Rentenpolitik Nahles hält an Solidarrente fest

Die Arbeitsministerin hofft immer noch, die umstrittene Mindestrente für langjährig Versicherte vor der Wahl durchs Parlament zu bringen. Ein erster Anlauf war in der vergangenen Legislaturperiode bereits gescheitert.
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Die Arbeitsministerin möchte mit ihrem Rentenkonzept Bürokratie abbauen und unterschiedlichen Lebenshaltungskosten gerecht werden. Quelle: dpa
Andrea Nahles

Die Arbeitsministerin möchte mit ihrem Rentenkonzept Bürokratie abbauen und unterschiedlichen Lebenshaltungskosten gerecht werden.

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BerlinBundesarbeitsministerin Andrea Nahles gibt nicht auf. Die Rentenangleichung Ost hat sie gegen anfängliche Widerstände aus der Union und dem Kanzleramt durchgebracht, jetzt will sie auch die letzte im Koalitionsvertrag verabredete Reform: Die Einführung einer Solidarrente für langjährig Versicherte.

Sie halte weiterhin an diesem Ziel fest, sagte Nahles am Dienstag bei einem Treffen mit Vertreten der Jugendorganisationen im Bundesarbeitsministerium. Das erfuhr das Handelsblatt aus Teilnehmerkreisen. Ziel der Solidarrente oder der Lebensleistungsrente ist es, langjährig Versicherten ein Alterseinkommen oberhalb der Grundsicherung im Alter zu garantieren. Ein erster Anlauf für eine solche Rentenleistung war in der vergangenen Legislaturperiode gescheitert.

Viele in der Union haben das Projekt auch bereits für diese Legislaturperiode abgeschrieben. Nahles kündigte gleichwohl an, sie wolle weiter für ihr Konzept werben. Da die Beratungen mit der Union dazu nur sehr schleppend vorangehen, will sie das Thema beim nächsten Koalitionsausschuss erneut auf die Tagesordnung setzen. Die SPD-Ministerin hat das seinerzeit von ihrer Vorgängerin Ursula von der Leyen (CDU) erarbeitete Konzept für eine Lebensleistungsrente gründlich umgemodelt. Vor allem will Nahles auf die bei von der Leyens Konzept noch vorgesehene jährliche Bedürftigkeitsprüfung verzichten. Jeder, der mindestens 35 Versicherungsjahre in der Rentenversicherung nachweisen kann, soll mindestens eine Rente erhalten, die zehn Prozent über der regionalen Grundsicherung liegt.

Damit vermeide sie einerseits die unnötige Bürokratie der Bedürftigkeitsprüfung, an der die Solidarrente im ersten Anlauf vor allem gescheitert war, so Nahles. Andererseits werde ihr Konzept den von Region zu Region unterschiedlichen Lebenshaltungskosten gerecht, an denen sich die Höhe der Grundsicherung orientiert. Bei von der Leyens Rentenmodell hätte die Solidarrente in Städten wie Hamburg und München unterhalb der Grundsicherung gelegen. Das möchte Nahles mit ihrem Zuschlagsmodell nun vermeiden.

Arbeitnehmer sollen Arbeitszeiten an Rentenversicherung melden

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Allerdings kommt auch ihr Konzept nicht ohne jede Anrechnung anderer Einkommen aus. Partnereinkommen sollen zwar erst oberhalb des Eineinhalbfachen der Pfändungsgrenze (derzeit 1.600 Euro monatlich) angerechnet werden. Persönliches Einkommen neben der Renten wird ebenfalls erst oberhalb eines Freibetrages angerechnet. Das gleiche gilt für einen Riester-Vertrag oder eine Betriebsrente. Allerdings soll der anzurechnende Betrag nur einmal bei Beginn der Rentenzahlung ermittelt werden und nicht jedes Jahr neu überprüft werden. Profitieren würden von der Solidarrente am Anfang vor allem Teilzeitbeschäftigte. Auf Dauer sollen aber nur Arbeitnehmer einen Anspruch haben, die nach 40 Jahren Vollzeitarbeit in der Grundsicherung zu landen drohen.

