Präsidenten-Affäre Prüfung von Wulffs BW-Kredit dauert länger

Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft prüft den umstrittenen BW-Bank-Kredit für Christian Wulff länger. Ob gegen den Bundespräsidenten Ermittlungen aufgenommen werden, entscheide sich frühestens an diesem Mittwoch.
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Bundespräsident Christian Wulff Quelle: dapd

Bundespräsident Christian Wulff

(Foto: dapd)

StuttgartEine Sprecherin der Behörde sagte am Dienstag, dass die anfängliche Prüfung des Falles mehr Zeit brauche. Der Staatsanwaltschaft liegen im Zusammenhang mit dem günstigen Geldgeschäft für den Politiker rund ein Dutzend Anzeigen gegen das baden-württembergische Kredithaus vor.

Die Behörde muss in solchen Verdachtsfällen zunächst klären, wie stichhaltig die Anschuldigungen sind. Dafür sichtet sie derzeit etwa die Informationen von Wulffs Anwälten. Erst, wenn sich die Hinweise erhärten, leitet die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren ein. Zunächst hatte es geheißen, dass die Entscheidung am Dienstag falle.

Wulff hatte 2010 einen Privatkredit von der Unternehmergattin Edith Geerkens in ein sogenanntes kurzfristiges Geldmarktdarlehen bei der BW-Bank umgewandelt. So löste er die Schuld bei Geerkens ab, die ihm 500.000 Euro für einen Hauskauf in Niedersachsen gegeben hatte.

Medienberichten zufolge war der neue BW-Bank-Kredit günstiger als marktübliche Konditionen, zu denen Banken Privatleuten üblicherweise größere Summen leihen. Als Wulffs Geldgeschäfte zum Jahresende 2011 öffentlich wurden, unterschrieb er im Dezember bei der BW-Bank einen weiteren Vertrag, der sein anfängliches Geldmarktdarlehen durch einen langfristigen Kredit ablöste. Kritiker vermuten, dass Wulff als ein prominenter Spitzenpolitiker bei der BW-Bank Sonderkonditionen bekam.

Die BW-Bank gehört zum Konzern der Landesbank Baden-Württemberg, LBBW. Eigentümer dieser größten deutschen Landesbank sind unter anderem die Sparkassen, das Land Baden-Württemberg und die Stadt Stuttgart. Die BW-Bank ist eine der regionalen LBBW-Kundenbanken.

Christian Wulff und das liebe Geld
Bundespräsident Wulff in Kuwait
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Böse Überraschung: So einen Abschluss seiner Sechs-Tage-Reise in vier Golf-Staaten hat sich Christian Wulff sicher nicht gewünscht: Am letzten Tag seiner Tour zur Unterstützung der Reformkräfte in der Region musste der Bundespräsident am Dienstag in der „Bild“-Zeitung schwere Vorhaltungen gegen sich lesen. „Staatsoberhaupt hat als Ministerpräsident von Niedersachsen offenbar das Parlament getäuscht“, titelte das Blatt.

Ehepaar Geerkens
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Es geht um einen privaten Kreditvertrag, den Wulff und seine Frau Bettina mit der Ehefrau des Osnabrücker Unternehmers Egon Geerkens (Foto) geschlossen hatten. Die Grünen im niedersächsischen Landtag hatten im Februar 2010, vier Monate vor der Wahl Wulffs zum Staatsoberhaupt, wissen wollen, ob es geschäftliche Beziehungen zwischen dem Ministerpräsidenten und Geerkens gegeben habe. Das hatte Wulff verneint.

Privathaus von Bundespraesident Wulff
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Gelogen oder nur verschwiegen? Wulff hatte jedoch mit Geerkens Ehefrau im Oktober 2008 einen privaten Kreditvertrag über 500.000 Euro zu einem Zinssatz von vier Prozent geschlossen. Davon kauften sie ein Haus im niedersächsischen Burgwedel. Den privaten Kredit habe Wulff im Februar 2010 - nur Tage nach der Anfrage im Landtag und wenige Monate vor der Bundespräsidentenwahl - durch einen Bankkredit abgelöst. Gelogen oder nur verschwiegen? Ein Sprecher des Bundespräsidialamts sagte, Wulff habe im Landtag die Anfrage „korrekt beantwortet“. Denn gefragt wurde  nach Geschäftsbeziehungen zu Egon Geerkens.

