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Satelliten in der Erdumlaufbahn (Animation)

Ein Startplatz für Miniraketen ist aus Sicht des BDI notwendig, damit die hiesigen Raumfahrt-Unternehmen auch geschäftlich abheben können.

(Foto: OHB-System)

Raumfahrt Neue Chance für einen deutschen Weltraum-Bahnhof

Der BDI will dem Wirtschaftsministerium ein Konzept für eine Raketenstart-Plattform vorlegen. Davon sollen Start-ups profitieren. Schwergewicht OHB träumt vom Aufholen Europas zu den USA.
26.07.2020 - 12:24 Uhr Kommentieren

Berlin Die Pläne für einen deutschen Weltraum-Bahnhof werden konkret. Im Herbst will der Industrieverband BDI gemeinsam mit Schiffbau-Unternehmen ein Konzept für einen Startplatz für Miniraketen vorlegen. Von der ursprünglichen Idee, einen Standort an Land zu finden, etwa am Flughafen Rostock-Laage, hat sich die Industrie inzwischen verabschiedet. Eine schwimmende Plattform in der Nordsee soll als Startplatz dienen.

„Wir haben viele Gespräche mit der maritimen Wirtschaft geführt. Eine Offshore-Plattform als Startplatz ist technisch machbar“, sagte Matthias Wachter, Weltraumexperte beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), dem Handelsblatt. Aktuell erarbeite die maritime Wirtschaft die Spezifikation für die Plattform, „die auch ein erstes Preisschild tragen soll“, so Wachter.

Nach der Sommerpause werde der BDI darüber mit dem Wirtschaftsministerium verhandeln. Ein Startplatz für Miniraketen ist aus Sicht des BDI notwendig, damit die hiesigen Raumfahrt-Unternehmen auch geschäftlich abheben können.

Seit ein paar Jahren hat sich in Deutschland eine lebendige Start-up-Szene entwickelt. Diese New-Space-Firmen bauen Minisatelliten und entwickeln Kleinraketen. Es geht um Erdbeobachtung und Kommunikationsanwendungen per Satellit: Wie in den USA wollen Firmen wie Planet und Ororatech, wie HyImpulse und Rocket Factory im All Geld verdienen – nach dem Vorbild des Tesla-Gründers Elon Musk mit seinen SpaceX-Raketen.

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    Doch dann kam Corona. Plötzlich hatte niemand mehr Kapital und Aufträge übrig für hochfliegende Weltraumprojekte. „Der New-Space-Sektor ist von der Coronakrise dramatisch betroffen“, schlug Joachim Lang, Hauptgeschäftsführer des BDI, Ende März Alarm: 80 Prozent dieser Start-ups befürchteten ihren Untergang.

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    Doch inzwischen sind die Sorgen verflogen – dem Staat sei Dank. Das Bundeswirtschaftsministerium forciert seine im vergangenen Herbst bei der Europäischen Space-Agentur Esa angekündigte Strategie und fördert die Kommerzialisierung der Raumfahrt beherzt.

    So bekommen die drei deutschen Raketen-Start-ups HyImpulse, Isar Aerospace Technologies und Rocket Factory je 500.000 Euro Fördergeld, um ihre „Microlauncher“ genannten Kleinraketen bis zum Frühjahr 2021 weiterzuentwickeln. Per Wettbewerb bekommen dann ein oder zwei dieser drei Firmen Millionen an Fördergeldern, um auch tatsächlich ins All starten zu können.

    Den Traum vom deutschen Mini-SpaceX hat Thomas Jarzombek, Raumfahrtkoordinator im Wirtschaftsministerium, damit wiederbelebt. „Wir setzen auf die Kommerzialisierung der Raumfahrt, wie sie die Nasa bereits erfolgreich betreibt“, so Jarzombek.

    Der Staat solle nicht mehr alles selbst entwickeln, sondern künftig Leistungen bei Start-ups einkaufen. Was dafür der deutschen New-Space-Szene noch fehlt, ist ein Startplatz, etwa die geplante schwimmende Plattform in der Nordsee.

    Neue Umlaufbahnen für Kleinsatelliten

    Nicht nur die Raketenentwickler, auch Satellitenproduzenten wie Thomas Grübler von Ororatech würden sich freuen.  „Es wäre gut, einen Startplatz für Microlauncher hier in Europa irgendwo in der Nähe zu haben“, sagte er dem Handelsblatt. Denn: „Die Satelliten erst nach Übersee zu schaffen ist ja in Corona-Zeiten nicht mehr so ganz einfach.“

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    Für Deutschland wäre es eine große Chance, seine Position als Weltraumnation zu stärken. „Es wäre natürlich einfacher, wenn es eine schwimmende Plattform im Meer wäre, weil Raketenstarts dort weniger stören als an Land“, so Grübler.

