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Professor Tacheles Ein Loblied auf die Banken

„Nieder mit den Banken“ rufen nicht nur griechische Demonstranten. Die Geldhäuser sind seit dem Ausbruch der Finanzkrise der große und verhasste Buhmann – auch in Deutschland. Das ist falsch, findet unser Kolumnist.
35 Kommentare
Der Historiker Prof. Dr. Michael Wolffsohn schreibt für das Handelsblatt Gastbeiträge als Professor Tacheles.
Professor Tacheles

Der Historiker Prof. Dr. Michael Wolffsohn schreibt für das Handelsblatt Gastbeiträge als Professor Tacheles.

Ich bekenne mich der Ketzerei schuldig. Ich singe das Hohe- beziehungsweise Loblied auf „die“ Banken. Wer wirft den ersten Stein? Sicher viele. Ich erwarte einen Steinhagel. Doch Vorsicht, Steinewerfer: Ihr sitzt, wie Millionen Griechen, im Glashaus.

Die haben bis vor drei Wochen noch heftiger als ihr „Nieder mit den Banken!“ gebrüllt. Die jammerten seit Ausbruch der Großen Finanzkrise, 2007, auch darüber, dass „nur die Banken“, die Starken, auf Kosten der Schwachen und Armen gerettet wurden. Manche Griechen ergänzten ihren Bann- und Bankenfluch noch um die skandalöse, nicht hinnehmbare Nazifizierung Deutschlands, der Deutschen, Schäubles und Merkels. Das aber war nur die nationalgriechisch-folkloristische Variante des weltweiten Bankenhasses.

IWF beendet Griechenland-Poker - Endlich!

Dass es seit 2007 so manche bis dahin schwergewichtige Bank (wie Lehmann Brothers) nicht mehr gibt, ist kein leichtgewichtiges Argument. Aber sei´s drum. Unbestritten sind Banker keine sanft Hosianna oder Halleluja singenden Kirchenchor-Knaben. Ebenso unbestritten sind zahllose Rechtsbrüche vieler Banken. Auch der Deutschen Bank – die das inzwischen zugibt, mehrfach verurteilt wurde und sich reumütig zeigt. Sie ist es vielleicht, zumindest hoffentlich. Man wird sehen. Es läge in ihrem eigenen Interesse, denn ohne Vertrauen kann keiner langfristig Geld verdienen, verwalten, verleihen und bekommen. Dazu passt der jüngste Aufruf einer Gruppe hochrangiger Banker, die die Finanzindustrie dazu anhält, stärker auf die Moral zu achten.

Hand aufs Herz: Sind allein „die“ Banken Rechtsbrecher? Gibt es nicht zahlreiche andere? Auch Richter, also Rechtsprecher, biegen hier und dort das Recht. Selbst das Bundesverfassungsgericht sagt zur selben Sache gestern (2003) hü und heute (2015) hott. Siehe Kopftuchurteil(e).

Man muss sich schon bald fragen, welche deutsche Rechtsbehörde, welche Staatsanwaltschaft, keine Vertraulichkeiten und Gerüchte illegal und indiskret an die Öffentlichkeit durchsickern lässt.

Ohne Banken geht die Chose nicht

Steuerbetrug zählt ohnehin zum Volkssport. Dass sich das Steuervolk hiervon allmählich zurückzieht, ist den schärferen Kontrollen geschuldet und keiner moralischen Wende. Fußball, Parteien, Kirchen und so weiter und so weiter. Wo man hinschaut sind die Moralkaiser nackt. Fast ist man geneigt, zu sagen: Wir alle sind Rechtsbrecher. Auf die eine oder andere Weise.

Das macht die Sache, den Rechtsbruch, nicht besser, aber die Sicht wird vom Einzelfall aufs Ganze gelenkt. Der moralische erhobene Zeigefinger, zunächst auf Andere gerichtet, wendet sich dadurch auch auf die Zeigenden selbst. Genug der im Glashaus sitzenden Steinewerfer.

Was die vergangenen Wochen auch dem letzten Dummkopf, Ideologen, Bankenhasser, Tsipras sowie anderen griechischen „Oxi“-(Nein-)Sagern durch Fernsehbilder im wahrsten Sinne des Wortes vor Augen führten ist dies: Ohne Banken geht die Chose nicht. Ohne Banken geht die Wirtschaft nicht. Auch nicht die Hauswirtschaft der kleinen und kleinsten Leute. Banken sind (über)lebenswichtig. Das zu sagen, heißt wahrlich nicht, viele Rechtsbrüche und noch mehr andere Defizite zu verniedlichen oder zu verzeihen. Das muss sich ändern. Doch nicht geändert, nicht verzichtet werden kann auf Banken an sich.

Manche träumen von dieser Alternative: Staatsbanken statt Privatbanken. Na denn gute Nacht. Dann könnte man zu deren Eröffnung gleich den Pleitegeier aufs Dach setzen. Schöne Grüße von den Lehrstücken der untergegangenen DDR und Sowjetunion. Schon vergessen?

