Ramsauer prüft Zusammenarbeit Stromnetz der Bahn soll Energiewende sichern

Der Deutschen Bahn könnte eine entscheidende Rolle beim Atomausstieg zuteil werden. Verkehrsminister Ramsauer hat es auf das Hochspannungsnetz der Bahn abgesehen - Konzernchef Grube missfällt das allerdings.
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Peter Ramsauer (r.) und Bahnchef Rüdiger Grube. Quelle: dapd

Peter Ramsauer (r.) und Bahnchef Rüdiger Grube.

(Foto: dapd)

BerlinDie Bundesregierung will die Energiewende nach „Spiegel“-Informationen mit Hilfe der Deutschen Bahn (DB) angehen. Das konzerneigene Stromnetz könnte demnach zumindest teilweise den umstrittenen Bau neuer Stromtrassen ersetzen. „Wir werden das prüfen“, sagte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) dem Magazin. Details sollen nach Ostern bei einem Treffen von Fachleuten aus dem Verkehrs- und Wirtschaftsministerium, der Bahn und der Bundesnetzagentur geklärt werden.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) jedenfalls begrüßt die Idee: „Eine enge Kooperation mit der Deutschen Bahn im Rahmen des Ausbaus des Stromverbundnetzes halte ich für wünschenswert“, sagte er dem „Spiegel“. Auch EU-Energiekommissar Günther Oettinger halte entsprechende „Pilotprojekte“ in Deutschland für „sehr nützlich“.

Die Bundesnetzagentur, die den deutschen Strommarkt überwacht, setze ebenfalls auf die Bahn: „Angesichts des gewaltigen Ausbaubedarfs sollten alle Möglichkeiten“ geprüft werden, sagte Präsident Matthias Kurth. Die Bahn verfüge über „das einzige flächendeckende Stromnetz, das wir in Deutschland haben“.

Wie das Magazin weiter berichtete, ist das Hochspannungsnetz der Bahn mit 7.800 Kilometern das zweitgrößte Deutschlands - nach dem des Energiekonzerns RWE. Bisher nutzt die DB ihre Stromtrassen allein. Um auch Privathaushalte und Industrie zu versorgen, wären einige Erweiterungen nötig. Die Spannung müsste den anderen Stromnetzen angepasst, die Übertragungsleistung erhöht werden. Dafür sind zumindest teilweise höhere Masten und neue Kabel erforderlich.

Bahn-Chef Rüdiger Grube sorge sich indes um die Kosten. Er stehe „den Überlegungen kritisch gegenüber“, zitiert der „Spiegel“ aus einem Brief Grubes an den CSU-Abgeordneten Georg Nüßlein.

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14 Kommentare zu "Ramsauer prüft Zusammenarbeit: Stromnetz der Bahn soll Energiewende sichern"

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  • Das Stromnetz der Bahn ist, wegen einer anderen Frequenz, nicht mit dem allg. Stromnetz kompatibel,wen ueberhaupt, dann nur mit sehr hohen Umwandlungsverlusten. Diese sollten wir in Zukunft allerdings mehr und mehr vermeiden. da gibt es in der Tat viel smartere Loesungen, die nichts mit einem smart grid zu tun haben.

  • Der beim Bremsen zurückgewonnene Strom wird heute bereits in das Bahnnetz zurückgespeist. Sie können diesen Strom nicht zweimal verwerten!
    Unter dem Mäntelchen der Energiewende wird ein ganz schöner Blödsinn nach dem Motto "Vision verdrängt Realität" verzapft. Dass dies in Deutschland möglich ist, lässt tief auf den Bildungsstand gerade in technischen Aspekten und an der Qualifikation und Seriösität manches Institus schließen.

  • Das Handelsblatt lenkt den Blick auf Potentiale, die in einer Ko-Transformation der Energiebranche mit dem Verkehrssektor liegen. Natürlich wäre eine Integration des Bahnnetzes in das allgemeine Stromversorgungssystem kein Selbstläufer, und es mag technische und wirtschaftliche Grenzen geben. Aber darüber nachdenken sollte nicht nur die Bahn.

    An jedem Bahnhof kann es Park-and-Ride-Plätze für Elektro- und Hybrid-Autos mit intelligenten Lade- und Entladeverbindungen geben. Die Bahn kann so Strom verkaufen, aber den Strom aus den Autobatterien auch gleich vor Ort für das Anfahren der Züge nutzen. Vom Zug beim Bremsen zurück gespeister Strom kann ebenfalls gleich neben dem Bahnhof in den Autos zwischengespeichert werden. Der Vorteil für die Bahn dürfte, analog zu Schätzungen aus den USA, bei 4 bis 6 Euro pro Auto und pro Tag liegen. Park-and-Ride könnte für Elektroautos gratis sein.

