Rente ab 70 Nahles nennt Schäubles Forderung „lebensfremd“

„Nicht, solange ich Ministerin bin“: Arbeitsministerin Andrea Nahles erteilt der Forderung des Finanzministers nach einer Rente mit 70 eine Absage. Schäuble irre, wenn er glaube, „dass wir alle älter und fitter werden“.
Jeder sollte selbst bestimmen können, wann er in Rente geht, fordert die Arbeitsministerin. Quelle: dpa
Mehr Flexibilität

Jeder sollte selbst bestimmen können, wann er in Rente geht, fordert die Arbeitsministerin.

(Foto: dpa)

BerlinBundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) hat der Forderung von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) nach einem höheren Renteneintrittsalter eine klare Absage erteilt. „Schäubles Vorschlag halte ich für lebensfremd“, sagte Nahles der „Bild am Sonntag“. Die Rente mit 70 komme „nicht, solange ich Arbeits- und Sozialministerin bin“.

Nahles sagte, es sei „ein Irrglaube, dass wir alle älter und fitter werden“. Wer 40 Jahre auf dem Bau gearbeitet habe, der könne irgendwann nicht mehr. „Mein Vater war Maurer und ist mit 73 Jahren gestorben. Wenn mir da einer mit Arbeiten bis 70 kommt, werde ich sauer.“

Allerdings sei auch sie für mehr Flexibilität, betonte Nahles. Die werde „dringend“ gebraucht. „Wir brauchen individuelle Rentenlösungen – natürlich mit entsprechenden Zu- beziehungsweise Abschlägen.“ Jeder sollte selbst bestimmen können, wann er in Rente geht. Im Idealfall gehe der Ausstieg aus dem Arbeitsleben schleichend und nicht plötzlich von hundert auf null Prozent, sagte die Ministerin. „Einen Einstieg in dieses Modell wollen wir noch in diesem Jahr mit der Flexi-Rente schaffen.“

Schäuble hatte sich vor einigen Tagen für einen späteren Rentenbeginn ausgesprochen. Der Finanzminister sagte Medienberichten zufolge, Lebensarbeitszeit und Lebenserwartung müssten auch in der Rentenformel in einen Zusammenhang gebracht werden. Die Junge Union brachte eine Anhebung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre ins Gespräch.

„Ein billiges Ablenkungsmanöver des Finanzministers“
Rentenalter mit 70?
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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, der selbst schon 73 ist, hat sich angesichts des demografischen Wandels für einen späteren Rentenbeginn in Deutschland ausgesprochen. Es mache Sinn, die Lebensarbeitszeit und die Lebenserwartung in einen fast automatischen Zusammenhang zu bringen. Die Altersgrenze soll laut Schäuble auch stärker flexibilisiert werden. „Wir müssen uns auf die demografische Entwicklung vorbereiten“, um die sozialen Sicherungssysteme zu stabilisieren, sagte Schäuble.

Auch die OECD dringt auf eine Reform
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Die Organisation der Industrieländer (OECD) hatte Deutschland jüngst empfohlen, das gesetzliche Renteneintrittsalter weiter anzuheben. Bisher soll es bis zum Jahr 2029 stufenweise auf 67 steigen. Ohne Reformen würden die Rentenausgaben bis zum Jahr 2060 um mindestens 2,5 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen, warnte die OECD. Durch eine Koppelung des Rentenalters an die Entwicklung der Lebenserwartung könne die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen gestärkt werden.

Nahles lehnt Schäubles Vorstoß ab
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Andrea Nahles, Bundesministerin für Arbeit und Soziales, sagte zu Schäubles Forderung nach einem späteren Renteneintrittsalter: „Das ist kein abgestimmter Vorschlag der Bundesregierung. Das steht nicht zur Debatte.“

Barley wirft Schäuble vor, sich um die Antworten von heute zu drücken
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SPD-Generalsekretärin Katarina Barley (r., mit Parteichef Sigmar Gabriel) kritisierte, mit Spekulationen über das Renteneintrittsalter ab 2029 drücke sich Schäuble um die Antworten von heute. „Viele Menschen fragen sich, ob sie ihren Beruf überhaupt bis zum Rentenalter ausüben können und ob ihre Rente dann zum Leben reicht“, sagte Barley den Funke-Zeitungen. Es gehe darum, mehr reguläre sozialversicherte Beschäftigung zu schaffen. „Diese Stärkung haben unsere Sozialversicherungen dringend nötig.“

Der DGB spricht von einem „billigen Ablenkungsmanöver des Bundesfinanzministers“
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Dass Bundesbürger länger arbeiten sollen, lehnt auch der DGB ab. „Jetzt eine Debatte über ein höheres Rentenalter loszutreten, ist ein billiges Ablenkungsmanöver des Bundesfinanzministers“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. „Damit ist die Rente nicht zukunftsfähig zu machen, sondern die Leistungen werden noch weiter verschlechtert.“

Koalition debattiert derzeit über die Renten
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In der großen Koalition – das Foto zeigt die SPD-, CDU- und CSU-Vorsitzenden Gabriel, Merkel und Seehofer – wird derzeit über die Zukunft der Rente diskutiert. Dabei steht allerdings das Niveau der Altersvorsorge im Mittelpunkt. Angesichts der vielen älteren Wähler versuchen die Parteien nach Ansicht von Beobachtern, damit bei der Bevölkerung zu punkten.

Skepsis bei Unionsfraktionschef Kauder
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Unionsfraktionschef Volker Kauder findet es „ein bisschen eigenartig“, dass ausgerechnet in einer Zeit der größten Rentenerhöhung seit Jahren solche Debatten angestoßen würden. Kauder verwies auf den im Herbst erwarteten Rentenbericht des Arbeitsministeriums. „Dann werden wir prüfen, was daraus folgt“, sagte der CDU-Politiker. Die Altersbezüge der Rentner steigen am 1. Juli im Westen um 4,25 Prozent, im Osten sogar um 5,95 Prozent. Das ist das stärkste Rentenplus seit 23 Jahren.

  • afp
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