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Robert Habeck Schick im Schlick

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„Wir versuchen von unten eine grüne Identität jenseits von Flügeln, Lagern und Großwetterstrategien zu entwickeln“
Robert Habeck(l) wandert bei Westerhever gemeinsam mit dem baden-württembergischen Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen) durch das schleswig-holsteinische Wattenmeer. Quelle: dpa

Robert Habeck(l) wandert bei Westerhever gemeinsam mit dem baden-württembergischen Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen) durch das schleswig-holsteinische Wattenmeer.

(Foto: dpa)

Die beiden müssen nicht lange nachdenken. Sie reden nicht das erste Mal über diese Frage. Für Habeck wie für Kretschmann ist 2005 das Schlüsseljahr - als Habeck anfing, politische Verantwortung zu übernehmen. Da waren die Grünen in praktisch keiner Landesregierung mehr vertreten. Deshalb wuchs der Fraktion im Bundestag eine überdimensionale Macht zu, die seither das Bild der Partei in der Öffentlichkeit prägt. » Hier in Berlin ist die Politik eingeklemmt in das eiserne Gehäuse der Taktik«, meint Habeck. » Ständig kämpft man gegen die anderen um das knappe Gut der medialen Aufmerksamkeit. Bei uns in der Provinz versuchen wir, von unten eine grüne Identität jenseits von Flügeln, Lagern und Großwetterstrategien zu entwickeln.« Inzwischen hätten die Grünen eine Reihe exzellenter, erfolgreicher Oberbürgermeister und Landesminister - aber ohne Verbindung mit Berlin.

»So kommt es«, seufzt Habeck, »dass die Berliner Republik gelegentlich im eigenen Saft schmort und wir vor Ort auch.« Etwa auf halber Strecke in den Norden nähert sich die Stimmung im Abteil der gut gelaunten Ratlosigkeit, was die möglichen Koalitionspartner der Grünen betrifft. Die CDU hat Habeck und Kretschmann, die Schwarz-Grün nie ideologisch abgelehnt haben, ziemliche Enttäuschungen bereitet - Habeck durch das Wiederbeleben alter Grünen-Ressentiments, Kretschmann durch eine verantwortungsfreie Oppositionspolitik der Union in Baden-Württemberg. » Welches Reformprojekt haben die mal wirklich vorangetrieben, auf eigenes Risiko?«, fragt sich Habeck. Mit der SPD sind die Affekte noch komplizierter, gerade weil man teilweise in denselben Milieus nach Wählern fischt. Allerdings gebe es keine Partei, die bei der grünen Basis so verhasst sei wie die FDP. » Die stehen für alles, was Grüne ablehnen, schon vom Habitus«, meint Habeck, der sich kürzlich mit dem FDP-Spitzenkandidaten Wolfgang Kubicki ein vergnügliches politisches Schattenboxen in Elmshorn geliefert hat. Eine Ampel, die bei einem starken Einzug der Piraten in den Landtag womöglich die einzige Option der Grünen ist, ist da schwer vorstellbar.

Es gab einen Moment in diesem verrückten Wahlkampf, da war Robert Habeck der Verzweiflung nah. Er hatte als grüner Spitzenkandidat von Schleswig-Holstein doch alles richtig gemacht: den Landesverband belebt und professionalisiert, Distanz nach Berlin gehalten, das Volk besucht zu Land, zu Wasser und zu Pferd, Nachtfahrten mit der Polizei unternommen. Sogar zum Stagediving im Kieler Club Max ist es gekommen. Und trotzdem waren die Piraten in einer Horrorumfrage auf einen Schlag, und scheinbar anstrengungsfrei, fast an ihm vorbeigezogen. An ihm, den die Presse wechselweise als »Brad Pitt«, »James Dean«, »Punk« oder »Robin Hood« geadelt hatte; der also offensichtlich kein Coolness-Problem besaß.

Da ist Habeck für einen Moment der Glaube weggerutscht. Dass es überhaupt um irgendetwas geht in der Politik. Dass die Leute mit den Grünen mehr verbinden könnten als eine »Dagegen-Partei«, die so lange gebraucht wird, wie sie sich bei Gorleben an Bahngleise kettet; aber eben nicht mehr, wenn sie mitverantwortet, was zum Beispiel aus dem Atommüll wird. Das ganze schmerzhafte Erwachsenwerden der Grünen - soll alles für die Katz gewesen sein?

»Wenn es bei der Dagegen-Partei bleiben soll«, hat er kurz nach der Umfrage auf einer nächtlichen Autofahrt nach Berlin gesagt, »dann ist da kein Platz für mich.«

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