Private Bildung Profi-Schulberater haben Hochkonjunktur

Beim großen Angebot an Privatschulen fällt es Eltern oft schwer, die richtige Wahl zu treffen. Ein Geschäft für professionelle Schulberater.
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Eltern sollten bei der Wahl der Schule nicht nur auf die Bildungsstätte, sondern vor allem auf ihr Kind schauen. Quelle: Westend61/Getty Images
Schülerinnen in einer Bibliothek

Eltern sollten bei der Wahl der Schule nicht nur auf die Bildungsstätte, sondern vor allem auf ihr Kind schauen.

(Foto: Westend61/Getty Images)

KölnEin ganzes Zimmer für sich alleine? Für Klara von der Schulenburg ist das noch immer echter Luxus. Das Mädchen mit den dunkelblonden Haaren ist kürzlich von einem sechsmonatigen Aufenthalt in einem privaten Internat in Neuseeland zurückgekehrt. Eine tolle Erfahrung, sagt die 14-Jährige, auch wenn sie sich dort ihr Zimmer mit anderen teilen musste.

Für ihre Mutter Anke war es aber eine echte Herausforderung, am anderen Ende der Welt die richtige Schule zu finden. Stundenlang habe sie sich im Internet verschiedene Angebote angeschaut, aber die Auswahl sei riesig: „Oft weiß man nicht: Ist die Internetseite nur schöner Schein, oder ist die Schule tatsächlich gut?“

Die Möglichkeiten für eine individuelle Schulbildung werden immer vielfältiger – nicht nur bei Auslandsaufenthalten. Allein in Deutschland werben mehr als 3600 allgemeinbildende Privatschulen um Schüler und deren Eltern. Während die einen auf Digitalisierung setzen und schon im Kindergarten mit E-Books arbeiten, unterrichten andere zweisprachig, wieder andere verzichten auf Noten.

Da den Überblick zu behalten sei schwierig, sagt der Erziehungswissenschaftler Thomas Koinzer von der Humboldt-Universität Berlin. Daher entschieden sich immer mehr Eltern für eine Schulberatung: „Wir sehen eine Vielzahl an Angeboten, die Eltern dabei helfen sollen, die richtige Schule für ihr Kind zu finden.“

Die Branche der Schulberater ist klein, aber umtriebig. Offizielle Zahlen gibt es nicht, die Angebote reichen vom Einzelkämpfer „mit internationalem Netzwerk“ bis zum Beratungsunternehmen, das mit einer „genauen Bedarfsanalyse“ wirbt. Zunehmend entdecken auch Nachhilfeanbieter die Schulberatung als Zusatzgeschäft.

Das Versprechen an die Eltern ist dabei stets ähnlich: eine Schule, die perfekt auf die Bedürfnisse ihres Kindes zugeschnitten ist.

Zu Hause in Düsseldorf geht Klara von der Schulenburg auf ein evangelisches Gymnasium – ganz ohne Beratung. Für die Suche nach dem richtigen Internat im Ausland hat sich ihre Mutter aber professionelle Unterstützung geholt. „Ich hätte kein gutes Gefühl gehabt, meine Tochter blindlings auf irgendeine Schule in Neuseeland zu schicken“, sagt sie.

Etwa ein Jahr im Voraus trafen sich Mutter und Tochter daher mit Schulberaterin Gabriele Till-Jürgens. Im Gespräch erzählte die Schülerin, was ihr am Internat wichtig sei und welche Fächer sie dort gerne belegen wolle. Ein paar Tage später schlug Till-Jürgens zwei passende Schulen in Neuseeland vor. „Ohne diese Unterstützung hätte ich sicherlich noch wochenlang recherchiert“, sagt Anke von der Schulenburg.

Mindestens ebenso wichtig wie eine Auswahl an geeigneten Schulen war für die Mutter auch das Gefühl, bei der Expertin in guten Händen zu sein. Vertrauen sei in ihrem Geschäft das Wichtigste, sagt Schulberaterin Till-Jürgens: „Eltern müssen sich sicher sein, dass ich jede Schule so sorgfältig auswähle, als ginge es um meine eigenen Kinder.“

Die Pädagogin hat sich auf private Internate in Großbritannien spezialisiert, auch einige deutsche Privatschulen hat sie im Programm. Für ihre Beratung zahlen Eltern nach einem kostenlosen Vorgespräch einige Hundert Euro. Die Wünsche ihrer Kunden seien sehr unterschiedlich, sagt Till-Jürgens: „Einige Eltern sind sehr leistungsorientiert und haben vor allem den Lebenslauf ihrer Kinder im Blick, anderen geht es eher um die persönliche Entwicklung des Nachwuchses.“

Um auf dem neusten Stand zu bleiben, informiere sie sich laufend über neue Lehrmethoden, Schulformen und Rankings. Zudem sei sie selbst regelmäßig vor Ort, kenne viele Schulleiter persönlich.
Standardisierte Tests, etwa zu Auffassungsgabe oder logischem Denken, müssen ihre Klienten nicht lösen.

