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Renten-UmfrageMehrheit der Deutschen will mit 62 in den Ruhestand

Die „Kultur des Frühausstiegs“ aus dem Arbeitsleben ist verbreitet, zeigt eine Umfrage. Fast drei von vier Erwerbstätigen sehen sich nicht in der Lage, bis 67 oder länger zu arbeiten.Frank Specht 19.10.2021 - 16:54 Uhr Artikel anhören

Fast 40 Prozent der Befragten wären bereit, länger zu arbeiten, wenn ihr Beruf weniger körperliche Belastung und Stress mit sich brächte

Foto: dpa

Berlin. Eine weitere Erhöhung des Rentenalters über 67 Jahre hinaus soll es nicht geben – so haben es SPD, Grüne und FDP in ihrem Ampel-Sondierungspapier festgehalten. Die Mehrheit der Bürger würde aber gern deutlich früher in den Ruhestand gehen, zeigt eine Civey-Umfrage im Auftrag des Demographie-Netzwerks (DNN). Demnach würde nur jeder achte Erwerbstätige bis zum Renteneintrittsalter von 67 Jahren berufstätig bleiben, wenn er die Wahl hätte.

Dabei zeigt die Umfrage: je jünger die Befragten, desto größer der Wunsch nach einem frühzeitigen Ausscheiden aus dem Berufsleben. Von den 18- bis 29-Jährigen möchten fast 60 Prozent höchstens bis zum Alter von 61 Jahren arbeiten. Mit steigender Qualifikation wächst auch die Bereitschaft, länger im Erwerbsleben zu bleiben.

Für die Umfrage hat Civey vom 30. September bis zum 1. Oktober 2500 Erwerbstätige online befragt. Im gemeinnützigen Demographie-Netzwerk haben sich Unternehmen und Institutionen zusammengeschlossen, die den demografischen Wandel als Chance begreifen und aktiv gestalten wollen.

Der Wunsch, früher aus dem Erwerbsleben auszuscheiden, hat auch damit zu tun, dass fast drei von vier Befragten sich körperlich und mental nicht in der Lage sehen, bis zum Alter von 67 Jahren im Beruf durchzuhalten. Gut die Hälfte rechnet damit, nicht über das Alter von 64 Jahren hinaus im Beruf bleiben zu können.

Von den befragten Arbeiterinnen und Arbeitern sehen sich sogar mehr als 90 Prozent nicht in der Lage, länger als 65 zu arbeiten. Unter den Akademikerinnen und Akademikern hält sich dagegen ein Viertel für fit genug, um sogar über das Alter von 69 Jahren hinaus zu arbeiten.

Anreiz, Ruhestand aufzuschieben

Fast 40 Prozent der Befragten wären bereit, länger zu arbeiten, wenn ihr Beruf weniger körperliche Belastung und Stress mit sich brächte. Auch flexiblere Arbeitszeiten oder mehr Gehalt wären jeweils für ein Drittel der Befragten ein Anreiz, den Ruhestand noch ein wenig hinauszuschieben.

Im Wortlaut

Ampel-Sondierung von SPD, Grünen, FDP: Das ist das Ergebnispapier

In Deutschland gebe es nach wie vor eine „Kultur des Frühausstiegs“, kommentierte Hans Martin Hasselhorn, Leiter des Fachgebiets für Arbeitswissenschaft an der Universität Wuppertal, die Ergebnisse.

Die Studie zeige aber auch, dass für bestimmte Gruppen wie beispielsweise Akademiker und Akademikerinnen eine Regelaltersgrenze von 68 Jahren oder höher durchaus zumutbar wäre, während für andere schon die geltenden Altersgrenzen unzumutbar seien.

SPD und Grüne hatten in ihren Wahlprogrammen versprochen, das gesetzliche Rentenalter nicht über 67 Jahre hinaus anzuheben. Allerdings läuft die Übergangsphase, in der das Rentenalter von 65 auf 67 Jahre angehoben wird, ohnehin noch bis 2031. FDP und Grüne wollen den Bürgern aber ermöglichen, freier über den Renteneintritt zu entscheiden.

Nach den Vorstellungen der Liberalen sollen Bürger ab dem Alter von 60 Jahren aus dem Beruf ausscheiden können, wenn sie bis dahin mit allen Altersvorsorgeansprüchen mindestens das Grundsicherungsniveau erreichen. Um das Arbeiten auch über die Regelaltersgrenze hinaus attraktiv zu machen, will die FDP zudem die Zuverdienstgrenzen abschaffen.

Interessant wird sein, ob SPD, Grüne und FDP – sollte es zu einer Ampelkoalition kommen – das System der Zu- und Abschläge bei späterem beziehungsweise früherem Renteneintritt reformieren.

Geld im Ruhestand

Derzeit gilt, dass Erwerbstätige für jeden Monat, den sie vor Erreichen der Regelaltersgrenze ausscheiden, 0,3 Prozent Abschlag auf ihre Rentenzahlungen hinnehmen müssen. Wer ein Jahr früher aufhört, bekommt im Alter also monatlich 3,6 Prozent weniger Geld.

Dies ist auch deshalb interessant, weil mehr als die Hälfte der von Civey Befragten davon ausgeht, dass sie im Alter mit dem Geld selbst dann nicht über die Runden kommen, wenn sie regulär in den Ruhestand gehen.

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Arbeiter machen sich hier deutlich größere Sorgen als leitende Angestellte oder Beamte. Auch zwischen den Geschlechtern bestehen große Unterschiede: Während fast 62 Prozent der Frauen fürchten, im Alter nicht über die Runden zu kommen, sind es bei den Männern 42 Prozent.

Der DNN-Vorstand, Frank Böhringer, fordert die künftige Bundesregierung auf, das Thema Alterssicherung zur obersten Priorität zu erklären. die Arbeitswelt sei noch immer nicht ausreichend auf den demografischen Wandel vorbereitet, der die Unternehmen mit Wucht treffen werde. „Wir brauchen jetzt ernsthaft eine politische und gesellschaftliche Debatte darüber, wie und wovon Leute im Alter leben sollen“, sagt Böhringer.

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