Daher will Nahles die Arbeitgeber verpflichten, in Zukunft die Arbeitszeiten an die Rentenversicherung zu melden. Bislang weiß die Rentenversicherung nicht, ob ein kleiner Rentenanspruch durch ein Niedrigeinkommen entstanden ist, oder dadurch dass der Versicherte überwiegend nur einer Teilzeitarbeit nachgegangen ist. Nahles kündigte beim Rentengipfel mit den Vertretern politischen Jugendorganisationen an, dass sie beim nächsten Koalitionsausschuss einen neuen Anlauf machen wolle, um ihr Konzept doch noch durchzusetzen.

Die Jugendvertreter hatten in der Rentenpolitik freilich ganz andere Anliegen an die Arbeitsministerin. So machten sich die jungen Unternehmer bei dem Treffen vor allem für eine Koppelung der Altersgrenzen an die Lebenserwartung stark. „Auch die abschlagfreie Rente ab 63 muss zurückgenommen“, so der Rentenexperte des Verbandes René Bohn. Auch bei der Betriebsrentenreform, die derzeit im Bundestag beraten wird, sehen die jungen Unternehmer Nachbesserungsbedarf.

Hier ist geplant, Unternehmen in Zukunft von der Haftung für die Höhe der Betriebsrente zu befreien, wenn die Tarifvertragsparteien eine entsprechende Vereinbarung getroffen haben. „Wir sind der Meinung, dass Unternehme generell von der Haftung befreit werden sollten, unabhängig davon, ob sie tarifgebunden sind“, so die stellvertretende Vorsitzende des Verbandes, Johanna Strunz. Nahles wies die Forderung nach einer Koppelung des Rentenalters an die Lebenserwartung zurück. Dies werde der Lebenswirklichkeit vieler älterer Arbeitnehmer nicht gerecht. Sie plädierte stattdessen für eine weitere Flexibilisierung des Renteneintrittsalters. Mit dem Flexi-Rentengesetz seien bereits Anreize zum länger Arbeiten gesetzt worden, sagte Nahles. Hier könne man ansetzen.

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8 Kommentare zu "Rentenpolitik: Nahles hält an Solidarrente fest"

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  • Ja, die Gewerkschaftskarriere macht es eben möglich. Welche Lebens -und/oder Berufserfahrung hat denn Frau Nahles eigentlich. Was da alles so die Ministerbüros in Berlin bevölkert ist schon erstaunlich. Obdie wohl davon etwas versteht was sie da entscheidet. Glaube kaum.

  • Herr Alessandro Grande@ Der Zuschuß des Bundes an die Rentenkasse ist dadurch begründet, daß die Renten-Versicherung an Leute Gelder auszahlt,
    die nie rentenversichert waren. Mit Frau Nahles hat das nichts zu tun. Ihre Kritik an der Rente mit 63 Janren, ohne Abzüge, für besonders langjährig Versicherte, also mit 45 Versicherten -Jahre, jährlich die Altersgrenze steigend, ist völlig unberechtigt
    Wenn Sie also ,als Jahrgang 1955 mit 63,5 Jahren in Rente ohne Abzüge gehen, haben sie 45 Jahre gearbeitet. Sie verstehen, das ist kein Geschenk sondern Sie hätten es sich verdient !

  • Das Merkel sich heimlich hinter verschlossenen Türen mit ausgesuchten Journalisten
    regelmässig trifft und getroffen hat, hat ein bekanntes Blatt in Deutschland offen gelegt. Nun muss Merkel das öffentlich machen laut Gericht, aber schlimm ist, dass
    es Journalisten gibt, die ihre Unabhängigkeit vermutlich verkauft haben.

    Wenn wir dann in den Medien mit einmal etwas lesen was unsere Augen tränen lässt, nennt man das wohl von Erdogan lernen.

