung von internationalem Format

Niemand scheint die Karriere von Karl-Theodor zu Guttenberg aufhalten zu können. Der Mann macht im In- und Ausland eine beeindruckende Figur, glänzt im Verteidigungsministerium sowie auf internationalem Parkett. Er kann alles – auch Kanzler. Ein Porträt des CSU-Politikers vom früheren US-Botschafter John Kornblum.
  • John Kornblum
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Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Quelle: dpa

Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU).

(Foto: dpa)

Spätestens am 19. Februar nächsten Jahres werden sich die zwei Töchter des Freiherrn Karl-Theodor von und zu Guttenberg trotz mancher Entbehrungen, die der stets volle Terminkalender ihres Vaters mit sich bringt, über die politische Karriere ihres Vaters freuen.

An diesem Tag wird der deutsche Verteidigungsminister auf die bisher höchste und vielleicht sogar gefährlichste Stufe seiner Laufbahn steigen: Der Aachener Karnevalsverein wird ihn zum "Ritter wider den tierischen Ernst" küren. Damit verbunden ist ein farbenfrohes Fest und - noch wichtiger: Geschenke für die Kinder. Zum Beispiel: jedes Jahr mindestens ein Karton Aachener Printen.

Verteidigungsminister zu sein galt lange als gefährlich für den weiteren politischen Aufstieg. Bisher hat zu Guttenberg diese Rolle meisterhaft gespielt. Doch die Aachener Bühne gilt als genauso glatt wie jene des Bundesverteidigungsministeriums.

Im Käfig des Aachener Karnevalsvereins wirken die vorgefertigten Witze manch einfallslosen Redenschreibers wie Blei. Und da ja auch Humor nicht gerade eine der typischen Eigenschaften von deutschen Politikern ist, wird man zu Guttenberg, wenn er diese tierische Prüfung besteht, wohl gar nicht mehr aufhalten können.

Aufhalten können? Auf dem Weg wohin? Diese Frage wird immer zu diesem außergewöhnlichen Politiker gestellt. "Er kann Kanzler", sagen viele daheim in Bayern. Er selbst lehnt solche Spekulationen entschlossen ab. Wie könnte es auch anders sein?

Autor John Kornblum, Jahrgang 1943, war als US-Diplomat unter anderem in Bonn, Berlin und Brüssel tätig. 2001 wurde er Deutschland-Chef der Investmentbank Lazard. Er saß in den Aufsichtsräten von Thyssen-Krupp und Bayer. Seit 2009 berät er die Kanzlei Nörr. Kornblum lebt in Berlin. Quelle: dpa

Autor John Kornblum, Jahrgang 1943, war als US-Diplomat unter anderem in Bonn, Berlin und Brüssel tätig. 2001 wurde er Deutschland-Chef der Investmentbank Lazard. Er saß in den Aufsichtsräten von Thyssen-Krupp und Bayer. Seit 2009 berät er die Kanzlei Nörr. Kornblum lebt in Berlin.

(Foto: dpa)

Gerade vor zwei Wochen 39 Jahre alt geworden, mit knapp zehn Jahren aktiver politischer Erfahrung hinter sich, würde die bloße Andeutung eines solchen Ziels zu Guttenberg zum ewigen Kronprinzen machen. Bald wäre er politische Zielscheibe, auf die jeder neidische Konkurrent ununterbrochen schießen würde.

Noch viel wichtiger: Er braucht es nicht. Zu Guttenbergs Attraktivität hat wenig mit übertriebenem Ehrgeiz zu tun. Er ist beliebt, gerade weil er den Antipolitiker unter den deutschen Spitzenstaatsdienern darstellt. Er scheint sich tatsächlich für die Substanz der Politik zu interessieren.

Er hat auch nicht das in Deutschland weit verbreitete Bedürfnis, die Wähler vor der Wahrheit zu schonen. Klare Sätze mit Verb und Substantiven und ohne Nebensätze sind seine Spezialität. Je heikler die Frage, desto klarer formuliert er seine Antworten.

Opel an Russland verkaufen? Nein, danke. Wehrdienst abschaffen? Ja, und das sofort. Entwicklungspolitik in Afghanistan? Nein, es ist ein Krieg. Das kommt an, vor allem beim Volk. Es ermöglicht zu Guttenberg, als Konservativer das Image der frischen Modernität darzustellen. Als Mensch, der klare Wertvorstellungen in konkrete Politik umwandeln kann, spricht er besonders die jüngere Generation unter den Wählern an.

Ein Blick in seine Familiengeschichte gibt ein Bild von zu Guttenbergs Charakter. Die Selbstsicherheit einer langen Tradition, verbunden mit offenen und verantwortungsvollen Eltern und einer engagierten Frau, die selber noch mit nach Afghanistan fährt, um Solidarität mit der Truppe zu demonstrieren.

Aber ein sehr gutes Fundament zu haben erklärt auch nicht alles. Einige Nörgler meinen sogar, er ist zu perfekt. Eine Art Schablone von einem Spitzenpolitiker im Facebook-Zeitalter.

