Professor Tacheles zu Griechenland Wer H wie Hitler sagt...

... muss auch die eigene Geschichte berücksichtigen. Doch Griechenland schwingt die Moralkeule gegen Deutschland. Und dabei nimmt es Finanzminister Yanis Varoufakis mit der Wahrheit nicht immer genau.
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Der Historiker Prof. Dr. Michael Wolffsohn schreibt für das Handelsblatt Gastbeiträge als Professor Tacheles.
Professor Tacheles

Der Historiker Prof. Dr. Michael Wolffsohn schreibt für das Handelsblatt Gastbeiträge als Professor Tacheles.

Ministerpräsident Alexis Tsipras, seiner nur aus Männern bestehenden Ministerriege und vielen Griechen passt das EU-„System“ nicht. Vor allem das EU-Finanzsystem passt ihnen nicht. Noch präziser: Es passt ihnen nur solange sie etwas bekommen. Symbol, Hort und Ort des nicht nur gebenden, sondern auch fordernd mahnenden EU-Finanzsystems ist in ihren Augen Deutschland. Und weil das EU-Finanzsystem geknackt werden soll, muss aus dieser Sicht Deutschland geknackt werden.

Die antideutsche, letztlich antieuropäische Speerspitze der neugriechischen Männer-Phalanx ist jetzt Finanzminister Yanis Varoufakis. Obwohl Mathematik-Professor, nimmt er es mit Genauigkeit und Wahrheit nicht wirklich genau. Ganz so sicher wie sich die reine Männerriege aus Athen gibt, ist sie freilich nicht. Außer ihren finanz- und außenpolitischen Waffen bedient sie nämlich – Geschichte verfälschend – der (Pseudo-)Moralkeule. Ohne Frau Merkel oder die CDU/CSU/SPD-Koalition ausdrücklich mit den Nazis zu vergleichen, nähert sich Varoufakis dem H-Wort, also der deutschlandpolitischen Atombombe, durchaus. Zum Beispiel in Interviews mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ und der ARD.

O-Ton Professor/Minister Varoufakis: „Wenn ich so etwas höre, denke ich manchmal, dass Europa aus der Geschichte nichts gelernt hat“, sagte er. Deutschland habe nach dem Ersten Weltkrieg den Vertrag von Versailles unterschrieben. „Aber dieser Vertrag war schlecht…. Europa wäre viel Leid erspart geblieben, wenn er gebrochen worden wäre…Selbst der berühmte britische Ökonom John Maynard Keynes habe damals schon gewarnt, dass es keine nachhaltige Strategie sei, ein Land in den Ruin zu treiben….Wenn wir glauben, dass die Rettungspolitik ein Fehler war, müssen wir sie ändern.“

Fakt ist: Der Versailler Vertrag sollte Deutschland schwächen. Die Griechenlandpolitik der EU und Deutschlands will Griechenland helfen. Sie hilft Griechenland. Ohne sie bekämen noch weniger Griechen ihren Lohn. Fazit: Der Professor stellt die Wahrheit von den Füßen auf den Kopf.

O-Ton Professor/Minister Varoufakis: „Und wenn ich in mein Parlament zurückkehre, dann werde ich dort neben einer Nazi-Partei sitzen, die drittgrößte Partei in Griechenland. Ich bin mir sicher, dass Sie, dass Dr. Schäuble, Frau Merkel und jeder in Deutschland sich solidarisch zeigt. Es ist nicht im Interesse Deutschlands oder Griechenlands, dass diese Situation schlimmer wird. Denn seien wir ehrlich: Der Nationalismus verbreitet sich und kontaminiert Europa. Wir möchten nicht noch einmal die postmodernen 30er-Jahre auf diesem Kontinent erleben.“

Fakt ist: Herr Kollege Varoufakis, ein ganz linker Linker, Dunkelroter, führt mit einer ganz rechten, politisch durchaus angebräunten Partnerin eine politische Ehe. Eine Zweckheirat. Im Parlament sitzen er und andere Rote mit angebräunten Partnern auf der Regierungsbank und im Kabinett am selben Tisch. Trotzdem (oder gerade deshalb) besitzt er die Chuzpe, „Dr. Schäuble, Frau Merkel (übrigens auch Dr.)“ und jeden in Deutschland (also uns alle) für griechische Neu-Nazis verantwortlich zu machen.

Entschädigungen für Nazi-Kriegsverbrechen
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  • @ Roland Berger (war oder ist das nicht der Unternehmensberater?

    Was meinen Sie konkret mit Ihrer Meinung oder wen haben Sie mit welcher Aussage im Blick ?

  • Was mich am meisten stört ist, dass jemand gegen "die Deutschen" mal wieder die Nazi-Keule schwingt, und tatsächlich deutsche Politiker sofort Kompromißbereitschaft signalisieren. Wo bleibt das Rückgrat? Wie sollen wir einigermaßen stolz sein auf eine politische Führung, die die eigenen demokratischen und mittlerweile erprobten Werte nicht verteidigt?

