Professor Tacheles Warum Deutschland Angst macht

Kampf um Griechenland und die Angst vor Deutschland: Beides gehört zusammen. Was sagt uns das? Dass das geschichtspolitische Eis dünn ist. Bricht es, landen wir prompt in den Untiefen der deutsch-europäischen Geschichte.
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Der Historiker Prof. Dr. Michael Wolffsohn schreibt für das Handelsblatt Gastbeiträge als Professor Tacheles.
Professor Tacheles

Der Historiker Prof. Dr. Michael Wolffsohn schreibt für das Handelsblatt Gastbeiträge als Professor Tacheles.

Was uns die aktuelle Entwicklung in der Schuldenkrise sagt? Dass uns die Vergangenheit schnell einholen kann. Der Kampf um Griechenland und die Angst vor Deutschland. Beides gehört zusammen. Leider.

Dabei gibt es auch das andere Bild: Deutschland als weltweit beliebter Staat. Umfragen beweisen es immer wieder. Der deutsche Export profitiert davon, denn ohne guten Willen der potentiellen Käufer wird nicht ge- oder verkauft. Deutschland und die deutsche Wirtschaft tun gut daran, weiterhin ihr gutes Erscheinungsbild („Image“) zu pflegen.

Deutschlands Beliebtheit und Angst vor Deutschland schließen offenkundig einander nicht aus. Die Beliebtheit ist längst eine erfreuliche Alltagserscheinung. Sie ist Teil der Normalität. In kritischen Situationen zählt aber eben nicht die Normalität, sondern das Nicht-Normale, das nicht Alltägliche. Im Alltag gleitet das Staatschiff sanft auf der Wasseroberfläche, in stürmischen Krisenzeiten kann es zerschellen oder in die Tiefe gerissen werden.

In den letzten Jahrzehnten haben wir als Passagiere des Deutschland-Schiffs mehrfach Stürmchen und zweimal große Stürme erlebt, die jene Angst vor Deutschland deutlich zeigten.

Stürmchen gab es bei Ärgernissen mit und um Deutschland oder bestimmte Deutsche, beispielsweise dämliche Karikaturen, die Angela Merkel ein Hitler-Bärtchen verpassten, die CDU-Vertriebenenpolitikerin Erika Steinbach in Naziuniformen steckten oder, jüngst in Griechenland, Wolfgang Schäuble als Vampir verunglimpften, also als Blutsauger. Das regte uns zurecht auf, doch ebenso schnell wie sie kamen waren diese Stürmchen vorbei.

Zwei Deutschland bezogene Angst-Stürme der jüngeren und jüngsten Vergangenheit sind bemerkenswert. Erstens der deutschland- und schließlich weltpolitische Tsunami 1989/90. Er reichte vom Fall der Mauer am 9. November 1989 bis zur Wiedervereinigung Deutschlands am 3. Oktober 1990.

Danach schien sich zumindest der deutschlandbezogene Sturm gelegt zu haben. Nach dem Fall der Mauer gab es im Westen nur zwei Politiker, die ohne Wenn und Aber für Deutschlands Vereinigung eintraten: US-Präsident George Bush und Spaniens Ministerpräsident Felipe Gonzalez. Francois Mitterand, der Präsident unseres „besten Freundes“ in Europa, Frankreich , setzte aus Angst vor Deutschland alles daran, die Wiedervereinigung zu verhindern.

Das wiederum empört die Bundesbürger
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16 Kommentare zu "Professor Tacheles: Warum Deutschland Angst macht"

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  • Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Ich bin nicht überrascht weil ich schon immer gewusst habe dass sich die Grundeigenschaften des deutschen Volkes nicht in 75 Jahren ändern lassen. Aber enttäuscht bin ich schon. Diese erpresste "Einigung" wird schlimme Folgen für ganz Europa haben. Schuld (mit „Strafe“ Lieblingswort der Deutschen) ist nicht nur die deutsche Arroganz und Ignoranz sondern auch die Feigheit der anderen Euroländer.

  • Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

    Ich rate dringend zu einem Blick in ein Geschichtsbuch!!!

    Auszug aus Wikipedia: "Die Geschichte Deutschlands beginnt nach herkömmlicher Auffassung mit der Entstehung eines römisch-deutschen Königtums im 10. Jahrhundert, wenngleich sich damit noch lange keine „deutsche Identität“ entwickelte."
    Das 10. Jahrhundert ist nicht das Jahr 10!! Wir befinden uns derzeit im 21. Jahrhundert.

  • Neid!? Es müsste mal erörtert werden, warum die Zionisten und Anglo-Sachsen so einen Hass auf Deutschland haben!? Man kann sich kaum eine erfolgreiche Nation vorstellen, die sich nach WK I und WKII so unterwürfig, fremdenfreundlich und jovial und "lieb" verhalten hat! Fast ein Akt der masochistischen Selbstaufgabe.
    Dabei, weiß das sogenannte dt. Volk gar nicht recht, dass es überhaupt nicht souverän ist und auch, so, von seinen Politikern (seit Adenauer!) und Systemen "betrogen" wurde! Exportweltmeister und Zahlmeister! Wie blöd muss man sein, dies alles so hinzunehmen!? Als es darauf ankam, hat Frankreich, nach Sarkozy, die Merkel ein weiteres mal durch Hollande über den Bock gezogen. Von wem wird Deutschland eigentlich regiert!?
    Der Euro und GR ist der Stein im Schuh, um Deutschland, nochmals, platt zu machen!? Gratuliere! Bei der Wiedervereinigung wurden wir Osten! Bei dem Euro wurde wir Süden!
    Der beschissene Marschallplan wird jetzt also eingefordert!? Oder soll es doch noch der WK III richten!? Tut Hass gut!?