    Die Zusammenarbeit der Bahn mit den Betreibern der Verteilnetze bei der Energiewende ist sicher wichtiger als die Kooperation mit den Betreibern der Hoch- und Höchstspannungsnetze. Es ist zu hoffen, dass die Bahn alsbald eine eigene Strategie für die Energiewende vorlegt, die auch den Nutzen des Bahnnetzes für die Energiewende in Deutschland und Europa berücksichtigt. Täte die Bahn das nicht, so wäre es nur richtig, dass nicht mehr sie allen sondern auch andere dann über die Zukunft des Bahnstromnetzes bestimmen.

    R. Andreas Kraemer
    Ecologic Institut
    www.ecologic.eu

  • Die Übertragungsnetze in D (380kV/220kV) haben eine Länge von 40000km, die 110kV-Netze der öffentlichen Versorgung in D haben eine Länge von 80000 km. Das 110-kV-Bahnnetz hat eine Länge von rd. 8000km und wird aus gruten, technischen Gründen getrennt von der öffentlichen Versorgung betrieben. Da, wo es sinnvoll und machbar ist, werden Bahnnetz und öffentliches Netz schon seit Jahrzehnten entweder in gemeinsamen Trassen oder auf gemeinsamen Gestängen geführt. Angesichts der geografischen Verteilung des Bahnnetzes und der Tatsache, dass die Bahn noch nicht einmal in Schleswig-Holstein elektrifiziert hat, wird hier eine sinnfreie Diskussion angestossen.

  • An diesem ganzen Klamauk sieht man wunderschön, daß die großartige "Energiewende" auf nichts anderem beruht als auf Phrasen und Illusionen. Dabei geht es nur darum, der Bevölkerung Sand in die Augen zu streuen, um das für einen winzigen Bruchteil der 3,6 Millionen Unternehmen in Deutschland und anscheinend auch für einige Politiker höchst profitable Einspeiseparadies noch ein paar Jahre aufrechtzuhalten, bevor die Bevölkerung sich erhebt und es mit ein paar Abstimmungen hinwegfegt.

    Ich persönlich betrachte es - ehrlich gesagt - als Zeichen mangelnder Bildung, wenn jemand Ausdrücke wie "erneuerbare Energie" auch nur in den Mund nimmt. Aber so etwas wird ja neuerdings im Land der Dichter und Denker an den Schulen gelehrt.

  • 1,5 Milliarden Euro mehr für die Industrie? Wenn ich sehe, wie die Gewinne der Konzerne explodieren, dann sind das doch Peanuts.

  • Die Benutzung der elektrischen Leitungstrassen der Dt. Bahn für den Transport von Windenergie von der Meeresküste nach Süden ist wegen des dafür nötigen Umbaus und der beiden völlig inkompatiblen elektrischen Systeme kaum möglich. Die bestehenden Hochspannungsmasten der Dt. Bahn auf der zu erweiternden Leitungstrasse müssten gegen etwa doppelt so hohe ausgetauscht werden. Die neuen Leitungsmasten würden dann beide elektrischen Leitungs-Systeme übereinander tragen. Während des Umbaus wäre die Leitung für die Bahn nicht in Betrieb. Das würde den Bahnverkehr auf einer Strecke von über 50 km mindestens gelegentlich zum Erliegen kommen lassen.
    Meines Erachtens stellt der „Spiegel“, so wie er hier zitiert wird, die Schaffung dieser Möglichkeit zu optimistisch dar.

  • Ich sehe das ähnlich! Die Tatsache, dass das Netz der DB noch immer so gut wie in jeden Winkel dieser Republik reicht, sollte einiges beschleunigen im Suchen nach rechtssicheren Leitungswegen. Auch wenn die bisherige Breite nicht ausreicht und man sie notfalls um 50m verbreitern muss, diese Schneisen, die die DB durchs Land gezogen hat, kann man nutzen. Am Ende kann so eine dezentrale Energieerzeugung und -verteilung unterirdisch und/oder oberirdisch gewährleistet werden.
    Meiner Meinung nach, die ersten Regierungsversuche der CDU und es würde mich nicht überraschen, wenn sich die Kanzlerin für den unnötigen Ausstieg vom Ausstieg in den nächsten Wochen doch noch entschuldigt.

  • Ja klar, hinter dem Bollwerk "Sachkenntnis" hat sich schon so mancher betriebsblinde Besserwisser versteckt! Dass was geschehen muss mit dem starren Netz gehört heutzutage zum Allgemeinwissen! Die moderne Leistungselektronik ermöglicht Dinge, die früher nicht vorstellbar waren und allein eine gemeinsame Trassenwahl sorgt dafür, dass Planfeststellungsverfahren nicht Jahrzehnte dauern werden! Hier hätte D wieder mal die Chance, als Innovationsmotor Arbeitsplätze zu halten!

  • So ein Blödsinn kann wirklich nur von den Aufsichtsräten eines Staatskonzerns bar jeder Sachkenntnis erwogen werden!
    Gute Nacht Deutschland, träum weiter deine Ökofantasien und siehe zu, wo deine Arbeitsplätze dank spinnerter Politiker hinwandern.

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