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Röttgen-Rausschmiss „Merkel lässt sich nicht auf der Nase herumtanzen“

Das kompromisslose Vorgehen der Kanzlerin gegen Norbert Röttgen lässt die CDU nicht los. Viele Christdemokraten fragen sich, ob Merkel mit ihrem Rausschmiss überreagiert hat. Doch es gibt auch Unterstützer für sie.
30 Kommentare
Merkel mit dem inzwischen entlassenen Röttgen bei einer Wahlveranstaltung in NRW. Quelle: Reuters

Merkel mit dem inzwischen entlassenen Röttgen bei einer Wahlveranstaltung in NRW.

(Foto: Reuters)

BerlinDie Entlassung von Umweltminister Norbert Röttgen durch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in der CDU unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Einerseits stößt die Entscheidung Merkels auf harsche Kritik, andererseits erfährt sie auch Rückendeckung.  „Das Vorgehen der Kanzlerin war nicht hart, sondern konsequent“, sagte die CDU-Politikerin und ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld Handelsblatt Online. Röttgen habe mit seiner Weigerung, „sich hundertprozentig hinter seine Aufgabe in NRW zu stellen, mit einem schaumgebremsten Wahlkampf und seinem Versuch, die Kanzlerin in die drohende Niederlage hineinzuziehen den Eindruck vermittelt, er könne tun und lassen , was er wolle“. Er hätte wissen müssen, „dass sich die Kanzlerin nicht auf der Nase herumtanzen lässt“, so Lengsfeld. „Er war wohl doch nicht Muttis Klügster.“

Auch der ehemalige CDU-Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein, Werner Marnette,  sprach von einem konsequenten „Rausschmiss“ Röttgens: „Parteipolitisch hat er sich durch den Verlust seiner politischen Glaubwürdigkeit selbst ein Bein gestellt“, sagte Marnette Handelsblatt Online. Er sei aber auch „Bauernopfer der Parteichefin“. Da er als Minister fachlich eine Fehlbesetzung gewesen sei, habe sich Merkel für den „sachlich arbeitenden“ Parlamentarischen Geschäftsführer Peter Altmaier als seinen Nachfolger entschieden.

Den  Auslöser für Röttgens Entlassung sieht Marnette aber in der „inszenierten öffentlichen Schelte“ von CSU-Chef Horst Seehofer. Das müsse Merkel hart getroffen haben.  „Ihr dürfte plötzlich bewusst gewesen sein, dass die raue See  sie inzwischen gleichzeitig als Parteichefin und Kanzlerin  erreicht hat.“ Erst stelle sich heraus, dass in Schleswig-Holstein keine Regierung mit der CDU geben werde, dann habe sich auch noch die erwartete Schlappe  der Wahl in Nordrhein-Westfalen zu  einer  „Höchststrafe“ entwickelt. Obwohl Merkel sich in beiden Ländern  als Parteichefin stark engagiert hatte, seien beide Länder verloren gegangen.

Als Kanzlerin habe sie zudem nach der  herben Kritik der Energieversorger und der jüngsten Bundesratsentscheidung zur Solarförderung gespürt, dass die Energiewende  zu scheitern drohe. „Selbst CDU-Länder stellten sich gegen die Bundesregierung“, so Marnette. „Auch durchschauen die  Bürger und die Wirtschaft  zunehmend die Versorgungs- und Preislüge im Energiekonzept.“  Das liege am „katastrophalen Missmanagement“ des Umweltministers.

Kritik kam aus Röttgens Landesverband Nordrhein-Westfalen. Es gäbe „nicht wenige“ in der CDU, die Merkels Entscheidung bedauerten, sagte der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach dem NDR. Politisch könne man sie sicherlich begründen. „Aber nachdem Norbert Röttgen schon wenige Minuten nach der Schließung der Wahllokale die Verantwortung übernommen hat für das Wahldebakel der CDU in NRW und auch sein Amt als Landesvorsitzender sofort zur Verfügung gestellt hat, kam die Entscheidung jetzt doch sehr überraschend.“ Der Viersener Bundestagsabgeordnete Uwe Schummer sagte den „Stuttgarter Nachrichten“ (Freitag): „Die öffentliche Demütigung von Norbert Röttgen durch die Kanzlerin finde ich mehr als ätzend.“ Die Wahlkämpfer in NRW hätten gerade noch Plakate mit dem Tenor geklebt: Röttgen ist der Beste. „Und nun werden wir alle von der Kanzlerin belehrt, dass er auch im Kabinett doch nicht mehr so wichtig ist.“
Aus der SPD kamen Forderungen nach vorgezogenen Bundestagswahlen, da die schwarz-gelbe Koalition nur noch mit sich selbst beschäftigt sei.