Angesichts dieser Tatsachen stellt sich eine Frage: Warum gehen „die“ Banken, warum geht nicht auch die Deutsche Bank, ohne frühere Sündenfälle abzustreiten, in die argumentative Gegenoffensive? Sie haben doch sicher gut bezahlte Kommunikationsabteilungen. Apropos: mir haben, mir werden sie keinen Cent überweisen. Und wenn, erfolgt prompt die Rücküberweisung.


Professor Michael Wolffsohn, lehrte 1981-2012 Geschichte an der Bundeswehruniversität München, hält Vorträge über nationale und internationale Politik und Wirtschaft. Er berät Entscheidungsträger in diesen Bereichen und ist Autor zahlreicher Bücher, u. a. „Wem gehört das Heilige Land?“ (12. Auflage 2015) sowie „Zum Weltfrieden“ (1. und 2. Auflage 2015)

Schäuble als Totengräber der EU
Le Monde
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Le Monde zeigt ein etwas „stilisiertes“ Motiv von Wolfgang Schäuble als Sensenmann für Europa.

Vergleich mit dem IS
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Dieses eher geschmacklose Bild zeigt Schäuble in einer IS-Kluft.

Ende der Demokratie
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Schäuble auf einem Motiv der italienischen Zeitung Il Manifesto, das an den Action-Film „300“ angelehnt ist: Der Finanzminister als Spartaner, der Athener die Klippe runterwirft.

Scharfe, deutsche Messer
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Griechenland als Steak, das von Deutschland verspeist wird, zeigt diese Karikatur.

Heftige Häme im Netz
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Eine Zusammenstellung von RTL Nieuws aus den Niederlanden, spart ebenfalls nicht mit extremer Symbolik.

Google wird Schäuble
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Er dominiert alles: Schäuble als etwas abgewandelte Version der Suchmaschine Google.

Durch den Fleischwolf gedreht
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Die EU dreht Griechenland durch den Fleischwolf.

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35 Kommentare zu "Professor Tacheles: Ein Loblied auf die Banken"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Dass es in der Wirtschaft ohne Banken nicht geht (bisher jedenfalls nicht) ist sicher richtig. Zu loben braucht man sie allein deswegen meiner Meinung nach noch nicht.

    Das wäre ja auch kein Problem, wären die Banken sich dieses Umstands nicht so genau bewusst - und würden sie ihn nicht so weidlich ausnutzen.

    Offenbar ändert sich daran (der Unverzichtbarkeit der Banken) aber gerade was, was angesichts der unzähligen Skandale, in die die Banken verwickelt waren und sind ja auch kein Wunder ist. Natürlich weckt das jede Menge Kreativität auf der Suche nach Möglichkeiten, die Dienste der Banken in Zukunft umgehen zu können oder zumindest nicht mehr auf sie angewiesen zu sein.

  • Es gibt immer Alternativen, nichts ist alternativlos.
    Es kann nicht sein, das wir uns zinsgedingt alle 70 - 80 Jahre gegenseitig wegen fehlenden Geldes und stagnierender Wirtschaft gegenseitig wieder die Köpfe einschlagen, Volker sich wieder gegenseitig aufhetzen lassen und wir Kriege gegeneinander führen (wohl das beste Konjunkturprogramm) usw., nur weil unser Geldsystem angeblich alternativlos sein soll und die Systemprofiteure lieber Milliarden Menschen wieder in Kriegen umbringen, anstatt ihre kranke Schuldgeld-Ideologie aufzugeben?

  • Oh nein, Herr Wiesner, das mache ich nun nicht, nach einem Begriff zu googlen der mir in Foren vor die Füße geschmissen wird. Das endet dann nämlich regelmäßig darin, dass _ich_ dem Poster erklären muss was die Aussage seines Links ist.

  • @ Herrn Wiesner: Eben weil Bankenpleiten realwirtschaftliche Probleme mit sich bringen, hatte ich in meinem ersten Post hier die monetäre Staatsfinanzierung empfohlen _wenn_ man Vernunft in dieser Welt voraussetzen könnte.

  • Googeln Sie mal nach -Informationsgeld-, dort gibt es ein gutes umsetzbares Konzept, welches ich für durchaus umsetzbar halte, wenn der politische Wille dazu vorhanden wäre.

  • Stimmt, der Kollaps halt.

  • Werden die Schulden nicht mehr weiter bedient, gehen zuerst die Banken pleite und diese reißen dann die Wirtschaft mit in den Abgrund. Oder wie stellen Sie sich eine weitere Bankenrettung denn vor?

  • Herr Wiesner: Welches System käme dann Ihrer Meinung nach? Oder würde alles wieder von Null an von vorne beginnen?

  • Fragen Sie sich doch einmal, warum die EZB jährlich die Geldmenge um 5% erhöht.
    Wir haben wie Sie wissen ein Zinseszinssystem und da die Banken das Geld immer nur für den Kredit, also das Kapital erzeugen, NIE für die Zinsen, fehlt das Geld für die Zinsen einfach in der Geldmenge, womit wir jetzt wieder bei der EZB wären! Das System wäre schon lange am Ende, wenn die EZB nicht ständig die Geldmenge erhöhen würde.

  • Wie ich schon geschrieben habe: Die Schulden steigen solange, bis sie nicht mehr zurück bezahlt werden. Das ist bei den Privaten als auch bei Staaten so.

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