Porsche-Betriebsrat Hück „Gewerkschaftsmitglieder werden doch bislang benachteiligt!“

Porsche-Betriebsratschef Hück fordert eine Extra-Prämie für Gewerkschaftsmitglieder bei Tariferhöhungen. Die Arbeitgeber warnen hingegen, dass eine Besserstellung für Unruhe in den Betrieben sorgen könne.
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Porsches Betriebsratschef Uwe Hück fordert eine Besserstellung von Gewerkschaftsmitgliedern bei Tariferhöhungen. Quelle: dpa

Porsches Betriebsratschef Uwe Hück fordert eine Besserstellung von Gewerkschaftsmitgliedern bei Tariferhöhungen.

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DüsseldorfDer mächtige Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück hat eine Diskussion um Tariferhöhungen angezettelt: Er will, dass Gewerkschaftsmitglieder anders als Nichtmitglieder nach einem Abschluss eine Extra-Prämie erhalten – als Ausgleich dafür, dass sie einen Gewerkschaftsbeitrag zahlen, Nichtmitglieder aber nicht. Denn bislang, so Hück, würden Gewerkschaftsmitglieder benachteiligt. „Es reicht“, schimpft der prominente IG Metaller. „es kann nicht sein, dass die, die gekämpft haben, schlechter gestellt sind, als die, die nicht gekämpft haben.“

Hücks Argumentation geht so: Gewerkschaftsmitglieder und Nichtmitglieder bekommen das gleiche Geld und nach einem Tarifabschluss die gleiche Erhöhung. De facto aber bekämen Mitglieder der Gewerkschaft weniger als Nichtmitglieder. Schließlich zahlten sie von ihrem Einkommen einen Beitrag an die Gewerkschaft, mit dem erst ermöglicht werde, dass etwa die IG Metall arbeitsfähig sei und Tarifverträge aushandeln könne. „Im Ergebnis bedeutet das für Nicht-Mitglieder, dass sie mehr vom Tarifabschluss haben als die Mitglieder. Diese Besserstellung ist nicht gerecht.“ IG-Metall-Mitglieder zahlen ein Prozent ihres Bruttoeinkommens als Beitrag.

Das Problem der nicht organisierten Trittbrettfahrer ist für die Gewerkschaften schon lange ein Ärgernis. Schon öfter gab es seitens der Gewerkschaften Vorstöße, für die eigenen Mitglieder bessere Konditionen auszuhandeln. Das funktioniert aber nur in engen juristischen Grenzen: Der Arbeitgeber darf nicht gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung verstoßen.

Hier hakt Hück ein: „Es geht doch gar nicht darum, dass ich Mitglieder besserstellen will“, erläutert er. „Ich will nicht, dass Mitglieder mehr bekommen; ich will, dass sie erst mal genauso viel bekommen wie Nicht-Organisierte.“ Hinzu komme, dass die Gewerkschaftsmitglieder durch Warnstreiks Einbußen hätten. „Die gehen beim Warnstreik eine Stunde raus und bekommen die Stunde vom Lohn abgezogen. Der Nicht-Organisierte geht arbeiten und bekommt die Stunde bezahlt.“

Schützenhilfe erhofft sich Hück von einem Urteil des Bundesarbeitsgerichtes (BAG). Das hatte 2009 geurteilt, dass der Arbeitgeber zwar keinen Unterschied beim Entgelt machen darf; dass es aber durchaus zulässig sei, eine Prämie für Gewerkschaftsmitglieder auszuhandeln. Warum die Gewerkschaften dieses mehrere Jahre alte Urteil nicht schon früher für sich entdeckt hätten, „verstehe ich selbst nicht“, sagt Hück. „Ich bin regelrecht erbost, dass wir das jahrelang hingenommen haben.“

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33 Kommentare zu "Porsche-Betriebsrat Hück: „Gewerkschaftsmitglieder werden doch bislang benachteiligt!“"

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  • Wenn Sie 78 schreiben meinen Sie wohl 75?
    Aber egal, der BR hat keinen Einfluss auf die Ausgestaltung von Arbeitsverträgen. Und damit auch keinen Einfluss auf die Höhe des Gehalts. Das ist alleine Sache der Tarifpartner. Und der BR ist KEIN Tarifpartner.
    Wenn das so wäre wie sie schreiben, dann wäre der BR vieler Betriebe damit ausgelastet, die niedrigere Bezahlung von Frauen zu bekämpfen.

  • Nachwuchs
    nach Ihrer Meinung, die Sie da kuntun, dürften dann eigentlich auch nur die Bürger zur Wahl gehen, die Parteimitglieder sind.

  • Dass den Gewerkschaften die Mitglieder abhanden gekommen sind, daran sind sie selber Schuld
    Sie haben sich bei dem Unsinn der Agenda 2010 von Rot-Grün unterbuttern lassen.
    Wo waren denn damals die Gewerkschaften die mal Mio mobilisiert hätten und auf die Straße gegangen wären?
    Sie waren schlicht nicht vorhanden. Gewerkschaften sind längst Teil der Politik geworden und die Mitgliedr haben das gemerkt. Wenn Michael Sommer vom DGB bei der Kanzlerin ein- und ausgeht, dann stimmt was nicht
    Sie sitzen in Afusichtsräten und Verwaltungsräten, angeblich um die Interessen der Arbeitnehemr zu vertreten. Aber Pustekuchen, sie vertreten mehr die Interesen der AG, denn sie wollen ja wieder in den Verwaltungsrat
    Ich habe das selbst erlebt und darauf dann auch meine Mitgleidschaft gekündigt.
    Die Gewerkschaften müssen erst einmal wieder zu sich selbst finden, dann klappt es auch weider
    So eine Forderung von dem Posrsche Gewrkschafter ist bulshit und wird noch mehr Antipathie auslösen

  • Fredi
    bei Streiks, die zwar von den Gewerkschaften ausgerufen werden, gehen aber in der Regl alle mit.

