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Richtungsstreit in Berlin Grün oder blau – welche Farbe darf Wasserstoff haben?

Die Groko streitet über ihre Wasserstoffstrategie: Altmaier will den Weg für den Import von blauem Wasserstoff ebnen, andere Minister sind skeptisch.
18.02.2020 - 06:46 Uhr Kommentieren
Grün oder blau - welche Farbe darf Wasserstoff haben? Quelle: obs
Wasserstoffanlage der BASF in Ludwigshafen

Diese Anlage produziert nicht nur Wasserstoff, sondern speist auch Dampf in das 40-Bar-Netz des BASF-Verbundstandorts Ludwigshafen ein.

(Foto: obs)

Wasserstoff ist ein farbloses Gas. Doch in der politischen Debatte hat Wasserstoff unterschiedliche Farben: Es wird, je nach Herstellungsart, zwischen „grünem“ und „blauem“ Wasserstoff unterschieden.

Grüner Wasserstoff ist CO2-frei, bei der Produktion von blauem Wasserstoff dagegen entsteht CO2, das gespeichert werden muss. In der Bundesregierung zeichnet sich ein Streit darüber ab, ob die Zukunft allein grünem Wasserstoff gehört oder ob auch blauer Wasserstoff eine Rolle spielen soll.

Für Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) ist die Sache klar. „Blauer Wasserstoff hat nach unserer Einschätzung eine Übergangsfunktion, gerade um Märkte zu entwickeln und die Kosten zu senken. Langfristig müssen wir auf grünen Wasserstoff setzen, aber für eine Übergangszeit kann blauer Wasserstoff wichtig sein“, heißt es in Altmaiers Ministerium. Diese Auffassung spiegelt sich auch im Entwurf der Nationalen Wasserstoffstrategie aus dem Wirtschaftsministerium wider. Der Entwurf befindet sich derzeit in der Ressortabstimmung.

Ganz anders sehen das Altmaiers Kabinettskolleginnen Anja Karliczek (CDU) und Svenja Schulze (SPD): Die Forschungsministerin und die Umweltministerin wollen keinen blauen Wasserstoff einsetzen. „Die Zukunft gehört allein dem grünen Wasserstoff“, sagt Altmaiers Parteifreundin Karliczek. Schulze teilt diese Auffassung. „Warum sollten wir in Zukunft blauen Wasserstoff nutzen, wenn die Klimabilanz schlecht ist und die Kosten zur Herstellung hoch sind?“, fragt Schulze.

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    Blauer Wasserstoff wird aus Erdgas hergestellt, dabei entsteht das klimaschädliche Kohlendioxid. Es wird abgeschieden und unterirdisch gelagert (Carbon Capture and Storage, kurz CCS). Blauer Wasserstoff ist damit nach Definition des Bundeswirtschaftsministeriums klimaneutral. Grüner Wasserstoff wird mittels Strom aus erneuerbaren Quellen durch Elektrolyse hergestellt und ist CO2-frei.

    Für die Wirtschaft ist die Frage, ob der Wasserstoff nun blau oder grün sein soll, von entscheidender Bedeutung. Unternehmen wie der norwegische Equinor-Konzern verhandeln bereits mit deutschen Industriekonzernen über die Lieferung von blauem Wasserstoff. Equinor will gemeinsam mit dem Gasnetzbetreiber OGE eine Infrastruktur zur Versorgung mit Wasserstoff aufbauen.

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    Equinor will das bei der Produktion von blauem Wasserstoff abgeschiedene Kohlendioxid in unterirdischen Speichern in Norwegen lagern. Die Konzerne Shell und Total sind an dem bereits weit fortgeschrittenen CCS-Projekt der Norweger beteiligt. Norwegen verfügt seit mehr als 20 Jahren über Erfahrungen in der CCS-Technik, die in Norwegen auch von Umweltschutzorganisationen als wichtiger Beitrag zum Klimaschutz angesehen wird.

    Doch die deutschen Ministerinnen sind skeptisch. Sie fürchten, dass der Start in die Wasserstoff-Welt erschwert würde, wenn er mit dem Thema CCS in Verbindung gebracht wird. Die CCS-Technologie ist in Deutschland umstritten.

    Bundeswirtschaftsminister Altmaier teilt die Sorgen seiner Kabinettskolleginnen nicht. Er befürwortet daher Pläne, Importstrukturen gleichermaßen für grünen wie auch blauen Wasserstoff aufzubauen. „Wir werden den Bedarf an Wasserstoff nicht allein durch Herstellung und Produktion in Deutschland decken können.

