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Rente

Ab Mittwoch tagt in Berlin eine zehnköpfige Rentenkommission.

(Foto: dpa)

Rentenkommission Versicherungswirtschaft fordert höheres Eintrittsalter in die Rente

Eine Studie warnt davor, Rentenniveau und Beitragssatz wie vorgesehen festzuschreiben. Die Versicherer wollen die Lebensarbeitszeit anheben.
1 Kommentar

BerlinVor dem Start der Rentenkommission warnt eine von der Versicherungswirtschaft in Auftrag gegebene Studie davor, die doppelte Haltelinie bei Rentenniveau und Beitragssatz für die Zukunft festzuschreiben. Stattdessen fordern die Versicherer eine Anhebung der Lebensarbeitszeit.

Der Altersvorsorgeexperte des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Peter Schwark, befürchtet allerdings, dass ein höheres Renteneintrittsalter in der Arbeit der Kommission ein Tabuthema sein könnte.

Die Große Koalition will das Rentenniveau, also das Verhältnis der Rente zum Durchschnittseinkommen, bis zum Jahr 2025 bei 48 Prozent fixieren. Im gleichen Zeitraum sollen die Rentenbeiträge nicht über 20 Prozent steigen. Ein entsprechender Gesetzentwurf von Sozialminister Hubertus Heil (SPD) ist in Arbeit.

Das Fundament für eine nachhaltige Alterssicherung in Deutschland in der Zeit nach 2025 soll eine zehnköpfige Rentenkommission legen, die am Mittwoch in Berlin zu ihrer konstituierenden Sitzung zusammenkommt. Den Abschlussbericht soll das Gremium im Frühjahr 2020 präsentieren.

Die Experten sollten möglichst unabhängig und breit denken dürfen, so verspricht es die Bundesregierung. Allerdings macht der Koalitionsvertrag eine wichtige Vorgabe: Anzustreben sei eine doppelte Haltelinie, „die Beiträge und Niveau langfristig absichert“.

Das von der Versicherungswirtschaft beauftragte Forschungsinstitut Prognos kommt zu dem Schluss, dass dies angesichts des demografischen Wandels auf Dauer nicht finanzierbar sei. Eine Grenze von 48 Prozent beim Rentenniveau und von 20 Prozent bei den Beiträgen würde demnach alleine für das Jahr 2040 eine Mehrbelastung von rund 100 Milliarden Euro für den Bundeshaushalt bedeuten, heißt es in der am Dienstag vorgestellten Studie.

Ohne politische Eingriffe sinkt das Rentenniveau demnach auf Grundlage der heutigen Gesetzeslage von derzeit 48,3 auf 42,8 Prozent im Jahr 2040. Gleichzeitig steigt der Beitragssatz zur gesetzlichen Rente von aktuell 18,6 auf 23,3 Prozent an.

Prognos hat auf Grundlage seiner Berechnungen ein Online-Tool entwickelt, das die Zusammenhänge im umlagefinanzierten Rentensystem verdeutlichen soll, wenn immer mehr Rentner immer weniger Erwerbstätigen gegenüberstehen.

Mit der Anwendung können Nutzer anhand der vier Stellgrößen Rentenniveau, Beitragssatz, Lebensarbeitszeit und Bundeszuschuss die Wechselwirkungen durchspielen. Würde etwa das Rentenniveau dauerhaft bei 48 Prozent gedeckelt, müssten die Beiträge demnach bis 2040 auf 25,9 Prozent und der Bundeszuschuss auf knapp 170 Milliarden Euro jährlich steigen.

Nicht berücksichtigt in dem Rentenrechner sind allerdings mögliche dämpfende Effekte durch mehr Zuwanderung oder eine Erweiterung der Beitragszahlerbasis um Beamte und Selbstständige.

Am Grundtrend der alternden Bevölkerung würde dies nach Ansicht des Prognos-Experten Oliver Ehrentraut aber nicht sonderlich viel ändern. „Der demografische Wandel wird sich nicht wegreformieren lassen“, sagt er.

Die Prognos-Studie empfiehlt vor allem, beim Renteneintrittsalter anzusetzen, das nach derzeitiger Gesetzeslage bis 2030 schrittweise von 65 auf 67 Jahre steigt. Mit einer weiteren Erhöhung könne die Finanzierungsbasis der gesetzlichen Rente gestärkt und der Bundeshaushalt entlastet werden.

Außerdem würden die Versicherten durch die längere Arbeitszeit höhere Rentenansprüche erwerben. Schließlich werde auch der Arbeitsmarkt, der durch den demografischen Wandel ebenfalls unter Druck geraten dürfte, von einer höheren Zahl von Erwerbstätigen profitieren. „Längeres Arbeiten bringt Entlastung und hilft dem System“, sagt Ehrentraut.

Auch Schwark fordert: Die Rente mit 69 dürfe kein Tabu sein. Allerdings befürchtet er, dass die Frage der Lebensarbeitszeit in der Rentenkommission unter den Tisch fallen könnte. Der Widerstand aus SPD und Gewerkschaften ist groß.

„Wir haben politisch das Gefühl, dass derzeit vor allem eine andere Stellschraube in den Blick genommen wird“, sagt das Mitglied der GDV-Geschäftsführung. „Das ist die Rolle des Steuerzahlers.“

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1 Kommentar zu "Rentenkommission: Versicherungswirtschaft fordert höheres Eintrittsalter in die Rente"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Jetzt ist es bald geschafft.
    P R I V A T E Unternehmen, nichts anderes ist die Versicherungswirtschaft, bestimmt über unser Renteneintrittsalter oder über Rentenkürzungen.
    Wie wäre es denn, wenn wir "Einzahler" die Jahreseinkommen der Vorstände und deren Stellvertreter um 70% kürzen würden, und zwar für die nächsten 35 Jahre, ab heute gerechnet.
    Die Idioten der Wähler wollen es doch nicht anders, oder?