Präsidenten-Affäre Wulff-Freund bekommt kalte Füße

Wulff-Freund David Groenewold hat dem Bundespräsidenten eine Übernachtung auf Sylt spendiert. Groenewold kämpft um seinen Ruf - mit nicht ganz sauberen Mitteln. Ein Fall für die Staatsanwaltschaft.
Update: 08.02.2012 - 13:31 Uhr 59 Kommentare
Erneut sorgt ein Urlaub des Bundespräsidenten für Wirbel. Quelle: dapd

Erneut sorgt ein Urlaub des Bundespräsidenten für Wirbel.

(Foto: dapd)

DüsseldorfDie reichen Freunde von Bundespräsident Christian Wulff kriegen kalte Füße. Filmemacher David Groenewold rief am 16. Januar 2012, gut einen Monat nach dem ersten Bericht über die Wulff-Affären, im „Hotel Stadt Hamburg“ an und verpflichtete die Angestellten zu Stillschweigen über einen gemeinsamen Kurzurlaub des 38-Jährigen mit der Familie Wulff auf Sylt. Der damalige niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff hatte vom 31. Oktober bis 3. November zusammen mit seiner heutigen Ehefrau Bettina in einer Suite des „Hotel Stadt Hamburg“ übernachtet. Bezahlt hat die Rechnung aber nicht Wulff, sondern Groenewold. Der Preis für Suite Nr. 135 betrug pro Nacht 258 Euro inklusive Frühstück.

"Hr. David Groenewold hat gestern angerufen, wir sollen keinerlei Infos über ihn rausgeben! Er war 2007 mit Hr. Wulff im HSH und hat den gesamten Aufenthalt übernommen. Falls also Bild oder Spiegel anrufen, wir wissen von nichts!", schrieb das Hotel in einer Notiz über den Anruf, die der Bild-Zeitung vorliegt.

Auf Anfrage der Bild-Zeitung sagte Wulffs Anwalt Gernot Lehr: „Die Organisation des Aufenthalts erfolgte durch Herrn Groenewold.“ Dieser habe die Hotelkosten verauslagt. Christian Wulff habe Herrn Groenewold die entstandenen Kosten des Aufenthalts in bar erstattet und „in voller Höhe selbst bezahlt“. Wulffs Anwälte räumten ein, dass das Pauschalangebot von Groenewold für sich und das Ehepaar Wulff gebucht worden sei. „Die Erstattung der von Herrn Groenewold bereits mit der Buchung bezahlten Zimmerkosten erfolgte in bar im Hotel beim Auschecken.“

Der aktuelle Vorfall ist nicht der einzige Ausflug Wulffs, bei dem Groenewold seine Finger im Spiel hatte. Auch einen weiteren von Groenewold bezahlten Sylt-Aufenthalt der Familie Wulff soll der Bundespräsident in bar beglichen haben. Gleiches gilt laut Anwalt Lehr für das gewährte Upgrade im „Bayerischen Hof“ während eines Oktoberfest-Besuchs 2008.

Groenewold scheint nicht uneigennützig zu handeln. 2007 bekam eine kleine Filmfirma eine Bürgschaft des Landes Niedersachsen in Millionenhöhe. Groenewolds Gesellschaft Odeon war zu 50,1 Prozent an der Firma beteiligt. Daher fragte der SPD-Fraktionsvorsitzende Stefan Schostok im niedersächsischen Landtag, mit wie viel Geld Groenewolds Filmprojekte durch das Land gefördert wurden. Die Bundes-SPD fordert jetzt die Staatsanwaltschaft dazu auf, sich den Fall genauer anzusehen. SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann sagte heute in Berlin, Groenewold habe Wulff offenbar „gefällig gefördert“, um die Filmwirtschaft in Niedersachsen voran zu bringen. Das sei „ein Fall für die Staatsanwaltschaft“, so Oppermann. Die Vorwürfe beschädigten das Amt des Bundespräsidenten weiter, erklärte der SPD-Politiker. Auch die Fraktion der Grünen im niedersächsischen Landtag fordert Ermittlungen. Angeblich will die Staatsanwaltschaft Hannover den gemeinsamen Urlaub von Wulff und Groenewold prüfen. „Wir nehmen die Berichterstattung darüber mit großem Ernst zur Kenntnis“, sagte Sprecher Hans-Jürgen Lendeckel dem „Tagesspiegel“. Teil der Untersuchung sei auch der Vertuschungsversuch Groenewolds.

