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Rechter Terror Ökonomen fürchten negative Folgen für deutsche Wirtschaft durch Hanau und die AfD

Der rassistische Anschlag im hessischen Hanau alarmiert führende Ökonomen. Sie sorgen sich um die Folgen für den Wirtschaftsstandort Deutschland.
21.02.2020 Update: 21.02.2020 - 12:22 Uhr 3 Kommentare
Bei einem mutmaßlich rassistischen Anschlag hatte ein 43-jähriger Deutscher mehrere Menschen und dann sich selbst erschossen. Quelle: dpa
Trauer in Hanau

Bei einem mutmaßlich rassistischen Anschlag hatte ein 43-jähriger Deutscher mehrere Menschen und dann sich selbst erschossen.

(Foto: dpa)

Berlin Führende Ökonomen haben angesichts des Terroranschlags in Hanau vor negativen Auswirkungen für die deutsche Wirtschaft gewarnt. Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, sieht auch das Wirken der AfD als Belastung.

„Der Erfolg der deutschen Gesellschaft beruht ganz wesentlich auf ihrer Offenheit, der in den Jahrzehnten nach der Staatsgründung entwickelten Demokratiefestigkeit und in dem verantwortlichen Umgang mit dem moralischen Totalbankrott nach dem Zivilisationsbruch des Holocaust“, sagte Hüther dem Handelsblatt.

„Rechter Terror, eine wahrnehmbare rechtsextreme Partei und die von daher versuchte Koordinatenverschiebung des Wertesystems hin zu Abschottung und Ausländerfeindlichkeit sind eine schwere Belastung für die liberal-demokratische Reputation unseres Landes.“

Das belaste sicher die Entscheidung von Investoren und Fachkräften, sich hier zu engagieren. „Die Demonstration demokratischer Einigkeit und Verantwortung, wie in diesen Stunden, ist daher auch deshalb ein wichtiges Signal.“ Ähnlich äußerten sich die Präsidenten des Münchner Ifo-Instituts und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Clemens Fuest und Marcel Fratzscher.

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    Am Mittwochabend hatte ein 43-jähriger Deutscher in Hanau aus mutmaßlich rechtsradikalen und rassistischen Motiven neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschossen. Außerdem tötete er seine Mutter und sich selbst. Nach dem Anschlag hatten zahlreiche Politiker der AfD eine Mitschuld gegeben.

    „Terror gegen Menschen ausländischer Herkunft ist unvereinbar mit den grundlegenden Werten unseres demokratischen Rechtsstaats“, sagte Fuest dem Handelsblatt. „Der heutige Wohlstand in Deutschland ist zu einem erheblichen Teil von Zuwanderern aufgebaut worden, und künftiger Wohlstand hängt davon ab, dass auch weiterhin Menschen nach Deutschland immigrieren, hier arbeiten und Teil unserer Gesellschaft werden.“

    Abschreckung von ausländischen Fachkräften befürchtet

    Fratzscher sagte dem Handelsblatt: „Hass und Fremdenfeindlichkeit schaden Deutschland wirtschaftlich, sozial und politisch.“ Der DIW-Chef betonte zugleich, „dass Deutschland sich unwiderruflich zu einer offenen Gesellschaft gewandelt hat, in der Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion und sexueller Orientierung ein fester und sehr positiver Bestandteil sind“. Die Rhein-Main-Region gehöre zu den weltoffensten, diversesten und auch wirtschaftlich erfolgreichsten in ganz Deutschland und Europa.

    Der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding, hält nach dem Hanau-Terror Konsequenzen für unabdingbar, damit der Standort Deutschland keinen nachhaltigen Schaden nimmt. „Wir müssen darauf hinwirken, dass ausländerfeindliche Tendenzen nicht das Bild Deutschlands in der Welt negativ beeinflussen – was sonst auch gute Fachkräfte abschrecken könnte“, sagte Schmieding dem Handelsblatt.

