Rechtsextremer Front National Frankreichs Staatsfernsehen buckelt vor Le Pen

Auf Wunsch der rechtsextremen Front-Vorsitzenden Marine Le Pen lädt der Sender France 2 den Vorsitzenden des Europaparlaments Martin Schulz aus. Bei anderen Auftritten entpuppt sich Le Pen als Lachnummer.
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Marine Le Pen:  „Frankreich ist ein altes Land, wir brauchen die EU nicht.“ Quelle: dpa

Marine Le Pen: „Frankreich ist ein altes Land, wir brauchen die EU nicht.“

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ParisOber sticht unter – die Regel kennt man. Das französische Staatsfernsehen France 2 schreibt sie um: Rechtsextreme sticht Demokraten. Am Mittwochmorgen schrieb die Tageszeitung Libération auf ihrer Webseite, France 2 habe Martin Schulz, den sozialdemokratischen Präsidenten des Europaparlamentes ausgeladen, weil die Rechtsextreme Marine Le Pen nicht mit ihm diskutieren wollte. Schulz war als Kontrahent von Le Pen in einer zweistündigen Live-Sendung vorgesehen. Die sagte aber, sie wolle nicht mit Schulz diskutieren. Der Staatssender ging in die Knie und lud den Spitzenkandidaten der Sozialisten bei der Europawahl Ende Mai aus – ein unglaublicher Affront.

Gegenüber dem Handelsblatt bestätigte France 2 den Vorgang, versuchte aber, ihn herunterzuspielen: Bei jeder Sendung dieses Formats schlage man dem Hauptgast, in diesem Fall Le Pen, „eine Reihe von Diskussionspartnern vor, wenn die nicht akzeptiert werden, geht es eben nicht: Das Ziel der Sendung ist ja eine Diskussion.“ Den Einwand, der Präsident des Europaparlaments sei ja nun nicht irgendwer, wischt France 2 beiseite: Es sei auch früher schon vorgekommen, dass Vorschläge nicht akzeptiert wurden.

Beispiele konnte man allerdings nicht nennen. Auch die Frage, wer denn nun anstelle von Schulz der von der Frontfrau autorisierte Diskutant werde, wurde nicht beantwortet. Schulz Mitarbeiter sagten, der EP-Präsident bedauere, dass es nicht zu einer offenen Debatte komme.

Der Vorgang ist ein neuer Tiefpunkt im Umgang mancher französischer Medien mit der Front National, der zunehmend liebedienerisch wird. Es ist kein Wunder, dass Le Pen vor Martin Schulz kneift: Ihm gegenüber wäre ihre plumpe Anti-EU-Propaganda ins Leere gelaufen. Sobald ihre pauschalen Anwürfe, die EU sei „eine Diktatur“ und stelle sich in den Dienst des internationalen Finanzkapitals sachkundig widerlegt werden, fällt der stets laut auftretenden Dame nur noch wenig ein. Schulz weiß außerdem sehr genau, dass Le Pen, die selber EU-Abgeordnete ist, zwar viel über Europa und sein Parlament redet, aber selten dort arbeitet. In Frankreich gilt sie als eine der faulsten EU-Abgeordneten. Sie kassiere zwar die Diäten, nehme aber selten an Plenar- und Ausschusssitzungen teil.

„Sicher, ich bin ja auch völlig doof“
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8 Kommentare zu "Rechtsextremer Front National: Frankreichs Staatsfernsehen buckelt vor Le Pen"

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  • Völliger Blödsinn ist leider zu behaupten, die Eurozone sei genauso schnell gewachsen wie du USA. Legt man die Eurostat Daten zum realen BIP zu Grunde, liegt die Eurozone selbst im willkürlich gewählten, für Europa günstigen Zeitraum 2005-2010 hinter den USA. Wählt man die Jahre 2003-2013, sind die USA doppelt so schnell gewachsen. Unsauber und leicht widerlegbar argumentiert leider nicht nur Le Pen, sondern auch unkritische Eurojubler, die zwischen gescheiterter Währungsunion und erfolgreicher EU nicht unterscheiden können.

  • @Fordler
    Die von Ihnen angesprochene Mitnahme-Mentalität ist widerlich und obendrein sehr treffend beschrieben. Alles schon einmal dagewesen.
    Wer es noch immer einfach nicht wahrhaben will, sollte sich eingehender mit der Literatur der 1920-er Jahre befassen. In Zeitungen und Büchern von damals finden sich die Abbilder unserer heutigen Politikergeneration wieder.

  • "aber leider hast du an der Arbeit im Ausschuss nicht teilgenommen"

    Wer erinnert sich noch, als Martin Schulz vor laufender Kamera dabei erwischt wurde, als er sich in die Anwesenheitsliste eintrug und sich dann auf den Heimweg machen wollte, nur um ein paar Euro zu ergattern?
    Und sowas ist heute Präsident.

  • Interessant an dem Sachverhalt ist doch, dass es in Deutschland ganz genauso läuft: Frau Merkel, Herr Gabriel und der Rest der Gurkentruppe aus Berlin hat doch auch keine "Lust", mit Herrn Lucke, Herrn Henkel und anderen, die eine andere Auffassung als die eigene vertreten, öffentlich zu diskutieren. Und das "Aussieben" der Diskutanten zum Gefallen der ach so "politisch korrekten" Sozi-Politiker übernimmt bei uns doch schon das Staatsfernsehen selbst. Einziger Unterschied: Hier (und damit meine ich auch das Handelsblatt) wird nicht hinterfragt, warum Frau Merkel & Co. nicht mit anderen diskutieren wollen und wie abwegig, konfus und ideologisch geprägt die politischen Äußerungen der Blockparteien-Vertreter sind.

    Im Übrigen treffen die Thesen der Madame LePen zur EU den Kern des Problems, auch wenn ich kein Anhänger ihrer Partei bin.

  • Immerhin ist sie gegen Armutseinwanderung, gegen die gemeinsame Währung, und sie hat auch einen gewissen Einfluss in Frankreich. Das wäre für mich ein Grund, sie zu wählen, auch wenn ich in anderen Wirtschaftsfragen nicht ihrer Meinung bin.

  • Das LePen kein Interesse an einer Diskussion mit Martin Schulz hat, ist vollkommmen nachvollziehbar. Mag sein, dass auch sie nicht die hellste Leuchte ist. Trotzdem ist alles was gegen die korrupte EU geht, begrüssenswert. Seine sinnfreien Äusserungen sind in Deutschland ja schon unerträglich. Es sollte einem doch sehr zu denken geben, wenn man versucht durch %-Hürden Kleinparteien bei der EU-Wahl zu diskriminieren.

  • Der Buchhändler und Sachkunde? Ein Oxymoron!

  • Ich bin kein Freund der FN. Aber die Äußerungen von Marine zur EU sind richtig. Alles, was diese EUSSR kollabieren läßt, ist mir recht.
    Und diejenigen, die meinen, die EU strotze so vor Demokratie etc., die sollten mal selbstkritisch einen Blick auf die Organisation der untergegangenen USSR richten. Da kommt man nämlich aus dem Staunen nicht mehr raus. Schön beschreibt das Janich in seinem Buch "Der Kapitalismuskomplott".

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