Was zu Guttenberg vor all diesen stereotypischen Bemerkungen rettet, ist tatsächlich sein Humor. Man braucht nur kurz mit ihm zu reden, um zu verstehen, dass er sich nicht so ernst nimmt wie viele seiner Bewunderer. Seine Vorschläge werden oft mit einem selbstkritischen Unterton verbreitet. Die Magazine "Bunte" und "Gala" findet er lustig, aber für seine richtige Aufgabe sogar etwas störend.

Wichtiger für sein Fortkommen wird der Erfolg. Klare Ziele zu setzen hilft wenig, wenn die Ergebnisse nicht stimmen. Und hier wären einige Fragezeichen angebracht. Kann ein deutscher Verteidigungsminister, egal wie begabt, bei wachsenden Herausforderungen, immer weniger Ressourcen und abnehmendem Interesse von Politik und Bevölkerung die Quadratur des Kreises schaffen?

Oder wird seine Zukunft nicht an seiner Rolle als Bundesverteidigungsminister gemessen, sondern an seiner Fähigkeit, seine eigene Partei, die CSU in Bayern, vor dem schleichenden politischen Niedergang zu retten?

Und er hat nicht nur in Deutschland eine Zukunft. Man braucht ihn nur durch die Korridore in Washington zu begleiten, um sich darüber im Klaren sein: Hier ist ein Politiker von internationalem Format. Er wird dort von vielen Mitgliedern aller Parteien bewundert - eine sehr seltene Erscheinung in den heutigen USA.

Vielleicht wird er auch auf das globale Parkett ausweichen. Als Generalsekretär des Nato-Bündnisses würde er bestimmt glänzen.

Das alles ist aber Zukunftsmusik. Im Moment sollten sich Deutschland und die Atlantische Welt freuen, dass ein so begabter Mensch sich für die Politik entschieden hat, statt das große Geld zu suchen und zu verdienen, das ihn bestimmt erwarten würde, wenn er den Gang in die Wirtschaft antreten würde.

Aus diesem Grund allein sollten wir alle uns auf seinen Auftritt im Frühjahr in Aachen wirklich freuen - als Ritter wider den tierischen Ernst.

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11 Kommentare zu "Politiker des Jahres: Guttenberg – eine Erscheinung von internationalem Format"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Es wird sich gut machen im Ahnenzimmer irgendwann einen Theodor v Guttenberg als Verteidigungsminister hängen zu haben. besser als Chef mit einen langweiligen Aufsichtsratposten. Aber
    besser wäre es gewesen die CSU Führung zu übernehmen, die Mitesser auszudrücken und dann nach berlin zu gehen. Als Verteidigungsminister der UNiON ist man fast unangreifbar da ROT/GRÜN die Dose der Pandora geöffnet haben und nun den Mund halten müssen. Als Aussenminister wäre v Guttenberg allerdings bestens geeignet. Hier wäre er der Stolz Deutscher Aussenpolitik der auch keinerlei Schleusermentalität besitzt.

  • Als Außenminister wäre der Herr Karl-Theodor zu Guttenberg ganz passabel, als Kanzler nicht so, weil mehr Schein als Sein!

  • Also Frau Merkel als dumm zu bezeichnen geht dann doch etwas zu weit. Und in diesem Zusammenhang sieht man am deutlichsten den Unterschied zwischen den beiden. Der eine kann sich vermarkten, die andere nicht. Zugegeben müsste Theo sich an der Tagespolitik mit einem nervigen Koalitionspartner, einer Eurokrise und den oppositionellen grünen Ökoterroristen aufreiben würde man sehen wie weit dann seine beliebtheit bleibt.
    Allerdings sieht man wie sehr selbst seine eigenen Parteifreunde und die Opposition ihn fürchten und das wahrscheinlich zurecht.

  • @[6] W. Fischer

    aalglattes benehmen?
    Nein, er hat nur geschliffene Manieren, eine hervorragende Erziehung und einen hohen bildugnsgrad.
    Wenn Sie das als aalglatt bezeichnen, dann tun Sie mir leid.
    Meinen Sohn (35) könnten Sie dann wahrscheinlich auch nicht leiden, denn ist absolut genau so.
    Aber da gute Erziehung und hohe bildung in Deutschland nicht mehr "in" sind, kommt es wohl zu solchen Meinungen.
    Armes Deutschland.
    Und Guttenbergs Leistungen die von anderen hinterfragt werden?
    Er hat als erster Vert.-Minister dafür gesorgt, dass unsere Soldaten in Afghanistan endlich besser ausgerüstet werden. Es ist noch nicht alles perfekt, aber es geht voran
    Er baut in der bW-bürokratie ab. Er mistet in bonn im Vert.-Ministerium auf dr Hardthöhe aus usw.
    Die Dinge kommen nur nicht so an die Öffentlichkeit. Das müssen sie ja auch nicht.

