Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Armin Laschet (links) und Michael Mronz

Die Vorbereitungen für die Olympia-Bewerbung von Ruhrgebiet und Rheinland laufen.

(Foto: dpa)

„Rhein-Ruhr-City“ Laschet und Mronz trommeln für Olympia 2032 in NRW

Die Entscheidung über eine deutsche Olympia-Bewerbung rückt näher. Die Initiatoren sammeln Fürsprecher – auch um die Bedenken der Bevölkerung zu zerstreuen.
Kommentieren

Düsseldorf Es dürfte voll werden in der nordrhein-westfälischen Landesvertretung in Berlin. Die Bundestagsabgeordneten aus dem größten deutschen Bundesland werden an diesem Montagabend um 20.30 Uhr in der Hauptstadt erwartet, die Mitglieder des Bundestags-Sportausschuss sowie Ralph Brinkhaus und Rolf Mützenich, die Fraktionschefs von Union und SPD.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet wird gemeinsam mit 14 Oberbürgermeistern die Pläne für die Olympischen Spielen 2032 vorstellen.

Eine Entscheidung über die Vergabe der Spiele fällt an diesem Montagabend zwar nicht, dennoch ist Berlin ein wichtiger Stopp auf der Werbetour. Für Laschet und den Sportmanager Michael Mronz ist es ein Stimmungstest. Die beiden wollen Olympia 60 Jahre nach den Spielen in München wieder nach Deutschland zu holen – in Rheinland und Ruhrgebiet.

„Rhein Ruhr City 2032“ so heißt der Projekttitel. Die privatwirtschaftliche Initiative von Gründer Mronz, dem Witwer des verstorbenen FDP-Politikers Guido Westerwelle, und seiner Agentur Rhein Ruhr City GmbH wird von der Landesregierung unterstützt. An dem Konzept beteiligt sind 14 Kommunen, darunter auch die sechs größten NRW-Städte.

Reiten in Aachen, Fußball in Bochum, Dortmund, Duisburg und Köln, Basketball in Bonn und Düsseldorf, Schwimmen in Gelsenkirchen, Hockey in Mönchengladbach, Boxen in Krefeld – das ist der Plan von Mronz. Hinter der Kampagne stehen Sponsoren wie Daimler, die Deutsche Post, Evonik, die RAG-Stiftung sowie der Rheinische Sparkassen- und Giroverband.

Das Rennen um den Zuschlag für die Olympischen und die Paralympischen Spiele ist längst im Gange. International werden Brisbane (Australien) und Jakarta (Indonesien) als Mitbewerber gehandelt. Nord- und Südkorea wollen die Spiele 2032 gemeinsam ausrichten. In Deutschland gilt Berlin als möglicher Interessent. Innen- und Sportsenator Andreas Geisel forderte eine Bewerbung für 2036, viel mehr als eine Absichtserklärung gibt es jedoch noch nicht.

Insgesamt 14 NRW-Kommunen wollen sich an der Ausrichtung der Sommerspiele beteiligen. Quelle: Rhein Ruhr City 2032
Übersicht der Sportstätten für „Rhein Ruhr City 2032“

Insgesamt 14 NRW-Kommunen wollen sich an der Ausrichtung der Sommerspiele beteiligen.

(Foto: Rhein Ruhr City 2032)

Zwischen Rhein und Ruhr sind sie weiter. Mronz, der auch Geschäftsführer der Aachener Reitturnier GmbH ist, startete das Projekt bereits 2016. Im März trafen Laschet und er sich mit dem deutschen IOC-Präsidenten Thomas Bach und warben für die NRW-Spiele. Mit dabei war auch Veronika Rücker, die Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Die Dachorganisation entscheidet darüber, ob, für wann und mit wem sie ein Bewerbungsverfahren startet.

Dass es mit Berlin und NRW möglicherweise gleich zwei Interessenten gibt, sieht man beim DOSB positiv, dennoch sind die jüngsten olympischen Erfahrungen in schlechter Erinnerung. In Berchtesgaden (für 1992), Berlin (2000), Leipzig (2012), München (2018, 2022) und Hamburg (2024) scheiterten. In München und Hamburg stimmten zuletzt zwei Städte in Referenden gegen die Ausrichtung der Spiele.

Die Initiative „Rhein Ruhr City 2032“ versucht die Zeit zu nutzen, die Bedenken zu zerstreuen. In mehr als 80 Dialogveranstaltungen wurden Anregungen und Kritik aufgenommen. Punkten will man auch mit guten Argumenten wie zum Beispiel Nachhaltigkeit. Die Unterstützer sehen einen großen Vorteil in ihrer Bewerbung darin, dass 90 Prozent der Sportstätten bereits vorhanden seien. In den Stadien und Arenen haben 640.000 Zuschauer Platz.

