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Recycling Warum die Entsorgungsbranche E-Scooter kritisch sieht

Recycling-Unternehmen warnen vor dem aufkommenden Elektroroller-Hype. Eine falsche Entsorgung von E-Scooter-Batterien verursacht Millionenschäden.
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Das in den Batterien von E-Scootern verarbeitete Lithium ist leicht brennbar. Quelle: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH
E-Scooter

Das in den Batterien von E-Scootern verarbeitete Lithium ist leicht brennbar.

(Foto: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH)

Berlin Peter Kurth ist klar, dass er womöglich als der große Spielverderber angesehen wird. Elektroroller würden ja als neue Mobilität gefeiert, sagte der Präsident des BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft, diesen Mittwoch in Berlin. „Doch sie haben ein Problem.“

Die Roller hätten in der Regel Lithium-Ionen-Akkus, die bei der späteren Entsorgung extrem problematisch seien. „Sie sind verantwortlich für einen Großteil der Brände, die bei den Entsorgern passieren“, sagte Kurth. Dennoch „hat das Thema keinen Menschen interessiert in Berlin.“

Tatsächlich dürfte es nur noch eine Frage von wenigen Wochen sein, bis es mit den sogenannten E-Scootern auch in Deutschland losgeht. Die Bundesregierung hat diesen Mittwoch endgültig den Weg dafür freigemacht. Das Kabinett beschloss eine entsprechende Verordnung.

Der BDE hat in der Vergangenheit bereits wiederholt gefordert, dass die Menschen über die Risiken stärker aufgeklärt würden. Lithium sei ein reaktionsfreudiges und leicht brennbares Material. Komme es durch Beschädigung zu einem Kurzschluss, sei häufig ein Brand die Folge. Schon eine falsch entsorgte Batterie könne ein Feuer verursachen.

Deswegen gelten alle Elektrogeräte mit Lithiumbatterien und Lithiumzellen als gefährliche Güter, ob Notebooks, Akku-Schrauber, Gartengeräte. Ihr Transport unterliegt den Vorschriften des sogenannten Gefahrgutrechts, das unter anderem vorsieht, dass batteriebetriebene Altgeräte bei den Entsorgern in besonderen Behältern getrennt zu erfassen sind und nicht in den Sammelbehältern der kabelgebundenen Altgeräte landen.

Millionenschäden durch Batteriebrände

Was aber, wenn sie einfach in der Restmülltonne landen, wo sie inmitten anderen Abfalls zu den Entsorgern gebracht werden? Der BDE berichtet, dass es immer wieder bereits auf dem Transportweg zu Bränden kommt. Zudem seien mehreren Recyclinganlagen infolge von Bränden, die durch zerstörte Lithiumbatterien ausgelöst wurden, bereits Millionenschäden entstanden.

Der Verband fordert eine Pflicht zur Kennzeichnung von Elektronikgeräten. Damit könne erkannt werden, welche Art von Batterie sich in dem Gerät befindet. „Dies würde schon eine enorme Erleichterung bei der Bekämpfung der Brandgefahr darstellen“, heißt es. Problematisch sei es auch, wenn Akkus nur mit erheblichem Aufwand und unter Risiko zu entnehmen seien. Das Thema Produktdesign spiele also eine entscheidende Rolle.

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„Was immer beim Produktkonzept, dem Design und der Stoff- und Materialauswahl schiefgeht, müssen die Entsorger ausbaden“, sagte BDE-Präsident Kurth an diesem Mittwoch bei Vorstellung der sogenannten „Kunststoffstrategie“ des Verbandes. „Und wenn es ihnen nicht gelingt, dann ist es die Umwelt.“

Die Kunststoffstrategie fasst die Forderungen des Verbandes für besseres Recycling in einem Papier zusammen. Die Menge an Kunststoffprodukten werde auch in Zukunft weiter weltweit zunehmen, sagte Kurth. Entscheidend für den Schutz der Umwelt vor Plastikvermüllung seien daher mehr Anstrengungen für das Recycling und die Etablierung einer wirklichen Kreislaufwirtschaft weltweit.

Eine zentrale Herausforderung besteht für den Verband darin, für einen größeren Einsatz der recycelten Materialien in der produzierenden Industrie zu sorgen. Dafür müsse endlich ein Markt für Rezyklate, also für recycelten Kunststoff, geschaffen werden, forderte Kurth.

Der öffentlichen Hand als Beschafferin beim Materialeinkauf in Bund, Ländern und Gemeinden komme dabei schon jetzt eine entscheidende Rolle zu. Deutschland kaufe jährlich Material für mehr als 350 Milliarden Euro ein. Würde hier endlich nachhaltiger gedacht, sagte Kurth, könnte das zu einem entscheidenden Treiber des Kunststoffrecyclings werden.

Mehr: Die Wiederverwertung von gebrauchten Batterien ist wichtig – und ein potenzieller Wirtschaftszweig für Deutschland.

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