  • "aber aktuell und für die Zukunft bezweifle ich das" Das funktioniert auch weiter, man muß die leute nur weiter blöd und eingeschüchtert halten!.

  • Was für ein Unsinn. In den letzten 2000 Jahren hat kaum ein anderes Land Europa so sehr geprägt wie Deutschland. Nach dem Zerfall des römischen Reiches hat Deutschland fast tausend Jahre lang Europa geführt. Unsere Kaiser hatten ihre Residenz in Italien usw. Der erste Weltkrieg, da sind sich die Historiker einig, war nicht ein deutscher Angriffskrieg. Der zweite Weltkrieg war der Sündenfall. Ohne Deutschland gäbe es heute kein Automobil, keine Elektrizität, keinen Düsenjet und auch keinen Computer. Und ohne unsere Denker wie Luther, Kant, Herder, Heisenberg, Freud usw. würde die Welt heute sehr viel schlechter aussehen. Die heutige Deutschlandkritik wird von Einzelnen geäußert und dann medial aufgebauscht. Man merkt, dass der deutsche Bürger genug davon hat, für Alles und Jeden zu zahlen. Die Erinnerung an eine fast 100 Jahre zurückliegende Schuld soll den Bürger weichklopfen. Das hat zwar immer ausgezeichnet funktioniert, aber aktuell und für die Zukunft bezweifle ich das.

  • Au Backe, Prof. Tacheles, das Anderreihen von Kurzsätzen macht noch keinen lesbaren Text. Das Publikum ist noch ncht so verblödet, dass man ihm nicht zumuten könnte, eine differenzierte Betrachtung nicht auch semantisch so zu präsentiertieren, dass vor lauter Kurzatmigkeit inhaltliche Zusammenhänge ontologisch so auf die Reihe gebracht werden,dass ein gewisser Genuss den Lesenden dieses Textes nicht selber mental in eine verkürzenden historisierende
    Schnappatmung versetzen, die der Komplexität der angesprochenen Materie nicht gerecht wird. .... "g"

  • so weit muss man doch gar nicht ausholen...

    die EU ist wie die Anwohner einer Strasse in einer Kleinstadt. Alle gucken auf die Famiie die im größten Haus wohnt und den größten oder neuesten Wagen fährt. Jeder möchte mit ihnen gut bekannt sein und sich zu ihren Freunden gezählt wissen. Aber ist man unter sich, dann wird über "die Neureichen" gelästert und oft genug auch unterstellt das der Reichtum aus Betrug o.ä. stammen könnte.

    Das nennt man Neid! Ein sehr menschlihes Gefühl. Es äußert sich auf unterschiedliche art und Weise, bleibt aber doch immer schlicht und einfach Neid.

    Deutschland hat auf seine Art seit dem WK2 einiges erreicht. Und wir haben, da man uns nach WK1 die Kolonien weggenommen hat, weit weniger Ausländer als andere EU-Staaten. Da es die Wiedervereinigung gab geht es den Ostdeutschen bedeutend besser als den Menschen der meisten anderen Ost-Staaten.

    Ja, so etwas macht Angst! Denn die Bürger des eigenen Staates schuften schließlich auch. und trotzdem erreicht man als Staat nicht das Gleiche. Angst davor tatsächlich dümmer, fauler, bequemer etc. zu sein. Dabei ist diese Angst unbegründet. Deutschland hatte einfach mit dem Marschallplan verdammt gute Voraussetzungen. und - wir hatten keine Einwanderung aus Kolonien - unsere Einwanderung bestand nur aus arbeitswilligen und strebsammen Fremdarbeitern - zunächst sogar ohne Familien.

  • Professor Tacheles scheint es mit Beschwichtigungspoesie zu halten: ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt angesichts ernstzunehmender Bemühungen einer Mittelmacht hegmonial wirkende Bestrebungen erneut aufs Tapet zu heben.
    Mag sein, dass die gegenwärtige Bundesregierung die Kohlen aus dem Feuer holt.

    Ein Essay indes wie der des Professor Tacheles wirkt ggf nur auf einen ersten Blick überlegt, unterschlägt jedoch auch andere Aspekte, die D gegenüber zu kritischer Distanz veranlassen könnten.

    Aus der "Hüfte nachgelegt" kann nicht zureichen, um die zusehends komplexer wirkende Wirklichkeit D's auch in Europa nur annäherend sachgerecht zu beschreiben.

  • Den ersten Weltkrieg hat Herr Michael Wolffsohn ausgelassen.
    Also 1871 und dann 1939-1945, 1914-1918 nichts, sehr merkwürdig Herr Professor.
    Über den ersten Weltkrieg und warum er begann schweigt man offenbar in Bundeswehrkreisen entsprechend auch in den Staats-Medien.

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