    Warten wir mal ab, was dabei rauskommt. vermutlich Lügen Merkel und ihre Journalisten aber im Chor und das war es dann.

  • Schaut man auf die Vita von so einigen Politiker -innen kann es einem Angst und Bange werden, was mit diesem Land in Zukunft passieren wird. Zum Glück sind sie nicht in der Wirtschaft tätig. Die brummt wenigstens.

  • Politiker müssen nicht unbedingt alles Harvard-studierte und promovierte Typen sein, aber ein hohes Maß an Verständnis für das Resort, welches man verantwortet sowie eine gute ökonomische Bildung sollte man schon haben.
    Nahles produziert einen Bullshit nach dem Anderen, alleinig um kurzfristig in der Gunst der Wähler zu stehen und damit ihren breiten Hintern zu retten. Intellektuell ist jedoch das, was sie anrichtet, unterhalb des Hauptschulniveaus, indem etwas verteilt wird, was NICHT da ist, im Gegenteil.
    Merke: Jetzt schon shießt der Bund zu den Renten 84 Mrd. EUR p.a. zu, weil die Einnahmen nicht reichen. Man brauchte also GAR NICHT über potentielle Rentenerhöhungen oder neue Ansprüche zu sprechen, erst recht nicht über Rente mit 63, während man den nach 1965 Geborenen erzählt sie müssten bis 67 oder gar 70 arbeiten.
    Nahles richtet das Land genauso vorsätzlich zugrunde wie Merkel und macht alles zunichte, was Schröder mit der Agenda 2010 halbwegs gut auf die Beine gestellt hat.
    Im Grunde gehören Merkel, Nahles & Co. angezeigt und bestraft, aber da fehlen den Deutschen und ihrer Justiz beide Eier, so etwas mal durchzuziehen.

  • Nicht von ungefähr haben die deutschen Sparer im Investmentbereich in der EU und weltweit nur ein sehr mäßiges kleines Vermögen. Statt sich mit dieser Materie auseinandersetzen schieben sie es lieber den unrentabel Versicheungsprodukten bis hin zu Riesterveträgen hin oder Lebensversicherungen, die ihre neuen Produkte mit Dax und Index und blabla blau kaschieren und der Sparer dafür zu blöd ist, dies zu verstehen.

    Okay, die meisten Versicherungsvertreter wissen es auch nicht besser und glauben auch nur, was sie von ihremir Konzern gesagt bekommen.

    Aber in ein SozialSystem einzahlen, wo ich mehr einzahlen muss und weniger rausbekomme, ist für die Leistungsträger dieser Gesellschaft auch nicht sozial. Nur für diejenigen, die sich weder in das System einbringen können oder auch ganz und gar wollen ist die absolute Armut so vermeidich.

    Und mit denen wird dann Politik gemacht.

  • Das was Nahles fordert wird dadurch grotesk , dass in Deutschland keiner 40 Jahren arbeiten muss wenn er nicht will, oder als Migrant im hohen Alter zu uns kommt und bleiben darf . Er bekommt eine Sozialrente bis zu seinen oder ihren Tod.

    Wenn Nahles darüber hinaus etwas mehr von unseren Steuern an langarbeitende
    Bürger zahlen will , dann werden das keine 200 Euro sein ,sondern SPD Placebu für Bürger von 50 bis 120 Euro maximal. Damit wird die Arbeitszeit nicht gewürdigt, wie die Rente überhaupt, die Politiker seit 1980 immer mehr rasiert haben.

    Die Rentenlügen sind bald nicht mehr zu ertragen, Aber das Finanzsystem wird
    wohl mit einem Knall bald in die Luft fliegen und dann gibt es vielleicht nur noch eine Minirente um zu überleben, wenn überhaupt.

  • So eine Rente für langjährig oder gar besonders langjährig Versicherte stellt das Mindesmaß an Gerechtigkeit dar. Ich kann mir aber nicht vorstellen, daß das bei dieser Regierung auch nur denkbar ist.

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