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Chemnitz

Der Tod eines 35-jährigen Deutschen löste heftige Proteste in der sächsischen Stadt aus.

(Foto: AFP)

Pressestimmen zu Chemnitz „Deutschland wird von den schlimmsten rechtsextremen Ausschreitungen seit 30 Jahren erschüttert“

Die schweren Ausschreitungen in Chemnitz beschädigen das Image Deutschlands, meint die internationale Presse. Einige Medien sehen die Schuld bei Merkel.
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New York Die ausländerfeindlichen Übergriffe in Chemnitz sorgen weltweit für Empörung. In der sächsischen Stadt war am Wochenende ein 35-Jähriger bei einer Messerstecherei getötet worden. Als Tatverdächtige gelten ein Syrer und ein Iraker. Am Sonntag marschierten rechte Demonstranten durch die Stadt, von denen einige ausländische Passanten attackierten. Am Montagabend kam es bei erneuten Protesten zu heftigen Ausschreitungen – 20 Menschen wurden verletzt, darunter zwei Polizisten.

In einem Punkt sind sich die internationalen Medien einig: Rechte Kräfte gewönnen in Deutschland immer mehr Auftrieb. Dies sei auf die Politik der offenen Tür von Bundeskanzlerin Angela Merkel zurückzuführen.

The Times UK – „Die schlimmsten rechtsextremen Ausschreitungen seit fast 30 Jahren“

Die „Times London“ schreibt: „Deutschland wird von den schlimmsten rechtsextremen Ausschreitungen seit fast 30 Jahren erschüttert, nachdem es der Polizei nicht gelungen war, Tausende von Neonazis und rechtsextremen Sympathisanten zu stoppen, die Einwanderer durch die Stadt Chemnitz jagten, Flaschen und Feuerwerkskörper schleuderten, Hitlergrüße gaben und ‚Ausländer raus‘ skandierten.“

Es käme nicht von ungefähr, dass es gerade in Sachsen zu solchen Ausschreitungen komme, meint die britische Tageszeitung: „Vor allem Sachsen ist bekannt für seine starke neonazistische Präsenz.“ Während rechtsextreme Populisten in ganz Deutschland immer mehr Unterstützung fänden, sei ihre Unterstützung im ehemaligen kommunistischen Osten am stärksten. Die Region würde seit Jahren die höchste Rate von rechtsextremer Kriminalität aufweisen.

Als Beweis für die Argumentation bezieht sich die „Times“ auf geschichtliche Hintergründe im Osten. Obwohl der Anteil der Einwanderer im Osten unter dem nationalen Durchschnitt liege, gälten Ausländer als Sündenböcke für den wirtschaftlichen Umbruch, der die Region nach der Wiedervereinigung 1990 traf. Junge Männer mit schlechten Berufsaussichten seien besonders empfänglich für rechtsextreme Ideologie und Nazi-Heldenverehrung gewesen, so das Blatt.

Zudem soll es einen starken Unterschied in Bildung und Denkweisen zwischen Ost und West geben, argumentiert die britische Zeitung. „Verschärft wird das Problem durch den Mangel an Widerstand gegen rechtsextremes Denken im Osten. Generationen von Westdeutschen wurden gelehrt, die nationale Verantwortung für die Verbrechen des Dritten Reiches zu übernehmen. In Ostdeutschland war es anders. Kindern wurde gelehrt, dass die faschistische Vergangenheit nichts mit ihnen zu tun hat.“

CNN – „Die Proteste sind das jüngste Beispiel für die Spaltung in Deutschland“

Die Proteste seien der jüngste Beweis, dass Deutschland ein gespaltenes Land sei, so der US-Sender CNN.

