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Rahmenbedingungen Wie können Mitarbeiter an Unternehmen besser beteiligt werden?

Im Wettbewerb um Fachkräfte vergibt die Große Koalition aus Sicht von Unternehmern und Opposition eine Chance: Mitarbeiter sollten viel stärker an Unternehmen beteiligt werden.
27.01.2020 - 17:07 Uhr Kommentieren
Ein Beteiligung am Unternehmen durch Aktien bindet Mitarbeiter stärker. In Deutschland ist die Beteiligungsform aber nicht weit verbreitet. Quelle: dpa
Mitarbeiter

Ein Beteiligung am Unternehmen durch Aktien bindet Mitarbeiter stärker. In Deutschland ist die Beteiligungsform aber nicht weit verbreitet.

(Foto: dpa)

Berlin Der Appell kommt von einem, der es wissen muss. Er kommt von einem, der den Wettbewerb um Fachkräfte kennt. Johannes Reck ist Gründer und Chef des Tourismusunternehmens Getyourguide und als Jungunternehmer einer der Experten, der an diesem Montag zu einer parlamentarischen Anhörung in Berlin geladen waren. Reck, dessen Unternehmen bereits auf eine Milliardenbewertung kommt, warnt: Schafft Deutschland nicht attraktivere Rahmenbedingungen für Mitarbeiter am Produktivkapital zu beteiligen, drohen gerade bei Start-ups deutliche Nachteile im internationalen Vergleich.

Tatsächlich hat es viele Vorteile, wenn Mitarbeiter an dem Unternehmen beteiligt sind, in dem sie tätig sind. „Mitarbeiterbeteiligungsprogramme sind nachweislich eines der wirksamsten Vergütungsinstrumente und eine sinnvolle Möglichkeit zum Aufbau von Kapitalvermögen und -einkünften für Mitarbeiter“, urteilt auch die Unternehmensberatungsgesellschaft Mercer.

Doch nur relativ wenige Mitarbeiter kommen in den Genuss einer Beteiligung. Der Bundesverband Mitarbeiterbeteiligung (AGP) schätzt, dass 1,3 Millionen Mitarbeiter der rund 700 börsennotierten Unternehmen und etwa 900.000 Beschäftigte der 2.000 mittelständischen Betriebe an ihren Unternehmen beteiligt sind. Zur Lage bei den Start-ups gibt es keine Zahlen.

Für eine breitere Öffentlichkeit sorgte Ende 2018 vergangenen Jahres ein offener Brief von 30 Vorstandschefs erfolgreicher europäischer Start-ups, in denen sie bessere Rahmenbedingungen für die Mitarbeiterbeteiligung in Europa forderten. Innerhalb Europas zählt Deutschland zu den Schlusslichtern, was die Förderung angeht.

Zwar haben sich Union und die SPD in ihrem Koalitionsvertrag darauf verständigt, „neue Möglichkeiten der Mitarbeiterbeteiligung“ zu prüfen. Doch passiert ist bislang wenig.

In unterschiedlichen Anträgen drängen FDP und Grüne nun auf Verbesserungen. Die Mitarbeiterbeteiligung ist in Deutschland „aufgrund der steuerlichen und bürokratischen Vorschriften unattraktiv, so dass deutsche Unternehmen international Wettbewerbsnachteile erfahren“, heißt es im Antrag der FDP.

Einfachere Besteuerung im Ausland

Die Grünen fordern die Bundesregierung auf, die Rahmenbedingungen zu verbessern und eine „Beteiligungskultur“ zu fördern. Gerade Start-ups würden bei der Rekrutierung von begehrten Mitarbeitern ins Hintertreffen geraten, wenn sie ihrem Personal keine attraktiven Anreize bieten könnten.

„Wir suchen hochqualifizierte Experten in den Bereichen Engineering, Design und Technologie. Wir können dabei nicht allein auf Talente in Deutschland setzen“, beschreibt Getyourguide-Chef Reck. Talente dieses Kalibers seien mobil und würden weltweit nach den besten Beschäftigungsmöglichkeiten suchen. Und dazu gehört wozu auch die Beteiligung am Unternehmen zähle.

In Deutschland müsste der geldwerte Vorteil von Anteilen gleich versteuert werden und Einkommenssteuer gezahlt werden. Dagegen müssten Beschäftigte in den USA, England, Frankreich oder Israel auf Aktienoptionen lediglich die Kapitalertragssteuer zahlen. Das könnte Getyourguide nicht ausgleichen.

Nur einen winzigen Schritt hat die Große Koalition bisher unternommen: Der Koalitionsausschuss hat im November darauf verständigt, den Freibetrag von 360 Euro auf 720 Euro zu verdoppeln. Bis zu diesem Betrag dürfen Arbeitgeber Unternehmensanteile pro Jahr steuer- und sozialabgabenfrei vergeben.

„Das geht nicht weit genug“, urteilt Mercer in einer schriftlichen Stellungnahme. Die FDP verweist auf attraktivere Beispiele im europäischen Ausland. In den Niederlanden liegt der Freibetrag bei 1200 Euro, in Italien bei 2100 Euro, in Österreich bei 3000 Euro, in Großbritannien bei umgerechnet 3500 Euro.

Andere Behandlung als bei Kapitaleinkünften

Noch nicht in die Karten schauen lässt sich die Bundesregierung, ob sie Handlungsbedarf bei Start-ups sieht. Das Bundeswirtschaftsministerium hat ein Gutachten in Auftrag gegeben, das Aufschluss geben soll über die Praxis in anderen EU-Staaten und im ersten Quartal vorliegen soll.

Der Bundesverband Deutsche Start-ups begrüßt die Forderung der FDP, innovative Beteiligungsformen erst zum Zeitpunkt des tatsächlichen Zuflusses von Liquidität zu besteuern.

Derzeit muss der Mitarbeiter den geldwerten Vorteil, der über den Steuerfreibetrag von demnächst 720 Euro hinausgeht, direkt bei Erhalt versteuern, obwohl ihm noch keine Gewinne durch die Beteiligung zugeflossen sind. Zudem setzt sich der Bundesverband dafür ein, Einkünfte aus Mitarbeiterbeteiligungsprogrammen wie Kapitaleinkünfte zu behandeln, so wie es Getyourguide-Chef Reck auch fordert.

Doch längst nicht mit allen Forderungen der Opposition ist der Start-up-Verband einverstanden. So setzen sich die Grünen dafür ein, den steuerlichen Freibetrag bei jungen, innovativen Unternehmen auf 5000 Euro zu erhöhen. Dabei sollte eine Mindesthaltefrist von fünf Jahren beachtet werden. „Das lehnen wir ab“, so der Verband. Denn gesetzliche Mindesthaltefristen „verkennen die Dynamik der modernen Arbeitswelt“.

Mehr: Führungskräfte machen sich für mehr Mitarbeiterkapitalbeteiligung stark.

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