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Terror in der Welt Eine Formel für den Frieden

Die islamische Welt kommt nicht erst jetzt zu uns. Längst sind wir demografisch und religionspolitisch mit allen Konflikten der islamischen Welt verflochten. Das birgt Gefahren – und ermöglicht Chancen. Ein Kommentar.
43 Kommentare
Der Historiker Prof. Dr. Michael Wolffsohn schreibt für das Handelsblatt Gastbeiträge als Professor Tacheles.
Professor Tacheles

Der Historiker Prof. Dr. Michael Wolffsohn schreibt für das Handelsblatt Gastbeiträge als Professor Tacheles.

DüsseldorfDeutschland und Westeuropa durchleben eine gesellschaftliche, demografische Revolution. Sie ist nicht neu. Sie begann nach dem Zweiten Weltkrieg. Zwei Ursachen sind zu nennen. Entkolonialisierung und wirtschaftliche Magnetkraft. Diese demografische Revolution ist zugleich eine „theologische“ Revolution. Präziser: eine religiöse.

Westeuropa und Deutschland wurden und werden islamischer. Der Grund ist ganz einfach. Es gibt weder Kinder noch Inder oder – trotz hoher Arbeitslosigkeit in ihrer Heimat – nicht einmal genügend Europäer, welche die demografische Lücke schließen, also unsere Überalterung verlangsamen oder verhindern.

Die islamische Welt kommt nicht erst jetzt zu uns. Längst sind wir demografisch und religionspolitisch durch die Neu-Bevölkerung mit allen Konflikten der islamisch-nah- und mittelöstlichen Welt verflochten.

Das birgt Gefahren. Das ermöglicht auch Chancen. Etwa diese: Wenn wir auf unseren Regeln gewaltloser Debatten beharren, könnten sich weltoffene islamische Reformer gegen Islamisten durchsetzen. Der militante Islam wäre „entmilitarisiert“.

Manche fragen: Wann kommt der „Aufstand anständiger Muslime“? Viele Muslime, Personen und Institutionen, protestieren gegen Terror, islamische und andere Intoleranz. Sie müssen sich, so wenig wie „die“ Deutschen, für alles und jedes in ihrer Teil-Welt persönlich verantwortlich fühlen, täglich demonstrieren (das nutzt sich ab und polarisiert zusätzlich) oder gar einen „Aufstand“ (welcher Art?) anzetteln.

Im Gefolge der Entkolonialisierung von 1945 bis 1975 strömten viele Menschen aus den außereuropäischen Ex-Kolonien in die ehemaligen Kolonialstaaten. Besonders nach Großbritannien, Frankreich, teils Italien, die Niederlande, Belgien, Spanien und Portugal.

Als die DDR-Führung im August 1961 ihre Bürger hinter Mauer und Stacheldraht einsperrte und auf Flüchtlinge schoss, suchte Westdeutschland händeringend „Gastarbeiter“. Man fand sie in der Türkei. Die türkischen Gäste blieben, bekamen Kinder oder holten ihre Familien nach. Sie wurden Einwohner, Staats- und Mitbürger.

Mehr oder weniger integriert, nicht paradiesisch, aber deutlich besser als etwa in Frankreich, Belgien oder Großbritannien. Weil es sich trotz aller Integrationsprobleme in Krisenregionen (besonders in der islamischen Welt und auf dem Balkan) herumsprach, dass man in Deutschland gut lebt, kamen immer mehr Migranten. Allen voran muslimische.

Dem Zerfall des Ostblocks und Jugoslawiens seit 1989/90 folgten Chaos und Kriege, denen zahlreiche Menschen entflohen. Sie kamen besonders 1991 bis 1993 nach Deutschland, wo alte und neue Rechtsextremisten (wie jetzt) Flüchtlingsheime in Brand steckten.

Als 1998/99 der Kosovo-Krieg tobte, strömten erneut Flüchtlinge zu uns. Um diesen Strom zu stoppen, zogen „wir“ mit anderen in diesen Krieg. Serbien wurde besiegt. Einstweilen blieben die Menschen in den neuen Balkanstaaten. Schon vor 2014/15, der neuen Flüchtlingswelle, hatte jeder fünfte Deutsche einen „Migrationshintergrund“. Die Entwicklung auf dem Balkan stagniert, die Menschen verloren 2014/15 die Geduld. Sie strömen wieder zu uns. Hätten wir dort investiert, sähe es anders aus.