    Ein weiterer Vorteil von Starts auf der Nordsee wäre, dass sie andere Umlaufbahnen erschließen könnten. Ororatech etwa baut Erdbeobachtungssatelliten, die Waldbrände frühzeitig entdecken sollen. „Wir haben festgestellt, dass Waldbrände meistens nachmittags ausbrechen“, sagte Grübler.

    Es wäre daher sinnvoll, Satellitenbilder zwischen 17 und 18 Uhr aufzunehmen, um früh zu sehen, wo größere Brände in einsameren Gegenden entstanden sind. Aber in dem dafür passenden Orbit wurden bisher keine Satelliten platziert. Die großen Raketen von SpaceX oder die Ariane der Esa fliegen nur sehr selten dorthin.

    Auch das US-Unternehmen Planet, das Minisatelliten baut und betreibt und in Berlin eine Tochtergesellschaft hat, würde es begrüßen, wenn es in Europa eine Microlauncher-Industrie samt Startplatz gäbe. Denn dann würden zusätzliche Weltraumstarts möglich. „Dies wird nicht nur Kostenvorteile bringen, sondern auch zulassen, den Startzeitpunkt und die Umlaufbahn zu optimieren“, sagte Martin Polak, Director Public Institutions Business bei Planet, einem amerikanischen Unternehmen für Erdbeobachtung.

    In Europa gibt es mehrere Orte, für die derzeit Weltraum-Bahnhöfe geplant werden. „Oft sind sie aber nur schwer zu erreichen oder liegen außerhalb der EU“, sagt Wachter. Zu den geplanten Standorten etwa zählen eine portugiesische Azoreninsel, zwei Standorte in Großbritannien und mögliche Startplätze in Norwegen und Schweden.

    Deutschlands Raumfahrt-Schwergewicht wirbt für ein europäisches Raumfahrt-Großprojekt. Quelle: dpa
    Galileo-Fertigung bei OHB

    Deutschlands Raumfahrt-Schwergewicht wirbt für ein europäisches Raumfahrt-Großprojekt.

    (Foto: dpa)

    Bei vielen der insgesamt 36 Standorte in Europa sei zudem jetzt schon klar, dass es zu wenige Slots für Starts geben werde, wirbt Wachter für die schwimmende Nordsee-Plattform. Er findet es zudem wenig sinnvoll, wenn der Staat einerseits die Entwicklung von Microlaunchern fördert, dann aber die Infrastruktur für Starts nicht baut.

    Braucht Europa ein Großprojekt?

    Deutschlands Raumfahrt-Schwergewicht, die Bremer Firma OHB, wirbt zudem für ein europäisches Raumfahrt-Großprojekt. „Deutschland sollte die EU-Ratspräsidentschaft dafür nutzen, dass neben den Programmen Galileo und Copernicus ein drittes Flagship-Programm gestartet wird“, sagte OHB-Chef Marco Fuchs dem Handelsblatt. Das Programm sollte eine „Telekom-Konstellation“ sein, bestehend aus Tausenden Kleinstsatelliten, die mit Microlaunchern ins All gebracht werden.

    Anders als die heutigen Großsatelliten würden die kleinen Billigsatelliten häufig ersetzt und ergänzt werden müssen. Die Microlauncher von Rocket Factory, an der OHB beteiligt ist, sollen im Idealfall alle zwei Wochen mit neuen Minisatelliten starten, so die Vision. Europa könne so Anschluss halten zum Projekt Starlink von SpaceX, so Fuchs. Starlink ist ein Satellitennetzwerk, über das Nordamerika mit Internetdiensten versorgt werden soll.

    Die New-Space-Programme sind nach Auffassung des BDI notwendig, wenn Europa in der Digitalisierung vorankommen will. „Ohne Satellitenkommunikation wären Homeoffice, Videocalls und Webinare in großem Stil gar nicht möglich“, argumentiert ein BDI-Positionspapier.

    Die Corona-Pandemie könnte so möglicherweise die New-Space-Szene nicht zum Absturz bringen – sondern im Gegenteil Auslöser für ihren Boom werden.  

    Mehr: Die Billigrakete vom Fließband – neuer Trend in der Raumfahrt

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