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Prognos-Studie Demografischer Wandel: Deutschland fehlen bald 2,9 Millionen Arbeitskräfte

Obwohl durch die Digitalisierung Jobs wegfallen, werden laut einer neuen Studie in den kommenden Jahren Millionen Arbeitskräfte fehlen. Schuld daran ist der demografische Wandel.
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Forscher gehen davon aus, dass durch den wirtschaftlichen und beruflichen Strukturwandel bis zum Jahr 2035 rund vier Millionen Arbeitsplätze wegfallen. Quelle: dpa
Arbeitsmarkt

Forscher gehen davon aus, dass durch den wirtschaftlichen und beruflichen Strukturwandel bis zum Jahr 2035 rund vier Millionen Arbeitsplätze wegfallen.

(Foto: dpa)

BerlinDer Mangel an qualifiziertem Personal ist für viele Unternehmen schon heute das Geschäftsrisiko Nummer eins. Und in den kommenden Jahren deutet sich kaum Entspannung an – im Gegenteil.

Im Jahr 2025 werden nach einer neuen Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts Prognos für die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) 2,9 Millionen Fachkräfte am deutschen Arbeitsmarkt fehlen. Weil die Babyboomer-Generation Zug um Zug aus dem Arbeitsleben ausscheidet, wird die Lücke 2031 mit 3,6 Millionen fehlenden Fachkräften ihren Höhepunkt erreichen und sich danach wieder ein wenig schließen.

Das Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos AG hat dabei untersucht, wie sich Arbeitskräftenachfrage und -angebot künftig voraussichtlich entwickeln werden. Die Nachfrage wird bestimmt durch die weltwirtschaftliche Entwicklung, Veränderungen im Konsumverhalten oder politische Rahmenbedingungen.

Eine wichtige Rolle spielt zudem der technologische Wandel, wenn etwa im Zuge der Digitalisierung Algorithmen oder Roboter Jobs übernehmen, die zuvor von Menschen ausgeübt wurden.

Die Forscher gehen dabei davon aus, dass die deutsche Wirtschaftsleistung bis 2025 im Jahresdurchschnitt um 1,6 Prozent zunehmen wird. Das Angebot an Arbeitskräften hängt vor allem an der demografischen Entwicklung. Es wird spürbar kleiner werden, wenn in den nächsten 15 Jahren die geburtenstarken Jahrgänge der „Babyboomer“ mehrheitlich das Rentenalter erreichen.

Kamen 2017 auf einen Rentner noch drei Bürger im erwerbsfähigen Alter, wird dieser sogenannte Altenquotient bis zum Jahr 2045 auf eins zu zwei sinken. Ob ausreichend passende Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, hängt aber auch von Faktoren wie der Erwerbsbeteiligung von Frauen, der Studien- und Berufswahl, der Zahl der Teilzeitbeschäftigten oder der Zuwanderung ab.

Auf der Nachfrageseite rechnen die Prognos-Experten mit tiefgreifenden Veränderungen. Allein im Handel werden bis 2025 rund 130.000 Beschäftigte weniger benötigt, weil Kunden immer häufiger online ordern. In fast allen Branchen sehen die Experten eine sinkende Nachfrage nach Arbeitskräften – mit wenigen Ausnahmen wie der IT- und Kommunikationsbranche, dem Automobilbau, den unternehmensnahen Dienstleistungen oder dem Gesundheits- und Sozialwesen.

„Gleichzeitig schrumpft in den nächsten Jahren aber die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter erheblich, so dass unter dem Strich eine Fachkräftelücke entsteht“, sagt vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. Denn das Angebot an verfügbaren Arbeitskräften sinkt noch schneller als die Nachfrage.

Und: Qualifikation und Bedarf passen immer seltener zusammen, weil zum Beispiel verstärkt Handwerker gesucht werden, es die Schulabgänger aber weiter an die Hochschulen zieht. Laut Prognos müssten von den 2,9 Millionen Arbeitskräften, die es 2025 potenziell zu wenig geben wird, 80 Prozent eine Berufsausbildung haben, kein Studium.

Die Studie zeigt allerdings auch Auswege aus der Arbeitskräftemisere auf. Denn in ihrem Basisszenario gehen die Forscher zunächst davon aus, dass es auf der Angebotsseite keine Verhaltensänderung gibt.

Dass also der Run auf die Hochschulen anhält, dass Frauen und Ältere weiter nur in dem Maße arbeiten wie heute oder dass keine Beschäftigten von einem Teilzeit- in einen Vollzeitjob wechseln. Genau hier liegen aber die Stellschrauben, um dem Mangel entgegenzuwirken.

Die Arbeitskräftelücke im Jahr 2025 könnte um rund 1,3 Millionen Personen kleiner ausfallen, wenn Arbeitszeitpotenziale besser genutzt, also vor allem mehr Teilzeit- in Vollzeitjobs umgewandelt würden. „Gleichwohl gibt es, insbesondere in der jüngeren Generation, auch eine Tendenz zu geringeren Arbeitszeitumfängen“, schreiben die Forscher.

Sollte dieser gesellschaftliche Trend anhalten, würde der Dämpfungseffekt geringer ausfallen. Großes Potenzial sieht Prognos auch in einer weiteren Erhöhung der Erwerbsbeteiligung – durch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, den schnelleren Wiedereinstieg junger Mütter oder den längeren Verbleib älterer Menschen im Beruf.

