Reform gefordert Staatsgeld für die Bischöfe

Die Deutschen zahlen noch immer für Klosterauflösungen vor über 200 Jahren – mehr als 500 Millionen Euro im Jahr. Bischöfe etwa werden davon bezahlt. An eine grundlegende Reform wagt sich die Politik bisher nicht heran.
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Bezahlt von Steuergeldern: Der ehemalige Ruhrbischof Felix Genn bricht im Dom in Essen bei einen Gottesdienst die Hostie. Quelle: picture alliance / dpadpa-picture alliance

Bezahlt von Steuergeldern: Der ehemalige Ruhrbischof Felix Genn bricht im Dom in Essen bei einen Gottesdienst die Hostie.

(Foto: picture alliance / dpadpa-picture alliance)

Düsseldorf/BerlinAngesichts der Affäre um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst haben Politiker von Grünen, Linken und FDP eine umfassende Reform des Verhältnisses von Staat und Kirche gefordert. Die über 200 Jahre alten Staatsleistungen an die Kirchen seien überholt, sagte der designierte FDP-Chef Christian Lindner der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

Lindner kritisierte besonders, dass Bischöfe Beamtenbezüge erhielten. Dies passe „genauso wenig in die Zeit wie das kirchliche Arbeitsrecht, das das Privatleben der Beschäftigten zensiert“.

Auch Politiker von Linken und Grünen schlossen sich dem Vorstoß an. „Ich unterstütze die Forderungen von Christian Lindner, wonach Staatsleistungen an die Kirchen überholt sind und dringend abgelöst werden müssen“, sagte der Religionsexperte der Linkspartei Raju Sharma. „Ich freue mich, dass die FDP wieder zu alten liberalen Grundsätzen zurückkehrt.“

Der Grünen-Innenpolitiker Konstantin von Notz verwies auf einen Beschluss seiner Partei. „Wir Grüne haben gerade auf unserem letzte Parteitag am vergangenen Wochenende die Einsetzung einer Kommission beschlossen, die sich mit dem Verhältnis von Kirche und Staat differenziert, tolerant und freiheitlich auseinandersetzen und ein Konzept zur Reform des Verhältnisses zwischen Staat, Kirchen und Weltanschauungsgemeinschaften erarbeiten wird“, sagte von Notz Handelsblatt Online.

Im Parteiprogramm ist zudem davon die Rede, dass auf Bund-Länder-Ebene ein Prozess initiiert werden solle, „der die vom Grundgesetz geforderten Grundsätze der Ablösung der altrechtlichen Staatsleistungen aufstellt. Darüber werden wir mit den betroffenen Religionsgemeinschaften verhandeln“.

Tatsächlich werden die Bischöfe – wie von Lindner kritisiert – in Deutschland vom Staat bezahlt. Sie sind in die Besoldungsgruppen B6 (monatlich gut 8000 Euro brutto) bis B10 (gut 11.000 Euro brutto) eingruppiert. Hinzu kommen Dienstwohnung, Dienstwagen sowie Fahrer. Den geldwerten Vorteil daraus müssen sie versteuern. So kommen sie auf etwa 10.000 bis 12.500 Euro monatlich.

Dass die öffentliche Hand die 27 Bischöfe in Deutschland sowie weiteres leitendes Personal der Kirchen bezahlt, geht auf das Jahr 1803 zurück. Damals wurden fast alle geistlichen Fürstentümer aufgelöst, Klöster und Residenzen enteignet – der kirchliche Besitz machte damals etwa ein Viertel des Besitzes aller deutschen Fürstentümer aus.