Aus den Ex-Kolonien kamen von 1945 bis 1975 nach Westeuropa vornehmlich Ex-Kollaborateure (=Mitmacher) der Kolonialmächte oder Menschen, die meinten, sie könnten im einstigen „Mutterland“ besser, bequemer und wohlständiger leben. Auch hier war es der Wirtschaftsmagnet, der Migranten herzog.

Frieden durch Föderalismus

Ja, Lebensqualität und Wohlstand der westeuropäischen Neubürger sind höher als in der alten Heimat. Das ist die eine Seite. Die andere: Sie sind deutlich niedriger als bei den Alteingesessenen. Die erste Einwanderergeneration hat sich damit leicht(er) abgefunden, nicht aber ihre Nachkommen.

2005 – Frankreichs Vorstädte brannten, weil die Kinder und Enkel der Migranten rebellierten. Aber schon seit den 1970er Jahren hatte es in Frankreich vornehmlich nahöstlich-arabisch-islamisch motivierte Terroranschläge gegeben. 1997 ziellos im zivilen, zentralen Paris. Wer erinnerte sich nicht an den Al-Qaida-Terror im Herzen Madrids (2004) oder Londons (2005)? Hat jemand das Massaker von Palästinenser-Terroristen während den Münchener Olympischen Spielen (1972) vergessen? Seit den späten 1960er Jahren zieht sich durch Deutschland und Westeuropa die blutige Spur des islamisch-arabischen Terrors.

Drei Riesenunterschiede gibt es allerdings zwischen heute und damals. Erstens: Quantität und „Qualität“ (sprich: Intensität) des Blutvergießens haben sich verschlimmert.

Zweitens: Die arabischen und afrikanischen Revolutionen, Kriege, Bürgerkriege und auch die Wirtschaftsnöte haben seit 2011 zunächst eine inner-nahöstliche Fluchtwelle ausgelöst. Die regionalen Aufnahmestaaten haben 2015 ihre Kapazitätsgrenze überschritten. Erdogans Türkei hat (auch um von Demokratie-Defiziten und Kurdenkrieg abzulenken) die Schleusen geöffnet und politisch gewonnen. Europas Bock wurde Gärtner.

Drittens: Bis Madrid 2004, London 2005, Paris 07. Januar 2015 richtete sich der islamisch-arabische Terror weitgehend „nur“ gegen israelische und jüdische Ziele. Das fand „man“ ganz schlimm. Es überwog das Gefühl: „Irgendwie geschieht das „den“ Juden und „den“ Israelis recht.“ Seit den jüngsten Pariser Terrorattacken sieht man: Der islamistische Terror kann alle treffen, die sich dem westlichen Lebensstil verbunden fühlen.

Der historische Rückblick erlaubt Einblicke in die Gegenwart. Der Terror ist nicht Folge der Flüchtlingswelle, sondern Teil der demografisch-religiösen Revolution, die wir erleben und erleiden.

Was tun? Dieses Doppelproblem lösen. 1. Die Organisation und Integration von Flüchtlingen, Migranten und Asylanten. Die Person von Frank-Jürgen Weise in seiner neuen Doppelfunktion (Arbeitsmarkt + Flüchtlinge) lässt für Deutschland hoffen. 2. Die meisten der nach 1945 gegründeten Staaten müssen föderativ umgebaut werden. Die Formel für Frieden in der Welt lautet: „Frieden durch Föderalismus“.

Der Historiker Michael Wolffsohn, 68, ist Autor des Buches „Wem gehört das Heilige Land?“ (12. Auflage 2015). Im Juni 2015 erschien die zweite Auflage „Zum Weltfrieden“.

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43 Kommentare zu "Terror in der Welt: Eine Formel für den Frieden"

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  • Liebe Leser,

    die Kommentarfunktion ist geschlossen. Leserbriefe und interessante Beiträge zur Debatte nehmen wir gerne unter debatte@handelsblatt.com entgegen.

    Beste Grüße aus der Redaktion.