    Zuvor hatte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer, vor den wirtschaftlichen Folgen ausländerfeindliche Tendenzen in Deutschland gewarnt. Die deutsche Wirtschaft sei dringend auf qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen. 40 Prozent aller neuen Unternehmen würden von Menschen mit Migrationshintergrund gegründet, sagte Schweitzer der „Rheinischen Post“. „Sie tragen zum Wohlstand des Landes und gesellschaftlichen Zusammenhalt bei.“

    Deutschland habe sich auch wegen seiner freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft so gut entwickelt. „Die deutsche Wirtschaft stemmt sich gegen alles, was Hass und Gewalt schürt“, betonte Schweitzer. „Weltoffenheit, Toleranz und grenzüberschreitender Austausch zahlen sich nicht nur in der Handelsbilanz aus. Sie sind zentrale Werte unseres auf Zusammenarbeit, Kreativität und Entfaltung angelegten Wirtschafts- und Gesellschaftsmodells.“

    Der Vizepräsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Oliver Holtemöller, pflichtete der Analyse bei. „Grundsätzlich hat der DIHK-Präsident völlig recht: Internationalität und Vielfalt sind eine wichtige Voraussetzung für Innovationen und Kreativität und damit auch für unseren ökonomischen Wohlstand“, sagte Holtemöller dem Handelsblatt. „Fremdenfeindlichkeit ist ganz allgemein ein negativer Standortfaktor.“

    Klingbeil fordert Beobachtung der AfD durch Verfassungsschutz

    In der Politik werden derweil harte Konsequenzen für die AfD laut. SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil forderte eine Beobachtung der Partei durch den Verfassungsschutz. Man müsse das klar benennen: „Da hat einer geschossen in Hanau, danach sieht es aus, aber es waren viele, die ihn munitioniert haben, und da gehört die AfD definitiv mit dazu.“

    Die Partei habe das gesellschaftliche Klima in den letzten Monaten und Jahren vergiftet, sagte Klingbeil. „Es ist doch völlig klar, dass die AfD eine Partei ist, die beobachtet werden muss vom Verfassungsschutz.“ Er sei dafür, dass das sehr schnell in den Sicherheitsorganen entschieden werde und dass es dazu komme.

    Der CSU-Innenpolitiker Volker Ullrich sagte, der Terroranschlag in Hanau zeige, dass die Bedrohung durch Rechtsextremismus hoch sei. „Wir müssen uns dem klar mit den Mitteln des Rechtsstaats entgegenstellen. Aus bösen Worten wurden schreckliche Taten“, sagte Ullrich dem Handelsblatt. „Unser Kampf muss daher auch den Verschwörungstheorien und Hassreden gelten, die für solche Taten den geistigen Nährboden liefern.“

    Steinmeier: „Einig gegen Hass, Rassismus und Gewalt“

    Der Extremismus-Forscher Hajo Funke gab der AfD eine indirekte Mitverantwortung für den Anschlag in Hanau. „Solche Wahnsinnstaten geschehen nicht im luftleeren Raum, sondern in einem, unter anderem durch die Hetzreden der Höcke-Partei vergifteten gesellschaftlichen und politischen Raum“, sagte der Berliner Politikwissenschaftler dem Handelsblatt mit Blick auf den Thüringer AfD-Chef Björn Höcke.

    Die von Höcke und dem Brandenburger Landeschef Andreas Kalbitz dominierte AfD sehe sich selbst als „fundamentaloppositionelle Bewegungspartei, die Deutschland von fremden Kulturen reinigen will“, erläuterte Funke. Sie setze dabei auf, wie Höcke es nenne, „wohltemperierte Grausamkeit“ als politisches Mittel. „Damit wird die AfD zum politischen Arm der Gewaltbewegungen von ganz rechts.“

    Mehr: Wie die Auslandspresse auf den Hanau-Terror reagiert.