    Deutschland wird einen erheblichen Teil des zukünftigen Bedarfs an CO2-freiem beziehungsweise CO2-neutralem Wasserstoff importieren müssen“, sagte Altmaier dem Handelsblatt. Altmaier schließt mit dem Verweis auf „CO2-neutralen Wasserstoff“ blauen Wasserstoff ausdrücklich mit ein.

    Deutschland brauche „Energiepartnerschaften mit Lieferländern und Ländern, die auch potenzielle Absatzmärkte für deutsche Wasserstofftechnologien darstellen“, ergänzte der Minister. „Mein Ziel ist es, noch in diesem Frühjahr konkrete Pläne für internationale Wasserstoff-Partnerschaften vorzulegen“, sagte Altmaier.

    In der Branche wird die Diskussion aufmerksam verfolgt. „Der Richtungsstreit war bereits seit längerem spürbar, bricht aber offensichtlich voll aus“, sagte Timm Kehler, Vorstand des Gas-Branchenverbandes „Zukunft Erdgas“, dem Handelsblatt.

    „Grundsätzlich sind wir davon überzeugt, dass Wasserstoff aus Erdgas als sehr wirksame Brücke in das Wasserstoffzeitalter unabdingbar ist, da nur so kurzfristig ausreichende Mengen Wasserstoff CO2-neutral, bezahlbar und verlässlich bereitgestellt werden können, bis gegebenenfalls ausreichende Mengen an grünem Wasserstoff bereitstehen“, sagte Kehler.

    „Gigantischer Bedarf“

    Das sieht Andreas Kuhlmann, Chef der Deutschen Energie-Agentur (Dena), ähnlich. „Wenn man relevante Mengen an Wasserstoff nutzen will, etwa um Prozesse in der Stahl- oder der Chemieindustrie klimaneutral zu stellen, dann kommt man mittelfristig an blauem Wasserstoff nicht vorbei. Ohne blauen Wasserstoff ist ein Einsatz im industriellen Maßstab in absehbarer Zeit nicht denkbar“, sagte Kuhlmann dem Handelsblatt.

    Die Dena gehört dem Bund und der staatlichen Förderbank KfW. Allenfalls wenn man sehr kurzfristig, also etwa im kommenden Jahr, in die Wasserstoff-Technologie einsteigen wolle, brauche man grünen Wasserstoff, da blauer Wasserstoff so rasch nicht verfügbar sei, sagte Kuhlmann.

    Der Dena-Chef warnt davor, angesichts des enormen Bedarfs an Wasserstoff bestimmte Herstellungsarten auszuschließen. „Es ist gut und richtig, möglichst schnell in die Wasserstoff-Technologie einzusteigen. Ich habe allerdings die Befürchtung, dass in der Debatte oft noch das Gefühl für die Größenordnungen fehlt“, sagte Kuhlmann.

    „Wenn wir die Klimaziele erreichen wollen, reden wir über einen gigantischen Bedarf an Wasserstoff. Niemand kann mit Sicherheit sagen, auf welchem Weg sich diese Mengen produzieren lassen“, sagt Kuhlmann.

    Aus diesem Grund lenkt „Zukunft Erdgas"-Chef Kehler den Blick auf Alternativen zu grünem und blauem Wasserstoff. So forschen etwa die Unternehmen Wintershall-Dea und Gazprom an der Methanpyrolyse. Bei der Methanpyrolyse wird Methan in Wasserstoff und festen Kohlenstoff zerlegt.

    Es muss daher kein gasförmiges Kohlendioxid unterirdisch gespeichert werden. Fachleute sprechen von „türkisem“ Wasserstoff. „Diese Verfahren werden an deutschen Universitäten, beispielsweise in Karlsruhe, Dortmund, Berlin und München erforscht und können mit deutschem Anlagenbau-Knowhow skaliert werden“, sagt Kehler. Er rät dazu, auch diesen Technologiepfad zu verfolgen.

    Bundesforschungsministerin Karliczek dürfte dem türkisen Wasserstoff offener gegenüber stehen als dem blauen: Ihr Haus unterstützt die Erforschung der Methanpyrolyse mit knapp neun Millionen Euro. Projektträger ist das Forschungszentrum Jülich, Projektpartner sind unter anderen BASF, Thyssen-Krupp, die Ruhr-Uni Bochum, die TU Dortmund und das Karlsruher Institut für Technologie KIT.

    Mehr: Hoffnung oder Illusion? Das Potenzial von Wasserstoff im Faktencheck

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