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30 Kommentare zu "Röttgen-Rausschmiss: „Merkel lässt sich nicht auf der Nase herumtanzen“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Das Niveau der Kommentare hier ist mal wieder unterirdisch.

  • Röttgen ist ein charakterloser machtgeiler Wendehals, der sich im Windschatten von Mutti hat mitziehen lassen. Er hat nicht gelernt was es heisst erwachsen zu sein und Verantwortung zu übernehmen. Schön zu sehen, dass Frau Merkel konsequent reagiert !

  • Ich bin froh, daß dieser irrlichternde, dauergrinsende Nichtsnutz endlich weg ist.
    Ein anderes Problem ist, daß unsere Staatsratsvorsitzende, neben anderen Defiziten, offensichtlich über keinerlei Menschenkenntnis verfügt. Es gibt ja in ihrem Kabinett noch andere Nullnummern die dringend einer Entlassung bedürften. Auch ihr öffentliches Festhalten an den Totalversagern Guttenberg und Wulff ist ein Beweis dafür.
    Schlimm ist zusätzlich, daß die anderen Parteien auch keine großen Hoffnungsträger haben. Deutschland schafft sich wirklich ab.

  • Koch, Wulff und Röttgen, die könnten doch glatt ein Kasperltheather gründen. Die Entscheidung der Kanzlerin gefällt mir, da wir ansonsten die nächste Zeit uns nur um Röttgen beschäftigt hätten. So bleibt Zeit für sinnvolleres. Genug gewulfft.

  • @oeco... super kommentiert, danke.
    Genau so sehe ich das auch, die Politiker egal welcher Couluer tragen zwar offiziell Verantwortung aber faktisch privatrechtlich Null.
    Siehe Kohl und Verbrecher Waigel, Eichel und Co. was diese Mistkrele verbrochen haben am Deutschen Volk ist bodenlos. Diese Typen werden auch noch lebenslang allimentiert und mit Luxusversorgungen ausgestattet, das vergisst Mr.B völlig.

    Ausserdem sind Entscheidungen einzelner Politiker wirtschaftlich wirklich messbar?

  • Röttgen ist für mich ein völliger Kaspar. Wie er alleine schon die Standortpolitik der Atomendlager versaut hat, ein echter Looser, aber er ist nur einer von vielen im Bundestag.
    Warum werden nicht endlich versierte Menschen für solch wichtige Jobs herangezogen, Geologen, Umwelttechniker Ingenieur usw. Wo hatte dieser Depp seine Kompetenzen her?

  • Die völlig übereilte und chaotische organisierte Energiewende schadet dem Industrieland D massiv. Die Schweißroboter, Blechpressen, Bearbeitungszentren, Computer, Backöfen, Tiefkühllager usw. benötigen allesamt verlässlich und bedarfsgerecht bereitgestellte elektrische Energie.
    Nun, im Jahr 2 der Energiewende verteuert sich der Strom ohne Ende, die Versorgungsicherheit ist massiv in Gefahr und es wird beschlossen, die Laufzeiten alter, umweltschädlicher Kohlekraftwerke zu verlängern, um drohende Blackouts zu verhindern. Das ist doch wohl ein Witz!
    Nun stellt sich die Frage, welche der etablierten Parteien tritt noch für den Industriestandort D ein ? Diese "konservative" Regierung ist jedenfalls ein Etikettenschwindel. Wem die Zukunft des Landes am Herzen liegt, weint dieser Chaostruppe keine Träne nach. Die Suche nach einer neuen Führungsmannschaft hat begonnen...

  • Sie hat einen Sündenbock gefunden.
    Frau Merkel hat mit ihrer Europa- und Energiepolitik das Wahlergebnis in NRW mit zu verantworten. Und es wird ihr nicht helfen, einen Sündenboch vorzuschieben.

  • Ich wundere mich immer mehr, warum so viele Medien immer
    von einem "blitzgescheiten, hochintelligenten" Röttgen
    sprechen.

    Fakt ist doch, dass er bisher lediglich "Frühstücksumweltminister" war, da er ja an den tatsächlichen Entscheidungen gar nicht dabei war und auch
    sonst weiß ich nichts, was ihm eine besondere Intelligenz
    bestätigt.

    Wer weiß mehr?

  • Röttgen litt an völliger Selbstüberschätzung. Zugegeben, damit ist er im Politikbetrieb nicht allein. Aber dem weine ich keine Träne hinterher!

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