Nachhaltig ist auch der Plan für das Olympische Dorf, dass zwischen Essen und Köln errichtet und nach den Spielen zum Wohnquartier umfunktioniert werden soll. Die Spiele sollen das Wir-Gefühl in NRW fördern und dazu beitragen, die Region zu einer der modernsten in Europa zu machen, das verspricht zumindest die Kampagne.

Mit Freude nahmen die Initiatoren im Juni eine Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees zur Kenntnis. Infolge einer Regeländerung ist nun erlaubt, dass eine ganze Region, mehrere Städte oder Länder gemeinsam Olympische Spiele ausrichten können.

Die endgültige Entscheidung soll bis 2025 fallen. Der DOSB müsste sich wesentlich früher auf eine Bewerbung festlegen. Vorstandschefin Rückert kündigte für 2020 eine Entscheidung an. In NRW wertete man es als Signal, dass der auch für Sport zuständige Bundesinnenminister Horst Seehofer die nordrhein-westfälische Initiative auf der DOSB-Mitgliederversammlung im Dezember 2018 ausdrücklich begrüßte.

Im Juni sprach Seehofer sich gegen eine Bewerbung für 2036 aus. Olympia in Deutschland, 100 Jahre nach den von den Nazis inszenierten Spielen in Berlin - „Wie würde man das in der Welt sehen? Das kann nicht sein“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. In Berlin wurde dies mit Verärgerung aufgenommen.

Mronz: Knapp 70 Prozent Zustimmung

Das möglicherweise größte Hindernis ist jedoch ungeklärt: Werden die Bürger an der Entscheidung beteiligt? Vor drei Jahren hatte die damalige Sportministerin Christina Kampmann (SPD) angekündigt, die Menschen über eine Olympia-Bewerbung abstimmen zu lassen. In der Staatskanzlei in Düsseldorf hält man sich dazu bedeckt. Die Beteiligung müsse angemessen sein, heißt es. Als denkbar gilt, dass nur in einigen Kommunen abgestimmt wird.

Mronz sagte dem Handelsblatt: „Wenn die Menschen ein Referendum fordern, begrüßen wir das.“ Aus seiner Sicht sei es einer der größten Fehler der Hamburger Olympia-Bewerbung gewesen, dass die Bürger die genauen Kosten nicht gekannt hätten. Bei einem Referendum in Nordrhein-Westfalen müsse es ein transparentes Konzept mit seriösen Zahlen geben.

Die Initiatoren sind sich jedoch sicher, dass sie die Bevölkerung hinter sich haben. „Wir setzen auf ein ökologisch und ökonomisch nachhaltiges Konzept und merken in den zahlreichen Dialogveranstaltungen, dass es positiv aufgenommen wird.“ In repräsentativen Umfragen komme „Rhein Ruhr City 2032“ auf knapp 70 Prozent Zustimmung.

Vorsichtig optimistisch ist man auch in der Landesregierung. Für Ministerpräsident Laschet sind die Spiele ein wichtiges Prestigeprojekt. Strukturwandel, Mobilität, Digitalisierung – die Spiele bieten von allem ein bisschen. Ohnehin hat die Landesregierung Sport und Ehrenamt zu Schwerpunktthemen erklärt und sogar mit einer eigenen Staatssekretärin aufgewertet.

Wie wichtig das Projekt für Laschet ist, lässt sich auch daran ablesen, dass die schwarz-gelbe Landesregierung es vor zwei Jahren in den Koalitionsvertrag aufgenommen hat. „Der mit einer Bewerbung einhergehende Investitionsschub für die Infrastruktur, insbesondere für vernetzte Mobilität und Digitalisierung in der Metropolregion, wäre für Nordrhein-Westfalen dauerhaft von Nutzen“, heißt es auf Seite 101. Gelingt es Laschet, die Spiele nach NRW zu holen, wäre das beste PR für seine Wiederwahl 2022.

Mehr: Im Juni gab der IOC bekannt, dass Mailand die Winterspiele 2026 ausrichten soll.

Startseite

Mehr zu: „Rhein-Ruhr-City“ - Laschet und Mronz trommeln für Olympia 2032 in NRW

0 Kommentare zu "„Rhein-Ruhr-City“: Laschet und Mronz trommeln für Olympia 2032 in NRW"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.