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Rafael Laguna de la Vera Das erwartet die Bundesregierung von ihrem neuen Chef-Innovator

Zwischen Wettbewerb und Förderung: Als Gründungsdirektor der „Agentur für Sprunginnovation“ soll der Unternehmer neue Geschäftsideen für Deutschland aufspüren.
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Auf den Chef der Open-Xchange AG wartet ein anspruchsvoller Job. Quelle: Rafael Laguna
Rafael Laguna de la Vera

Auf den Chef der Open-Xchange AG wartet ein anspruchsvoller Job.

(Foto: Rafael Laguna)

Düsseldorf, Berlin Irgendwo in der Republik lebt ein heller Kopf, der das Zeug zum deutschen Elon Musk hat, ist Rafael Laguna de la Vera überzeugt. Man muss ihn nur finden. Dieser Job wartet jetzt auf den Start-up-Unternehmer und Chef der Open-Xchange AG. Laguna soll Gründungsdirektor der neuen Agentur für Sprunginnovationen werden, mit der die Bundesregierung bahnbrechende Geschäftsideen fördern will.

Das sei „eine große Aufgabe“, sagte er am Mittwoch bei der Vorstellung im Forschungsministerium in Berlin, „aber die müssen wir angehen in Deutschland“. Im Nebenjob wird der 55-Jährige zunächst viel Aufbauarbeit leisten müssen. 35 bis 50 Mitarbeiter sollen perspektivisch unter Tausenden von Tüftlern in Deutschland die „Highpos“ ausfindig machen, wie Laguna High Potentials gerne nennt. Auch muss noch ein kaufmännischer Direktor für die Agentur gefunden werden.

Dabei soll der gebürtige Leipziger ebenso mitreden wie bei der Standortauswahl – auch wenn die mit Wissenschaftlern, Unternehmern und Bundestagsabgeordneten besetzte Gründungskommission hier schon für die „Metropolregion Berlin“ votiert hat. Im Bundesetat sind für die Agentur bis 2022 150 Millionen Euro eingeplant, über die vorgesehene Laufzeit von zehn Jahren soll es eine Milliarde werden.

Laguna und seine Mitstreiter müssten „das Gras wachsen hören“, umreißt Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) die Aufgabe, also zukunftsträchtige Trends in Wirtschaft und Wissenschaft aufspüren. Die Agentur soll Innovationswettbewerbe ausloben oder Erfinder, die anderswo keine Unterstützung finden, mit Zuschüssen, Darlehen oder Forschungsaufträgen unterstützen. Der designierte Gründungsdirektor biete sich für die Aufgabe an, da er „mit ganzem Herzen Entrepreneur“ sei, sagte Karliczek.

Sechs Jahre, nachdem er mit seiner Familie aus der DDR in die Bundesrepublik übergesiedelt war, gründete Laguna 1980 sein erstes Unternehmen Elephant Software. Da war er gerade 16 Jahre alt und das Abitur noch in weiter Ferne. Das Informatikstudium brach der Jungunternehmer nach wenigen Wochen ab und widmete sich lieber neuen Geschäftsideen. Er entwickelte ein Kassensystem für Getränkehändler und baute die Softwarefirma Micado mit auf, die er mit 31 Jahren an ein US-Unternehmen verkaufte.

Chef eines Unternehmens mit 270 Mitarbeitern

Laguna arbeitete als Business-Angel und Interimsmanager, hatte Aufsichtsrats- und Beratungsmandate inne und ist seit 2008 Chef von Open-Xchange. Das Unternehmen mit 270 Mitarbeitern, 45 Millionen Euro Umsatz und Hauptsitz im sauerländischen Olpe bietet unter anderem Programme für E-Mails, Kalender, Cloud-Speicher und die Verwaltung von E-Mail-Servern an. Wie der Name andeutet, setzt Open-Xchange dabei auf offene Software.

Jeder kann den Programmcode selbst überprüfen und ohne Lizenzgebühren einsetzen. Geld verdient das Unternehmen mit IT-Dienstleistungen rund um das Programmpaket, beispielsweise, wenn Kunden technische Betreuung benötigen oder die Lösungen aus der Cloud beziehen wollen. Auf dieses Geschäftsmodell setzen auch andere Firmen, beispielsweise Red Hat, das IBM jüngst für 34 Milliarden Dollar übernommen hat.

Für Rafael Laguna ist das Prinzip Open Source Überzeugungssache: Er wolle keinen „digitalen Turbokapitalismus“ und keine „digitale Diktatur“, sagt er. Die offene Software verspreche nicht nur mehr Sicherheit und größere Anpassungsfähigkeit an Kundenwünsche, sondern auch mehr Unabhängigkeit von den IT-Riesen aus den USA und China. Dass der Unternehmer keine Angst hat, es mit den ganz Großen aufzunehmen, zeigt seine jüngste Initiative.

Er will einen Messenger entwickeln, der ähnlich wie WhatsApp oder Threema funktioniert, bei der Datenübertragung aber auf offene Standards setzt. Nutzer sollen somit untereinander Nachrichten austauschen können, ohne Rücksicht nehmen zu müssen, welches Programm das Gegenüber verwendet. Einen Prototyp will der Softwarehersteller im Herbst vorstellen. Dass er ein Gespür für zugkräftige Geschäftsideen hat, werden auch Kritiker Laguna kaum absprechen.

Sie rügen aber, dass er zunächst selbst der Gründungskommission angehört hatte, die Empfehlungen für die neue Innovationsagentur erarbeitete. Nach der zweiten Sitzung habe er sich aber zurückgezogen, weil er da schon als Direktor ins Spiel gebracht worden war, sagt Laguna. Insgesamt gab es 21 Kandidaten, von denen sieben in die engere Wahl kamen.

Mehr: Kommentar: Für die Förderung deutscher Elon Musks braucht es mehr als eine Agentur

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