  • Um es mit seiner, ihm eigenen, eleoquenten Art zu sagen:
    "Er tut spinnen". Fehlt nur noch, dass er fordert, dass
    wer auf den Kauf eines Auto verzichtet, besser entlohnt wird.

  • Wollen wir die Frage doch mal ganz einfach vom BGB - also den in Deutschland geltenden Gesetzen - her sehen.
    Ein Vertrag ist die übereinstimmende Willenserklärung von zwei Partnern. Und dieser kann nicht für Dritte abgeschlossen werden. Ein Tarifvertrag ist - meist - ein Vertrag zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeberverband. Er gilt nicht für Dritte, also Betriebe, die nicht im Arbeitgeberverband sind. Die dürfen also auch niedrigere Löhne zahlen, was sie auch tun, z.B, Amazon als aktuelles Beispiel (ca. 50 % aller Arbeitgeber sind nicht im jeweiligen Verband, ein großer Teil der Arbeitnehmer wird auch unter Tarif bezahlt). Aber was für Arbeitgeber gilt, das muss eigentlich auch für Arbeitnehmer gelten: wer nicht Vertragspartner ist, also jeder , der nicht in der Gewerkschaft ist, der hat auch kein Anrecht darauf, nach Tarif bezahlt zu werden. wenn er dieses Recht haben will, dann muss er halt Vertragspartner werden!
    Dass die Arbeitgeber kein Interesse an stärkeren Gewerkschaften haben und deshalb aus Eigeninteresse allen Tariflohn zahlen, das steht auf einem anderen Blatt. Das endet aber natürlich dann, wenn das Arbeitsverhältnis gelöst wird. Soweit ich weiß hat Siemens in München bei der Schließung eiener Abteilung laut Sozialplan Gewerkschaftsmitgliedern eine höhere Abfindung gezahlt als Nichtmitgliedern. Trittbrettfahrerei lohnt eben nicht immer.

  • Der Betriebsrat verkennt hier die eigenen Privilegien und sollte vorsichtig mit solchen Forderungen sein.
    Denn mit Argusaugen wacht die DGB Gewerkschaft auf ihren Alleinvertretungsanspruch der Arbeitnehmer.
    Wenn der Betriebsrat hier also Vorteil für Gewerkschaftsmitglieder will, dann muss die IG Metall und der Gesetzgeber die Koalitonsbildung hin zu konkurrierenden Gewerkschaften hinnehmen.
    Denn es wäre ein unfairer Vorteil allen Arbeitnehmern die Vorstellungen der IG Metall von Arbeitnehmerinteressen aufzuzwingen.

    H.

  • Die IG Metall geht auf Dummenfang

    Angenommen, die IG-Metall-Mitglieder bekommen zukünftig ihren Beitrag vom Arbeitgeber erstattet, ist es dann wirklich ein Anreiz für Nicht-Mitglieder, der Gewerkschaft beizutreten? Es käme ja auf das Gleiche heraus.
    Sollten Gewerkschaftsmitglieder tatsächlich aber mehr als einen Ausgleich ihres Beitrages bekommen, wie wäre das denn zu rechtfertigen? Gewerkschaftszwang? Das widerspricht sehr wohl dem GG, weil die Koalitionsfreiheit auch negativ gilt. Ich muss nicht Mitglied einer Gewerkschaft werden, von der ich mich nicht vertreten fühle.
    Es gibt für Viele gute Gründe, sich nicht von der IG Metall oder anderen DGB-Gewerkschaften vertreten zu fühlen. Die zum Teil schon extreme Spreizung der Löhne/und Gehälter in den verschiedenen Einstufungen geht ja ausdrücklich auf eben die Tarifverträge zurück, die IGM und DGB geschlossen haben. Genauso der extreme Lohnnachteil der Zeitarbeiter. Gerade die haben guten Grund, sich von der IGM verraten zu fühlen.
    In der Autoindustrie wirbt die IG Metall unter den Zeitarbeitern Mitglieder an, obwohl nach den Regularien des DGB ver.di zuständig ist. Bloß, man muss sich anhören WIE da geworben wird. Da wird von Vertrauensleuten und Betriebsräten durchaus durchblicken lassen, dass Nicht-Mitglieder viel höhere Chancen hätten, abgemeldet zu werden. So finanzieren die Zeitarbeiter eben die Organisation, die sie extrem benachteiligt und in ihrer Propaganda zu Sklaven macht.
    So haben sie es nämlich gerne, die Herren Gewerkschafter: Die Zeitarbeiter sind der Personalkostenpuffer, der ab und an mal eine Erhöhung für die "eigenen" Leute hergibt. Und dann nach dem Motto: Wer viel hat bekommt auch mehr!
    Nebenbei: die IGM verzockt nicht nur viel Geld für ihre Funktionäre mit z.T. exorbitanten Gehältern, sie verzockt auch viel Geld an der Börse und mit Anlage-Geschäften.

  • Was ist denn eigentlich so revolutionär an dem Vorschlag von Hück? Das war schon mal so, und es war richtig! Erst jammern, sich nicht engagieren - noch nicht mal Gewerkschaftsbeitrag zahlen - und dann die Ergebnisse kritisieren, die andere durch zeitliches Engagement oder eben Mitgliedschaft in einer Interessenvertretung erreicht haben. Das soll richtig sein? Im Sinne der Arbeitgeber und "Trittbrettfahrer" ja, im Sinne der Gewerkschaftsmitglieder sicher nicht. Solidarität ist auch beim Michtmachen gefragt, nicht nur beim Mitnehmen.
    WVelten

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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