Politische Abrechnung Strauß-Sohn rechnet mit Merkels Krisenpolitik ab

Der Sohn des früheren bayrischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß, Max Josef Strauß, findet scharfe Worte für das deutsche Krisenmanagement in der Euro-Krise. Seine Partei kommt ebenfalls nicht ungeschoren davon.
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Max Josef Strauß, Sohn des früheren bayrischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß. Quelle: ap

Max Josef Strauß, Sohn des früheren bayrischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß.

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DüsseldorfDer Sohn des früheren bayrischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß, Max Josef Strauß, hat das Euro-Krisenmanagement der deutschen Politik scharf kritisiert. Es gebe „keine Vision, wo man eigentlich hin will. Und darin zeigt sich das Versagen der europäischen Führungsspitze", sagte Strauß im Interview mit Handelsblatt Online.

„Die dauernden Besuche von Frau Merkel bei Herrn Sarkozy und umgekehrt bedeuten doch in Wahrheit, dass es beim wichtigsten Thema, den Schulden nur schlecht funktionierende Strukturen in Europa gibt." Die Verfassungsrealität stimme in Europa kaum mehr mit den Verfassungsnormen überein, fügte der Strauß-Sohn mit Blick auf die Europäische Zentralbank (EZB) hinzu, die durch die Politik genötigt worden sei, in die Krise einzugreifen.

„Was auf die Dauer nicht geht, ist, dass die Politik in Europa im Namen des Euros in Wahrheit den Banküberfall auf die EZB ermöglicht hat", sagte Strauß, der einfaches CSU-Mitglied ist. Das widerspricht dem Haushaltsrecht der Parlamente. „Es geht nur noch darum, wo sich irgendwo fresh money rausquetschen lässt." So sei der „große Sündenfall" gewesen, dass die EZB begonnen habe, Staatsanleihen in einer „juristisch fragwürdigen Aktion" zu kaufen.

Aus Strauß’ Sicht hätte man stattdessen im Fall Griechenland „sofort durchgreifen" müssen. „Ich meine, dass Experten von hier in das griechische Finanzministerium und andere Ministerien entsandt werden, um endlich die Verwaltung in Gang zu bringen." Die bisher entsandten Berater reichten offensichtlich nicht aus, um dem Chaos Herr zu werden. „Ich verstehe das Problem mit der nationalen Hoheit über die eigene Verwaltung, aber die Griechen haben dieses Recht durch ihre Betrügereien und ihre namenlose Korruption auf allen Ebenen meines Erachtens verwirkt."

Strauß ging zudem generell mit der Politik hart ins Gericht. „Mich stören die glatten Wellness-Formulierungen, die heute zu dem Eindruck führen, dass es kaum noch profilierte Köpfe gibt, die die Dinge so beim Namen nennen können, dass die Bürger sie auch verstehen", sagte er. „Der politische Betrieb ist heute wie ein Pudding, in dem unpräzise Wortmeldungen herumwabern, die nur verwirren, aber niemanden wirklich informieren." Er sei dafür, dass man die Dinge in aller Klarheit demokratisch ausdiskutiert. „Das politische Wellness-Gequatsche hat in Zeiten der Krise nichts verloren", sagte Strauß.

Harsche Kritik äußerte Strauß in diesem Zusammenhang an seiner eigenen Partei, der CSU. „Ich kann zum Beispiel nicht verstehen, wie man fordern kann, dass auch noch andere Länder womöglich den Euro verlassen können sollten", sagte er. „Die Folgen wären verheerend und im Wesentlichen von den Ländern zu bezahlen, die im Euro bleiben."

In der CSU herrsch oft das Prinzip: „Wir fragen die Meinungsforscher, was wir meinen sollen, damit wir konfliktfrei Dienstwagen fahren können“, kritisierte Strauß. "Da ersetzt die Lufthoheit über den Stammtischen Meinungsführerschaft. So jetzt auch in Griechenland, wo die Meinung „Schickt die Griechen in die Drachme“ beim CSU-Anhang sehr populär ist."

„Mein Vater wäre ein großer Euro-Befürworter gewesen“

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8 Kommentare zu "Politische Abrechnung : Strauß-Sohn rechnet mit Merkels Krisenpolitik ab"

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  • Die von Msx Strauss geäusserte Meinung erscheint mir richtig wiederzugeben, was real gegeben ist. Aber die Gründe sollte jeder auch verstehen: Worüber soll denn geredet werden, wenn die Volksmeinung übergangen wird (No-Bail-Out) mit 'keine Alternative'-Gequatsche und die versammelte Politikerkaste in Europa unter Druck plötzlich das erreichen will, was über 10 Jahre am nationalen Egoismus gescheitert ist. Dann bleibt doch nur, die Dummen zu finden unter dem Titel 'solidarität', die sich noch ausweiden lassen wollen. Das Ergebnis ist eben tägliches Gequatsche ohne wirkliche Lösung. Ich bleibe dabei: Der EURO ist in 2010 gescheitert. Reparaturen sind natürlich fraglich und sündhaft teuer.