    Und warum kommt Guttenberg so an? Übrigens nicht nur bei jüngeren Wählern, wie Herr Kornblum schreibt.
    Und auch nicht nur bei Frauen, wie ich in beiträgen lesen konnte.
    Schwiegermutters Liebling ist ja schon der alerte Wulff
    Er kommt an, aus genau den Gründen die ich oben nannte.
    Die bürger sind die Halbgebildeten in der Poltik satt. Die sich dann auch noch einbilden, sie seien Eliten.
    Sie sind auch die arroganten Lümmel satt, die strunzumm sind, noch nichts im Leen geleistet haben, außer überlangen Studienzeiten nichts vorweisen können, sich mit Mitte 20 in die Poltik setzen und von uns bestens finanzieren lassen und ausgesorgt ahben bis sichd er Sargdeckel schließt.
    ihr totales Nichtwissen kaschieren sie mit Arroganz und Überheblichkeit.
    Sie haben nur die $-Zeichen im Auge, nur ihre eigene Karriere ist ihnen wichtig.
    Diese ganzen Spahns, Röslers, Vogel, bahrs usw. Nennen sich dann auch noch Experten und haben von nichts Ahnung, davon dann aber sehr viel.
    immer mehr bürger merken das und sind es satt.
    Und da kommt mal jemand und packt an, gibt auch mal einen Fehler zu und vor allem, es stimmt einfach alles, sein excellentes Auftreten, bildung usw. (s.o.)
    Ein Großteil der Deutschen hat nämlich wieder Sehnsucht nach Manieren, bildung etc.
    Die verschlunzte Nichterzhiehung der letzten Jahre hängt vielen zum Hals raus.
    benehmen, Manieren und Wissen ist wiedr gefragt.
    Zu Guttenberg erinninnert so ein bißchen an Schmidt in seinen Anfangsjahren, auch als Senator in Hamburg.

    im Gegenatz zu dieser dummen Merkel braucht zu Guttenberg nicht ständig irgendwelche Gipfel sondern macht eben.

    Und was seine Frau betrifft, eine Urenkelin bismarcks, so ist meine beschreibung über Guttenberg ebenfalls auf sie zu übertrgen.
    Und was ankommt, ist mal wieder eine Frau, die nicht mit Emanzengeplärr auffällt, sondern hinter ihrem Mann steht und ihn unterstützt.
    "Hinter einen erfolgreichen Mann steht immer eine gute Frau" so war es mal.
    Frau zu Guttenberg ist mit Sicherheit emanzipierter als die, die immer so laut schreien.
    Sehen Sie es mal von dieser Seite.
    Vielleicht verstehen Sie dann, warum er so gut ankommt

  • Nachdem das deutsche Kapital Frau Merkel verfeuert hat wird eine neue Gallionsfigur aufgebaut.
    Nach Vorpommern (DDR) ist jetzt der Deutsche Adel an der Reihe. Alles läuft nach Plan, wären bloß nicht die „Sarraziner Spritzer“ die etwas störend wirken.

  • Es ist doch alles nur dummes Zeug, was über den Verteidigungsminister in der Presse, und Fernsehen verbreitet wird.
    Das einzige was richtig ist, er kommt bei Frauen und den Medien gut rüber, aber als Politiker hat Er noch nichts geleistet.
    Er ist ein selbst Darsteller. Und sein Aal glattes auftreten, ist für mich beängstigend.
    Deshalb liebe Presse, wischt euch den Sand aus den Augen, und reinigt den Mund vom Sabber.
    Er muß erst noch wirklich zeigen, was Er kann.
    Danke

  • Ein innenminister muss noch ersetzt werden,vorne Hui hinten Pfui.Auf der Welt ist genug Misere.

  • KTG ist der Hoffnungsträger in der Politikerelite und zwar über alle Parteigrenzen hinweg.
    Nur mit ihm als Spitzenkandidat kann die Union bei der nächsten bundestagswahl siegen.Wer das nicht erkennt ist selber schuld.

  • Wir brauchen keinen Glamour-boy nach amerikanischem Vorbild, so einen hatten wir schon: Schröder. Wir brauchen neue Parteien und neue Politiker, die die Sache der bürger und Deutschlands vertreten, auch wenn das in den USA nicht ankommt. Wir brauchen keine guten Ratschläge aus einem Land, wo die bevölkerungsmehrheit mit dem "Abfall" der Politik abgespeist wird und man dies als Erfolg zu verkaufen sucht. Das amerikanische Zweiparteiensystem und die politischen Köpfe haben schon lange nichts mehr vollbracht, was weltweit anerkennungswürdig und für die Zukunft richtungsweisend sein könnten. Herr Kornblum solte sich um andere Dinge vor allem kritische gednaken machen, anstatt solchen "Polit-Kitsch" von sich zu geben! Note: Überflüssig!

  • Wer forciert eigentlich diesen Unfug durch die Medien das "Guttenberg der Heilsbringer" ist.Es gibt bisher keine Politische Leistung die er sich auf seine Fahnen schreiben kann.Ganz im Gegenteil , bei dem Desaster in Afghanistan hat er ganz unvoreingenommen sich von Unfähigen beamten getrennt.Er hätte aber auch Konsequenzen für sich ziehen müssen.

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