Auch wenn heute schon deutlich mehr Frauen und Ältere im Berufsleben stünden als in früheren Jahren, gebe es hier noch Luft nach oben. Auch durch eine bessere Weiterbildung und Qualifizierung von Beschäftigten, eine höhere Durchlässigkeit zwischen Berufen, oder eine breite Bildungsoffensive ließe sich nach Ansicht der Wirtschaftsforscher die absehbare Arbeitskräftelücke verkleinern, wenn auch in deutlich geringerem Maße.

Den Beitrag der Zuwanderung hat Prognos dabei schon in seinem Basisszenario berücksichtigt. Wie das Statistische Bundesamt geht das Institut davon aus, dass der verstärkte Zuzug der zurückliegenden Jahre den demografischen Effekt nicht nur merklich dämpft, sondern auf kurze Sicht sogar zu einem Anstieg der Bevölkerungszahl führt.

Ab 2021 wird angenommen, dass jährlich 200.000 Menschen mehr nach Deutschland ein- als auswandern. Soll die Migration einen entscheidenden Beitrag zur Schließung der Arbeitskräftelücke liefern, müsste die Nettozuwanderung also schon deutlich über diesem erwarteten Wert liegen.

Dies sei aber nicht notwendig, „sofern die übrigen Handlungsfelder in idealer Weise greifen“, schreibt Prognos. Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft will die Studie durchaus auch als Handlungsempfehlung an die Politik verstanden wissen.

Im Fazit heißt es: „Fachkräftemangel ist vermeidbar, sofern rechtzeitig die passenden Weichen gestellt werden.“ Mit dem durch die Digitalisierung getriebenen Wandel der Arbeitswelt befasst sich auch das „Fachkräftemonitoring“ im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.

Die vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) erstellte Studie ist jetzt veröffentlicht, kommt aber zu einem weniger dramatischen Ergebnis als die Prognos-Untersuchung.

Die Forscher gehen davon aus, dass durch den wirtschaftlichen und beruflichen Strukturwandel bis zum Jahr 2035 rund vier Millionen Arbeitsplätze wegfallen, aber auch fast 3,3 Millionen neu entstehen werden.

Analog zum Wachstum der Bevölkerung, das noch bis zum Ende der 2020er-Jahre anhalten wird, steigt bis zur Mitte des kommenden Jahrzehnts die Zahl der Erwerbstätigen noch um mehr als 800.000 auf 45,7 Millionen und geht dann bis 2035 auf 44,1 Millionen zurück.

Ursächlich für den Rückgang ist nach Einschätzung der drei Institute neben der Demografie auch das sinkende Arbeitsangebot. Wegen der Alterung der Bevölkerung beschäftigt das Gesundheits- und Sozialwesen im Jahr 2035 die meisten Erwerbstätigen, erwarten die Forscher.

Zugleich steigt aber auch die Nachfrage nach Erziehungs- und Unterrichtsleistungen, weil auch die Zahl jüngerer Menschen dann wieder wächst. Von einem flächendeckenden Fachkräftemangel gehen IAB, BIBB und GWS auch künftig nicht aus, wohl aber von Engpässen in Bereichen wie Gesundheit und Pflege, Erziehung, aber auch im Polizei- und Vollzugsdient oder in Sanitärberufen, wo schon heute Personalmangel herrscht.

Auch in IT-Berufen könnten Arbeitskräfte knapp werden Tendenziell eher einen Überschuss an Fachkräften wird es der Studie zufolge bis 2035 in Logistikberufen, im Verkauf, im Reinigungsgewerbe oder in der Gastronomie geben, mit fortschreitendem Strukturwandel auch im Rechnungswesen und Controlling, in der Metallerzeugung oder der Textilverarbeitung.

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3 Kommentare zu "Prognos-Studie: Demografischer Wandel: Deutschland fehlen bald 2,9 Millionen Arbeitskräfte"

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  • Sehr geehrter Herr Specht,

    eigentlich ist es eine Banalität und ich geniere mich dafür, sie überhaupt erwähnen zu müssen: Die Zahl der benötigten Arbeitskräfte hängt ab von der geplanten Produktion.

    Also müßten die hochmögenden Institute zunächst einmal darüber diskutieren, welche Produktionsmenge angestrebt werden soll. Wieviel wollen wir denn produzieren, wenn die Bevölkerung um meinetwegen ein Drittel schrumpfen wird? Das gleiche wie bisher? Das würde bedeuten, dass die Werktätigen um ein Drittel schneller als bisher produzieren müssen und im Gegenzug dann auch ein Drittel mehr Güter erhalten.

    Sehen Sie mir nach, dass ich mich an solchen unsinnigen Diskussionen nicht beteilige.

  • Es ist seit jeher eine großes Debakel in der Politk, dass so gut wie nie Potenziale ausgeschöpft und optimiert, sondern stets nur neue halbgare Lösungen aufgesattelt werden. An dem Status Quo wird fast nie gerüttelt. Es ist ausreichend Arbeitspotenzial da. Man ist nur unfähig zu gestalten. Die Mär vom Fachkräftemangel höre ich nun seit knapp 20 Jahren. Das Gejammer kann man wirklich nicht mehr sonderlich ernst nehmen.

  • Glaube keiner Statistik und deren Zahlen, es sei denn,
    Du hast diese selbst manipuliert.

    the stupid Germans.