Psychologe über Guttenberg „Das ist ein persönlicher Weltzusammenbruch“

Nie zuvor ist ein Politiker in Deutschland so schnell aufgestiegen wie Karl-Theodor zu Guttenberg. In dieser Woche folgte der Absturz der Überfliegers. Psychologe Stephan Grünewald über die Folgen dieser Niederlage.
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Karl-Theodor zu Guttenberg verlässt die politische Bühne - vorerst. Quelle: dpa

Karl-Theodor zu Guttenberg verlässt die politische Bühne - vorerst.

(Foto: dpa)

DüsseldorfHerr Grünewald, mit Guttenberg verlässt ein politischer Überflieger die politische Bühne. Wie verkraftet eine solche Persönlichkeit den Absturz?
Seine eigenen Worten spiegeln das bereits wider. Er selbst hat es als den "schmerzhaftesten Schritt" seines Lebens bezeichnet. Das ist ein persönlicher Weltzusammenbruch. Alles was ihm Kraft gab, liegt jetzt in Scherben. Kurzfristig wird es ihn komplett umhauen. Als Therapeut würde ich ihm zu psychologischer Betreuung raten. Er muss jetzt einen Prozess durchmachen, an dessen Ende er weiß, was er machen will. Wichtig ist, dass er jetzt das Scheinwerferlicht meidet und sich auf Freunde und Familie verlassen kann.

Guttenberg ist adelig, reich und wurde hochgejubelt. Hat er die Bodenhaftung verloren?
Ja. Es gibt einige Anzeichen dafür, dass er den Medienhype und diese unglaubliche Sympathiewelle nicht wirklich verkraftet hat. Kritikfähig schien er nicht mehr zu sein. Seine übermenschliche Aura passte mit dem normalen Leben, also auch seinen Schwächen, nicht zusammen. Sein Rücktritt hat ihn wieder auf Normalmaß zurechtgestutzt.

Was meinen Sie mit übermenschlicher Aura?
Im öffentlichen Ansehen war er eine quasi mythische Gestalt, er bündelte die Sehnsüchte der Menschen, die vom politischen Establishment enttäuscht sind. Der Rücktritt von Bundespräsident Horst Köhler zum Beispiel wirkte auf viele Bürger wie eine Fahnenflucht, da fragt man sich: Auf welchen Politiker kann ich mich noch verlassen? Guttenberg! Er war die Licht- und Hoffnungsgestalt.

Stephan Grünewald ist Psychologe und Geschäftsführer des Rheingold-Instituts für qualitative Markt- und Wirkungsanalysen. Quelle: Ralf Baumgarten/PR

Stephan Grünewald ist Psychologe und Geschäftsführer des Rheingold-Instituts für qualitative Markt- und Wirkungsanalysen.

(Foto: Ralf Baumgarten/PR)

Sein Rücktritt dürfte die Leute auch enttäuschen.
Dennoch bleibt ihm viel Sympathie. Als mythische Gestalt hat er etwas vom Drachentöter Siegfried aus der Nibelungensage. Dieser schien auch unverletzlich, bis auf die kleine Stelle am Rücken, wo das Lindenblatt hingefallen war. Guttenberg hat Schwäche und Verletzlichkeit gezeigt. So etwas mögen die Bürger, es lässt den Politiker näher wirken.

Was glauben Sie: Versucht er ein Comeback?
Ein Anstandsjahr lang wird er sich wohl aus der politischen Szene fernhalten. Vielleicht sind die Erfahrungen zu traumatisch. Aber Sie dürfen nicht vergessen, dass er von einer großen Sehnsucht der Wähler getragen wurde. Das ist ein Anreiz zurückzukehren. Denn immer wenn die Bürger das Gefühl von Krise haben, werden die Leute nach ihm rufen und ihn als Licht am Ende des Tunnels sehen. Ich bin mir sicher: Sein Abgang war nicht das Ende seiner politischen Karriere.

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7 Kommentare zu "Psychologe über Guttenberg: „Das ist ein persönlicher Weltzusammenbruch“"

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  • Zu dem Anstandsjahr hat es leider nicht ganz gereicht...

  • Niederlagen sind göttliche Geschenke! Sie vergrößern unsere Chancen zur persönlichen Weiterentwicklung.
    K.T. bräuchte jetzt echte Freunde, keine Fans oder Partei-Taktierer. Leider beteiligt sich jetzt sogar sein Vater an der dümmlichen "Opfer"-Legendenbildung. Das macht die Chancen, dass sich KT doch noch zu einer reifen, ehrenhaften Persönlichkeit weiterentwickelt nicht gerade größer.

  • Drachentöter Siegfried Guttenberg

    Der Drachentöter Siegfried ist stark, aber nicht sonderlich klug. Ist dies die richtige Beschreibung für Hr. Guttenberg? Das Volk ruft nach dem Messias und das Volk schlachtet den Messias, dies sollten gerade die Konservativen aus dem neuen Testament kennen. Vielleicht sammelt Hr. Guttenberg einfach 20 Jahre lang Lebenserfahrung und nimmt dann einen zweiten Anlauf. In einem Jahr ist er noch zu sehr der Guttenberg, der ohne Skrupel einen Doktortitel erschlichen hat. Fehler leugnen ist schwach, Fehler zugeben schon stärker, Fehler vermeiden am stärksten.

  • Klar, prinzeugen und Freunde, wenn Euch einer das prallgefüllte Portemonnaie klaut, schickt ihr ihm noch Eure Kontodaten samt PIN hinterher ...

  • Anonymer Benutzer:an Wandel-durch-Bewußtsein

    der Dummschwätzer bist Du! - Ende

  • Endlich mal ein sachlicher Beitrag! Glückwunsch Herr Grünewald! Auch des Bürgers Sichtweise treffend analysiert!

  • "Ein Anstandsjahr lang wird er sich wohl aus der politischen Szene fernhalten."
    Wie lächerlich, jetzt von "Anstand" im Zusammenhang mit Guttenberg zu sprechen. Was für ein Täuscher und Blender muss man selber sein, um diesen "Möchtergern" zur Lichtgestalt hochzustilisieren.
    Und dann setzt der Psycho sogar noch einen drauf: "Guttenberg hat Schwäche und Verletzlichkeit gezeigt. So etwas mögen die Bürger, es lässt den Politiker näher wirken." Ein derartiges Dummgeschwätz kann nur von einem Typen kommen, dessen Aufgabe tagtäglich ist, herauszufinden, wie man mit der Konditionierung und Haltlosigkeit der Menschen Geschäfte macht und Ihnen vorgaukelt, dass sie Bedürfnisse haben, die ihnen selbst im Traum nicht eingefallen wären! Armes Deutschland!

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