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Reaktionen auf Tesla-Ankündigung VW sieht sich durch Tesla-Pläne in Strategie bestätigt – Experte fordert Überdenken der Batterieförderung

Tesla wählt Berlin als neuen Standort für seine Gigafabrik. Deutschland muss laut Branchenexperte Dudenhöffer nun bei der Batterieförderung umdenken.
Update: 13.11.2019 - 15:40 Uhr Kommentieren

Tesla plant Bau seiner vierten Gigafactory bei Berlin

Berlin, Düsseldorf, Potsdam, Grünheide Volkswagen sieht sich durch die angekündigten Pläne von Tesla, bei Berlin eine Fabrik für die Herstellung von Batterien und Elektrofahrzeugen zu bauen, in seiner eigenen Elektrostrategie bestätigt. „Das signalisiert den anstehenden Systemwechsel in Richtung Elektromobilität“, hieß es dazu am Mittwoch in Wolfsburg in Konzernkreisen.

Volkswagen-Konzernchef Herbert Diess hatte Tesla-Gründer Elon Musk schon unmittelbar nach dessen Ankündigung bei der Verleihung des „Goldenen Lenkrads“ als „Visionär“ und „Innovator“ bezeichnet. „Elektroautos werden konkurrenzfähig“, betonte Diess. Musk zeige mit Tesla, dass das Konzept funktioniere. Elektrofahrzeuge stünden Verbrennermodellen in nichts nach und symbolisierten die Zukunft. „Die Kunden mögen diese Autos“, ergänzte Diess.

Zusammen mit Elon Musk teile er die Vision, dass künftige Umweltstandards nur mit Elektroautos zu erreichen seien. Beide seien auch davon überzeugt, dass die Fahrzeuge immer digitaler und damit zu einem „Internet-Device“ würden. „Ich danke Ihnen dafür, dass Sie der Pionier für eine ganze Branche geworden sind und uns antreiben“, richtete der VW-Konzernchef unmittelbar an den Tesla-Gründer. „Wir werden Tesla allerdings auch auf Trab halten“, fügte er hinzu und zielte damit auf die von Volkswagen angekündigten Produktionsstarts eigener E-Autos ab.

Dudenhöffer stellt Berlins Batterie-Pläne in Frage

Die Bundesregierung muss nach Ansicht des Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer bei der Förderung der Batterieproduktion umdenken. Nach der Ankündigung von Musk, sei zu überlegen, welchen Sinn die eine Milliarde Euro noch habe, die Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in eine deutsche Lithium-Ionen-Fabrikation stecken wolle.

Auch die geplante Batterieforschungsfabrik in Nordrhein-Westfalen mit 200 Millionen Euro Landesmitteln sei nun zu hinterfragen, sagte Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen am Mittwoch laut Mitteilung.

Tesla-Chef Elon Musk (links im Bild) und VW-Chef Herbert Diess im Gespräch. Quelle: dpa
Verleihung des „Goldenen Lenkrads“

Tesla-Chef Elon Musk (links im Bild) und VW-Chef Herbert Diess im Gespräch.

(Foto: dpa)

Für Altmaier ist Teslas Entscheidung, die Fabrik in Deutschland zu errichten, „ein weiterer Beweis für die Attraktivität des Automobilstandortes Deutschland“. Es sei „zugleich auch ein Meilenstein beim Ausbau von Elektromobilität und Batteriekompetenz“, teilte der Minister in Berlin mit.

Die Pläne von Musk hält Altmaier für verlässlich. „Nach all den Gesprächen und Kontakten, die stattgefunden haben, gehe ich davon aus, dass dies sehr konkret unterlegt wird mit konkreten Investitionsentscheidungen“, sagte der CDU-Politiker.

Subventionen seien bislang kein Thema gewesen. „Es ist bisher nicht über Subventionen gesprochen worden“, sagte Altmaier. Alle Firmen würden gleich behandelt, und der US-Elektroautobauer wolle auch keine Sonderbehandlung.

Neben Altmaier begrüßt auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer Musks Expansionspläne. Der Standort Deutschland sei „eine sehr gute Entscheidung“, schrieb der CSU-Politiker auf Twitter und veröffentlichte dazu in dem Kurznachrichtendienst ein Foto von Musk und ihm. In Deutschland findet der Tech-Milliardär laut dem Minister „das beste Ingenieurswesen der Welt“.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze sieht in der Tesla-Entscheidung eine Signalwirkung. „Die ökologische Wende in der Automobilwirtschaft schreitet voran“, sagte die SPD-Politikerin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Zugleich sei die Standortwahl von Tesla-Chef Elon Musk eine Mahnung für die Autoindustrie und deren Fürsprecher: „Das ist auch ein Weckruf für all jene, deren Leidenschaft allein dem Verbrennungsmotor gilt.“ Die Standortwahl spreche zudem für die Attraktivität der Energiewende in Deutschland. „Die Investitionsentscheidung von Tesla zeigt auch, dass heimische Ökoenergie immer mehr zum Standortvorteil für Deutschland wird“, sagte die Ministerin.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sagte der Nachrichtenagentur dpa nach der Ankündigung: „Das ist eine hervorragende Nachricht für unser Land. Wir haben uns dafür seit längerem in intensiven Gesprächen und mit guten Argumenten eingesetzt. Ich bin glücklich, dass sich Elon Musk für unseren Standort Brandenburg entschieden hat.“

Roman Zitzelsberger, Bezirksleiter der IG Metall Baden-Württemberg, heißt Tesla in Deutschland willkommen. Positiv sieht er, dass die komplette Wertschöpfungskette in Deutschland angesiedelt sein soll. „Das ist gut für die deutschen Zulieferer“, sagte Zitzelsberger auf Anfrage des Handelsblatts. Bereits jetzt stecke in den Fahrzeugen von Tesla „jede Menge deutsche Zulieferertechnologie“.

Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) twitterte: „Wer Visionen hat, kommt nach Berlin! Willkommen in der Metropolregion, Tesla!“ Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB), sprach sogar von einem „vorgezogenen Weihnachtsfest.“

Auch Autoexperte Dudenhöffer sieht in der Entscheidung „eine gute Nachricht für den Autostandort Deutschland“. „Mit der Entscheidung von Elon Musk für Deutschland werden wir gestärkt und die Elektromobilität nimmt mehr Fahrt auf als bei 100 Kanzlergipfeln in Berlin.“

Ähnlicher Meinung ist Stefan Bratzel, Professor am Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach: „Die Ankündigung einer Tesla-Fabrik in Deutschland als erster ausländischer Hersteller seit Jahrzehnten steht symbolisch für die neue Automobilwelt und die Neuordnung der Branche.“

Die heimischen Autobauer müssen sich dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zufolge keine Sorgen machen. „Im Gegenteil: Auch sie profitieren“, sagte DIW-Ökonom Alexander Schiersch am Mittwoch. „Durch eine Tesla-Produktion in Deutschland würde die gesamte Zulieferindustrie hierzulande gestärkt.“ Außerdem können bestehende Kapazitäten erhalten bleiben und sogar neue geschaffen werden, wenn ein zusätzlicher Nachfrager auf dem Markt aktiv sei.

Nicht zuletzt werde Ostdeutschland zu den Gewinnern gehören. „Ostdeutschland insgesamt würde durch eine solch massive Investition von Tesla in einem wichtigen industriellen Zukunftsfeld einen großen Schritt nach vorne machen“, sagte der Experte. Das Know-how und die Kapazitäten im Bereich der Elektromobilität und Batterietechnik würden hierzulande deutlich gestärkt.

Wirtschaftssenatorin stellt Fördermittel in Aussicht

Für die geplante Fabrik des Elektroautoherstellers Tesla in Brandenburg sollen die Bauarbeiten nach Angaben der Landesregierung bereits in wenigen Monaten losgehen. Der Beginn sei für das erste Quartal nächsten Jahres geplant, sagte Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) am Mittwoch in Potsdam. „Die müssen mit Rekordgeschwindigkeit Unterlagen dafür einreichen.“

Der Produktionsstart solle 2021 sein. In der ersten Stufe solle die Fabrik über 3000 Arbeitsplätze bringen. Die Investitionen lägen in mehrfacher Milliardenhöhe. Die Fabrik auf einer Industriefläche in Grünheide nahe der Autobahn 10 soll 300 Hektar umfassen.

Dass die Wahl für die europäische Tesla-Fabrik auf Deutschland und Berlin-Brandenburg gefallen sei, nannte Dudenhöffer „überraschend, aber nicht abwegig“. Für die Batteriezellproduktion seien Standortfaktoren wie Flächen, Bodenpreise, Infrastruktur und Energiekosten wichtig, „aber natürlich hat Berlin auch Aussagekraft und die passt zu einer Premiummarke wie Tesla“.

Zugleich zweifelte Dudenhöffer an, ob die Produktion schon 2021 beginnt. Musk müsse mit den Finanzen haushalten und China habe für ihn Vorrang.

Berlins Wirtschaftssenatorin Pop rechnet durch die geplante Tesla-Fabrik in Brandenburg mit Tausenden neuer Jobs. „Zurzeit sind im Gespräch für die Factory in Brandenburg rund 6000, 7000 Arbeitsplätze“, sagte sie am Mittwoch im RBB Inforadio. Hinzu kämen in Berlin „auch noch ein paar Hundert, wenn nicht gar ein paar Tausend“ neue Jobs.

Tesla sei nicht nur ein reiner Autohersteller, sondern auch in den Bereichen Software, Innovation und Forschung aktiv. „Da ist Berlin natürlich der richtige Standort.“

Der Grünen-Politikerin zufolge kann Tesla für den Aufbau seiner Produktion mit Fördermitteln rechnen. „Jedes Unternehmen, dass sich hier ansiedelt oder hier erweitert, Arbeitsplätze schafft, neue Arbeitsplätte schafft, hat Anspruch auf diese Wirtschaftsförderung.“

Das Land Nordrhein-Westfalen hofft nach der Ankündigung auf Zuliefererverträge. „Wir gratulieren Brandenburg“, heißt es in einer ersten Reaktion des NRW-Wirtschaftsministeriums am Mittwoch. Dies sei gleichzeitig eine wichtige Entscheidung für den E-Mobilitätsstandort Deutschland.

„Auch für unsere Zulieferbetriebe ist das eine große Chance“, sagte ein Ministeriumssprecher. Autozulieferer beispielsweise aus dem Sauerland würden sicherlich von der neuen Tesla-Fertigung profitieren.

„Unter Umständen könnte Tesla eines Tages bei einem deutschen Unternehmen landen“

Mehr: Tesla-Chef Elon Musk hat überraschend den Standort für seine vierte Gigafactory preisgegeben: Sie kommt nach Berlin. Die Entscheidung für Deutschland hat gute Gründe.

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