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26 Kommentare zu "Reform gefordert: Staatsgeld für die Bischöfe"

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  • Ich wünsche, dass differenzierter diskutiert und bewertet wird: Richtig und notwendig ist die Schelte wegen hoher Ausgaben, die offenkundig der persönlichen Lebensführung des Limburger Bischofs dienen. Andererseits sollte das Streben nach architektonischer Schönheit nicht pauschal diffamiert werden. Nicht nur zum Erntedankfest sollten wir unsere Kirchen und Altäre mit Gottes Gaben reich schmücken, sondern auch die unvergleichliche Gabe Gottes an uns Menschen, die Befähigung zur Schöpfung, dankbar präsentieren. Unsere Fähigkeit zur Schöpfung unterscheidet uns von allen anderen Lebewesen. In Kunst, Kultur, Technik, Medizin u.v.a. leben wir diese Fähigkeit aus. Wir sollten uns am Bau und Erhalt der Gotteshäuser in der Gegenwart genauso verwirklichen wie die Schaffenden aus der Romanik, Gotik, dem Barock bis hin zur Jugendstilzeit und dem Klassizismus. Regelmäßig besuche ich sakrale Bauwerke und betrachte mit Staunen und Bewunderung, was menschliche Genialität zu leisten vermochte und auch heute noch vermag. Mit unserem Streben sollten wir nicht hinter unseren Altvorderen zurück bleiben. Viele Christen und Angehöriger anderer Religionen leisten dazu umfangreiche Bauspenden. Auch nicht religiös gebundene Bürger unterstützen die Pflege der historischen Substanz gern, denn sie macht unsere Städte unverwechselbar, statt gesichtslos. Deshalb sollten wir Limburg als Anlass wählen, um sinnvollen Gemeinnutz von egozentrischen Ambitionen abzugrenzen.

  • Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst bleibt in Amt und Würden.
    Nur eine kleine Auszeit, verodnet von Rom, aus dem Auge aus dem Sinn.
    ICH KANN NUR EMPFEHLEN AUS DER KIRCHE AUSZUTRETEN !!!!!!
    Glauben kann man auch ohne Rom !!!

  • KLindner,
    welcher Staat hat die Ländereien bekommen? Welche Bür-
    ger?
    Die Fürsten haben die Ländereien für ihre Häuser kassiert, also privat! Das Haus zu Löwenstein z.B. kas-
    sierte große Wälder im Spessart, und, obwohl "aller-
    chrislichst", wurden mit der "Restauration" 1815 die
    neuen Besitzverhältnisse festgeschrieben.
    Wenn also eine "Entschädigung" für die Amtskirche rechtens war, dann bitte durch die Fürstenhäuser selbst!

    Über die "Rechtmäßigkeit" einer Enteignung der Amtskir-
    che durch republikanische Veränderungen kann man strei-
    ten. Woher kam der riesige Besitz einer Organisation, die sich nach ihrem ideologischen Auftrag ausschließ-
    lich der Nächstenliebe und der Armenhilfe zu widmen hatte?
    1815 legalisierte der Adel im "Wiener Kongreß" ihren Diebstahl riesiger Ländereien der Amtskirche, und ließ die Steuerzahler bis heute diesen Diebstahl bezahlen!
    Die Kirche würde zwar ärmer an Ländereien, füllte aber
    in der Folgezeit mit den Staats-Bürger-Abgaben ihre Fi-
    nanz- und Besitz-Säcke wieder auf.

    Bis 1803 waren "Thron" und "Altar" seit dem frühen Mittelalter die "Doppelspitze" in der Unterdrückung und
    Ausplünderung des Volkes!

  • Manchmal verwendet die Kirche das Geld auch
    für Fußballvereine oder Kinoketten.

    Herrn Klimmt(Bundesverkehrsminister a.D.) hat die
    Affäre um Doerfert und das Bistum Trier das Amt
    gekostet.

    Einfach mal recherchieren: Der 100 Millionen-Schaden
    der Caritas Trier(ctt e.v.)