Rösler stellt sich hinter Wulff
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Rösler springt Wulff bei: Nun bekommt Wulff Unterstützung von FDP-Chef Philipp Rösler. Der nimmt den Bundespräsidenten gegen den Vorwurf  der Täuschung in Schutz. „Der Bundespräsident hat erklärt, er habe sich damals korrekt verhalten. Ich habe überhaupt keinen Anlass, an dieser Aussage zu zweifeln“, sagte Rösler.

Ministerpräsident Wulff und Bettina Körner
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Luxusurlaub auf Mallorca: Schon  2010 gab´s für Wulff Probleme in Sachen Geld. Wie Millionen Deutsche machte der Bundespräsident im Sommer 2010 Urlaub auf Mallorca. Doch der Politiker und seine Familie residierten auf einem exklusiven Luxusanwesen, das einer Firma des niedersächsischen Unternehmers Carsten Maschmeyer gehört – auf der abgeschotteten Villa "Paradise Castle" nahe dem Hafenort Port d'Andratx.

Bundespräsident besucht Bangladesch
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Mittelmeerurlaub auf Einladung? Hat sich Christian Wulff einladen lassen? Nein, heißt es aus dem Präsidialamt. Der Urlaub sei privat bezahlt worden. Laut "Spiegel online" legte Wulff für die geplanten elf Tage 5.000 Euro hin. Wegen der Ereignisse auf der Duisburger Loveparade musste das Staatsoberhaupt den Urlaub nach gut einer Woche abbrechen. Zurück nach Deutschland flog Wulff aber mit einem Charterflug,  obwohl ihm auch ein Flug mit der Flugbereitschaft zugestanden hätte.

huGO-BildID: 24266024 German President Christian Wulff arrievs at the Hazrat Shahjalal International Airport in Dhaka on November 28, 2011. Wulff is
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Bequeme Business-Class für kleinen Preis: 2010 verbrachte der CDU-Politiker mit seiner Familie einen Weihnachtsurlaub bei seinem langjährigen Freund, dem Unternehmer Egon Geerkens, in Florida. Der damalige niedersächsische Regierungschef war in der bequemen Business-Class nach Miami geflogen, hatte aber nur die preiswertere Touristenklasse bezahlt. Die Fluggesellschaft begründete die kostenlose Hochstufung damals mit Sicherheitsaspekten.

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  • dpa
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3 Kommentare zu "Präsidenten-Affäre: Prüfung von Wulffs BW-Kredit dauert länger"

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  • Es handelt sich hier um einen banküblichen Baukredit, wie ihn jeder Häuslebauer von der BW-Bank bekommt. (0,9% Zinsen und Tilgungsaufschub bis zum Ende der Laufzeit).
    Und die Konditionen haben absolut nichts mit der Causa Porsche zu tun.
    Ein Schelm, der bößes dabei denkt.

  • Liebes Handelsbnlaat,

    bitte nicht vergessen, die Lindauer Reade (Donnerhall, der durch die Republik ging) und die Zusammenhänge mit den ESM-Verträgen.

    Gerade dei HB-Leser zeichenen sich dadurch aus, dass sie auch die Hintergründe wissen dürfen.

    Bitte die HB Leser nicht so behandeln, wie die BILD Leser.

  • Mal eine wohltuend rein sachliche Darstellung eines bestimmten Sachverhaltes. Ohne Hähme. Keine Spekulationen, keine Pseudo-Umfragen. Einfach Fakten und Informationen. Journalismus könnte doch eine tolle Sache sein, wenn man ihn beherrscht. Bitte den weiteren Fortgang der Affaire auf disem Niveau halten.

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