Stattdessen versucht die Beraterin, im persönlichen Gespräch zu verstehen, welche Bedürfnisse Eltern und Kinder haben. Wie wichtig ist eine gute Platzierung in einem internationalen Ranking? Soll die Schule einen Tennisplatz oder eine Kooperation mit einem Konservatorium haben? Und schreiben die Lehrer dort auf Whiteboards oder Tafeln?

Das klingt einfach und praktisch, dennoch sollten Eltern bei einer Schulberatung genau hinschauen, rät der Erziehungsexperte Koinzer. Speziell bei ausländischen Internaten könne sich ein Berater zwar lohnen – allerdings nur, wenn er die Schulen tatsächlich gut und im besten Fall auch persönlich kenne.

Viele Schulberater legten jedoch nicht transparent genug dar, nach welchen Kriterien sie Empfehlungen abgeben. Für Schulen innerhalb Deutschlands rät Koinzer interessierten Eltern, sich vorab auch selbst ein Bild von der empfohlenen Schule zu machen.

Eine erste Übersicht über hiesige Privatschulen bietet etwa der Verband Deutscher Privatschulverbände auf seiner Homepage. Wer seinen Wohnort und die gewünschte Schulart eingibt, erhält binnen Sekunden eine Handvoll Treffer. In manchen Städten finden darüber hinaus Bildungsmessen statt, auf denen sich Eltern informieren können.

Anfang des Jahres organisierte die Wochenzeitung „Die Zeit“ in Hamburg sogar eine Messe speziell für Internate.

Was das Kind will

Doch um herauszufinden, welche Privatschule die richtige ist, sollten Eltern nicht nur auf die jeweilige Bildungsstätte schauen, rät Kai Maaz vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung, sondern vor allem auf ihr Kind.

„Es gibt Eltern, die nehmen die Bedürfnisse und Wünsche, aber auch Sorgen und Ängste ihrer Kinder zu wenig ernst“, sagt der Experte. „Stattdessen teilen sie ihren Kinder sehr klar mit, was sie sich selbst wünschen und vorstellen, was ihnen gefällt und was nicht.“

Schon in der Grundschule sollten Eltern daher regelmäßig nachhaken: Fühlt sich ihr Nachwuchs von Lehrern oder Mitschülern unter Druck gesetzt? Kommt er mit der Benotung gut klar? Ist der Unterricht aktiv genug? „Ich halte es für unwahrscheinlich, dass ein Schulberater solche Dinge nach einem Gespräch besser einschätzen kann als die Eltern“, sagt Maaz. Auch Gespräche mit den Klassenlehrern seien hilfreich.

Jedes Internat bietet zudem Besuchertage an – eine ideale Gelegenheit, den Lehrern vor Ort Fragen zu deren persönlichen Werten zu stellen, empfiehlt Erziehungsexpertin Susanne Egert (siehe Interview). „Eltern sollten sich nicht nur auf inhaltliche Aspekte wie digitales Lernen konzentrieren. Noch wichtiger ist, dass Lehrer wertschätzend mit ihren Schülern umgehen und eine ähnliche Einstellung haben wie die Eltern.“

Wie wichtig ist dem Klassenlehrer Disziplin? Was macht für ihn einen guten Schüler aus? Wie versucht er Schüler für seinen Unterricht zu begeistern? Wer intensiv nachhake, merke schnell, ob ein Schulkonzept nur auf dem Papier existiere oder auch gelebt werde, sagt Erziehungsexpertin Egert.

Auf die Basics achten

Auch für Anke von der Schulenburg und ihre Tochter Klara stand der Spaß am Lernen an erster Stelle. Gerade bei einem Auslandsaufenthalt zähle für sie weniger die Leistung, sondern vor allem die persönliche Erfahrung, sagt die Mutter von vier Kindern. „Für mich war es wichtig, dass meine Tochter in Neuseeland gut betreut wird und gleichzeitig die Möglichkeit hat, viel Neues zu lernen.“

Das scheint funktioniert zu haben: Nicht nur habe sie ihre Begeisterung fürs Nähen in Neuseeland entdeckt, sagt Klara. Zudem habe sie gelernt, auch komplizierte Dinge allein zu regeln: den Wechsel eines Schulfachs zum Beispiel.

Ziel erreicht, würde Thomas Koinzer wohl dazu sagen. In einer Studie hat der Erziehungswissenschaftler untersucht, welche Faktoren Eltern bei der Schulwahl besonders wichtig sind. Sein Fazit: „Statt auf Schulprofil und Ausstattung sollten Eltern stärker darauf achten, dass ein Kind in der Schule die Basics lernt: lesen, schreiben, rechnen und vor allem, eigenständig Lösungen zu erarbeiten.“

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