Prozess in München Der Moment, in dem der NSU unterging

Im NSU-Prozess ging es um die letzten Minuten und Sekunden des „Nationalsozialistischen Untergrunds“: den Tod von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Ein Gerichtsmediziner berichtet, Beate Zschäpe starrt nur ins Leere.
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Beate Zschäpe mit starrem Blick. Wie sie vom Tod ihrer beiden Freunde erfuhr, ist bis heute unklar. Quelle: dpa

Beate Zschäpe mit starrem Blick. Wie sie vom Tod ihrer beiden Freunde erfuhr, ist bis heute unklar.

(Foto: dpa)

MünchenBeate Zschäpe zeigt keine erkennbare Regung, als der Jenaer Gerichtsmediziner am Mittwoch im NSU-Prozess das Wort ergreift und über den Tod ihrer beiden Freunde berichtet. In grausigen Details schildert der 66-Jährige, wie Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt am 4. November 2011 in einem Wohnmobil in Eisenach starben. Doch die Hauptangeklagte starrt derweil nur in ihren Laptop oder ins Leere.

In typisch rechtsmedizinischer Nüchternheit schildert der Arzt die massiven Verletzungen, an denen die beiden mutmaßlichen Neonazi-Terroristen starben. „Kopfdurchschuss“ steht als Todesursache in beiden Obduktionsberichten. Und die Schilderungen des Gerichtsmediziners lassen keinerlei Zweifel, dass die beiden sofort tot waren. Es gebe auch Bilder, sagt der Arzt irgendwann. Da schüttelt der Vorsitzende Richter Manfred Götzl energisch den Kopf.

Nachdem das Gericht sich am Dienstag mit der letzten Mundlos und Böhnhardt zugeordneten Straftat - einem Banküberfall in Eisenach - beschäftigt hatte, geht es am Mittwoch nun um die allerletzten Minuten und Sekunden der Terrorgruppe. Denn „mit dem Tod dieser beiden Personen am 4. November 2011 war die terroristische Vereinigung "NSU" aufgelöst“, heißt es trocken in der Anklage der Bundesanwaltschaft.

Was sich in diesen letzten Minuten und Sekunden abgespielt hat, das versucht das Gericht nun genau zu ergründen. Bis dahin sind die Abläufe nämlich klar: Nach dem ihnen zugeordneten Banküberfall flüchten Mundlos und Böhnhardt - wie viele Male zuvor - auf ihren Mountainbikes. Sie verstauen diese in einem Wohnmobil und rauschen davon. Doch ein Zeuge hat sie beobachtet. Wenig später fällt einer Streife das Wohnmobil auf, abgestellt im Eisenacher Stadtteil Stregda. Dort wollten die beiden offenbar die heiße Phase der Polizei-Fahndung abwarten.

Mundlos erschoss erst Böhnhardt und dann sich selbst
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