  • "Nein, zum einen verwendet die Kirche einen großen Teil des Geldes für den Betrieb von Krankenhäusern, Kindergärten Schulen und den Erhalt von Baudenkmälern. Würde sie es nicht tun, hätte der Staat wohl mindestens ebenso hohe Kosten zusätzlich in diesem Bereich."
    Nehmen Sie die Schere aus Ihrem Kopf :)
    Der Staat, also wir, zahlen es doch sowieso, egal ob über den Umweg der Kirche oder einen anderen.
    Der gesellschaftliche Preis ist über den Umweg der Kirche ein ganz anderer. Die Kirche kann sich so als quasi eigener Staat aufführen, und tut es ja auch, wie man aktuell sieht.

  • @SuRai "Waren die in den letzten 200 Jahren gezahlten Beträge nicht Ablöse genug?"
    Nein, zum einen verwendet die Kirche einen großen Teil des Geldes für den Betrieb von Krankenhäusern, Kindergärten Schulen und den Erhalt von Baudenkmälern. Würde sie es nicht tun, hätte der Staat wohl mindestens ebenso hohe Kosten zusätzlich in diesem Bereich.
    Abgesehen davon: Wenn Sie sich vorstelle, wie große Ländereien damals enteignet wurden, sind die bisher gezahlten Summen Peanuts, ein Minizins. Und eine Restitution könnte der Staat niemals bezahlen, weil er seinerseits das Vermögen verschleudert hat.

  • "Die Kirche ist immer noch eine Institution, die die meisten Menschen mobilisieren kann, wenn es darum geht, anderen Menschen zu helfen. Das sollte auch honoriert werden. "
    Wird doch auch honoriert, dafür gibt es die Kirchensteuer und Spenden. Aber warum soll ich spenden wenn ich doch weiß der ganze Kasten wird sowieso über sonstige Steuern finanziert?
    Auch die Kulturgüter die durch diese Institutionen geschaffen wurden, zahle ich gerne für. Aber bitte doch transparent und eines demokratischen Staates angemessen.
    Zu den vielen Hilfen der Kirche, dadurch wurde über Jahrhunderte ein Frauenbild geschaffen, welches heute noch vorherrscht. Die Klöster und in den sozialen Einrichtungen wurde umsonst gearbeitet. Das hat heute noch Auswirkungen auf die sozialen Berufe, vor allem in den Häusern kirchlicher Trägerschaft. Diese haben dazu beigetragen das es ein zerfleddertes Berufsbild mit hunderten von Berufsverbänden in der Pflege gibt, weil Frauen ja am besten dem Menschen dienen. Und als Nebeneffekt man die "gefallenen" Frauen irgendwo unterbringen konnte. Erst die öffentlichen und privaten Krankenhäuser konnten dafür sorgen das es auch ordentliche Tarifverträge gibt, und z. B. auch Ordensschwestern krankenversichert wurden.
    Jetzt sind in diesen Führungsetagen merkwürdigerweise mehr Männer unterwegs, obwohl ein klassischer Frauenberuf.
    Die kirchlichen Träger hatten auch die Finger auf den Kindergärten, in denen es wichtiger war sich mit 5 Jahren die Schuhe zuzubinden als eine tatsächliche Frühförderung mit professionalisierung der Erzieher voranzutreiben. Die Kirche hat maßgeblich dazu beigetragen das dieser ganze Bereich als bessere Hausfrauentätigkeit angesehen wurde, und wird, und entsprechend gering bezahlt, also wert geschätzt wird.
    Dieses wirken als Staat im Staate hat noch ganz andere gesellschaftliche Dimensionen als es auf den ersten Blick scheint, da haben Sie absolut recht.

  • Wer das möchte, zahlt als Mitglied einer Kirche ja Kirchensteuer.

  • Waren die in den letzten 200 Jahren gezahlten Beträge nicht Ablöse genug?

  • Frechheit das die Gehälter aus der Staatskasse bezahlt werden. Neben den in nun 200 Jahren bezahlter Summe sollte der Staat die sonstigen indirekt übernommenen Kosten aufführen (z.B. Eintreibung der Kirchensteuer...). Ich denke dann kommen wir recht schnell zu einem ausgeglichenen Verhältnis. Danke FDP, Grüne und Linke!

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