  • Meiner Ansicht nach ist es ohnehin ein Unding, dass Staaten bzw. deren Vertreter sich anmaßen deren Bürger im Unklaren über die finanzielle Situation zu lassen.

    Statt dessen Gemeinplätze, Intransparenz, während des Beginns der letzten Legislaturperiode (CDU-/FDP) war sogar die Rede von einem "Schattenhaushalt" (also Verschleierungshaushalt - schwarze Kassen für Politiker!).

    Es ist ein Verbrechen, dass staatliche Stellen und auch der Bund keine ordentliche Buchführung einhalten muss. Da kommen dann schon einmal solche unglaublichen Aussagen zustande wie "wir wissen gar nicht mehr an wen oder welche Unternehmen wir die Unterstützungsleistungen gezahlt haben".

    Hallo, wen wollen diese Leute vereiern ?

    Solche Aussagen ausgerechnet in Deutschland ? Dem Wunderland überbordender Administration, wo jeder Pup registiert und dokumentiert wird !

    So werden wir den Verschuldungszug nie stoppen ...

    ... und dann verlangen wir von den leichtlebigeren Griechen, dass sie Finanzdisziplin einhalten ? Wo wir selber (ausgenommen die privaten Haushalte (ohne die 8-9 Mio. überschuldeten) nicht dazu bereit sind !

  • Aber nur dann, wenn die Erde sich über Kopf dreht!

  • @Forstmaier
    Ich verstehe das Votum der Griechen genau so, wie Sie es fordern: eine neue Partei ist angetreten, um jene Entscheidungen voranzubringen, die mit den verfilzten Großparteien (meinetwegen 30 Jahre lang) nicht getroffen wurden. Allerdings benötigt jede Verwaltung mehr als 4 Wochen, um hier sichtbare Erfolge zu erzielen. Ich finde ja, dass man der neuen Regierung diese Chance geben sollte.
    Außerdem hört man doch überall, dass um die 80% der neuen Kredite nur dazu da sind, alte Kredite zu bedienen - da wäre es doch klüger, man bringt Ruhe hinein und streckt die alten Kredite, bis Erfolge zu sehen sind, oder?

  • Da kann ich Ihnen ja nur zustimmen. Iren und Portugiesen ist die Konsolidierung schließlich gelungen.

  • @Marc Otto
    Ganz vergessen: Das "Entlassen" aus dem Euro geht doch gar nicht - oder gab es da etwas Neues?
    Die eigentliche Frage hat mit Geld wohl nichts zu tun: wir leben nun einmal primär in Europa und dann ggf. in Deutschland und dann ggf. in einem Bundesland. Also wäre doch toll, der Freude an der Freizügigkeit in Europa auch die Solidarität mit unseren Mit-Europäern hervorzuholen. Und auch wenn es schon nicht aus Freude kommt, womöglich brauchen wir einander noch einmal?

  • @Marc Otto
    Durch häufiges Gerede werden die Dinge ja nicht wahrer. Ihr mehrmals beschriebener "Betrug" ist eine Verbuchung-Ente, die Sie als Experte sich sicher angesehen haben, bevor Sie Vorurteile verbreiten, gell? Schauen Sie einmal hier hinein, dann bin ich auf Ihren Kommentar zum "Betrug" gespannt. http://www.theguardian.com/global/2012/apr/26/greece-europe-north-south-divide
    Bevor ich jemanden verurteile (auch verbal), versuche ich mir erst einmal, ein Bild zu machen - klar, gelingt nicht immer, aber es ist doch den Versuch wert.

    Wer weiß warum, aber irgendwie fällt mir hierzu Nathan der Weise ein...

  • Wenn ich Sätze wie die Folgenden lese wird mir schlecht:

    „Wenn heute die deutsch-griechische Geschichte in Zeiten von Weltkrieg und Holocaust thematisiert wird, muss auch über die Kollaboration von Griechen mit Nazis, SS und Wehrmacht gegen Juden, Kommunisten und Partisanen gesprochen werden. So klein war die diese Mitarbeit nicht. Und gar nicht groß war das Mitleid mit den jüdischen Opfern.“

    Diese Person versucht die Verbrechen der Deutschen zu relativieren indem sie sagt die Griechen haben doch mitgemacht, die wollten es doch eigentlich auch, die haben die Juden, die die Deutschen deportiert haben noch nicht einmal verabschiedet.

    Indem die Zeit solche Aussagen unkommentiert abdruckt tritt sie ihre journalistische Verantwortung mit Füßen.

  • Es muß hier einfach mal gefragt werden.
    Was hat Griechenland mit dem erhaltenen Geld nach dem 2. Weltkrieg, bis 2008 aus Ihrem Land gemacht. Es war sage und schreibe 40x mehr an finanzieller Unterstützung als Deutschland bekommen hat. Wo bitte ist das Geld geblieben, mit dem das geschundene Land sich regenerieren sollte. Deutschland lag in Schutt und Asche und hat in die Hände gespuckt. Und was bitte haben die Griechen gemacht um ihr Land wieder auf zu bauen.Griechenland ist und bleibt ein Fass ohne Boden so lange immer nur dicke Sprüche gemacht werden.

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