Merkel sei von ihren politischen Gegnern heftig kritisiert worden, als sie im Jahr 2015 im Zuge der Flüchtlingskrise die Türen des Landes für Asylbewerber offen hielt und allein in diesem Jahr mehr als eine Million Flüchtlinge nach Deutschland einreisen ließ.
Diese Entscheidung habe auch der Alternative für Deutschland (AfD) „Auftrieb gegeben und Neonazi- und Anti-Migrantengruppen ermutigt.“

New York Times – „Sachsen hat schon lange mit Rechtsextremismus zu kämpfen“

Die Bilder der Krawalle aus Sachsen und der Neonazis, die ihren rechten Arm zum Hitler-Gruß hoben, hätten ganz Deutschland erschüttert, schreibt die „New York Times“. Die Polizei sei offensichtlich überfordert gewesen von dem Andrang der Protestanten. Die US-Zeitung meint zudem, dass Sachsen seit Langem schon mit Rechtsextremismus zu kämpfen habe.

Time Magazine – „Die Messerstecherei in Chemnitz ist zum Politikum geworden“

Und auch das „Time Magazine“ argumentiert, dass die Vorfälle auf die „Wir schaffen das“-Politik von Kanzlerin Merkel zurückzuführen seien. „Die Ereignisse in Chemnitz spiegeln wider, wie angespannt das Thema Migration in den letzten Jahren in Deutschland geworden ist“, schreibt das US-Magazin.

Zudem sei die Medienberichterstattung zu den Vorfällen in Chemnitz lückenhaft. Ein wichtiger Fakt, der in den Nachrichten vernachlässigt werde, sei die kubanische Abstammung des getöteten 35-Jährigen. Freunde des Verstorbenen äußerten sich gegenüber Medien schockiert, dass Neonazi-Gruppen seinen Tod politisierten.

Die Messerstecherei in Chemnitz sei nun zum Politikum geworden. Der Vorfall werde dazu missbraucht, die Rhetorik von Anti-Migrantengruppen zu unterstützen, „dass Flüchtlinge eine Welle der Kriminalität in der deutschen Gesellschaft auslösen.“

The Guardian – „Die hässlichen Szenen haben Deutschland zutiefst beunruhigt“

Auch der britische „Guardian“ diskutiert die Auswirkungen der Flüchtlingspolitik. Die „hässlichen“ Szenen haben Deutschland zutiefst beunruhigt, heißt es dort.

„Die Alternative für Deutschland scheint in der Atmosphäre von Panik und Fremdenfeindlichkeit, ausgelöst durch die Messerstecherei, zu schwelgen“, schreibt die britische Tageszeitung.

Kanzlerin Merkel sei durch ihre Willkommenskultur zur „Hassfigur“ der Rechten geworden. Dies könnte ihr zum Verhängnis werden. Die AfD könnte bei den sächsischen Landtagswahlen im kommenden Jahr erhebliche Gewinne einfahren, prognostiziert das Blatt. Dabei könnte die Partei sogar Merkels regierende Christdemokraten überholen.

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1 Kommentar zu "Pressestimmen zu Chemnitz: „Deutschland wird von den schlimmsten rechtsextremen Ausschreitungen seit 30 Jahren erschüttert“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich bin erschüttert über diese Exzesse der Gewalt in Chemnitz. Wütend aber auch auf
    unsere Politik und Ordnungsmacht. Wir ramponieren unser Ansehen in der Welt und sind
    seit Jahren nicht in der Lage, diese aufkommende neonazistische Präsenz in unserem
    Lande einzudämmen. Von den Politikern hört man nur immer wieder die entsprechenden
    Statements, aber es passiert nichts. Kein Wunder, dass die Bevölkerung über diese
    Ohnmacht des Staates zunehmend enttäuscht ist. Rigoroses Handeln ist angesagt, um
    diesen Ausschreitungen endlich einmal im Rahmen unserer Gesetzgebung zu begegnen, damit der Bürger wieder das Gefühl bekommt, es tut sich doch etwas. Der Begriff "unvorbereitet" kann ich nicht mehr akzeptieren, die Beispiele wie in Hamburg und anderen Schauplätzen der gewaltbereiten Szene waren unüberhörbare Warnsignale.

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