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    3 Kommentare zu "Rechter Terror: Ökonomen fürchten negative Folgen für deutsche Wirtschaft durch Hanau und die AfD"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Erst einmal zum nebenstehenden Artikel bezüglich den "Äußerungen" von Herrn Söder.
      Noch eine Aussage von ihm von 2016:
      "Wir haben im vergangen Jahr die Kontrolle über unsere Grenzen verloren. Jetzt beginnen wir, die Kontrolle über Straßen und Plätze zu verlieren."
      Da war er noch nicht so furchtbar opportunistisch wie heute. Was hat das nun mit Ökonomie zu tun?
      Der Staat verliert also die Kontrolle über den öffentlichen Raum; gleichzeitig fordert er von mir als Bürger aber -> Schutzgeld <- ein, damit er im öffentlichen Raum für meine Sicherheit sorgt. Selber für meine Sicherheit sorgen - und mich bewaffnen - gestattet er mir aber nicht. Nun erfüllt er diesen "Vertrag" (den ich allerdings niemals schriflich mit ihm geschlossen habe) aber ganz und gar nicht. Wenn ich nun aber wegen Vertragsbruch meine Zahlungen an ihn einstelle, dann zeigt er seine wirklich üble Fratze und kriminalisiert vielmehr auch noch mich!!!
      Was machen nun die Bürger, die es sich "leisten" können, ihr schlauen Ökonomen?? Sie flüchten in Scharen dorthin, wo der Staat seinen (niemals schriftlich abgeschlossenen) Vertrag besser erfüllt als in Deutschland! Und das sind dann die negativen Folgen für die Wirtschaft!!

    • Eine Frage bleibt aber wenn diese Info die zu lesen war zutrifft:
      Mit Schreiben vom 6. November 2019 hatte der Tatverdächtige bei Generalbundesanwalt Peter Frank „Strafanzeige gegen eine unbekannte geheimdienstliche Organisation“ gestellt. Das wäre eine gute Gelegenheit gewesen, zu prüfen, ob man so jemanden als Sportschütze weiterhin eine Schusswaffe anvertrauen kann, denn Strafanzeigen dieser Art deuten meist auf einen Dachschaden hin.
      Trägt für dieses Versagen auch die AfD die Schuld? Wohl nicht!

      Wenn man dann die Einschärtung von Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Wolfgang Meins, ist Neuropsychologe, Arzt für Psychiatrie und Neurologie und apl. Professor für Psychiatrie liest, handelt es sich hier jedoch um Symptome im Rahmen einer Schizophrenie, hier ein Auszug:
      "Es wird dann noch angedeutet, dass diese fremde Macht in Form von (halluzinierten) Stimmen mit ihm kommuniziere. Diese „Schattenregierung“ habe ihn und sein Umfeld beeinflusst durch Gedanken-Kontrolle und Telepathie. Wieder klingen Größenideen an, wenn geäußert wird, dass er auch für die Terroranschläge vom 11. September verantwortlich sei, wobei man ihm entsprechende Träume „eingespielt“ habe. In diesem Stil geht es endlos weiter. Deutlich wird dabei vor allem auch das, was die Psychiatrie als Denkzerfahrenheit bezeichnet: Das Denken und Sprechen verliert für den Zuhörer seinen verständlichen Zusammenhang.
      Besonders deutlich wird das an den Stellen, in denen es um seine „Abneigung“ gegen bestimmte Völker geht, die Vernichtung großer Teile der Weltbevölkerung und, dass er sich eine „Halbierung“ der deutschen Bevölkerung „vorstellen“ könne. Darüber hinaus klingt in wirrer Form auch an, die Erde vor ihrer Entstehung mittels einer „Zeitschleife“ vernichten zu wollen, um das spätere „Millionenfache Leid“ zu vermeiden. Aber zu dieser Rettung sei nur ein Teil der Menschheit befähigt, der andere Teil müsse vorher eliminiert werden"
      Dies ist eine krankhafte Wahnvorstellung und bleibt trotzdem eine furchtbare Tat.

    • Auf wen würden alle denn die Schuld schieben, wenn es die AfD nicht gäbe?

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