  • http://www.handelsblatt.com/politik/international/migration-schwedens-rechtspopulisten-verteilen-flugblaetter-an-fluechtlinge/12562800.html?nlayer=Themen_11804704

    Schon wieder sind uneinsichtige Leute am Werk die nicht umgevolkt werden wollen.

  • Ich nenne Umvolkung, Austausch der Deutschen gegen Afrikaner und Asiaten
    versteht aber auch jeder.

  • > Die Formel für Frieden in der Welt lautet: „Frieden durch Föderalismus“. ---
    Europa hat nach 1945 bis zur Euroeinführung in 2002 bewiesen, im tiefsten Frieden und guter Nachbarschaft zusammenleben zu können. Erst als man damit begann, durch politischen Größenwahn, das Profitstreben der global agierenden Konzerne, einhergehend mit Privatisierungen, der Deregulierung der Arbeits- und Kapitalmärkte bei offenen osteuropäischen Grenzen, dem Chaos und der Kriminalität Tür und Tor zu öffnen, geht hier alles kontinuierlich weiter den Gully runter. Dieses förderal angelegte EU-Projekt, inklusive seiner nicht funktinierenden Kunstwährung Namens Euro, die für manche Wirtschaftsnationen viel zu schwach und für manche viel zu stark ist, mit dem Endziel VSE, ist der Spaltpilz zwischen den europäischen Völkern und zwar wirtschaftlich, wie gesellschaftlich. Warum könnt ihr Professoren, Politiker, Konzern- und Bankenmanager das einfach nicht begreifen? Warum wollt ihr mit aller Macht und mit aller Konsequenz weiter etwas durchsetzen, was von Anfang an zum Scheitern verurteilt war? Warum seid ihr nicht in der Lage, für die Fehler der Vergangenheit die Verantwortung zu übernehmen und diese schnell und nachhaltig zu korrigieren? Warum lasst ihr lieber alles im Chaos und Terror versinken, anstatt die grundlegenden Fehler im Wirtschafts- und Geldsystem zu beseitigen, welche immer wieder am Ende in kriegerischen Auseinandersetzungen enden? Warum teibt ihr durch eure politischen und wirtschaftlichen Verhaltensweisen, eure Entscheidungen und Handlungen die Menschheit immer wieder in diese Katastrophen und hetzt sie gegeneinander auf?

  • Völlig richtig, dafür muss man ein Stufe tiefer einsteigen. Dann versteht man auch den Buchtitel von Herrn Sarazzin, ohne es wirklich lesen zu müssen. Was schrumpft ist der Anteil der "Kaukasier-Deutschen", es steigt der Anteil der "Passdeutschen", und hier insb. mit arabischem Hintergrund.

    Ein Austausch wenn man so möchte ...

  • Völlig richtig, dafür muss man ein Stufe tiefer einsteigen. Dann versteht man auch den Buchtitel von Herrn Sarazzin, ohne es wirklich lesen zu müssen.

    Ein Austausch ...

  • Sie haben vollkommen Recht. Neben Merkel sitzt da zB auch noch der Altmeier an den Schalthebeln zu diesem Thema, auch kinderlos verantwortungslos.

  • http://www.handelsblatt.com/politik/international/fluechtlinge-in-europa-viktor-orban-der-modell-politiker/12618772.html?nlayer=Politik-News_11247984

    Ein weiterer Artikel von einem europäischen Helden der die Islamisierung seines Landes nicht hinnimmt.
    Hoch lebe Orban, nieder mit der Schadenskanzlerin !!

  • Frau Merkel denkt nicht ans Volk, sondern ausschliesslich an sich selbst. Sie ist kinderlos und als egozentrischer Mensch ist ihr die Zukunft egal. Sie hat ja keinen Nachwuchs der die Zeche zahlen muss.
    Interessant: Alle Politiker die nicht geschieden waren, verheiratet, mir ein paar Kindern, haben eine kontinuierliche, berechenbare und auf die Zukunft gerichtete Politik betrieben.

  • Solange Frau Merkel und andere deutsche Politiker den Islam gewissenlos unterstützen und fördern, wird er sich immer weiter ausbreiten. Gerade war der "friedliche" Islam wieder in Mali tätig. Frau Merkel schweigt, wie immer dazu, da sie es wahrscheinlich für richtig hält!

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