Nicht nur Wulff, sondern auch sein ehemaliger Sprecher, Olaf Glaeseker, scheint in die Affäre um Groenewold verwickelt. 2005 schaltete der Filmmanager im CDU-Heftchen „Magazin für Niedersachsen“ zwei Anzeigenseiten für den von ihm produzierten Erkan-und-Stefan-Film „Der Tod kommt krass“. Für die beiden Anzeigen zahlte Groenewold 20.000 Euro. Die Chefin des Blattes war ausgerechnet Vera Glaeseker, die Frau des langjährigen Sprechers. Auch Hotelübernachtungen der Glaesekers soll Groenewold übernommen haben.

Mit Material von dapd und Reuters

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59 Kommentare zu "Präsidenten-Affäre: Wulff-Freund bekommt kalte Füße"

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  • :-) sehr interessant, diese Geschichte...

    Offenbar ist es für manchen Emporkömmling schwierig, sich "ganz oben" zurechtzufinden. So suchte er sich irrtümlicherweise(?) die falschen VIPs aus, weil er dachte, das sei "die obere Gesellschaft" und daß diese "Freunde" ihm auch jede Menge Vorteile brachten, davon hat er ja reichlich Gebrauch gemacht.
    Diese seine Position scheint einfach mehr als eine Nummer zu groß für ihn zu sein.

    Meines Wissens gab es bisher noch keinen Bundespräsidenten, der jemals unter staatsanwaltlich prüfender Beobachtung stand.

  • Eine bescheidene Frage zu dem ganzen Komplex des BundesPräses. Waren alle diese "Förderer" schon vor den Inthronisierung als MP oder als BP reich gesegnet. Wenn sich da der ein oder andere Untergrund von selbst auflöst, da wissen wir wohl, woran wir sind oder?

  • @alfred65

    "Respecktlos"

    Na, denn mal ran an den Speck.

    Ich verstehe ja, worauf Sie hinaus wollen und mir geht diese tägliche Dosis Wulff auch auf den Senkel, ich ärgere mich auch über Journalisten, die bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit ihren "Journalistenrabatt" raushauen und dummschwätzende Sanscullotten, die jetzt einfach mal einen Sündenbock brauchen, der für ihre Sünden in die Wüste gejagt werden muss ... aber:

    Stellen Sie sich doch einfach mal vor, die Staatsanwaltschaft würde ihre Zeit darauf verplempern, jeden anonymen Troll, der seinen Frust über sein verkorkstes Leben im Handelsblatt austobt, auch noch auf die lange To-Do-Liste sezen.

    Trolls gibt's wie Sand am mehr und dieses bißchen heuchlerische Dummgeschwätz, das gehört nun mal dazu, wenn man ein Portion vor-Fastnachts-Alkohol intus hat.

    Nicht ärgern! Grinsen!

  • @margritt1788

    "Gegen Guttenberg wurde förmlich eine Menschenjagd veranstaltet."

    Ach G*ttchen. Werter Margritt1788 i- ich denke, Sie sollten einmal die Guttenberg Biographie der beiden FAS-Autoren lesen, die ja eigentlich von den Ereignissen überrollt wurde - ich empfehle also die erweiterte Lesung bei audible (ich hab' gerade Werbung gemacht ...) und dann reden wir noch mal über das Thema.

    Die beiden Autoren sind ja nicht "links", sie sind _stockkonservativ_. Was Sie in deren Portrait entdecken werden ist ein selbstverliebter Hallodri, der keinen blassen Schimmer hat von egal-was und sich nur in der Kunst, andere zu bluffen, "wohltuend" von anderen Politikern unterschied.

    Gutti ist nicht an einer "linken" Hetzjagd gescheitert - es waren letztlich die letzten _Konservativen_, die hier seltsame Tugenden wie Anstand zb. einforderten.