  • Das Einsetzen von ausländischen Verwaltungsbeamten hätte keinen Sinn. In der Jahrhunderten der osmanischen Herrschaft haben die Griechen gelernt mit passivem Widerstand und Täuschen die Ordnungsmacht lahmzulegen. Steuer hinterziehen war ein patriotischer Akt. Selbst die freundliche Übernahme durch den ersten griechischen König Otto, einem bayerischen Prinzen endete in Attentaten und einer Rebellion. Die Bavarokratie (griechischer Orginalton) war verhasst, obwohl Otto sicher nichts schlechtes wollte, eben nur die Staatsfinanzen in Ordnung bringen. Seine letzten Worte sollen gewesen sein "Mein liebes Griechenland" , also ist er nie auf Hassprediger hereingefallen. Genützt hat es ihm nichts, er starb im Exil in Bamberg (Oberfranken).

  • Wie der Blick in nachfolgenden Beitrag zeigt, ist es kein Fall: Merkel sondern es war offensichtlich schon immer so.

    Herr Strauß hat sich hier nur in die Zahl der Kritiker eingereiht. Er hat kein Anspruch auf ein Alleinstellungsmerkmal.

    Hier der Link:
    www.youtube.com/watch?v=xTk-W2nwntI&feature=autoplay&list=PLFF604421EA5B4606&lf=results_video&index=21&playnext=4

    siehe aber auch:
    www.youtube.com/watch?v=xTk-W2nwntI&feature=autoplay&list=PLFF604421EA5B4606&lf=results_video&index=21&playnext=4

  • Herr Strauss hat wohl kaum je in einem anderem Land als Bayern gelebt.

    Grundsätzlich ist man in den meisten Ländern der Erde sehr stolz auf das eigene Land und dessen Geschichte. Wenn man einem Finnen sagt, dass Wiborg (seit 1945) russisch sei, ist dies ein Fettnäpfchen.
    Die Völker wollen in souveränen Nationalstaaten leben. Eine "EU Besatzung", "Merkozy Besatzung" würde keine Freude bei Griechen, Portugiesen, etc. auslösen, sondern eher Widerstand in allen Formen.

    Der beste Weg wäre es Griechenland die Chance zu geben einen eigenen Weg zu finden. Mit der Zahlungsunfähigkeit könnte/müsste die Griechische Regierung die Ausgaben innerhalb einiger Tage an die Einnahmen anpassen und hätten die Chance mit, oder ohne Euro wieder durchzustarten.

    Die Schulden des Griechischen Staates gegenüber Deutschland, der EZB und anderen Gläubigern sind wertlos als Griechenland nicht über die Ertragskraft verfügt diese in absehbarer Zeit zu bedienen.

    Vandale

  • @Winter
    Auch wer vorbestraft ist, kann denken. Strauß kann kein politisches Amt übernehmen. Die politische Klasse in Deutschland ist korrupt. Man braucht nur an die Spitze zu schauen...

  • Als Justitiar der Anlagefirma Wabag AG war er Mitwisser von Betrügereien, die die Firmenspitze systematisch betrieb. Insgesamt waren in den neunziger Jahren über 5000 Anleger um über 100 Millionen Mark geprellt worden. Die Wabag AG hatte vorgegeben, in den neuen Bundesländern im großen Stil Unternehmen zur Müllentsorgung und zur Energiegewinnung aufzuziehen, doch von insgesamt 244 Millionen Mark, die dem Unternehmen von Investoren zur Verfügung gestellt worden waren, wurden lediglich 55 Millionen auch wirklich investiert, der Rest verschwand in den Taschen des Managements, meist getarnt als Sonderprovision oder Verwaltungsaufwendung. In dem Verfahren vor dem 6. Strafsenat des Münchner Landgerichts ging es um ein Bio-Kraftwerk in Zittau, die Trentec AG und die Sachsenholz AG, die inzwischen alle insolvent sind. Die Gründer und Vorstände der Wabag AG wurden bereits zu Freiheitsstrafen zwischen vier und acht Jahren verurteilt.

  • Wegen der Beihilfe zum Betrug in drei besonders schweren Fällen ist Max Strauß, der Sohn des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß, zu 600 Tagessätzen à 500 Euro verurteilt worden. Die insgesamt 300 000 Euro kann er in 20 Raten, beginnend am 1. Oktober, abzahlen. Strauß ist damit vorbestraft.

  • in der Problembeschreibung stimme ich Herrn Strauß voll zu aber nicht in seinen Lösungsansätzen.

    "Aus Strauß’-Sicht hätte man stattdessen im Fall Griechenland „sofort durchgreifen" müssen. „Ich meine, dass Experten von hier in das griechische Finanzministerium und andere Ministerien entsandt werden, um endlich die Verwaltung in Gang zu bringen."

    Sowas geht, wenn es ein europäisches Reich gibt, dann kann der Kaiser dieses Reiches sogenannte Experten in seine Provinzen schicken, die seinen Willen dann dort erzwingen. In demokratischen Gefügen klappt das nur ganz kurzfristig, denn es fehlen die Truppen des Kaisers, die den Worten des Kaisers Gewicht verleihen.
    Es gäbe noch einen anderen Lösungsansatz: Die Sache ist nicht durchführbar und wird allen schaden, wir hören lieber heute als morgen auf und lecken unsere Wunden.

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