  • Dieser Herr Groenewold!
    Herr Groenewold gab übrigens aller Wahrscheinlichkeit nach nicht das eigene Geld, sondern dass Geld von vielen Anlegern der Filmfonds aus. Herrn Groenewold ist auch nicht Inhaber der Odeon-Film, sondern lediglich Geschäftsführer der GFP-Medienfonds, welche wiederum die Mehrheit an der Odeon halten. In den Fonds ist Groenewold seit langem unter Druck geraten, sollte verklagt werden. Auch sind Belege über Flüge und Übernachtungen nach Sylt aufgetaucht, bei denen sich die Anleger fragten, was dies mit dem Fonds zu tun hat. Angeblich sollte eine Projekt für die Fonds besichtigt werden (angeblich die Sansibar?!). Von einer Klage wurde abgesehen, da von Herrn Groenewold angeblich nichts zu holen sei. Dieser Mann hat bereits viele Anleger sehr viel Geld gekostet. Viel versprochen und sehr wenig gehalten. Das der Bundespräsident zum Freundeskreis solcher Herrschaften, die im Verdacht der Veruntreuung und evtl. des Betrugs stehen, gehört, ist mehr als beschämend. Herr Groenwold hat schon viele Leute sehr viel Geld gekostet - Herr Wulff wird uns wohl auch noch viel Geld (und auch Ansehen) kosten. Es ist eine Schande!

    Frank Olbrich
    Dorfgraben 11
    97241 Oberpleichfeld

  • Das sagt einem doch schon der gesunde Menschenverstand. Es ist doch eher üblich und nicht die Ausnahme, dass ein Geschäftsfreund solche Reisen bucht, die Kosten dafür auslegt und dann alles in Bar erstattet bekommt. Wieso soll es bei Wulff anders ein!
    Eine dümmere Sachverhaltsdarstellung, wie die seines Anwaltes kann es wohl nicht mehr geben. Kein Wunder, dass dieser Möchtegern Wulff mit ihm alle Fettnäpfe auskostet und selbst welche aufstellt!

    Schön aber für den Mainstream, so gibt es wenigstens was interessantes und wichtiges zu berichten in diesen Ereignislosen Tagen!

  • Wie ich heute schon mal irgendwo gelesen habe, vielleicht
    ist Herr Wulff nichts weiter als ein durchtriebener Schnorrer, der immer nach Gelegenheiten sucht ein bißchen abzusahnen.

  • Kredit verspielt? Christian Wulff und die Wahrheit Film von Joachim Bartz, Anke Becker-Wenzel auf phoenix Sendetermin: Mi, 08.02.12, 17.15 Uhr Bundespräsident Christian Wulff steht unter Druck (Quelle: hannibal dpa/lbn ) Christian Wulff versteht gar nicht, was man von ihm will. Er hat sich selbst seine Fehler schon verziehen, jetzt erwartet er, dass jeder andere das auch tut. Das sagt sein Biograph, Armin Fuhrer. Fuhrer hat Wulff über Jahre begleitet. Er glaubt, dass Unrechtsbewusstsein beim Bundespräsidenten schlicht nicht vorhanden sei. Zweifelhafte Kredite mit Vorzugskonditionen, verbilligte Urlaubsreisen, Upgrades bei Privatflügen - die Liste der Vorwürfe gegen Christian Wulff ist lang. Es ist einsam geworden um den Bundespräsidenten. Dass er zurücktritt ist eher unwahrscheinlich. Trotzdem ein Ende der Affäre Wulff ist zurzeit nicht in Sicht.

  • Dieser Beitrag kann nur sarkastisch gemeint sein. Bezeichnend, dass niemand darüber lachen kann.

  • Guttenberg hat was zugegeben? Mitnichten. Er inszeniert sich ja noch inner als Opfer , das nur, mal so mit deinen vielen Disketten durcheinander gekommen ist und daher gar nicht versteht, was er falsch gemacht haben soll.

    Zum Rücktritt wurde er getragen, von 'Anstand' keine Rede. Hätte er welchen gehabt, hätte er erst gar nicht plagiiert und auch ehrliche Reue gezeigt, und nich so eine Schmierenkomödie, an der er weiter herumwurschtelt.

    Aber, um es mit den Worten der unverbsserlichen Wulff-Anhänger zu sagen: vielleicht hat er auch nur nicht genügend "Durchhaltevermögen", wie unser aktueller "Bundespräsident"?

    Unglaublich, dass überhaupt noch jemand Verständniss für Wulff hat. Aus seinem Mund kommen nur Ausreden und Lügen, wobei ich die dummdreisten Versuche seiner Anwälte als seine Aussagen werte: 'in bar' bezahlt, dass ich nicht lache.

    Zu Ausreden und Lügen kommt noch ein eklatanter Mangel an Ehre. Pfui. Dass er sch nicht schämt.

    Wenn das der Typus eines 'erfolgreichen' CDU Politikers in Niedersachsen ist, dann muss in Niedersachsen ein Wechsel her, so schnell, wie möglich.

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